Bullenmarkt: Silber immer noch spottbillig

Mit physischem Silber ist man auf der sicheren Seite: Das Potenzial für künftige Zugewinne am Silbermarkt ist enorm, doch sollte man von gehebelten Silber-Derivaten besser die Finger lassen, da die Wahrscheinlichkeit, dass man bis zum Ende des Silberbullenmarkts all sein Geld verloren hat, extrem hoch ist

Peter Cooper, SilverSeek.com, 16.10.2011

Nachdem ich mittlerweile seit sieben Jahren im Edelmetallbereich investiere, gehöre ich sozusagen bereits zu den alten Hasen – nicht dass dies nun die wahren Edelmetall-Veteranen beeindrucken würde, die sich noch an die 70er Jahre des 20 Jahrhundert erinnern können. Aber auch sie werden jetzt alle ein wenig älter.

Vergangene Nacht konnte man sich auf BBC den aufgeweckten 87 Jahre alten ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter im Interview anschauen. Er hörte sich in der Tat sehr beeindruckend an – sofern man nicht alt genug ist, um sich an seine abgrundtief miserable Präsidentschaft zu erinnern.

Carter macht ein wenig den Eindruck eines Träumers aus den 60er Jahren, mit Blumen in den Haaren und Peace- und Love-Zeichen im Gesicht. Auf alle Fälle wirkte er ungekünstelt und gab überhaupt nichts darauf, dass er einst US-Präsident gewesen ist. Während seiner Präsidentschaft war er jedoch eine einzige Katastrophe. Völlig überfordert agierte er planlos in Washington, und das zu einer Zeit, wo die Welt der Führung bedurfte.

Die Gebrüder Hunt

Wer weiß, was Carters gutmütige Art die Welt gekostet hat! Carter war während des letzten Silber-Booms US-Präsident. Die Inflation geriet völlig außer Kontrolle. Die Gebrüder Hunt nahmen sich den Silbermarkt vor und schraubten den Preis in die Höhe. Nur dem harten geldpolitischen Durchgreifen von US-Präsident Ronald Reagan und dem Vorsitzenden der US-Notenbank Paul Volcker ist es zu verdanken, dass die Welt vor einer Hyperinflation bewahrt wurde.

Und wie steht es nun aktuell um den winzigen weltweiten Silbermarkt? Wir scheinen uns immer noch in den frühen Anfängen der Inflation zu befinden, uns könnte aber auch eine weitere Deflation bei den Vermögenswerten ins Haus stehen, sollte die Eurozone ihr Rettungspaket in den Sand setzen. Genauso gut könnte die Inflation aber auch anziehen, sollten sie die Geschwindigkeit der Druckerpressen verdoppeln, womit die meisten Beobachter rechnen.

Ja wie Sie sehen, ist es nicht einfach, hier zu einem Urteil zu gelangen. Die Märkte sind derart durcheinander, dass sie uns kaum Anhaltspunkte liefern. Und die technische Chartanalyse ist nur solange richtig, bis sie es eben nicht mehr ist, was damit zusammenhängt, dass grundlegende marktrelevante Entwicklungen zwar dazu neigen, sich zu wiederholen, dies aber nie exakt so passiert, wie beim vorangegangenen Mal.

Laut dem herausragenden Kursprognostiker Clive Maund deutet die Silberpreisentwicklung zumindest darauf hin, dass die Preissteigerungen nun wieder an Fahrt aufnehmen werden.

Schauen wir auf die Fundamentaldaten, so könnte es aufgrund neuer unschöner Entwicklungen in der Eurozonen-Saga auch dazu kommen, dass die Märkte auf Tauchstation gehen, während eine Flucht in den US-Dollar und aus Silber und Gold einsetzt. Das wäre praktisch die Wiederholung der Ereignisse des Jahres 2008!

Nun ja, zu versuchen, den Markt zu timen, ist heutzutage außerordentlich schwierig. Die gute Nachricht im Hinblick auf Silber ist, dass das nächste Kursziel offenkundig im Bereich des Aprilhochs in Höhe von knapp USD 50 pro Unze bzw. des Allzeithochs aus dem Jahre 1980 von über USD 50 pro Unze liegen dürfte.

Das Silber-Allzeithoch von 1980

Einer der bemerkenswertesten Aspekte im Hinblick auf Silber und die bedeutende und unstreitige Tatsache, dass das Metall unterbewertet ist, ist der Silberpreis des Jahres 1980. Welcher Rohstoff kostet denn heute noch so viel, wie dies der Fall war, als Präsident Carter Amerika in eine Lachnummer verwandelte!

Wenn es eine todsichere Wette gibt, dann die, dass ein Rohstoff nicht auf immer und ewig unter seinem Allzeithoch des Jahres 1980 notiert, denn das ist kompletter Unsinn. Das ist auch der Grund, warum man sein Silber halten sollte. Der Markt könnte jederzeit ohne den erwarteten Ausverkauf nach oben gehen, so wie dies bereits vor einem Jahr der Fall gewesen ist. Vielleicht haben die Vertreter der Eurozone es ja begriffen, denn selbst der gute alte Jimmy Carter war in der Lage, die Inflation anzuheizen.

Sollte sich, wie Clive Maund prognostiziert, die Möglichkeit bieten, dass man Silber bei rund USD 25 bis USD 28 pro Unze billig einsammeln kann, empfiehlt es sich, diese Chance dann auch zu ergreifen. Man sollte jedoch vorsichtig damit sein, auf die Volatilität dieses launischen Edelmetalls zu setzen, da der Preis für physisches Silber und der Kassapreis bereits an einem Punkt angelangt sind, wo sie jederzeit auseinanderdriften können.

Will man das Aufwärtspotenzial des kommenden Preis-Booms vollständig ausschöpfen, ist es bedeutend besser, vollständig [und nicht kreditgehebelt] in Silber investiert zu sein, da man ansonsten ein paar der besten Entwicklungsphasen verpassen dürfte.

Ja, und wo wird der Silberpreis nun hingehen? Wer weiß, Silber könnte am Ende vielleicht mehr wert sein als Gold, so oder so dürfte der Preis bedeutend höher liegen als heute. Doch Vorsicht beim Handel mit kreditgehebelten Silber-Derivaten: Die schweren Schläge, die man bis dahin einsteckt, dürften dafür sorgen, dass man zum Schluss ohne einen Cent da steht, da man mit dem eigenen Timing in der Regel eher falsch als richtig liegt.

Weitere Artikel zu diesem Thema