Gold, Silber & der US-Dollar: Wo geht die Reise hin?

David Tablish, Rambus1.com, 23.04.2014

Wir wissen ja alle, dass die letzte Woche für den Edelmetallsektor ziemlich hart war. Die wirkliche Frage, die wir uns stellen müssen, ist, ob es sich bei der jüngsten Entwicklung lediglich um eine kurzfristige Korrektur des Aufwärtstrends handelt – der mit dem Dezember-Tief seinen Anfang nahm – oder ob das nun das Ende der dreimonatigen Rally ist. Wir werden uns im Folgenden ein paar Charts anschauen, um so vielleicht eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Fangen wir mit dem BPGDM-Chart an, den ich Ihnen bereits letzte Woche zeigte, als er kurz davor stand, ein Verkaufssignal zu generieren. Wir warteten nur noch darauf, dass der gleitende 5-Tagesschnitt unter den gleitenden 8-Tagesschnitt absinkt, damit das Verkaufssignal bestätigt wird. Letzten Freitag ist genau das passiert, wir haben jetzt also unser bestätigtes Verkaufssignal.

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Der rote Kreis zeigt, dass der Gold Miners Bullish Percent Index auf 36,67 Punkte gefallen ist und der gleitende 5-Tagesschnitt nun bei 39,33 Punkten und der 8-Tagesschnitt mit 40 Punkten auf dem höchsten Stand liegt. Genau diese Kombination wollten wir für ein Verkaufssignal sehen.

Gold

Der Edelmetallsektor befindet sich seit dem Juni-Tief in einem seitwärts verlaufenden Handelskanal. Wir haben bisher noch keine Bestätigung, ob es sich bei diesem seitwärts verlaufenden Handelskanal nun um ein Doppeltief-Umkehrmuster oder einfach nur ein Konsolidierungsmuster handelt.

Bei dem Handelskanal von Gold hat es bisher drei Umkehrpunkte gegeben, wie aus dem nachfolgenden Goldchart hervorgeht. Ich hatte damit gerechnet, dass der Goldpreis wieder auf sein August-Hoch vom letzten Jahr steigen würde, also auf einen Goldpreis im Bereich von USD 1.430 pro Unze, wo wir Gold dann abverkauft hätten, ganz gleich, ob es noch weiter steigt oder nicht. Jeder weiß, dass der Bereich von USD 1.430 pro Unze eine extrem aktive Zone ist und es dort zu Abverkäufen kommt.

Ursprünglich hatte ich die aufsteigende Flagge als bullische Flagge gekennzeichnet, da sie ein Zwischenmuster mit einem Preisziel im Bereich von USD 1.430 pro Unze ausgebildet hatte, was natürlich perfekt passen würde. Wie Sie sehen, kam es bei der aufsteigenden roten Flagge zu einem falschen Ausbruch, bei dem der Goldpreis über die obere Trendlinie aufstieg und danach hart abstürzte und unter der unteren Trendlinie wieder zum Halten kam.

Ich habe die aufsteigende Flagge jetzt in eine aufsteigende bärische Flagge umbenannt und die mit dem Fragezeichen versehene 4 zur Spitze der aufsteigenden roten Flagge hinuntergezogen. Bei diesen großen Konsolidierungsmustern gibt es immer irgendwelche Arten von Umkehrmustern, die die Umkehrpunkte ausbilden.

Wie Sie bei Umkehrpunkt 1 sehen können, begann dieser zunächst mit einem ungleichförmigen Doppelhoch, das sich in eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation verwandelte. Umkehrpunkt 2 bildete dann den Kopf dieses Musters aus. Unser letzter Umkehrpunkt, Umkehrpunkt Nummer 3, begann mit einem weiteren kleinen Doppeltief, das dann zum Kopf einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation wurde.

Gold befindet sich nun wieder auf dem Weg zur Spitze seines Handelskanals, doch bisher gelang es dem Goldpreis nicht, das Preisziel von USD 1.430 pro Unze zu erreichen. Gold hat nun eine bärische aufsteigende 5-Punkte-Flagge ausgebildet. Ist das jetzt der Umkehrpunkt dieses seit rund 9 Monaten andauernden Handelskanals?

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Auf dem nächsten Chart sehen Sie, wie der grüne gleitende 65-Monatsschnitt und das jüngste Goldpreishoch aufeinandertreffen (roter Pfeil). Der gleitende 65-Monatsschnitt hat während der Bullenmarktjahre immer als Stützung fungiert. Wird er nun seine Rolle ändern und während des Bärenmarkts zum Widerstand werden?

Manchmal kann es sehr nachteilig sein, etwas so Einfachem wie einem geleitenden Schnitt, der während der Bullenmarktjahre wahre Wunder vollbrachte, keine Aufmerksamkeit zu zollen. Ja, manchmal ist es tatsächlich so einfach.

Und sollte dieser 4. Umkehrpunkt tatsächlich im roten Dreieck liegen, bekommen wir es jetzt zum optimalen Zeitpunkt mit, um aus der Abwärtsbewegung Vorteil zu schlagen, zumindest bis zur unteren roten Linie des Dreiecks. Sollte es Gold gelingen, die obere rote Linie des Dreiecks und den 65-Monatsschnitt nach oben hin zu durchbrechen, wüssten wir sofort, dass das gelbe Metall bedeutend stärker ist, als es zurzeit den Anschein macht.

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Sollte Gold am jetzigen Punkt ein Hoch ausbilden, dürften wir diese Woche wohl noch einen weiteren schwarzen Balken sehen. Es könnte in den nächsten 5 Handelstagen zu einigen Kursschwankungen kommen, aber im Grunde würde ich gerne sehen, wie sich zu Ende dieser Woche ein schwarzer Balken ausbildet, um dem Beginn der Abwärtsbewegung etwas mehr Gewicht zu verleihen.

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Sollte Gold tatsächlich ein Dreieck-Konsolidierungsmuster ausbilden, würde das bedeuten, dass die Nackenlinie der sehr großen Schulter-Kopf-Schulter-Formation nach unten hin durchbrochen würde. Die Nackenlinie ist immer noch weit weg und liegt im Bereich von USD 1.200 pro Unze, wir haben hier also jede Menge Zeit, um zu beobachten, wie sich die Dinge im Laufe der kommenden Wochen und Monate entwickeln.

Silber

Werfen wir einen Blick auf Silber, das nun beginnt, den starken Stützungsbereich, den wir bei USD 20,50 pro Unze sehen und der den 5. Punkt unseres blauen Umkehrmusters darstellt, zu unterschreiten. Wie Sie sehen, ist der Silberpreis unter die obere Linie der Stützungs- und Widerstandszone abgesunken, sprang wieder nach oben und verlor danach aber an Kraft. Silber beginnt nun, die braun eingefärbte Stützungs- und Widerstandszone entscheidend zu durchbrechen – was es eigentlich nicht tun dürfte. Die Lage wäre immer noch zu retten, wenn es Silber von hier aus gelänge, eine starke Rally hinzulegen, aber die Stützung fängt nun an, wegzubrechen.

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Im Folgenden finden Sie einen weiteren Wochenchart, den ich Ihnen bereits in der Vergangenheit gezeigt habe. Dieser Chart hat hellblaue Pfeile, die die mittleren Stützungs- und Widerstandsbereiche des blauen Handelskanals ausweisen. Wie Sie wissen, habe ich den Bereich von USD 20,50 pro Unze bereits seit geraumer Zeit ganz genau im Blick in der Hoffnung, dass dieser Bereich als Stützung halten wird.

Das weiße Metall ging letzte Woche unter dieser wichtigen mittleren Stützungslinie aus dem Handel. Ich habe dem Chart auch noch einen roten Pfeil hinzugefügt, der zeigt, was das letzte Mal geschah, als es der mittleren Linie des darüber liegenden rechteckigen 6-Punkte-Konsolidierungsmusters nicht gelang, als Stützung zu fungieren.

Der rote Pfeil in dem blauen 6-Punkte-Rechteck ist der eigentliche Punkt, von wo aus der große Abwärtsimpuls auf USD 18 pro Unze seinen Anfang nahm. Ist das aktuelle Scheitern der gestrichelten Stützungslinie der Anfang unserer nächsten Abwärtsbewegung ähnlich wie bei der Entwicklung, die wir bereits bei dem darüber liegenden großen blauen Rechteck sahen?

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Vor dem Hintergrund, dass Silber hier eine Stützungslinie durchbrochen haben könnte, eröffnet sich auch die Möglichkeit, dass sich bei Silber derzeit ein Dreieck ausbildet. Ich kann Ihnen garantieren, dass die Wenigsten dieses mögliche Dreieck auf dem Schirm haben. Der vierte Umkehrpunkt zeigt sich gerade erst.

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Sollte Silber ein Dreieck-Konsolidierungsmuster ausbilden, wäre es interessant, herauszufinden, wie es in den großen Abwärtskanal passt, der sich seit dem Silberhoch von April 2011 ausgebildet hat. Wie Sie sehen, würde es perfekt passen:

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Werfen wir einen letzten Blick auf Silber, um zu sehen, wie sich unser derzeit ausbildendes potentielles Dreieck langfristig gesehen weiterentwickeln könnte. Ich habe ja wiederholt darauf hingewiesen, dass es beim langfristigen Silber-Monatschart einige wunderbare symmetrische Kursmuster gibt.

Wie Sie auf dem nachfolgenden Chart sehen können, ist das potenzielle Dreieck die rechte Schulter einer sehr großen Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Ich weiß, dass es unter Umständen schwierig ist, zu erfassen, was das für Silber und den Edelmetallkomplex ganz allgemein bedeuten könnte. Sollten Silber und Gold ihre Nackenlinien durchbrechen, käme es, wie ich Ihnen in der Vergangenheit bereits zeigte, zu einer weiteren harten Abwärtsphase, die praktisch den überwiegenden Teil der Bullenmarktgewinne auslöschen würde. Damit wären wir dann wieder dort angelangt, wo wir gestartet sind.

Was glauben Sie, wie viele Anleger 1980 all ihr Gold und all ihre Goldminenaktien verkauft haben, als Gold und Silber ihre Hochs ausbildeten. Ich würde mal darauf tippen, dass nur die allerwenigstens in der Nähe des Hochs verkauft haben, da der damalige Hype derselbe war, wie wir ihn auch während dieses Bullenmarkts gehört haben. Vielleicht ist es dieses Mal anders, aber Gold und Silber müssen uns an irgendeinem Punkt mit neuen höheren Hochs Stärke zeigen, so dass der aktuelle Abwärtstrend, der nun fast schon seit drei Jahren anhält, wieder umgekehrt wird.

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US-Dollar

Wenn Gold und Silber neue Tiefs ausbilden, müssen wir uns auch den US-Dollar anschauen, um zu sehen, ob er uns irgendwelche weiteren Hinweise liefert. Der erste US-Dollar-Chart, den ich Ihnen zeigen möchte, zeigt ein mögliches Schulter-Kopf-Schulter-Hoch, wobei das Hoch in Form eines Diamant-Musters daherkommt. Wie Sie anhand des Charts sehen können, fiel der US-Dollar jüngst auf die Nackenlinie ab und sprang von dort aus wieder nach oben. Wir wissen also, dass die Nackenlinie aktiv ist. Wir haben bisher aber noch keine Bestätigung, dass das Schulter-Kopf-Schulter-Hoch gültig ist.

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Ich habe zahlreiche Charts für den US-Dollar, die entweder einen bullischen oder bärischen Ausgang aufzeigen. Schauen wir uns noch einen weiteren bärischen Chart an. Der US-Dollar brach durch einen aufsteigenden blauen bärischen Keil und bildete im Nachgang als Test ein rotes Dreieck aus. Wie Sie sehen können, kam es letzte Woche zu einem Test, bei dem der Dollar bis zur unteren Linie des roten Dreiecks stieg. Bisher hält dieser Widerstand.

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Lassen Sie uns im Folgenden noch auf ein paar Charts blicken, die einen positiven Ausgang des US-Dollars beschreiben, sollte die Stützung halten. Im Folgenden finden Sie einen sehr langfristigen US-Dollar-Chart, der zeigt, dass die Währung zurzeit wohlmöglich ein sehr großes blaues Dreieck ausbildet. Sollte die untere Linie des roten Konsolidierungsmusters als Stützung halten – also genau dort, wo der US-Dollar derzeit notiert –, könnte es dem US-Dollar gelingen, wenigstens auf die obere rote Linie zurückzukehren. Das ist jetzt eine sehr entscheidende Phase für den Dollar.

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Der nächste Chart ist im Grunde derselbe Chart wie der letzte, nur habe ich den ersten Umkehrpunkt dieses Mal in den Bereich von 87 Punkten verlegt, wodurch wir eher eine Art von Bullenflagge-Muster erhalten. Der rote Handelskanal ist immer noch außerordentlich wichtig, um herauszufinden, in welche Richtung der US-Dollar letztlich ausbrechen wird. Bisher hat die untere rote Linie als starke Stützungslinie fungiert.

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Der letzte Chart, den ich Ihnen zeigen möchte, ist einer, den ich bereits vor geraumer Zeit erstellt habe. Dieser zeigt die zwei Fraktale, die ich große Basis 1 und große Basis 2 genannt habe. Der US-Dollar bewegt sich gegenwärtig mit Schneckentempo zwischen der abfallenden oberen Linie und der unteren Stützungs-und Widerstandslinie. Letztlich wird der US-Dollar in irgendeine Richtung ausbrechen, und ganz gleich, in welche Richtung er ausbrechen wird, im Nachgang dürfte sich daraus dann ein ordentlicher Trend entwickeln.

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Aktuell scheint es so, als würde sich der Edelmetallkomplex jetzt vielleicht wieder ein einem Scheideweg befinden. Die Kursentwicklung der letzten Wochen könnte der dreimonatigen Rally, die mit dem Dezember-Tief ihren Ausgang nahm, ein Ende bereitet haben. Ich glaube, dass wir schon in Kürze wissen werden, ob dem tatsächlich so ist. Sie sollten die Entwicklung weiter im Auge behalten, da es bei solch kritischen Wendepunkten oftmals ziemlich wild werden kann.

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