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Hankel: „16 Länder mit einer gemeinsamen Währung ist Blödsinn“

RT.com, 26.09.2010

Ein Währungsexperte protestiert gegen die Rettung Griechenlands und sagt, dass der Rettungsmechanismus gegen die Regelungen des EU-Vertrags verstößt und es eine bessere Lösung sein könnte stattdessen das ganze Euro-Experiment zu beenden.

Die europäischen Finanzminister stimmten jüngst einem EUR 100 Milliarden Eurorettungspaket für Griechenland zu, in der Hoffnung, so einen Staatsbankrott und ein Überspringen der Währungskrise auf andere Länder der Währungszone zu verhindern. In Deutschland hatte man sich von Anfang an gegen diesen Vorschlag ausgesprochen.

Dr. Wilhelm Hankel ist einer der Währungsexperten, die vor dem Bundesverfassungsgericht Klage gegen das griechische Rettungspaket eingereicht haben.

„Die ganze Idee ist illegal, weil wir einen Vertrag für die europäische Gemeinschaft haben und das Rettungspaket aus einem sehr einfachen Grund vollständig verboten ist: Ein Land, das darauf zählen kann gerettet zu werden, wird sich nicht an die Finanzdisziplin und die monetären Disziplin halten – eine Nichtrettung ist also die Voraussetzung eines stabilen Euros.“ so Hankel.

Hankel führte aus, dass Griechenland nur der erste Fall sein würde. Spanien, Portugal, Irland, vielleicht auch Italien und Frankreich würden später folgen. Wenn diese Länder gerettet werden, verwandelt sich der Euro in eine schwache, inflationierende Währung.

„Der Vertrag muss eingehalten und nicht gebrochen werden.“ fügte Hankel hinzu.

Wenn das Bundesverfassungsgericht zugunsten von Hankels Klage entscheidet, wird die Teilnahme Deutschland am Rettungspaket aufgehalten. Darüberhinaus erklärte Hankel, dass Griechenland gezwungen sein könnte aus der EU auszutreten: „Warum nicht? Ein Land mit einer schwachen Wirtschaft kann keiner Währungsgemeinschaft angehören, die harte Regeln für Stabilität und eine harte Währung hat.“

Wenn Griechenland, Spanien und Portugal gezwungen sind auszutreten, dann gibt es zwei mögliche Szenarien, so Hankel. Die erste Möglichkeit ist, dass es zu einer kleineren und härteren Währungsunion kommt, an der nur 8 oder 10 Mitgliedsländer beteiligt sind – heute sind es 16.

Eine weitere Option ist das Euro-Experiment vollständig aufzugeben. In diesem Falle müssten alle Länder zu ihren Nationalwährungen zurückkehren. „16 Länder mit einer gemeinsamen Währung ist Blödsinn, im politischen wie auch wirtschaftlichen Sinne.“ betonte Hankel.

Laut Professor Hankel könnte das Auseinanderbrechen der Eurozone sogar positive Auswirkungen auf die Wirtschaft der europäischen Länder haben.

„Im Moment haben alle Länder Probleme mit dem Euro, da der Euro dafür sorgt, dass alle Länder Kredit erhalten, was nicht erstrebenswert ist. In der Eurozone sind sogar die großen Defizitländer, Länder mit hohen Inflationsraten, in der Lage Kredit zu bekommen. Deshalb sind Griechenland und andere auch überschuldet. Nach so einem Experiment will jedes Land zu stabilen Bedingungen zurückkehren und das können sie, indem sie die Währung abwerten…Andere werden aufwerten und vielleicht die Exportüberschüsse reduzieren, aber in ihren eigenen Märkten mehr an Erfolg dazugewinnen. Jedes Land der Union wird seine nationale Krise mit nationalen Mitteln bekämpfen…es ist ein wesentlich besseres Konzept um die finanzielle und wirkliche ökonomische Krise zu meistern.“

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