Ian Gordon: Kondratjew-Zyklus kündigt nächste Goldpreis-Rally an

Henry Bonner, Sprott Asset Management, 25.08.2014

Ian Gordon ist der Gründer von Longwave Analytics, ein Unternehmen, das das Prinzip langer zyklischer Wellen untersucht, wonach die Wirtschaften langfristigen zyklischen Expansions- und Kontraktionstrends unterliegen.

Eric Sprott ist ein begeisterter Leser der Analysen von Longwave Analytics und schlug vor, ein Interview mit Ian Gordon durchzuführen, um herauszufinden, welche Rolle der Kondratjew-Zyklus im heutigen wirtschaftlichen Umfeld spielt.

Gordon geht davon aus, dass der Weltwirtschaft ein Kondratjew-Winter bevorsteht, obwohl dieser durch die Flexibilität des Papiergeldes bereits etwas hinausgezögert worden sei. In der Folge wird es zu einer Wirtschaftsdepression kommen, die sich von den Depressionen der Jahre 1929 oder 1873 maßgeblich unterscheiden wird. Doch eines dürfte sich wiederholen: Genau wie damals dürften auch dieses Mal massive Anstrengungen unternommen werden, um neue Goldvorkommen zu entdecken.

Ian Gordon erklärte, wie er Eric Sprott vor über 10 Jahren kennengelernt hat:

„Ich schrieb über langfristige Wirtschafts-Zyklen, die auch unter dem Namen Kondratjew-Zyklen bekannt sind. 1998 stellte ich fest, dass wir uns nahe eines Bullenmarkthochs befanden; wir befanden uns an einem Punkt ähnlich dem des Jahres 1928, der der Großen Depression unmittelbar vorausging. Eric fand meine Arbeit gut, weil sie ihm dabei half, den unmittelbar bevorstehenden Goldbullenmarkt, den er ebenfalls auf uns zukommen sah, zu erklären.“

Henry Bonner: „Erklären diese langfristigen Wirtschaftsmuster auch den heutigen Goldbärenmarkt und die jüngste Rally an den Aktienmärkten?“

Gordon: „Nun, sie sagen diese Entwicklungen nicht voraus, aber sie können dabei helfen, zu erklären, warum sie stattfinden. Im Verlauf des vollständigen Langwellen-Wirtschaftszyklus, der die gesamte Expansion und die daraufhin einsetzende Kontraktion umfasst, hat man etwas, das ich als die vier ´Jahreszeiten` bezeichne.

Der Winter dieses Zyklus ist die Phase, wo die in der Wirtschaft befindlichen Schulden ausgelöscht werden. Das fand auch nach 1929 statt, was dazu führte, dass das US-Bankensystem kollabierte. Während der 1920er Jahre kam es zu einer enormen Zunahme der Verbraucher- und Unternehmensschulden und der Staatsverschuldung.

Während der Großen Depression und der vorangegangenen Depression von 1873 gab es ein Goldstandard-System, und das heißt, dass die Fähigkeit, Geld zu schaffen, eingeschränkt war. Dieses Mal haben wir es aber mit einem reinen kreditbasierten System zu tun, und das heißt, dass die Fähigkeit der Geldschaffung den Verheerungen des Kondratjew-Winters entgegenwirkt.

Im Grunde haben die Regierungen immer größere Mengen an Schulden geschaffen. Das wird letztlich zu einem noch schrecklicheren Rückgang führen als 1929 oder 1873, da die Schuldenniveaus heute weit größer sind – und weil die Welt heute finanziell wesentlich stärker untereinander vernetzt ist.“

Bonner: „Was ist mir Ihrer Prognose, dass es zu einem neuen ´Goldrausch, ähnlich dem Ende des 19. Jahrhunderts`, kommen wird?“

Gordon: „Ich glaube, dass das passieren wird. Obwohl die Menge an US-Dollars weiter steigt, werden die Schulden letztlich aus dem System herausgepresst werden. Das schafft Deflation, was für Gold sehr bullisch ist. Bei einer Deflation finden sich die Kreditgeber wie auch die Kreditnehmer in einer sehr üblen Situation wieder – auf ihnen lastet dann enormer Druck, und die Menschen neigen dazu, sich Wertspeichern wie Gold zuzuwenden.

Das haben wir auch in den 1930er Jahren gesehen, als die Aktienmarktblase kollabierte und das Kapital stattdessen in Gold floss. Die kanadische Goldproduktion stieg von 1.928.308 Unzen im Jahr 1929 auf 5.311.145 Unzen im Jahr 1940, was einem Anstieg von 175% entspricht. Während dieses Zeitraums entstanden 100 neue Goldminen, und die Weltgoldproduktion legte um über 100% zu. Das geschah, weil das Kapital ins Gold strömte.“

Bonner: „Und was sagen uns die langen Kondratjew-Zyklen bezüglich der künftigen Entwicklung?“

Gordon: „Wir sind heute in derselben Phase, in der wir uns auch in den 1930er Jahren und nach 1873 befanden. Der wirtschaftliche Winter ist durch die Schaffung unendlicher Mengen an Papiergeld abgeschwächt worden, aber es dürfte aller Vorausschau nach zu einem weiteren Abwärtsschwung – ähnlich dem, der ab 2000 einsetzte – kommen.

Wir müssen nur dem Zyklus folgen: Kondratjew wies darauf hin, dass der erste Zyklus mit der Industrierevolution im Jahr 1789 seinen Anfang nahm und diese Zyklen rund 60 Jahre anhalten. Der heutige Zyklus dauert länger, weil wir heute ein Papiergeldsystem haben, aber wir befinden uns auf dem Weg in einen schonungslosen Winter.

Diese 60-Jahreszyklen lassen sich in vier ´Jahreszeiten` einteilen. Da haben wir den Frühling, bei dem die Wirtschaft eine Wiedergeburt erfährt, da die Schulden aus der Wirtschaft verschwunden sind und sie nun wieder funktionieren kann. Dann geht das Ganze in den Sommer über, wo die Wirtschaft in voller Blüte steht. Der Sommer ist immer die inflationäre Phase des Zyklus. Danach folgt der Herbst, bei dem es sich um die spekulative Phase einer Wirtschaft handelt. Das ist die Phase des Zyklus, wo bei Aktien, Anleihen und Immobilien die größten Booms stattfinden. Hochs, so wie sie 1873, 1929 und 2000 stattfanden, deuten darauf hin, dass der Winter einsetzt. Der Winter ist dann der Tag der Abrechnung, wo die Schulden vernichtet werden.

Der Markt bildete mit der Dot.com-Blase im Jahr 2000 sein Hoch aus, aber die Zentralbanken zögerten den Winter hinaus, indem sie von 2000 bis 2002 Billionen von Dollars an Papiergeld druckten und die Zinsen praktisch auf 0% senkten. Von 2002 bis 2007 stiegen die Zinsen dann wieder gemeinsam mit dem Aktienmarkt, und auf dem Hoch von 2007 lagen die Zinsen dann bei rund 6%. Die Zinsen sind danach wieder auf 0% zurückgegangen, aber bisher nicht mehr gestiegen, und das obwohl der Aktienmarkt nach 2009 in die Höhe schoss. Dadurch wurden riesige Mengen an Schulden geschaffen, die nach wie vor aus dem System verschwinden müssen.

Es wird eine sehr leidvolle Wirtschaftsphase werden, aber ich glaube, dass Gold wieder glänzen wird, so wie wir es bereits in der Vergangenheit während vorangegangener Kondratjew-Winter sahen.“

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