Der bevorstehende Silber-Sturm … und warum die Öffentlichkeit nicht darauf vorbereitet ist

Steve St. Angelo, SRSrocco Report, 24.02.2014

Der Finanzhimmel verdunkelt sich. Den Aktienmärkten blasen gerade volatile Winde entgegen. Und auch das Wirtschaftsbarometer entwickelt sich nur sehr schwach, da die Indikatoren auf eine weitere am Horizont aufziehende Rezession deuten.

Uns steht ein Edelmetall-Sturm bevor … und bedauerlicherweise ist die Öffentlichkeit nicht darauf vorbereitet.

Ich glaube, dass sich die USA und der Rest der Welt auf dem Weg in einen Wirtschaftszusammenbruch befinden, den die Zivilisation so noch nie zuvor erlebt hat. Und obwohl die Menschen während der Weltkriege und weltweiten Wirtschaftsdepressionen gelitten haben, waren wir bisher immer in der Lage gewesen, uns aus dem Chaos und der Vernichtung zu befreien und eine Neustrukturierung und einen Wiederaufbau zu bewerkstelligen.

Und ich habe es in der Vergangenheit wiederholt gesagt: Dieses Mal wird es anders werden.

Nachdem ich die Arbeiten verschiedener Edelmetall- und Energie-Analysten gelesen habe, bin ich ziemlich erstaunt darüber, dass viele dieser Analysten trotz ihrer hohen Intelligenz bei ihren Prognosen und Annahmen solch tiefgreifende Fehler machen.

Einer meiner Leser fragte mich, wie es sein könnte, dass ich so viele qualitativ hochwertige Analysen und Daten veröffentliche und im Hinblick auf Silber dennoch bullisch bin. Diese Person konnte nicht verstehen, warum ich bei Silber aus fundamentaler Sicht bullisch bin, obwohl die typische Analyse dem glänzenden Metall doch eine deflationäre Zukunft bescheinigt.

Und genau das ist ja auch das Problem.

Die USA und der Rest der Welt befinden sich im Niedergang, weil sich die Analysten, Intellektuellen und Entscheider, die diese ganze Show kontrollieren, bei der Steuerung der Geld-, Wirtschafts- und Regierungspolitik von Ignoranz und Gier leiten ließen, anstatt von Intelligenz und Weisheit.

Fiatgeldvermögen: Der große Schwindel

Die unten stehende Grafik zeigt, wo sich der überwiegende Teil der privaten US-amerikanischen Geldbestände befindet. Bei diesen Daten werden keine Pensions- oder Sicherheitsrücklagen erfasst, sondern nur Papiervermögenswerte, die wir auch als „Bargeld oder Bargeld-Äquivalente“ bezeichnen könnten:

image002

Laut den Daten der US-Notenbank vom dritten Quartal 2013 hielt die US-Bevölkerung USD 1,174 Billionen bei Geldmarktfonds, USD 1,332 Billionen an Bargeld und auf Girokonten und USD 7,723 Billionen in Form von Festgeld oder auf Sparbüchern. Wir sprechen hier also von einer Gesamtsumme von USD 10,2 Billionen an Papiergeldvermögen.

Wenn Sie sich den oben stehenden Chart ansehen, werden Sie feststellen, dass sich ganz links ein kleiner Balken mit einer erbärmlich kleinen Zahl von USD 14 Milliarden befindet. Das ist der Gesamtwert aller weltweiten börsennotierten Silberfonds (Silber-ETFs) im dritten Quartal 2013. Die Daten für diese Zahl stammen aus dem Silver Update von GFMS Thomson Reuters vom November 2013.

In der nächsten Grafik sehen Sie die physischen Silberbestände der verschiedenen weltweiten Silber-ETFs:

image004

Wie Sie sehen können, werden über diese Silber-ETFs derzeit 655 Millionen Unzen Silber gehalten. Wenn wir 655 Millionen Unzen Silber mit dem Silberpreis von USD 21 pro Unze multiplizieren, kommen wir auf USD 13,7 Milliarden. Ich habe diese Zahl für den ersten Chart auf USD 14 Milliarden aufgerundet.

Wenn wir hier mal zu Grunde legen, dass es sich bei den Silber-ETFs um die größte Silberlagerstätte der Welt handelt – die Silberbestände der Londoner Edelmetallbörse LBMA oder der US-Rohstoffbörse COMEX sind hier nicht mit einbezogen worden –, dann ist dieser Betrag von USD 13,7 Milliarden im Vergleich zu dem von der US-Bevölkerung gehaltenen Geldvermögen von USD 10,2 Billionen einfach nur winzig.

Und wenn wir jetzt noch die aktuellen 182 Millionen Unzen Silber von der Comex und weitere, sagen wir, 200 Millionen Unzen Silber von der LBMA mit hinzurechnen, kommen wir auf zusätzliche USD 8 Milliarden Dollar, die zu der Zahl von USD 14 Milliarden hinzugerechnet werden müssen. Wir kämen dann auf eine Gesamtsumme von USD 22 Milliarden.

Die US-Bevölkerung hat USD 7,7 Billionen in Form von Festgeld und Sparbucheinlagen gebunkert. Die anderen beiden Kategorien werde ich im Folgenden einfach mal vernachlässigen, da es sich dabei um Fiatgeld handelt, das die Bevölkerung auch für ihre Alltagsgeschäfte nutzen könnte.

Bei den Festgeldern und Sparbüchern handelt es sich jedoch um zusätzliche oder überschüssige Gelder, die im alltäglichen Leben der Amerikaner nicht zum Einsatz kommen. Somit entspricht der Gesamtwert der weltweiten Silber-ETFs 0,2% des Werts aller US-amerikanischen Festgelder und Sparbucheinlagen.

Dem typischen Amerikaner mag das heutzutage vielleicht nicht merkwürdig vorkommen, aber vor gerade einmal 50 Jahren (als ich noch ein Kind war) war der US-Dollar noch goldgedeckt und auch das Münzgeld enthielt noch große Mengen an Silber.

Nachdem US-Präsident Lyndon Johnson den „Coinage Act of 1965“ unterzeichnet hatte, verschwand das Silber innerhalb weniger Jahren aus dem Geldkreislauf … von da an war es schwierig, Silbermünzen zu finden. Nachdem das Silber erst einmal aus den offiziellen US-Münzen verschwunden war, tauchte es nicht wieder auf.

Und damit – dass das Silber „nicht mehr wieder auftauchte“ – will ich sagen, dass die Öffentlichkeit die Wirkung des Greshamschen Gesetzes ganz instinktiv begreift – schlechtes Geld verdrängt gutes Geld. Als die US-Regierung damit begann, für die Münzprägung unedle Metalle zu verwenden, dauerte es nicht allzu lange, bis die Öffentlichkeit das echte Geld (Silber) aus dem Verkehr zog.

Ein paar Jahre nach dem Inkrafttreten des Coinage Act von 1965 – also der Entfernung von Silber aus dem Geldkreislauf – kam der nächste Hammer. Dieses Mal erwischte es Gold. Am 15.08.1971 schloss Nixon das Goldfenster, und das bedeutete, dass ausländische Regierungen ihre US-Dollars nicht mehr länger gegen physisches Gold eintauschen konnten.

Warum? Weil die USA in den 1960er Jahren so viel Geld gedruckt hatten, um die Kosten für ihre Sozialprogramme und den Vietnamkrieg zu decken, tauschten die Länder ihre Papierdollars gegen physisches Gold ein.

Von 1960 bis 1968 gehörten die USA zum Londoner Gold Pool. Das war eine Gruppe, die versuchte, den Goldpreis durch den Verkauf von tausenden Tonnen von Gold bei USD 35 pro Unze zu halten. Der größte Verlierer des Londoner Goldpools waren die USA, da sie in dieser neunjährigen Phase 4.700 Tonnen Gold verkauften. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schlechtes Geld gutes Geld verdrängt.

Und wenn wir uns nun wieder der Gegenwart zuwenden, stellen wir fest, dass sich das Greshamsche Gesetz nach wie vor bester Gesundheit erfreut, da Asien nach wie vor wertlose Fiat-Dollars gegen physisches Gold eintauscht. Die Chinesen haben 2013 eine Rekordmenge an Gold importiert, und im Januar dieses Jahres lagen die Einfuhren bei atemberaubenden 247 Tonnen.

Koos Jansen schreibt auf der Internetseite „In Gold We Trust“:

„Wie kann die Goldnachfrage […] bei 1.176 Tonnen liegen, wo allein über Honkong netto 1.123 Tonnen Gold aufs chinesische Festland ausgeführt wurden, China selbst 428 Tonnen Gold förderte und auch über andere Häfen Nettogoldimporte stattfanden? Die regelmäßigen Leser dieses Blogs wissen, dass die Zahl von 1.176 Tonnen Gold falsch ist und in Wirklichkeit bei 2.197 Tonnen lag, wie meine Untersuchungen offenlegten. […]

Die Auslieferungen an der Shanghaier Goldbörse lagen im Januar 2014 bei 274 Tonnen Gold, was im Vergleich zum Januar 2013 einem Anstieg von 43% entspricht. Wir sprechen hier also von einer Goldmenge, die größer ist, als die weltweite monatliche Goldminenproduktion, und einem Allzeithoch!

Die Minen des chinesischen Festlands fördern monatlich rund 35 Tonnen Gold. Sie sind dazu angehalten, dieses Gold zunächst einmal über die Shanghaier Goldbörse zu verkaufen. Bei den restlichen 212 Tonnen Gold (247 Tonnen – 35 Tonnen) muss es sich um importiertes oder wiederaufbereitetes Gold handeln.Ich gehe davon aus, dass die Menge wiederaufbereiteten Goldes nicht mehr als 25 Tonnen gewesen sein kann, und das heißt, dass die Goldimporte im Januar bei atemberaubenden 187 Tonnen lagen. China zieht nach wie vor im ganz großen Stil Gold aus den westlichen Tresoren ab.“

China und viele andere asiatische Länder konzentrieren sich zurzeit auf den Aufkauf von physischem Gold, da Gold der König unter den Metallen ist. Das bedeutet nun aber nicht, dass dieser riesige Vermögenstransfer an Silber einfach so vorbeigehen wird, nur weil es sich bei dem weißen Metall angeblich um ein „Industriemetall“ handelt.

Silber wird nach wie vor als Geldmetall erachtet, was man auch an der Tatsache erkennen kann, dass die staatlichen Prägeanstalten immer noch Silver Eagles, Silver Maples, Silber-Philharmoniker, Koalas, Kangaroos, Pandas und Libertads prägen. Haben Sie schon einmal davon gehört, dass die Prägeanstalten diese Münzen auch in Kupfer prägen???

Wie dem auch sei, die Silbernachfrage in Indien und China nimmt gegenwärtig weiter an Fahrt auf. Ihre Netto-Silberimporte sind in den letzten paar Jahren kontinuierlich gestiegen. Die nachfolgende Grafik, die die jährlichen chinesischen Netto-Silberimporte über Hongkong ausweist, stammt von Nick Lairds Internetseite Chartsrus.com:

image006

Aus der oben stehenden Grafik geht hervor, dass sich China im Jahr 2010 von einem großen Netto-Silberexporteur in einen Netto-Silberimporteur verwandelt hat. 2009 – das ist das letzte Jahr, wo China am Silbermarkt als Nettoexporteur auftrat – exportierte China 1.260 Tonnen Silber. 2012 importierte China aber bereits 82 Tonnen Silber netto.

Und obschon man dazu neigen könnte, die aktuelle Zahl als unbedeutend zu verwerfen, handelt es sich hierbei um den Beginn eines neuen Trends, der sich künftig aller Vorausschau nach immer weiter intensivieren wird.

Darüber hinaus ist die indische Regierung im Jahr 2013 mit äußerster Härte gegen Goldimporte vorgegangen, weshalb die Inder bei ihren Käufen auf Silber ausgewichen sind. Indien hat im letzten Jahr 5.400 Tonnen Silber importiert:

image008

Das ist eine Rekordmenge – laut den Schätzungen dürfte damit sogar der Rekord des Jahres 2008 in Höhe von 5.049 Tonnen Silber eingestellt worden sein. Und das ist auch der Beweis dafür, dass die Menschen überall auf dem Planeten instinktiv Silber kaufen werden, wenn kein Gold mehr zu haben ist. Wenn eines der beiden Geldmetalle nicht mehr zur Verfügung steht, steigt die Nachfrage nach dem anderen.

Haben die Inder etwa Kupfer gekauft, als sie kein Gold mehr kaufen konnten? Natürlich nicht! Vielleicht wird sich die Öffentlichkeit des monetären Werts von Silber an irgendeinem Punkt bewusst werden.

Bedauerlicherweise wird sich diese Erkenntnis jedoch zu spät durchsetzen, da die frei verfügbare physische Silberversorgung einfach versiegen wird, wenn der große Fiatwährungs-Neustart da ist.

Angesichts der Tatsache, dass die US-Öffentlichkeit USD 7,7 Billionen an Festgeld und Sparbucheinlagen hält, während die weltweiten Silber-ETFs gerade einmal läppische USD 13,7 Milliarden an Silber halten, kann man nur zu der Schlussfolgerung gelangen, dass es mit Fähigkeit der Öffentlichkeit, „echte Werte“ zu erkennen, nicht allzu weit her ist.

Noch einmal: Es ist keine 50 Jahre her, da waren Gold und Silber in den USA noch gesetzliche Zahlungsmittel. Wenn man heute auf CNBC über die positiven Eigenschaften von Gold und Silber spricht, wird man im Studio ausgelacht.

Gold und Silber werden mit zu den besten Wertspeichern der Zukunft gehören, da das Energiefördermaximum die Fähigkeit des Fiatgeldsystems, weiter zu existieren, vernichten wird.

Wir sollten uns hier noch einmal den entscheidenden Aspekt bewusst machen, der dieses Schneeballsystem bis heute am Leben hält: Es ist die Fähigkeit, einen Haufen armer Chaoten an der Nase herumzuführen und dazu zu bringen, sich mit ihrem hart verdienten Geld an diesem Schneeballsystem zu beteiligen. […]

Wenn man bei einem typischen Schneeballsystem einen permanenten Strom an neuen Geldern der Opfer braucht, um es am Laufen zu halten, dann braucht das weltweite Fiatgeld-Schneeballsystem eine kontinuierlich steigende Energieversorgung, um nicht zu kollabieren. Das ist auch der Grund dafür, warum das weltweite Ölfördermaximum die Fähigkeit der Elite vernichten wird, das System zu manipulieren.

Das Fiatgeldsystem und das Derivate-Monster befinden sich auf dem Weg in den Untergang – das ist nur noch eine Frage der Zeit.

Weitere Artikel zu diesem Thema