ANZ: Gold könnte in den Sommermonaten auf USD 1.100 pro Unze fallen

Obwohl die Analysten von ANZ nach wie vor bullisch sind, was die langfristige Goldpreisentwicklung anbelangt, gehen sie davon aus, dass sich das Metall in den kommenden Wochen und Monaten in Richtung USD 1.100 pro Unze aufmachen wird

Kip Keen, Mineweb.com, 01.06.2015

Um es hier gleich vorwegzunehmen: ANZ Research ist bullisch, was Gold anbelangt und rechnet damit, dass der Goldpreis in 2016 und darüber hinaus bei über USD 1.400 pro Unze liegen wird. Das ist zumindest bullischer als die Prognosen vieler anderer Analysehäuser.

Doch für die nächste Zeit – also im Hinblick auf die nächsten paar Monate – liefern uns die ANZ-Analysten einen ziemlich bärischen Ausblick: Gold dürfte aufgrund des starken US-Dollars auf rund USD 1.100 pro Unze fallen.

„Dem Markt fehlt nach wie vor ein starkes Narrativ, auf dessen Basis getradet wird, aber es könnte sein, dass die richtigen Signale bald auftauchen werden“, so die Analysten in einem jüngst veröffentlichten Kommentar. „Unseres Erachtens scheint jetzt ein Ausbruch nach unten aus dem Handelskanal von USD 1.180 bis USD 1.220 pro Unze unmittelbar bevorzustehen.“

Da sie davon ausgehen, dass der US-Dollar weiter aufwerten könnte, halten die ANZ-Analysten Victor Thianpiriya und Mark Pervan USD 1.100 pro Unze während der Sommermonate für sehr wahrscheinlich. Sie verweisen hierfür auf das Wiedererstarken des US-Dollar-Indexes, der zurzeit nahe eines 12-Jahreshoch notiert, und die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen, die die Rally des US-Dollar stützen.

Ja sicher, die US-Wirtschaftsdaten könnten diesen Ausblick eintrüben, sollten sie enttäuschend ausfallen. „Aber das Schiff scheint nun langsam eine Kehrtwende einzuleiten, und man bekommt das Gefühl, dass Gold kurzfristig neue Tiefs testen wird, sollte es dem US-Dollar gelingen, seine jüngste Rally fortzusetzen.“

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Gleichzeitig weisen Pervan und Thianpiriya darauf hin, dass Gold in Indien jetzt in eine saisonale Schwächephase eintritt und dies auch noch während einer sich abschwächenden chinesischen Goldnachfrage stattfindet, da in China derzeit der Aktienmarkt abhebt.

„Chinas Festlandaktien haben sich abermals verteuert, weshalb es zu einem Nachfragerückgang bei den Importen an der Shanghaier Goldbörse kommen dürfte, der mit dem internationalen Goldpreis in Einklang steht“, so die beiden Analysten. „Indien ist jetzt, was die Hochzeits- und Festsaison anbelangt, in eine saisonale Schwächephase eingetreten, und das wird die nächsten Monate anhalten.“

Die Analysten weisen darauf hin, dass sich die chinesischen Goldimporte abschwächen, da die inländische Goldproduktion weiter zulegen konnte und die Schmucknachfrage rückläufig ist. Sie rechnen damit, dass China 2015 850 Tonnen Gold importieren wird, während es 2014 1.017 Tonnen waren.

Und die inländischen Förderkosten könnten hierbei auch eine Rolle spielen.

„Die Inelastizität der inländischen Goldversorgung bei dem aktuellen Preisniveau – die durchschnittlichen Produktionskosten chinesischer Goldminen liegen bei rund USD 700 pro Unze – bedeutet, dass die Importeure die Last der angebotsseitigen Anpassungen zu tragen haben.“

Thianpiriya weist ferner auf anekdotenhafte Hinweise hin, die darauf hindeuten, dass Goldschmuck in China gegenwärtig aufgrund der aktuellen Aktienmarktentwicklung an Beliebtheit verliert.

„Wie lange die chinesischen Aktienmärkte weiter steigen werden, weiß niemand, doch solange Investmentalternativen Gold so deutlich in den Schatten stellen, wird die Attraktivität von Gold darunter zu leiden haben“, so Thianpiriya.

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