Die Derivateblase wird das ganze Weltfinanzsystem in den Abgrund reißen

Finanzderivate waren bereits 2007 und 2008 die Ursache für die Finanzkrise

The Economic Collapse, 09.08.2010

Aktuell existiert eine schreckliche Derivateblase, die droht nicht nur die US-Wirtschaft, sondern das gesamte Weltfinanzsystem zu zerstören. Bedauerlicherweise hat der überwiegende Teil der Bevölkerung überhaupt keine Ahnung davon. Wenn man das Wort „Derivate“ erwähnt, haben die meisten Amerikaner überhaupt keinen Schimmer, wovon die Rede ist. In Wirklichkeit scheint es sogar so zu sein, dass die Mehrzahl der Mitglieder des US-Kongresses ebenfalls keine Ahnung davon hat. Aber man muss nicht alle technischen Einzelheiten über die Derivate verstehen um sich ein Bild davon zu machen.

Im Grunde handelt es sich bei Derivaten um Finanzinstrumente, deren Wert von etwas Anderem abhängt oder von etwas Anderem abgeleitet wird. Ein Derivat selbst besitzt keinen eigenen ihm zu Grunde liegenden Wert. Im Grunde handelt es sich um eine Nebenwette. Ursprünglich wurden Derivate mehrheitlich dazu verwendet Risiken zu reduzieren und die Gefahr Verluste zu erleiden auszugleichen. Heute gehen die Geschäfte mit Derivaten jedoch weit darüber hinaus. Die heutige Finanzwelt hat sich zu einem gigantischen Casino entwickelt, wo irrsinnig große Wetten auf alles Mögliche, was Sie sich vorstellen können, platziert werden.

Der Derivatemarkt unterliegt praktisch keinerlei Auflagen und hat sich in den letzten Jahren zu einer Blase gigantischen Ausmaßes aufgeplustert, deren Größe man nur schwer glauben kann. Der heutige weltweite Derivatemarkt entspricht ungefähr der 20-fachen Größe der gesamten Weltwirtschaft.

Da Derivate praktisch völlig unreguliert sind, kann auch keiner mit Sicherheit sagen, welchen Gesamtwert es an weltweiten Derivaten eigentlich gibt. Niedrige Schätzungen veranlagen den Wert auf rund USD 600 Billionen und hohe Schätzungen reichen bis zu USD 1,5 Billiarden.

Haben Sie eine Vorstellung davon, was eine Billiarde ist? Wenn man jede Sekunde einen Dollar beiseite legte, bräuchte man 32 Millionen Jahre um auf eine Billiarde USD zu kommen. Wenn Sie es probieren wollen, sollten Sie besser gleich damit anfangen.

Um die Relationen noch einmal zu veranschaulichen, sei erwähnt, dass sich das Bruttosozialprodukt der Vereinigten Staaten auf USD 14 Billionen beläuft. Tatsache ist, dass die Gesamtkapitalisierung aller weltweiten Aktienmärkte bei gerade einmal rund USD 30 Billionen liegt. Wenn wir hier also über USD 1,5 Billiarden sprechen, dann reden wir über etwas, was sich praktisch unserer Vorstellungskraft entzieht.

Was wird also passieren, wenn diese irrsinnig große Derivateblase platzt? Nun ja, die Gefahr, die von Derivaten ausgeht, ist so groß, dass Warren Buffet diese Finanzinstrumente „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ nannte. Bedauerlicherweise übertreibt er hier keineswegs.

Es ist kaum möglich die finanzielle Verwüstung, der wir aufgrund der Derivateblase möglicherweise gegenüberstehen, zu unterschätzen. Vor Jahren nannte der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac Derivate „finanzielles AIDS“.

Fakt ist, wenn diese Blase platzt, gibt es auf der ganzen Welt nicht genügend Geld um die Probleme zu beheben. Aber wie heißt es so schön: Ignoranz ist Glückseligkeit. Die meisten Menschen verstehen garnicht genug über diese komplexen Finanzinstrumente um sich darüber überhaupt Sorgen zu machen, was recht bedauerlich ist, denn nur, weil sie die Gefahren nicht erkennen, heißt dies noch lange nicht, dass die mit den Derivaten einhergehende Gefahr auch beseitigt ist.

In einer kürzlich bei WorldNetDaily erschienenen Kolumne von Dr. Jerome Corsi wird darauf hingewiesen, dass viele der institutionellen Investoren in die Finanzierung von Derivaten hineingetrieben wurden, ohne die unglaublichen Risiken, denen sie sich dadurch aussetzen, überhaupt nachvollziehen zu können:

„Eines der Hauptprobleme bei Derivaten ist, dass die institutionellen Investoren bei dem Versuch die Kosten zu reduzieren oder Verluste zu vermeiden typischerweise komplexe Risiken eingingen, die wenig verstandene Verbindlichkeiten mit sich brachten, welche in einem riesigen Missverhältnis zu irgendwelchen möglichen Einsparungen stehen, die der Derivatevertrag ursprünglich bereithielt.

Die Hedge-Fonds- und Derivatemärkte sind derart hochkomplex und technisch, dass selbst viele der Spitzenökonomen und Experten aus dem Bereich des Investmentbankings sie nicht vollständig nachvollziehen können.

Des Weiteren unterliegen die Hedge-Fonds-Märkte und Derivatemärkte nahezu keinerlei Auflagen durch die US-Regierung oder durch irgendeine Regierung auf der Welt.“

Die meisten Amerikaner haben auch überhaupt keine Vorstellung davon, dass Derivate bei der Finanzkrise 2007 und 2008 eine entscheidende Rolle spielten.

Erinnern Sie sich noch daran, wie AIG damals eine ganze Weile ständig in den Nachrichten war? Nun ja, AIG befand sich nicht deshalb in finanziellen Schwierigkeiten, weil der Konzern vielleicht reihenweise schlechte Versicherungspolicen ausgestellt hatte. Vielmehr war es so, dass eine Tochtergesellschaft von AIG mehr als USD 18 Milliarden Verluste mit Credit Default Swaps (Kreditausfallderivaten) machte und sich bereits weitere durch Derivate verursachte Verluste abzeichneten, die den Versicherungsgiganten komplett in den Abgrund gerissen hätten. Also sprang die US-Regierung ein und rettete AIG – natürlich auf Kosten der US-Steuerzahler.

Bei dem Zwischenfall mit AIG handelte es sich jedoch in Wirklichkeit noch um eine kleine Sache, wenn man es mit dem vergleicht, was hier noch auf uns zukommt. Der Derivatemarkt ist so gigantisch geworden, dass selbst relativ geringe Ungleichgewichte der Weltwirtschaft eine Kettenreaktion mit verheerenden Konsequenzen zur Folge haben könnten. In einem seiner jüngsten Artikel über Derivate schreibt Webster Tarpley über die Rolle, die diese Finanzinstrumente aktuell in unserem Finanzsystem spielen:

„Fern ab davon, dass es sich hierbei um irgendwelche geheimnisvollen oder marginalen Aktivitäten handelt, stellen Finanzderivate nun das Hauptgeschäft der Finanzoligarchie der Wall Street, der City of London, Frankfurts und vieler weiterer Zentren dar. Von den Politikern und Nachrichtenmedien ist eine konzertierte Anstrengung unternommen worden die zentrale Rolle, die die Spekulation mit Derivaten bei den Wirtschaftskatastrophen der letzten Jahre spielte, zu verheimlichen und zu vertuschen. Die Journalisten und die Typen für Öffentlichkeitsarbeit haben alles Erdenkliche getan um die Erwähnung von Derivaten zu vermeiden, indem sie stattdessen Begriffe prägten wie ´giftige Anlagen´, ´exotische Instrumente` und – am bekanntesten – ´notleidende Vermögenswerte`, wie im Entlastungsprogramm für notleidende Vermögenswerte [Troubled Assets Relief Programm] oder auch TARP, ebenfalls bekannt unter der monströsen USD 800 Milliarden Rettung von Wall Street Spekulanten, die im Oktober 2008 mit der Unterstützung von Bush, Henry Paulson, John McCain, Sarah Palin und den Obama-Demokraten Gesetzeskraft erlangte.“

Aber ist jetzt nicht erst im US-Kongress ein Gesetz zur Finanzreform verabschiedet worden, mit dem die ganzen Probleme behoben werden sollen?

Die Wahrheit ist, dass man ein USD 1,5 Billiarden Problem nicht einfach so beheben kann, obwohl das neue Reformgesetz tatsächlich dazu gedacht war bei Derivaten einige neue Auflagen einzuführen. Daher gab es auch einige bedeutende Reformen, die ursprünglich in dem Gesetzentwurf enthalten waren. Nachdem die riesige Horde der Wall Street Lobbyisten ihre Arbeit in Washington jedoch erledigt hatte, war die Derivate-Reform praktisch vollständig kastriert.

Die ungezügelte Zockerei im Finanzcasino geht also weiter und Jeder in Wall Street ist glücklich – fürs Erste zumindest.

Eines Tages wird es zu einem Ereignis kommen, dass zu einer plötzlichen Veränderung der weltweiten Finanzmärkten und Billionen USD an Verlusten aus Derivaten führen wird. Der dadurch entstehende Finanztsunami wird das ganze Kartenhaus zum Einsturz bringen.

Wenn dieser Tag kommt, wird es auf der gesamten Welt nicht genügend Geld geben um das Finanzsystem zu retten. Wir hätten es den Finanzmärkten niemals erlauben dürfen zu einem gigantischen Casino zu werden, dennoch ließen wir es zu. Schon bald werden wir alle den Preis dafür zahlen und wenn dieser verheerende Tag kommt, werden die meisten Amerikaner immer noch nicht wissen, was sich überhaupt abspielt.

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