Schuldenbombe: Die Wahrheit über Europa, über die sich alle ausschweigen

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 02.11.2012

Ja ich weiß, dass die Lage in Europa ziemlich unübersichtlich und verwirrend sein kann. Nicht nur, dass wir es mit über 20 verschiedenen Ländern und ihren unterschiedlichen Wirtschaften und Schuldenproblemen zu tun haben, nein, zusätzlich gibt es ja auch noch die Europäische Zentralbank und die zahlreichen Rettungspakete und Rettungsfonds – von LTRO 1 und LTRO 2 über den EFSF, den ESM bis hin zum aktuellen OMT –, die es im Auge zu behalten gilt.

Um der Verständlichkeit willen werde ich die Probleme Europas im Folgenden mit ganz einfachen Worten beschreiben.

Das Erste, was man wissen sollte, ist, dass die europäischen Banken als Ganzes gesehen stärker gehebelt sind als die US-amerikanischen Finanzinstitute. Laut dem Internationalen Währungsfonds arbeiten die US-amerikanischen Banken mit einem Fremdkapitalhebel von 13:1.

Die europäischen Banken arbeiten jedoch mit einem Hebel von 26:1. Anders gesagt: USD 26 an Verbindlichkeiten steht USD 1 an Vermögenswerten gegenüber.

Sehen Sie es doch mal so: Stellen Sie sich vor, sie hätten USD 100.000 auf Ihrem Bankkonto und Kredite in Höhe von USD 2,6 Millionen aufgenommen, um sich dafür Eigenheime und anderes Zeug zu kaufen. Und, können Sie nun von sich behaupten, dass Sie sich in einer finanziell stabilen Situation befinden?

Und genau so stellt sich die Situation der europäischen Banken als Ganzes dar.

Darüber hinaus wissen wir, dass die Zahlen des Internationalen Währungsfonds nur auf den bekannten Vermögenswerten und Verschuldungsniveaus basieren, die von den Banken auch eingeräumt werden. Und, wie viele Male in den letzten paar Jahren haben wir erlebt, dass die Banken bezüglich ihrer Risiken ehrlich und transparent gewesen sind?

Richtig, kein einziges Mal.

Sie sollten den Hebel von 26:1, mit dem die europäischen Banken arbeiten, daher auch als Minimum auffassen. Die Wirklichkeit sieht aller Vorausschau nach bedeutend schlimmer aus, was schlicht heißt, dass die europäischen Banken insolvent sind.

Davon abgesehen sind die europäischen Staaten ebenfalls bankrott. Ja ich weiß, dass sich alle auf die Schulden/BSP-Verhältnisse der einzelnen Länder konzentrieren, Fakt ist aber, dass die Verschuldung der europäischen Staaten noch viel massiver ausfällt, wenn man die nichtfinanzierten staatlichen Verbindlichkeiten mit einbezieht.

Dasselbe könnte man natürlich auch über die Vereinigten Staaten sagen, aber die nichtfinanzierten Verbindlichkeiten der USA werden von denen Europas in den Schatten gestellt. Bereits in 2004 wussten wir, dass das Schulden/BSP-Verhältnis unter Einbeziehung der nichtfinanzierten Verbindlichkeiten

Wir haben es also mit einem bankrotten Bankensystem bankrotter Länder zu tun.

Und jetzt kommt der Knaller: Das gesamte Finanzsystem basiert auf der Annahme, dass die europäischen Staatsanleihen immer noch risikofrei sind.

Wir haben also bankrotte Länder, die ihre Staatsanleihen an insolvente Banken verkaufen, die diese Anleihen dann wiederum dazu nutzen, um mit einem Hebel von 26:1 zu arbeiten. Übrigens: Als Lehman explodierte, arbeitete die Bank mit einem Hebel von 30:1.

So, und damit haben wir bereits das gesamte europäische Finanzsystem beschrieben.

Ich hoffe, damit ist geklärt, warum Europa dem Untergang geweiht ist. Es ist völlig unmöglich, dass sich Europa aus diesem Schlamassel befreien kann, außer die Europäische Union weist die nächsten zehn Jahre jährliche Wachstumsraten von über 10% aus.

Und das wird niemals geschehen.

Daher rate ich allen: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! All die Buchhaltungstricksereien und Rettungskonzepte werden nie funktionieren, weil das System in Europa schlicht und einfach am Ende ist. Und obwohl das US-amerikanische Finanzsystem ebenfalls problematisch ist, sind diese Probleme nichts im Vergleich zu den Problemen in Europa.

Einfach gesagt: Wenn Europa das nächste Mal abschmiert – und das wird kommen –, wird es massiver und größer ausfallen als alles, was wir zu Lebzeiten gesehen haben. Und dieses Mal werden die weltweiten Zentralbanken ihr Pulver bereits verschossen haben, da sie die letzten vier Jahre all ihre Feuerkraft eingesetzt haben, um die Märkte über Wasser zu halten.

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