Im Minenfeld: Westliches Finanzsystem ist eine Form von Massenwahn

Die Menschen kämpfen um ein Stück eines Kuchens, den es gar nicht gibt. Die Tatsache, dass man Geld erst erarbeiten muss, bevor man es ausgeben kann, scheint den wenigsten geläufig zu sein. Das Ganze wird ziemlich übel ausgehen. Anleger & Sparer sollten entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten

Robert Fitzwilson, King World News, 05.11.2012

Eine der hinterhältigsten und gefürchtetsten Waffen, die jemals erfunden wurde, ist die Springmine, die bei Soldaten auch unter dem Namen „Bouncing Betty“ bekannt ist. Es ist eine Antipersonenmine, die von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde.

Sie wird im Boden vergraben, und nachdem sie durch das Gewicht eines vorbeikommenden Soldaten oder durch einen Stolperdraht ausgelöst wurde, schnellt sie auf Hüfthöhe in die Luft, wo sie dann explodiert. Das ist der Punkt, wo die Hauptsprengladung gezündet wird und die Explosion dafür sorgt, dass die tödlichen Stahlkugeln in einem weiten Radius verschleudert werden.

Die Tragödie des Wirbelsturms Sandy ist eine Mahnung für alle von uns, dass wir von unvorhersehbaren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und natürlichen „Bouncing Bettys“ umgeben sind. Wenn eine solche Mine gezündet wird, können das dadurch einsetzende Chaos und die damit einhergehende Panik noch viel weitreichendere Entwicklungen auslösen.

Die Menschen haben sich ein chaotisches System geschaffen. Wir und andere Autoren haben die Geschichte bereits erörtert und sind den gesellschaftlichen Hintergründen derer nachgegangen, die all das vor uns schon erlebt haben. Wir haben uns mit der Frage auseinandergesetzt, was sie taten, warum sie es taten und wie das Ganze endete – das einzige Rätsel, das jetzt noch bleibt, ist die Frage, was das Chaos und die außergewöhnlichen Ereignisse unserer Ära vom Zaun reißen wird.

Der Panik von 1907 ging mit dem Erdbeben in San Francisco im Jahre 1906 ebenfalls eine Naturkatastrophe voraus. Die enormen Schäden sorgten dafür, dass die Versicherungsfirmen ihre Vermögensbestände liquidieren mussten und riesige Mengen an Gold in die USA transferiert wurden, um die Schäden zu regulieren.

Die Bank von England verdoppelte ihre Zinssätze, was ebenfalls zu einer Schwächung der US-Wirtschaft beitrug. Allein der Schaden des Erdbebens wurde zu jener Zeit mit rund 1% des BSP veranschlagt. Und obwohl der entscheidende Auslöser der Panik von 1907 das Scheitern der Knickerbocker Trust Company war, half das Erdbeben, diesem dramatischen Ereignis die Bühne zu bereiten.

Wenn wir uns die heutige Welt so anschauen, wenn wir auf die vergangenen 20 Jahre blicken, dann können wir resümieren, dass die Globalisierung durch das Internet sowie die atemberaubenden Fortschritte bei der Geschwindigkeit und Effizienz des Transportwesens möglich gemacht wurde. Das Aufkommen wesentlich billigerer Arbeitskräfte in den Schwellenländern war ebenfalls ein entscheidender Aspekt.

Und das hatte natürlich auch seine Nebenwirkungen. Das plötzliche Aufkommen dramatisch billigerer Arbeitskräfte könnte man im Grunde als eine kaum zu stillende Blutung der alten Wirtschaftsordnung beschreiben. Die Arbeitskraft wurde für USD 50 pro Stunde angeboten, aber das Kaufgebot lag bei nur USD 1 pro Stunde. Was bleibt, ist eine Riesenkluft zwischen Angebotspreis und Kaufgebot. Und diese Kluft ist unglaublich deflationär.

Die billigeren Preise für Importe sind natürlich ein Vorteil, aber der Preis dafür ist, dass nur noch eine kleine Gruppe hochbezahlte Arbeit hat, während die Masse geringe, wenn auch steigende Gehälter hat. Der Kuchen als solches mag jetzt zwar größer sein, aber die einzelnen Stücke sind kleiner geworden.

Es ist kein Wunder, dass das Vermögen, die Einkommen und die Rentenersparnisse in den „Industrieländern“ immer weiter zurückgehen. Die massiven Gelddruckmaßnahmen der Zentralbanken haben diese deflationären Wirtschaftskräfte zwar verlangsamen können, aber die geldpolitischen Entscheidungsträger werden in Zukunft wohl noch weitere unvorstellbare Menge an Geld drucken müssen.

Und während diese Veränderungen unterschiedlich beurteilt werden, ist es eine Tatsache, dass uns dieser Wandel der Weltordnung, der durch die Globalisierung stattfand, gegenüber wirtschaftlichen und gesellschaftlichen „Bouncing Bettys“ bedeutend anfälliger gemacht hat.

Das aktuelle Chaos in New York und New Jersey ist nur die jüngste Erinnerung daran, wie anfällig und vernetzt alles geworden ist und wie stark die gesamte Welt mittlerweile auf Energie angewiesen ist. Wir haben das bereits in der Vergangenheit anhand der Grippe-Ausbrüche oder den Vulkan-Ausbrüchen gesehen, die weite Teile des europäischen Luftverkehrs lahmlegten. Was auch immer die Ursache sein mag – bereits leichte Störungen können sich rasch ausweiten und in die gesamte Welt ausstrahlen.

Die US-Präsidentschaftswahlen sorgen dafür, dass wir näher an einen solch kritischen Moment heranrücken. Rohöl, Gold und Silber wurden am Freitag stark abverkauft. Es gibt einige, die glauben, dass ein Sieg Romneys für Realwerte ein schlechtes Zeichen wäre. Vielleicht war der Abverkauf ja eine Art „wirtschaftlicher Wahl“? Es gibt zurzeit Diskussionen darüber, den Wahlzeitraum in New York auf 20 Tage auszuweiten. Wer weiß, wohin das führen könnte?

Für die Anleger werden die US-Wahlen aber rein gar nichts ändern. Sicher, die Wahlen könnten die Hoffnung all jener anfachen, die sich eine Rückkehr soliden Geldes und geringere Haushaltsdefizite wünschen. Aber Hoffnung wird nicht dafür sorgen, dass sich das dann auch bewahrheitet. Die einzige Möglichkeit, wie man aus dem Schlamassel wieder herauskommen könnte, besteht in einem Jahrzehnt harter Arbeit, solidem Geld und einer Reduzierung der Erwartungen und Anspruchshaltungen.

Vor kurzem wurden die offiziellen wie auch inoffiziellen US-Schulden geschätzt. Dabei kam man auf Schulden in Höhe von USD 230 Billionen. Ein kurzer Blick auf das kollektive Konto der USA reicht bereits aus, um zu sehen, dass die USD 230 Billionen überhaupt nicht existieren. Wir haben es hier also mit einem Massenwahn monströsen Ausmaßes zu tun. Die Menschen kämpfen um ein Stück eines Kuchens, den es gar nicht gibt. Und es ist ein weltweiter Wahn.

Dadurch, dass man die Politiker auswechselt, wird kaum etwas bewirkt werden. Die Menschen müssen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und akzeptieren, dass sie ihre Erwartungen herunterschrauben müssen. Bedauerlicherweise gibt es jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass harte Arbeit, solides Geld und Opfer auf der Agenda stehen.

Das gesamte Geldkonzept hängt in den Seilen. Wird das Geld, so wie es die Menschen seit jeher kennen, ein Comeback erleben oder wird das Geld im Rahmen irgendeines staatlichen Umverteilungsplans die Form elektronischer Bits und Bytes annehmen? Es sieht ganz so aus, als würden wir jetzt an dieser entscheidenden Weggabelung stehen.

Wie dem auch sei – der Wahn wird künftig weiter anhalten. Wir sind umgeben von „Bouncing Bettys“, und Sie sollten sich besser auf den Erhalt Ihres Vermögens und Ihren Schutz konzentrieren. Bargeld kann einem während des Sturms vorübergehend Zuflucht bieten, aber es hat seine historische Rolle als sicherer Vermögenswert eingebüßt. Anleger sollten daher die Chance, die irgendwelche anhaltenden Abverkäufe bieten, nutzen, um Realwerte zu kaufen, da uns die Geschichte leider lehrt, dass das Ganze böse ausgehen wird.

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