Finanz-Crash: Flucht in Realwerte kann jetzt jederzeit einsetzen

Die Politiker haben die Kontrolle verloren, auch wenn sie zurzeit noch vom Gegenteil überzeugt sind. Die kommenden Monate und Wochen werden für die Finanzmärkte entsetzlich turbulent werden, und die Flucht von nominellen in reale Vermögenswerte kann jetzt jederzeit einsetzen. Wahrscheinlich wird diese Flucht durch einen Zusammenbruch der Futures-Märkte ausgelöst werden

Martin Sibileau, Sibileau.com, 04.06.2012

Unseren Langzeitlesern dürfte bekannt sein, dass wir praktisch seit Beginn unserer Publikation mit einer Dynamik gerechnet haben, wie sie letzten Freitag zu beobachten war: Fallende Aktienpreise bei gleichzeitigem Anstieg des Goldpreises. Zuletzt hatten wir uns hierzu am 09.04.2012 in unserem Artikel mit dem Titel „We´re getting closer“ geäußert.

Nun sind wir nicht das Orakel von Delphi, das den Heiden irgendwelche vagen Vorhersagen beschert, sondern sind bei unserer Darstellung der Triebkräfte des kommenden Zusammenbruchs stets sehr präzise gewesen. Anfang 2009 standen wir damit noch alleine da. Heute haben sich unserer Einschätzung bereits viele weitere hinzugesellt.

Im Folgenden wollen wir ein paar warnende Worte an Sie richten. Vergangenen Freitag zeigte sich nämlich auch, dass die US-Staatsanleihen an Wert zulegten (also ihre Rendite sank), was bedeutet, dass der Status Quo, obwohl dieser zurzeit in Frage gestellt wird, immer noch Status Quo ist.

Aktuell gibt es viele Marktbeobachter wie Peter Schiff und George Soros, die davon ausgehen, dass wir jetzt in eine neue Phase eingetreten sind, die durch eine Trendwende bei Gold ihren Ausdruck findet. Diese Phase würde uns zu einem Crash führen, dem dann beispiellose Mengen frisch gedruckten Geldes folgen, bis letztlich die Hyperinflation einsetzt.

Wir erachten diese Auffassung jedoch als eine zu stark vereinfachte Makroperspektive. Wie wir in unseren letzten beiden Artikeln dargelegt haben, ist die Liquidität zurzeit überhaupt kein Thema mehr, und eine Intervention seitens der Zentralbanken wird den Crash unseres Erachtens kaum verhindern können.

Dieser Crash wird nichts weiter sein, als eine Gegenreaktion auf die Unsicherheit, die durch die trügerische Natur der Niedrigzinsen und die zunehmende Finanzrepression angeheizt wurde. Aber genau aus diesem Grund, werden die Vertreter des Status Quo ihre Stellungen nicht kampflos aufgeben – ein Kampf, bei dem es zu stärkeren Kapitalkontrollen, Preiskontrollen, unilateralen Währungsabwertungen und einer Vielzahl weiterer staatlicher Interventionsmaßnahmen kommen wird.

Aufgrund dieser Tatsache, empfehlen wir, im Markt höchst vorsichtig zu agieren. Wir werden nämlich nicht nur unsere Ersparnisse, also unsere „nominellen“ Vermögenswerte schützen müssen, sondern auch unsere physischen. Da ich aus Argentinien stamme, verfüge ich über den zweifelhaften Vorteil, das ein oder andere bezüglich dieser Problematik zu wissen, wobei nicht alles davon hierher passen würde, da die Industriestaaten letztlich über ihre eigenen Methoden verfügen, die Krise zu handhaben. Eine dieser Methoden ist die Manipulation der Preise mithilfe der Futures-Märkte, wie man anhand der Goldpreismanipulationen sehen kann.

Mit den Futures-Märkten lassen sich Preise beeinflussen, ohne dass dafür irgendeine reale Grundlage vonnöten wäre. Die Preise lassen sich beeinflussen, ohne dass man den entsprechenden Vermögenswert oder all das für den Besitz des Vermögenswerts notwendige Geld hält.

Solange die Futures-Märkte existieren und die staatlichen Regulierungsbehörden die Risikogewichtung der als Pfand zu hinterlegenden Vermögenswerte vornehmen, werden die Verteidiger des Status Quo immer über ein Werkzeug verfügen, mit dem all jenen, die sich in reale Vermögenswerte flüchten, Schmerz zugefügt werden kann.

Da stellt sich natürlich die Frage, was zu einem Zusammenbruch der Futures-Märkte führen könnte. Die hohe Inflation ist natürlich ein Aspekt, doch wir gehen davon aus, dass die Ursachen andere sein werden. Eine einfache Antwort auf die Frage ist das Folgende: Die Futures-Märkte werden kollabieren, wenn ein Vermögenswert, der eigentlich ausgeliefert werden sollte, nicht in den Mengen und in der Zeit bereitgestellt werden kann, wie es verabredet wurde.

Höchstwahrscheinlich wird dieser Zusammenbruch der Futures-Märkte durch den Ausfall einer großen Gegenpartei eingeleitet werden, dem dann der Ausfall des involvierten Clearinghauses folgt. Wenn das passiert – und wir glauben, dass es eine zunehmende Wahrscheinlichkeit dafür gibt – wird das die Flucht von Nominalkapital in Richtung Realkapital massiv anheizen

Aber warum gehen wir überhaupt davon aus, dass es eine zunehmende Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung gibt? Weil es eine unbeabsichtigte Folge der manipulativen Maßnahmen wäre, mit denen die Regierungen zurzeit die Kassapreise für reale Vermögenswerte manipulieren.

Und da die Manipulationen gegenwärtig weiter zunehmen, steigt automatisch auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu mehr unbeabsichtigten Folgen kommt – genauso wie es jüngst bei den Derivate-Positionen einer weithin bekannten globalen Bank der Fall war.

Zu diesen warnenden Worten ließe sich noch hinzufügen, dass die kommenden Wochen und Monate entsetzlich volatil werden und man sich besser gut festhält. Wer mit Fremdkapital arbeitet, sollte jede einzelne Möglichkeit dazu nutzen, Nominalkapital in Realkapital umzuwandeln.

Die Politiker sind der Meinung, dass sie immer noch die Kontrolle über die Situation haben – haben sie aber nicht. Und wenn sie das erst einmal herausgefunden haben, wird es für uns bereits zu spät sein, noch irgendwelche Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen.

Die Peripherie Europas befindet sich im Grunde schon nicht mehr in der Eurozone. Die USA sind im Grunde pleite. Die geldgebenden Länder der Welt stellen gerade fest, dass ihre merkantilistische Auffassung des Reserve-Managements ihr Vermögen vernichtet und das Kapital fehlgeleitet hat. Der Nahe Osten befindet sich im Grunde auf dem Weg in völliges Chaos, während Rohstoffländern wie Kanada oder Australien nur noch die Hoffnung bleibt, da sie nicht in der Lage sind, ihre Kurs eigenständig zu bestimmen, sondern auf die Gnade der weltweiten Kapitalströme angewiesen sind … Hoffnung ist aber selten eine gute Strategie.

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