Dramatischer Anstieg von Zwangsvollstreckungen setzt sich fort

Arbeitslosigkeit ist jetzt der Hauptgrund für Zwangsvollstreckungen in den USA

The Economic Collapse, 30.07.2010

Es ist ein sehr besorgniserregendes Merkmal der US-Wirtschaft, dass die Zwangsvollstreckungen auch in 2010 weiterhin dramatisch angestiegen sind. Aber es hat eine Veränderung gegeben. 2007 und 2008 erklärten uns die Experten, dass die meisten Zwangsvollstreckungen aufgrund von dubiosen Müllhypotheken zustande kamen. Die Menschen wurden mit „Lockzinsangeboten“ oder mit erst nach ein paar Jahren – dann jedoch drastisch – steigenden Ratenzahlungen zur Aufnahme von Hypotheken getrieben, die sie sich eigentlich garnicht leisten konnten und deren Raten für die Leute nicht mehr länger bedienbar waren.

RealtyTrac hat nun jedoch erklärt, dass die Arbeitslosigkeit jetzt zum Hauptgrund für Zwangsvollstreckungen geworden ist. Millionen von Amerikaner sind während des wirtschaftlichen Abschwungs zu Dauerarbeitslosen geworden und viele von ihnen verlieren daher gerade ihre Häuser. Aber was auch immer die Ursache dafür sein mag, eine Sache steht fest – Zwangsvollstreckungen nehmen weiterhin in atemberaubender Rate zu.

Laut einem neuen Bericht von RealtyTrac, hat die Zahl Anträge auf Zwangsvollstreckungen in der ersten Hälfte des Jahres 2010 in 75% aller städtischen Regionen der USA zugenommen. Zu einer Zeit, wo die Obama-Regierung der Meinung ist, dass wir gerade „die Kurve kriegen“, scheint sich die Situation immer mehr einzutrüben.

In einigen Gebieten des Landes haben wir immer noch absolute Katastrophenzustände, wenn man sich den Immobilienmarkt anschaut. Beispielsweise muss man Jeden bemitleiden, der gerade versucht in Florida ein Haus zu verkaufen. Laut RealtyTrac ist Florida die führende Region bei Zwangsvollstreckungen in den USA. Neun der zwanzig städtischen Regionen mit den höchsten Zwangsvollstreckungsraten der ersten Hälfte dieses Jahres befinden sich in diesem Bundesstaat.

Im Hinblick auf Zwangsvollstreckungen ist die schlimmste Stadt in den USA jedoch weiterhin Las Vegas. Laut dem Sprecher von RealtyTrac, Rick Sharga, sind die dubiosen Hypotheken als Hauptgrund von Zwangsvollstreckungen nun von der Arbeitslosigkeit abgelöst worden: „Las Vegas hat einen nahtlosen Wandel von einer hohen Rate der Zwangsvollstreckungen aufgrund schlechter Kredite hin zu Zahlungsausfällen aufgrund einer hohen Arbeitslosenrate vollzogen.“

Aber auch andere Städte mit hoher Arbeitslosenquote haben mit riesigen Problemen zu kämpfen.

Für Diejenigen, die der Meinung sind, dass die Wirtschaft sich eigentlich verbessern sollte, dürfte es in der Tat recht komisch anmuten, dass die Zwangsvollstreckungsraten in Großstädten wie Chicago weiterhin stark ansteigen.

RealtyTrac sagte, dass die Anträge auf Zwangsvollstreckungen in Chicago im Jahresvergleich um 23% angestiegen sind und nun jeder 48. Haushalt davon betroffen ist.

Aber es handelt sich hier nicht nur um Städte wie Las Vegas und Chicago, wo wir diese albtraumhaften Zustände vorfinden. Die Wahrheit ist, dass es sich hier um eine landesweite Krise handelt. Die Mortgage Bankers Association erklärte jüngst, dass mehr als 10% aller US-Immobilienbesitzer mit einer Hypothek zwischen Januar und März mindestens eine Hypothekenrate im Rückstand waren. Das ist ein neues Allzeithoch und stellt im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 9,1% dar.

Unglücklicherweise werden derartige Allzeitrekorde gerade überall im Land gebrochen:

Besteht also irgendwelche Hoffnung, dass es in nächster Zeit besser wird? Also laut dem Geschäftsführer von RealtyTrac, James Saccacio, hängt dies maßgeblich von der US-Wirtschaft ab.

„Die schwache Stabilität, die man in zahlreichen lokalen Eigenheimmärkten erreichte, hängt von Verbesserungen der zu Grunde liegenden Wirtschaft ab, im Besonderen vom Arbeitsplatzwachstum. Wenn die Arbeitslosigkeit weiterhin anhaltend hoch bleibt und die Bemühungen zur Verhinderung von Zwangsvollstreckungen das Unvermeidbare lediglich hinauszögern, dann könnten wir eine Fortsetzung beim Anstieg der Zwangsvollstreckungen und eine damit einhergehende Schwäche bei den Preisen von Eigenheimen in zahlreichen städtischen Regionen erleben.“ so Saccacio.

Ohne gute Arbeitsplätze, werden die Menschen mit Sicherheit nicht in der Lage sein ihre Hypotheken zu bedienen. Werden die zig Millionen Arbeitsplätze, die verlorengegangen sind, in nächster Zeit wiederkommen? Nein, bedauerlicherweise wird dies nicht der Fall sein.

Wie wir bereits in einem früheren Artikel darlegten, stellen die unsere Wirtschaft beherrschenden großen globalen Konzerne gerade fest, dass sie uns eigentlich garnicht mehr brauchen. Der amerikanische Arbeitnehmer ist überflüssig geworden. Warum sollte man einem Amerikaner für dieselbe Arbeit das Zehnfache bezahlen? Die großen Konzerne können in China oder Indien für dieselbe Arbeit zwei Personen einstellen und streichen sich immer noch 80% der Differenz ein.

Darüberhinaus besteht bei den Großkonzernen dort auch nicht die Notwendigkeit sich über den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben, die Schaffung von Vergünstigungen und Rentenplänen den Kopf zu zerbrechen. Sie müssen auch nicht versuchen sich an zigtausende unverschämter Regularien zu halten, die fortwährend seitens der US-Regierung ausgestoßen werden.

Aktuell ist der amerikanische Arbeiter für große Unternehmen extrem unattraktiv geworden, weshalb die Arbeitsplätze auch in Zukunft in andere Gegenden der Welt abwandern werden.

Wir haben es zugelassen, dass unsere Politiker uns in eine „globale Wirtschaft“ verwandelten und haben daher nun alle damit zu leben Teil einer „globalen Arbeitnehmerschaft“ zu sein.

Während die Arbeitsplätze auch künftig weiter abwandern und man sie auslagert, werden immer mehr Amerikaner arbeitslos werden und die Zwangsvollstreckungs-Krise wird weiterhin ein absoluter Albtraum sein. Es wäre schön, wenn man dem Ganzen einen positiven Anstrich verleihen könnte, aber da gibt es nichts, was zu berichten wäre.

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