Nachrichtenmeldungen deuten auf Zusammenbruch der Weltwirtschaft

Ein mögliches Aufbrechen der Eurozone, zunehmende Ungleichgewichte der weltweiten Handelsbilanzen und der rapide Niedergang der US-Wirtschaft sprechen eine klare Sprache

The Economic Collapse, 13.07.2010

Mit jeder neuen Welle an Nachrichtenmeldungen scheint es so, als würden sich die wirtschaftlichen Schlagzeilen zusehends verschlechtern. Hinzukommend bedeutet die von uns erschaffene globale Wirtschaft bedauerlicherweise auch, dass Dinge, die auf der anderen Seite des Planeten stattfinden, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auch Auswirkungen auf diesen Teil der Welt haben werden.

Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch in New York oder Los Angeles wird definitiv Auswirkungen auf London, Paris, Rom, Berlin, Moskau, Peking und Tokio haben. So funktioniert die Welt heutzutage nun einmal. 2007 und 2008 sorgte die Finanzkrise, die in den Vereinigten Staaten ihren Anfang nahm, für eine Verwüstung der Wirtschaften auf dem ganzen Planeten. Könnte es also gegenwärtig irgendwelche wirtschaftlichen Probleme in der Welt geben, die eine neue Panikwelle um den Erdball senden könnten?

Nun ja, eigentlich gibt es eine ganze Reihe davon. Tatsache ist, sollten bestimmte Dinge schief gehen und aus der Bahn geraten, könnte dies in der Finanzwelt zu gigantischem Chaos führen. Nehmen wir uns einen Augenblick und betrachten ein paar dieser Fragen, die aktuell auch von den Ökonomen aufgeworfen werden:

Wird die Eurozone auseinanderbrechen und zu einer Verwüstung der Weltwirtschaft führen?

Einer der angesehensten Finanzjournalisten der Welt, Ambrose Evans-Pritchard, warnt, dass sich in deutschen Gerichten gegenwärtig Fälle befinden, die zu einem Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion führen könnten. Bei diesen Gerichtsfällen geht es um die enormen EU-Rettungspakete, die jüngst von den Mitgliedsländern beschlossen wurden. Die Klägerseite behauptet, dass diese Rettungsmaßnahmen gegen EU-Vertragsrecht verstoßen und daher auch gegen deutsche Bundesgesetze und grundlegendes Staatsrecht.

Was könnte also geschehen, wenn die deutschen Gerichte gegen diese Rettungsmaßnahmen stimmen? Die Auswirkungen könnten katastrophal sein. Ambrose Evans-Pritchard schreibt dazu in seiner jüngsten Kolumne: „Sollten sie erfolgreich sein, liefe die Eurozone natürlich Gefahr sich innerhalb von Tagen, wenn nicht Stunden aufzulösen.“

Er ist jedoch nicht der einzige, der vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone warnt. So weißt beispielsweise ING, eine große niederländische Bank, darauf hin, dass ein weitflächiges Auseinanderbrechen der Eurozone die schlimmste Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte zur Folge haben und eine deflationäre Schockwelle in Bewegung setzten würde, die das Potenzial hat den gesamten Planeten mitsamt den USA zu erfassen.

Das hört sich nicht sehr vielversprechend an, oder? Wird es also eintreten? Nein, wahrscheinlich nicht. Für die nationale Souveränität der Mitgliedsstaaten wäre es natürlich ein großer, ein außerordentlich großer Sieg, sollte dies eintreten, aber es gibt hier einfach viel zu viele mächtige Interessen, die viel zu stark in den Erfolg der Eurozone investiert sind. Daneben gibt es so viele rechtliche, wirtschaftliche und politische Hindernisse, die überwunden werden müssten um die Eurozone vollständig auseinandergehen zu lassen, dass einem dabei schwindelig wird, wenn man anfängt darüber nachzudenken.

Es ist also nicht wahrscheinlich, dass die Eurozone auseinanderbricht, aber das bedeutet nicht, dass wir in den kommenden Jahren in Europa keine massiven Wirtschaftsprobleme erleben werden.

Wird der US-Kongress die Zahlungen für Langzeitarbeitslose verlängern?

Aktuell setzt der US-Kongress seine Debatten darüber fort, ob man nun die Gelder für Langzeitarbeitslose verlängert oder nicht. Hiervon sind rund 2,1 Millionen arbeitslose Amerikaner betroffen, deren Auszahlung der Arbeitslosengelder eingestellt worden ist. Wird der Kongress eine Verlängerung beschließen? Wahrscheinlich. Aber es gibt eine wachsende Zahl von Gesetzgeber, die absolut außer sich darüber sind, mit welcher Geschwindigkeit die US-Staatsverschuldung anwächst. Es ist eine Schande, dass die meisten von ihnen sich darüber nicht 12 oder 13 Billionen USD früher Gedanken machten.

Es ist ja nicht so, dass wir den Millionen Amerikanern, die seit langem keine Arbeit mehr haben und keine Arbeit finden können, nicht helfen sollten. Es gibt derzeit sehr viele Menschen in den Vereinigten Staaten, die wirklich heftig unter dieser Situation zu leiden haben. Wo sind also all die Arbeitsplätze hin?

In einem früheren Artikel legten wir im Detail dar, wie unsere Politiker und die großen amerikanischen Unternehmen sich in den letzten Jahrzehnten mit aller Kraft daran gemacht hatten die Arbeitsplätze nach China und in eine Reihe von Dritte-Welt-Länder zu verlagern. Zigmillionen von Arbeitsplätzen gingen so für immer verloren und werden nicht wiederkommen. Höchstwahrscheinlich werden wir also eine weiter anwachsende Unterschicht dauerhaft arbeitsloser Menschen haben, die keine Arbeit hat, da für alle ganz einfach nicht genügend Arbeitsplätze da sind.

Der Kongress wird die Zahlungen an die Arbeitslosen in nächster Zeit wahrscheinlich verlängern. Was diese Millionen Amerikaner jedoch wirklich benötigen, sind vernünftige Arbeitsplätze.

Wird sich das Ungleichgewicht der weltweiten Handelsbilanzen weiter verschärfen?

Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass der chinesische Handelsüberschuss im Juni dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 140% angestiegen ist. Wenigstens haben wir hier mal ein Land, für das sich der Globalismus auszahlt. Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Menschen eines Tages zurückschauen und sich denken werden, die US-Führung müsse völlig verrückt gewesen sein, als sie es zuließ, dass die größte jemals in der Geschichte errichte Wirtschaftsmaschine systematisch abgebaut und nach China, Indien und in dutzende Dritte-Welt-Länder ausgelagert wurde.

Die andere Seite dieser Tragödie ist die atemberaubende Ausbeutung der Bevölkerung der Dritten Welt, wo die großen globalen Konzerne damit ungestraft davonkommen. In einem seiner letzten Artikel beschreibt Stephen Lendman die tragische Geschichte des Arbeiters Naran Dhula Bhil in einem solchen Ausbeuterbetrieb:

„Februar 2009 wurde er in Dharmaj im indischen Bundesstaat Gujarat mit Atemproblemen, Gehproblemen und der Unfähigkeit mehr als 3 Kilo anzuheben ins Krankenhaus eingeliefert. Seit Mitte 2008 hatte er fast die Hälfte seines Köpergewichts verloren, das von 60 kg bis auf 30 kg, nur noch Haut und Knochen, zurückging. Am 14.04. starb er aufgrund einer Staublunge – das Ergebnis von Gier, Desinteresse und Verbraucherignoranz beim Kauf der ´Edelsteine des Todes`.

Bhil war 11 Jahre alt, als der damit begann Edelsteine zu schleifen und zu polieren und diese dann in Herzen, Anhänger, Ringe, Perlenschnüre und unterschiedlichen Zierrat einzusetzen.

An einem Arbeitstag produzierte er davon zwischen 100 und 150 Stück und bekam dafür 15,5 Cent pro Stunde, USD 1,08 am Tag oder auch weniger als einen Cent für jeden produzierten Stein, von dem jeder einzelne Quarzstaub abgab, der bei ihm dann zum Tode führte. Mit dem Alter von 20 Jahren war ihm klar, dass er in dem Beruf bleiben würde. Er lieh sich Geld um Edelsteine zu kaufen und war ´gefangen`, was bedeutet, dass er nie wieder aus den Schulden herauskommen würde, was überhaupt nur wenigen Schleifern jemals gelingt.

Bhil erklärte in seinem Geschäft haben 35 Mitarbeiter gearbeitet. Nur 5 davon hatten das Unternehmen wieder verlassen, der Rest war krank oder tot. `Es sind so viele gestorben.` erklärte er. Als er dahinschied, sagte er, dass ´er keinen einzigen Penny auf seinem Namen hat`, was auch für die meisten Anderen gilt.“

Könnten Sie sich vorstellen, das wäre Ihre Lebensgeschichte? Womit die Großkonzerne durchkommen, ist absolut atemberaubend. Das weltweite Wirtschaftssystem ist am Ende und die einzigen, die hiervon zu profitieren scheinen, sind die gigantischen Großkonzerne und die Ultrareichen. Wird sich das in nächster Zeit ändern? Bedauerlicherweise nicht.

Werden die Amerikaner weiter besessen von Geld sein?

Laut einer neuen Umfrage erklärten 61% der Amerikaner im Alter von 44 bis 75, ihre größte Angst sei es, dass ihnen das Geld ausgeht. Die restlichen 39% waren der Meinung, der Tod sei erschreckender. Ist es angsteinflößender als der Tod, wenn einem das Geld ausgeht?

Natürlich ist es sehr wichtig, dass wir für uns selbst und unsere Familien aufkommen, besonders, wo wir uns gerade auf dem Weg in den wirtschaftlichen Zusammenbruch befinden. Die Besessenheit jedoch, von der die Amerikaner im Hinblick auf Geld und Reichtum ergriffen sind, ist völlig außer Kontrolle geraten. Wollen Sie, dass Sie am Ende Ihres Lebens darüber definiert werden, was sie alles anhäufen konnten oder darüber, was Sie in Ihrem Leben in der Lage waren zu erreichen? Fakt ist, dass das Meiste von dem, was wir glauben „zu besitzen“, noch nicht einmal uns gehört.

Das Leben hat so viel mehr zu bieten als irgendwelches Zeug zu bekommen und zu besitzen, aber die Massenmedien werden die Amerikaner natürlich weiter dazu drängen ihre „Konsumentenkultur“ zu lieben, die zur beherrschenden Lebensart wurde. Die Amerikaner werden also weiterhin von Geld und Reichtum besessen sein und sich der Frage widmen, für wie viel der Basketball-Star LeBron James einen Ball in die Hand nimmt. Sie können sich jedoch anders entscheiden. Sie können sich dafür entscheiden sich in ihrem Leben um die Dinge zu kümmern, die wirklich zählen.

Wird sich die US-Wirtschaft zum Ende des Jahres hin wieder erholen?

Viele Analysten sind der Hoffnung, dass die Amerikaner in der Vorweihnachtszeit wieder zu ihrem gewohnten Ausgabeverhalten zurückfinden und riesige Geldbeträge dabei helfen werden die US-Wirtschaft anzukurbeln. Gibt es also Grund zum Optimismus. Nein, den gibt es nicht.

Die Leerstandsraten in US-Einkaufszentren verschlechterten sich auch während des zweiten Quartals 2010. In einigen besonders betroffenen Gebieten der Vereinigten Staaten könnte es sogar soweit kommen, dass einige Malls und Shopping-Center wie Geisterstädte aussehen, wenn die Weihnachtszeit herannaht.

Um welche Regionen der USA handelt es sich, wenn wir von den wirtschaftlich am schlimmsten getroffenen Katastrophengebieten sprechen? Gut, über Detroit weiß Jeder bescheid. Die einst als Kronjuwele der amerikanischen Industrie angesehene Stadt hat sich mittlerweile in eine durchrostete Kriegszone verwandelt, die nur noch ein Schatten ihres früheren Selbst ist.

Unterdessen entwickelte sich der US-Bundesstaat Illinois, südlich von Detroit gelegen, in ein totales Katastrophengebiet. Der Bundesstaat Illinois hat sogar die Zahlung für die allerwichtigsten Rechnungen eingestellt und liegt auf der Liste von Regierungen mit der weltweit höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit bei Anleihen auf Platz 8. Universitäten und Regierungsbehörden erleben gerade das absolute Chaos und versuchen herauszufinden, wie sie ohne irgendwelche Gelder ihre Funktionen aufrechterhalten können.

Und natürlich gibt es dann noch Kalifornien, wo die Regierung von Gouverneur Schwarzenegger in der Berufungsinstanz eine Gerichtsentscheidung erwirkte, die besagt, dass Kalifornien das Recht dazu hat über 200.000 Beschäftigten des Bundesstaats nur das Mindestgehalt von USD 7,25 pro Stunde zu zahlen, da das Land mit seiner jüngsten Haushaltskrise zu kämpfen hat. In Kalifornien stehen die Dinge mittlerweile so schlecht, dass jede 6. Firma um das Gebiet von Sacramento, der kalifornischen Hauptstadt, herum dazu gezwungen ist ihr Geschäft aufzugeben.

Gleich nebenan, in Nevada, stehen die Dinge vielleicht noch schlimmer. In Nevada liegt die offizielle Arbeitslosigkeit irgendwo im Bereich von 14% (inoffiziell ist sie natürlich noch wesentlich höher) und man schätzt, dass gigantische 65% aller Hypotheken für Eigenheime notleidend sind. Es gibt vielleicht keinen Bundesstaat in den USA, wo der Zusammenbruch des Immobilienmarkts heftiger zugeschlagen hat als in Nevada.

Im kommenden Jahr wird die Angelegenheit für die Bundesstaaten und Gemeinden in den USA bedauerlicherweise noch wesentlich gravierender. Der Ökonom Mark Zandi warnt davor, dass bis zu 400.000 staatliche und kommunale Angestellte ihre Arbeitsplätze verlieren könnten, da Länder und Gemeinden mit immer weniger Einnahmen und weniger Zuschüssen seitens des Bundes zu rechnen hätten.

Der Ölteppich im Golf von Mexiko setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Die Ölkatastrophe könnte die taumelnde US-Wirtschaft vollständig über die Klippe springen lassen. Bei vielen Städten entlang der Küste des Golfs von Mexiko handelte es sich bereits vor dem Ölteppich um wirtschaftliche Katastrophengebiete, nun sprechen wir aber von einem wirtschaftlichen Albtraum beispiellosen Ausmaßes.

Entlang der Küstengebiete kam zu einer starken Schwächung der Fischerei, des Tourismus und der Immobilienwirtschaft – die Menschen verschwinden in Scharen. Es könnte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich die Situation in dieser Region wieder irgendwie „normalisiert“ haben wird.

Einige warnen sogar davor, dass der Ölteppich zum Zusammenbruch von BP und – sollte dies tatsächlich so eintreten – zu einem vollständigen Chaos an den Finanzmärkten führen könnte, da sich herausstellte, das British Petroleum zu den größten globalen Geldgebern gehört und im Derivatemarkt eine bedeutende Rolle spielt. Sollte der weltweite Derivatemarkt eines Tages einbrechen, gäbe es auf dem gesamten Planeten überhaupt nicht genügend Geld um das Problem zu beheben, aber das ist eine andere Geschichte…

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