Dominoeffekt: Bringt Griechenland die Staatsanleiheblase zum Platzen?

Graham Summers, Phoenix Capital Research, 27.01.2015

Die Staaten – besonders die westlichen Staaten – kaufen sich nun bereits seit über 30 Jahren Wählerstimmen, in dem sie den Wählern im Gegenzug Sozialausgaben wie Sozialhilfe, Arzneimittelzuschüsse, Renten und ähnliche Dinge anbieten.

Wird die Rechnung dann fällig, um all diese Sozialausgaben zu bezahlen, merken die Staaten schnell, dass die aktuellen Steuereinnahmen überhaupt nicht ausreichen, um die Kosten zu decken (siehe untenstehenden Chart), weshalb sie Staatsanleihen ausgeben, um die Finanzierungslücke zu schließen.

Auf diese Art und Weise wurde die heutige globale Staatsschuldenblase geschaffen.

Im Jahr 2009 waren die meisten westlichen Länder komplett bankrott, wenn man hier noch die nichtfinanzierten Verbindlichkeiten ihrer Sozialprogramme mit einrechnet. Die Zentralbanken unternahmen jedoch alles in ihrer Macht stehende, um diese Tatsache zu verschleiern – und das taten sie, indem sie so viel Staatsanleihen wie möglich aufkauften, während sie die Zinssätze künstlich auf null absenkten.

In der Geschichte war es bisher immer so gewesen, dass die Zentralbanken versuchten, die Schulden so lange wie möglich wegzuinflationieren. Die Zentralbanken tun dies, bis

(1.) die Schuldenlast so groß wird, dass sie nicht mehr zu bewältigen ist, oder
(2.) es politisch nicht mehr zu rechtfertigen ist, noch mehr Geld zu drucken.

Griechenland hat jetzt gerade Punkt 2 erreicht.

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Wie der obenstehende Chart zeigt, war Griechenland stets der größte Schuldensünder gewesen, was seine exzessiven Sozialausgaben im Verhältnis zu seinen Steuereinnahmen anbelangt. Daher war es dann auch nur wenig überraschend, dass Griechenland das erste Land war, dass 2009/2010 in eine Staatsschuldenkrise rutschte.

Seit dieser Zeit hat Griechenland zahlreiche Rettungen und Interventionsmaßnahmen seitens der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds hinter sich gebracht. Der einzige Grund, warum diese Rettungsaktionen erfolgten, und Griechenland nicht offiziell die Zahlungsunfähigkeit ausrief bzw. eine tiefgreifende formelle Schulden-Restrukturierung durchführte, ist, dass es den politischen Eliten Griechenlands bisher immer gelang, genügend politisches Kapital und genügend Wählerstimmen auf sich zu ziehen, um diesen Weg zu erzwingen.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei.

Die Griechenland-Wahl am Wochenende sorgte dafür, dass das Land mit Alexis Tsipras einen neuen Ministerpräsidenten hat. Tsipras spricht sich ganz entschieden gegen Austerität und gegen Rettungspakete aus. Und er hat einen Koalitionspartner im Parlament – er verfügt also über genügend politisches Kapital, um diese ganze Rettungssaga zu beenden und eine formelle Schulden-Restrukturierung zu erzwingen.

Wir sind jetzt also in eine Phase eingetreten, wo es politisch nicht mehr länger opportun ist, die Schulden einfach wegzuinflationieren. Und das bedeutet, dass der Prozess der Schulden-Restrukturierung bzw. des Schuldenabbaus begonnen hat.

Die globale Anleiheblase hat einen Umfang von über USD 100 Billionen. Die auf dieser Blase beruhenden Finanzderivate belaufen sich auf über USD 555 Billionen. Wenn die Schulden-Restrukturierungen bei den Staatsanleihen beginnen, ist also auch genau der Zeitpunkt gekommen, an dem die echte Krise beginnen wird – also die Krise, für die die Ereignisse in 2008 nur das Vorspiel gewesen sind.

Griechenland wird das erste Land sein, und dann wird der Rest der PIIGS-Länder folgen. Japan steht ebenfalls auf der Liste und später wird dann auch Großbritannien folgen. Ganz zum Schluss sind dann die USA an der Reihe. Sie sollten entsprechende Maßnahmen ergreifen, um ihr Portfolio von dem daraus resultierenden Abwärtsschwung an den Finanzmärkten zu schützen und während dieser Phase Gewinne zu generieren.

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