Silber – mit freundlichen Grüßen!

Jeff Clark, Casey Research, 28.04.2014

Letzte Woche habe ich Silber einen Brief geschrieben – und es hat mir geantwortet. Die Korrespondenz möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

„Sehr geehrtes Silber,

herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Es war am 25.04.2011, dass Sie am New Yorker Spot-Markt auf USD 49,80 pro Unze gestiegen sind.

Heute, drei Jahre später, werden Sie mit rund USD 20 pro Unze oder fast 60% unter Ihrem Preishoch gehandelt.

Steht Ihr Bärenmarkt nun kurz vor seinem Ende oder wird uns dieser niedrige Preis weiter begleiten? Bei Ihrer Preisperformance hinken Sie Gold im bisherigen Jahresverlauf ja ganz schön hinterher. Was ist mit Ihrer Volatilität los, die Sie gewöhnlich an den Tag legen? Wie lange werden Sie noch auf der Stelle treten?

Jeff Clark, Silberanleger“

Hier ist die nette Antwort, die ich von Silber erhalten habe:

„Sehr geehrter Herr Clark,

ich habe gute Neuigkeiten für Sie. Obwohl einige Anleger das Interesse an mir verloren haben und mein Preis derzeit auf dem Niveau des Jahres 2010 liegt, wird sich die Lage schon bald wieder ändern.

Ich habe Ihnen einen historischen Chart erstellt und hoffe, dass Sie ihn den anderen Silberanlegern zukommen lassen werden. Der Chart zeigt jeden großen Bärenmarkt der letzten 40 Jahre. Die schwarze Linie zeigt meine Preisentwicklung von April 2011 bis letzten Freitag.

TheSilverBearMarketisNearingExhaustion_01

Von den sieben vorangegangenen Bärenmärkten, waren vier länger und drei kürzer als der aktuelle Bärenmarkt. Vier Rückgänge fielen geringer aus als der aktuelle; zwei lagen ungefähr auf demselben Niveau und nur ein Bärenmarkt fiel bedeutend stärker aus.

Würde der aktuelle Bärenmarkt genauso lange anhalten wie die zwei längsten Bärenmärkte, würde mein Preis bis Oktober dieses Jahres unten bleiben. Würde der aktuelle Bärenmarkt so lange anhalten, wie die zwei anderen längeren Bärenmärkte, wäre der aktuelle Bärenmarkt diesen Sommer vorbei.

In den letzten 40 Jahren gab es keinen Bärenmarkt, der, übertragen auf den aktuellen Bärenmarkt, länger als bis Oktober dieses Jahres angehalten hätte.

Oder vielleicht ist mein Tief auch schon drin.

Wie dem auch sei, ich denke man kann jetzt mit Sicherheit davon ausgehen, dass ich mich in der Nähe des Endes meines Abwärtszyklus befinde. Fakt ist, dass die historischen Daten nahelegen, dass die Gelegenheit, mich für USD 20 pro Unze oder weniger zu kaufen, schon bald nicht mehr gegeben sein wird.

Ich möchte Ihnen aber noch weitere Daten zur Verfügung stellen, die ebenfalls darauf hinweisen, dass mein Preis nicht mehr allzu lange auf diesem Niveau verharren kann.

Die US-Prägeanstalt kann mit der Nachfrage immer noch nicht Schritt halten

Der drastische Rückgang meines Preises in 2013 sorgte dafür, dass sich eine Welle aufgestauter Nachfrage nach Silbermünzen entladen konnte. Schauen Sie nur, wie die Silberanleger reagiert haben:

USMintsSilverCoinDemandisSoaring_02

Dieses Jahr stellt sich die Frage, ob diese Rekordniveaus weiter aufrechterhalten werden können. Das erste Quartal ist vorbei, somit kann ich Ihnen diesbezüglich bereits eine Antwort liefern.

Im ersten Quartal 2014 verkaufte die US-Prägeanstalt 13.879.000 Unzen von mir, das sind 2,4% weniger als die 14.223.000, die im ersten Quartal 2013 verkauft wurden. Hier finden Sie die Zahlen auf die Monate heruntergebrochen:

clark_03

Der Januarrückgang von 36% gegenüber dem Vorjahreszeitraum sieht zwar groß aus, aber es ist nicht das, was Sie vielleicht glauben: Die Prägeanstalt hat mit den diesjährigen Verkäufen erst Ende der zweiten Januarwoche begonnen. Die Monatssumme für Januar spiegelt daher nur zweieinhalb Wochen an Verkäufen wider.

Und März war der viertstärkste Verkaufsmonat aller Zeiten. Und wenn wir nun noch die Aprilzahlen mit hinzunehmen, dann befindet sich die US-Prägeanstalt aktuell auf dem besten Wege, die Gesamtverkäufe des Jahres 2013 zu überflügeln.

Es ist klar, dass die anderen Silberanleger davon ausgehen, dass mein Preis steigen wird.

Börsennotierte Silber-Fonds verzeichnen (abermals) Nettozuflüsse

Sie erinnern sich vielleicht noch daran, dass die Silberbestände der börsennotierten Silberfonds im vergangenen Jahr – im Gegensatz zu den massenhaften Abflüssen bei den börsennotierten Goldfonds – mehr oder minder auf der Stelle traten.

Die Silberbestände börsennotierter Produkte (ETPs) sind seit Jahresbeginn um 3,5% oder zusätzliche 17,5 Millionen Unzen gestiegen. Fakt ist, dass sich die Nettozuflüsse bei den Silber-ETPs seit Jahresbeginn auf USD 354 Millionen belaufen – das ist der größte Zufluss unter allen Rohstoff-ETPs.

Unterdessen ist es bei den goldgedeckten ETPs zu Verkäufen von 500.000 Unzen gekommen, was einem Rückgang von 1% entspricht.

Schmuckhändler lieben niedrige Preise

Mein niedriger Preis hat zu einem Anstieg bei der Schmucknachfrage geführt.

Nehmen wir Großbritannien: Großbritannien hat gemeldet, dass der Verkauf von Silberschmuck im Februar dieses Jahres um 40,4% auf 351.791 Stück anstieg.

Indien setzt seine Zukäufe weiter fort

Indien hat im letzten Jahr 5.500 Tonnen von mir importiert – das ist gegenüber 2012 ein Anstieg von 180%. Die indischen Importe entsprechen 20% der weltweiten Nachfrage.

Im letzten Monat waren die Silberimporte 25% niedriger. Das ging fast ausschließlich auf den jüngsten Anstieg bei den Importzöllen sowie die Tatsache zurück, dass nun sechs indischen Banken erlaubt wurde, Gold zu importieren, wodurch die Silberkäufe wieder nachließen. Das könnte zum Teil eine Erklärung dafür sein, warum ich mit meinem Preis zu kämpfen hatte.

Doch solange die indischen Politiker die Importrestriktionen bei Gold aufrechterhalten, werden mich die Inder auch kaufen.

China: Mehr Silber für die Solarproduktion

Die chinesischen Importe von mir stiegen im Februar drastisch an – auf 358 Tonnen oder um 75% gegenüber dem Vormonat bzw. um 90% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das ist die höchste Silbereinfuhr seit März 2011. Obwohl die Importe im darauffolgenden Monat wieder schwächer ausfielen, lagen sie im März gegenüber dem Vorjahresmonat immer noch mit 16% im Plus.

Die chinesische Solarbranche wächst derzeit exponentiell. 2009 stellte die chinesische Solarbranche gerade einmal 0,2% des weltweiten Markts. Es wird damit gerechnet, dass die chinesische Solarbranche dieses Jahr auf einen Marktanteil von 30% kommt.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass mein Preis im Februar stieg und im März wieder fiel, was nahelegt, dass die chinesische Nachfrage ebenfalls Einfluss auf meinen Preis hat.

Ängste bezüglich einer Angebotsverknappung

Bisher ist es den Silberhändlern gelungen, die Nachfrage nach mir zu befriedigen, doch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf:

Keine Reue

Wenn ich die aktuelle Situation aus historischer Perspektive betrachte, sehe ich eine ganze Reihe von Auslösern, die meinen Preis in naher Zukunft in die Höhe katapultieren werden. Es scheint ziemlich offensichtlich, dass, während die Nachfrage weiter zulegt und sich das Angebot verknappt, meine Rolle als Geld immer bedeutender werden wird. Ich werde schon in wenigen Jahren auf viel höheren Preisniveaus gehandelt werden.

Fakt ist, dass ich meinem Cousin Gold die Wette angeboten habe, dass ich ihn, bevor der Zyklus vorbei ist, ausstechen werde. Er wollte die Wette aber nicht annehmen.

Die Uhr tickt. Überlegen Sie es sich, nicht dass Sie es noch bereuen, wenn mein aktueller Preis von USD 20 pro Unze in immer weitere Ferne rückt.

Mit freundlichen Grüßen

Silber“

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