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Überdosis: Europäisches Bankensystem am Rande des Zusammenbruchs

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Papiergeld-Schock: Ohne die Rettungsmaßnahmen der US-Notenbank wäre das gesamte europäische Bankensystem noch vor Weihnachten vergangenen Jahres vollständig kollabiert. Die unbeabsichtigten Folgen der gigantischen Gelddruckmaßnahmen der westlichen Zentralbanken können kaum überschätzt werden. Die mit diesen Machenschaften einhergehende Vermögensvernichtung ist atemberaubend

Eric Sprott & David Baker, Sprott Asset Management, 23.02.2012

Es sieht ganz danach aus, als würde 2012 zum „Jahr der Zentralbank“ werden. Es ist ein aufregendes Erlebnis, all die wundervollen Manöver mitzuverfolgen, die die Zentralbanken durchführen, um das System vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Seit November herrscht bei den westlichen Zentralbanken Hochbetrieb: Man trifft sich, konspiriert und druckt sich den Weg aus dem Chaos namens Eurozone. Der Umfang und die Frequenz ihrer Maßnahmen scheinen von Woche zu Woche weiter zuzunehmen und sind ein deutlicher Hinweis auf die extreme Fragilität weiter Teile des Finanzsystems.

Das erste bedeutend Manöver fand am 30.11.2011 statt, als die Zentralbanken der G6-Länder (die US-Notenbank Federal Reserve, die Bank of England, die japanische Zentralbank, die europäische Zentralbank, die Schweizer Nationalbank und die Bank of Canada) „koordinierte Aktionen zur Verbesserung der Fähigkeit, Liquidität zur Stützung des weltweiten Finanzsystems bereitzustellen“, verkündeten.

Um es kurz zu machen: In einem Versuch, den vollständigen Zusammenbruch des europäischen Bankensystems zu verhindern, stimmte die Federal Reserve einem unbegrenzten US-Dollar-Swap mit anderen Zentralbanken zu. Die US-Dollar-Swaps erlaubten es anderen Zentralbanken, vornehmlich der EZB, sich von der Federal Reserve US-Dollars zu leihen und das Geld dann an die Banken in ihren Ländern weiterzureichen, damit diese in der Lage sind, Abhebungen zu bewältigen und Zahlungen zu leisten.

Das Beste an diesen Swaps ist, dass sie in ihrem Umfang unbegrenzt sind, was bedeutet, dass die US-Notenbank bis zum 01.02.2013 bereit ist, so viele US-Dollars zu Verfügung zu stellen, wie benötigt werden, um das Finanzsystem vor der Implosion zu bewahren.

Das hört sich wirklich großartig an, und die Europäer sollten in der Tat dankbar sein! Die ganze Sache hat nur einen Haken: Die Federal Reserve muss das Geld aus dem Nichts schaffen.

Aber es wird noch besser: Da die unbegrenzten US-Dollar-Swaps nicht ausreichten, um das Problem zu lösen, führte die Europäische Zentralbank drei Wochen später, am 21.12.2011, die erste Runde ihrer viel gerühmten langfristigen Refinanzierungsoperation (LTRO) durch.

Mit diesem Programm flutete die EZB insgesamt 523 verschiedene europäische Banken mit dreijährigen Krediten in Höhe von EUR 489 Milliarden, um die Finanzhäuser über Weihnachten zu retten. Die zweite LTRO-Tranche ist für Ende Februar geplant, wobei die Schätzungen von EUR 300 Milliarden bis zu EUR 1 Billion reichen.

Die gute Nachricht ist, dass italienische, portugiesische und spanische Anleiherenditen seit der ersten LTRO-Tranche wieder zurückgegangen sind, was nahelegt, dass zumindest ein Teil dieser Gelder in Staatsanleihen investiert wurde. Die schlechte Nachricht ist, dass die Eurozonenbanken durch derartige Hilfsgelder angefixt werden, da es sich hierbei ganz unzweideutig um ein verdecktes quantitatives Lockerungsprogramm (QE) handelt.

Und wie heißt es so schön bei den süchtig machenden Drogen: Fängt man einmal damit an, ist es schwer, wieder aufzuhören.

In Großbritannien hat die Sucht bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Am 09.02.2012 verkündete die Bank of England eine weitere QE-Runde im Umfang von GBP 50 Milliarden, wodurch sich ihre Gelddruckmaßnahmen seit März 2009 mittlerweile auf insgesamt GBP 235 Milliarden belaufen.

Japan ist ebenfalls angefixt. Am 14.02.2012 erklärte die japanische Zentralbank, dass ihr eigenes QE-Programm um weitere JPY 10 Billionen (USD 129 Milliarden) erhöht wird, wodurch die japanischen Lockerungsmaßnahmen auf insgesamt JPY 65 Billionen (USD 825 Milliarden) anschwellen werden.

Überboten wird das Ganze jedoch von der jüngsten Pressekonferenz der US-Notenbank, wo der Fed-Chef Bernanke signalisierte, dass die Fed beabsichtigt, die Zinssätze bis Ende 2014 nahe null zu halten, womit er seine ursprünglichen Zusagen des vergangenen Jahres um weitere 18 Monate verlängert hat. Sollte Bernanke sein Versprechen halten, würde die US-Regierung Ende 2014 sechs Jahre in Folge in den Genuss von Zinssätzen nahe der Nullprozentmarke gekommen sein.

Zugegeben, die Nullzinspolitik ist nicht im Ansatz so befriedigend, wie ein vernünftig durchgeführtes quantitatives Lockerungsprogramm – aber wer braucht schon traditionelle Lockerungsmaßnahmen, wo die Fed heute ohnehin bereits 91% aller US-Staatsanleihen mit 20- bis 30-jähriger Laufzeit aufkauft! Vielleicht heben sie sich die gewöhnlichen quantitativen Lockerungsmaßnahmen ja für die bevorstehenden US-Wahlen auf.

All die massiven Zentralbankinterventionen dürften dann auch rund 90% der positiven Marktentwicklungen im Januar erklären. Hätten sich die G6-Länder nicht auf die Swaps geeinigt, hätte die EZB nicht ihr LTRO-Programm eingeleitet und hätte Bernanke nicht ausdrücklich erklärt, dass die Nullzinspolitik weiter fortgeführt wird – ja wo ständen die weltweiten Aktienindizes denn heute? Überdies stellt sich die Frage, ob das europäische Bankensystem Dezember 2011 überhaupt überlebt hätte.

Gott sei Dank kam es ja dann noch rechtzeitig zu den „koordinierten Aktionen“ der Zentralbanken! Und kurzfristig funktioniert es ja auch. Doch was ist langfristig? Was sind die unbeabsichtigten Konsequenzen dieser fortwährenden Geldspritzen ins System? Wie sehen die Folgen dieser ganzen Gelddruckerei aus?

Zunächst einmal würde die Interbanken-Liquidität ohne die anhaltenden Stützungsmaßnahmen der Zentralbanken in 2012 vollständig in sich zusammenbrechen. Wir sollten uns hier noch einmal die Implikationen des LTRO-Programms der EZB vor Augen führen: Wenn man ein Kreditprogramm schafft, um die EU-Banken zu retten, und die Teilnahme an diesem Programm freiwillig ist, dann heißt das nichts anderes, als dass die 523 an diesem Programm partizipierenden Banken im Grunde eingestehen, dass sie ein Problem haben.

Wie sollen sich diese Banken denn jemals wieder untereinander Geld leihen? Wenn man eine Bank ist, die an dem LTRO-Programm teilgenommen hat, weil man am Rande des Bankrotts stand – ja wie will man denn da noch Vertrauen gegenüber den anderen Banken haben, die sich ebenfalls aus dem LTRO-Topf bedienten?

Das LTRO-Programm der EZB verfügt über ein extrem hohes Gefahrenpotenzial, da die EU-Banken dadurch immer stärker von derartigen Krediten abhängig gemacht werden. Die EZB könnte sich am Ende unbeabsichtigt in einer Position wiederfinden, wo sie dazu verdammt ist, ein kaputtes EU-Bankensystem auf immer und ewig am Leben zu erhalten.

Die zweite unbeabsichtigte Konsequenz ist, dass diese Interventionen bei allen Nicht-G6-Ländern den Eindruck erwecken, der Westen sei bankrott.

Kann ein ausländischer Geldgeber in den USA, Großbritannien, Europa oder Japan denn heutzutage noch ruhigen Gewissens Kredite vergeben? Wie soll man diesen Ländern denn Geld leihen, wenn die einzig noch verbliebene Handlungsgrundlage auf der Fähigkeit der Zentralbanken beruht, Geldinjektionen herbeizuzaubern?

Mehr noch: Was passiert, wenn der Rest der Welt, also die Nicht-G6-Länder, damit beginnt, die Zentralbanken der G6-Länder als solches zu hinterfragen? Wer rettet eigentlich das Finanzsystem, wenn sich die Märkte gegen die Fed oder die EZB wenden?

Fakt ist, dass in 2012 bereits viel zu viel finanzielles Vertrauen verspielt wurde, und es daher durchaus sein könnte, dass die Zentralbanken im Rahmen ihrer Gelddruckerei zu weit gehen. In 2008 und 2009 waren es die Banken, die ihre Glaubwürdigkeit verloren und riesige Rettungspakete von ihren jeweiligen Staaten benötigten. In 2010 und 2011 waren es die Länder selbst, speziell die europäischen Länder, die an Glaubwürdigkeit verloren und von den Zentralbanken mit riesigen Rettungspaketen über Wasser gehalten werden mussten.

Für die Zentralbanken selbst gibt es aber keinen Kreditgeber der letzten Instanz. Dass der Internationale Währungsfonds gerade versucht, weitere USD 600 Milliarden als Sicherheitspuffer aufzutreiben, ist uns nicht entgangen – aber glauben sie denn allen Ernstes, dass das irgendeinen Unterschied machen würde?

Wenn wir uns das Makroumfeld anschauen, dann gelangen wir immer wieder zu ein und derselben Schlussfolgerung: Die Nicht-G6-Länder beobachten die Bemühungen der Fed und der EZB natürlich genauso wie wir. Wenn die Fed öffentlich ein Inflationsziel in Höhe von 2% verkündet, dann wissen die ausländischen Kreditgeber, dass sie bei ihren US-Krediten in 2012 mindestens 2% an Kaufkraft verlieren werden. Es sollte daher niemanden überraschen, dass sich diese Kreditgeber aktuell in immer stärkerem Maße Vermögensklassen zuwenden, die bessere Chancen des langfristigen Vermögenserhalts bieten.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum China seine Bestände an US-Staatsanleihen im Dezember 2011 um USD 32 Milliarden abgebaut hat. Das ist der Grund, warum China im vergangenen Jahr 360 Tonnen Gold produzierte und darüber hinaus weitere 428 Tonnen Gold einführte, während die Einfuhren in 2010 noch bei 119 Tonnen lagen.

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Und es dürfte wohl auch der Grund dafür sein, warum Chinas Kupferimporte im Dezember 2011 auf ein neues Allzeithoch in Höhe von 508.942 Tonnen kletterten, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 47,7% darstellt – und das trotz der Tatsache, dass das chinesische BSP zum Jahresende hin rückläufig war. Dasselbe gilt für die chinesischen Rohölimporte, die im Januar 2012 mit 23,14 Millionen Tonnen ein neues Allzeithoch erreichten und im Jahresvergleich um 7,4% zulegen konnten.

Die sogenannten Experten lieben es ja, diese Zahlen herunterzuspielen, doch für uns ist unstreitig, dass China nicht erst auf das nächste QE-Programm wartet, sondern seine Umschichtung aus den Papierwährungen in Richtung harter Vermögenswerte weiter beschleunigt.

Und China steht nicht alleine da. Russland hat seine Bestände an US-Staatsanleihen seit Oktober 2010 angeblich um 50% reduziert. Und es ist keineswegs überraschend, dass Russland im Goldmarkt ebenfalls als Großkäufer auftritt und seine Goldreserven in 2011 um 95 Tonnen aufstockte. Alleine im vierten Quartal 2011 lag der Zuwachs bei den russischen Goldreserven bei 33 Tonnen.

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Sollten die anderen Nicht-G6-Länder dem Beispiel Russlands und Chinas folgen, ist es ein Leichtes sich auszumalen, dass es zu weiteren Anstiegen des Goldpreises kommen wird.

Das Problem mit den Zentralbankinterventionen ist, dass sie nie so verlaufen, wie sie ursprünglich geplant werden. Die unbeabsichtigten Konsequenzen sorgen dafür, dass die kurzfristigen Vorteile am Ende wieder zunichte gemacht werden. In 2008, als die Fed mit ihrer Nullzinspolitik begann, dachte jeder, was für eine großartige Geldpolitik das doch sei. Vier Jahre später zeichnet sich bei den Sparern nun langsam das vollständige Ausmaß der Vermögensvernichtung ab.

Dafür braucht man sich nur die Horrorshow anzusehen, welche die Pensionskassen zurzeit durchleben müssen: Laut Credit Suisse sind die Rentensparpläne von 341 Unternehmen des weit gefassten US-amerikanischen Aktienindexes S&P 500 unterfinanziert. Im Rahmen einer jüngst durchgeführten Untersuchung der in Seattle ansässigen Firma Milliman Inc. kam man zu dem Ergebnis, dass das Gesamtdefizit der 100 größten Altersvorsorgepläne der USA alleine in 2011 um USD 236,4 Milliarden angewachsen ist.

Und, wo sind die Hauptschuldigen für diesen Anstieg zu suchen? Es sind die niedrigen Zinssätze auf Staatsanleihen.

Dabei sollten aber auch die Verluste bei den staatlichen Rentenkassen nicht aus dem Blick geraten, die absolut erschreckend sind. In Europa beläuft sich die Unterfinanzierung staatlicher Rentenkassen gegenwärtig auf USD 39 Billionen, was rund dem Fünffachen des europäischen Bruttosozialprodukts entspricht. Unterdessen stiegen die nichtfinanzierten Rentenverbindlichkeiten in den USA alleine in 2011 um weitere USD 2,9 Billionen.

Würden die USA diese Kosten in ihren Defizitberechnungen mitberücksichtigen, beliefe sich das Haushaltsdefizit der US-Regierung in 2011 nicht auf USD 1,3 Billionen sondern auf USD 4,2 Billionen. Wir können diese Zahl ja gerne mal ausschreiben: USD 4.200.000.000.000 … innerhalb eines Jahres.

Bedauerlicherweise gibt es kein Wirtschaftslehrbuch, das uns einen Weg durch diese extrem herausfordernden Zeiten aufzeigen würde, doch alleine schon der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass wir bezüglich der Manöver der Zentralbanken außerordentlich argwöhnisch und wachsam sein sollten.

Umso mehr Geld von den Zentralbanken gedruckt wird, um das System am Leben zu erhalten, desto mehr ist das System auch auf diese Gelddruckerei angewiesen, um weiterhin solvent zu bleiben. Überdies lässt sich ein Schuldenproblem nicht dadurch lösen, dass man noch mehr Schulden schafft, genausowenig wie man fortwährend Geld drucken kann, ohne dass dies nicht auch mit ernsthaften Konsequenzen einhergehen würde.

Die Zentralbanken fachen das wachsende Misstrauen der geldgebenden Länder immer stärker an, was diese Länder im Hinblick auf ihre Devisenreserven dazu zwingt, Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Der Privatanleger sollte sich dieser Entwicklung gewahr sein und es ihnen gleich tun, da es bedeutend einfacher sein dürfte, dass „Jahr der Zentralbank“ gebührend zu feiern, wenn man Dinge besitzt, die von der ganzen Gelddruckerei der Zentralbanken auch tatsächlich profitieren können – im Gegensatz zu Dingen, die durch diese Maßnahmen lediglich vernichtet werden können.

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