Bis zur Überdosis: Die FED hat gar keine Ausstiegsstrategie!

Peter Schiff, Euro Pacific Capital, 17.08.2010

Diese Woche konzentrierte sich die landesweite Aufmerksamkeit auf den Flugbegleiter Steven Slater der Fluggesellschaft JetBlue, dessen kühne, kreative und kontroverse Ausstiegsstrategie künftige Perspektiven wiederbeleben könnte. Bei Weitem weniger Beachtung fand die vorige Woche von der Federal Reserve getroffene Entscheidung, die Suche nach ihrer eigenen Ausstiegsstrategie für ihre nie enden wollenen Karrierefalle zu vermeiden. Bedauerlicherweise betreffen die Entscheidungen der FED unser Leben wesentlich stärker als die von Slater.

Es ist gerade einmal ein paar Wochen her, als Medienexperten Ben Bernanke fragten, wie er die nach der Krise aufgeblähte Bilanz der Federal Reserve wieder verringern will. Mit der Entscheidung vom 10.08.2010 signalisierte die FED jedoch, dass sie die von ihr gehaltenen Schulden „recyceln“ würde. Mit anderen Worten hat man für die nähere Zukunft überhaupt keine Ausstiegsstrategie. Angesichts der Tatsache, dass die monetären Belebungsmaßnahmen nicht nur dabei versagen werden eine wirkliche Erholung herbeizuführen, sondern auch dafür sorgen werden, dass Schritt für Schritt immer größere Dosen davon benötigt werden, sollte sich Bernanke ein paar Bier schnappen und zur nächsten freien Notfallrutsche stürmen.

Vor einem Jahr behaupteten die Ökonomen, innerhalb der FED würde verbreitet, dass die Zentralbank eine methodische Ausstiegsstrategie erarbeitet hätte um ihre Bilanz zu verkürzen. Die einzige Frage, die sie damals als diskussionswürdig erachteten, war, wann dieser Plan einsetzen würde. Einige spekulierten sogar, dass diese Maßnahmen bereits im Geheimen eingeleitet worden wären. In einem Kommentar vom Juli 2009 mit dem Titel „Kein Ausweg für Ben“ behauptete ich, dass Ben und seine Vasallen niemals die ernsthafte Absicht hatten eine derartige Politik einzuleiten. Ich wies darauf hin, dass die FED weiterhin ihre Rolle als Drogenhändler ausspielen würde um sicherzustellen niemals einem Abhängigen einen Schuss zu verwehren, selbst dann nicht, wenn eine Überdosierung drohte.

Wie ihre Stammkunden im Weißen Haus und im Kongress hat sich auch die FED gänzlich dem Hinauszögern der kurzfristigen Konsequenzen verschrieben, die sich aus dem Aufbrechen von Amerikas Sucht nach billigem Geld und leichtem Kredit ergeben würden. Im Vergleich zu dieser Notwendigkeit rückt das langfristige Wohlergehen des Landes lediglich an die zweite Stelle.

Jegliche Maßnahmen der FED um ihre Bilanz zu verkürzen und dadurch Liquidität aus dem Immobilienmarkt abzuziehen, würden zu einem bedeutenden Abwärtsdruck auf die Häuserpreise führen. Niedrigere Häuserpreise würden eine zusätzliche Welle an Zwangsvollstreckungen mit sich bringen, die dann viele zuvor gerettete Finanzinstitutionen wieder in den Bankrott treiben würden. (Wobei die trotz der aktuellen Stabilisierung der Hauspreise unheilvoll anwachsende Zahl der Zwangsvollstreckungen darauf hindeutet, dass diese Institutionen selbst mit Unterstützung der FED wieder auf dem Weg zurück in den Bankrott sind.)

Um diese wirtschaftliche Kettenreaktion zu vermeiden, wird die FED mit „quantitativer Lockerung“ einschreiten, sobald offensichtlich wird, dass die von der Regierung mit Konjunkturgeldern angeheizte „Erholung“ der letzten drei Quartale wieder abklingt. Das Problem dabei ist, dass mit jeder neuen Runde von Belebungsmaßnahmen, mit jedem Schuss einer süchtig machenden Droge, die Dosis immer größer werden muss um zum selben Ergebnis zu gelangen. Umso höher der Anteil des Fremdkapitals in einer Wirtschaft wird, umso größer wird der Hebel um sie in Bewegung zu setzen. Umso mehr die FED jetzt konjunkturell eingreift, umso stärker wird sie später zu konjunkturellen Belebungsmaßnahmen gezwungen sein. Die einzige Ausstiegsstrategie, die dieser Kurs dann noch erlaubt, ist eine Überdosis – Hyperinflation.

Um diesen Sorgen zu begegnen, haben Bernanke und seine Unterstützer erklärt, dass ihre Konjunkturmaßnahmen wieder zurückgenommen werden, sobald die Erholung festen Halt gefunden hat. Dabei wird jedoch übersehen, dass jegliches durch Konjunkturmaßnahmen geschaffenes „Wachstum“ vollständig von der Fortführung des Konjunkturprogramms abhängig ist. Die „Erholung“ wird enden, sobald die Belebungsmaßnahmen auslaufen.

Diejenigen, die sich vor einer Double-Dip Rezession fürchten, sorgen sich zu Recht und dennoch haben auch sie das Gesamtbild der Situation nicht erfasst. Die Rezession des Jahres 2008 hat niemals aufgehört, sondern wurde lediglich durch Billionen US-Dollar an Konjunkturgeldern unterbrochen, mit denen man sich durch geliehenes Geld BSP-„Wachstum“ erkaufte. Aber während die Rechnung dafür fällig wird, müsste das BSP jetzt eigentlich zurückgehen, so dass wir sie bezahlen können – stattdessen werden wir einfach noch mehr Schulden aufnehmen.

Ich gehe davon aus, dass die kommenden Dosen der quantitativen Lockerung schlussendlich negative Reaktionen hervorrufen werden. Zuerst beim Dollar und dann später im Anleihemarkt. Wenn ein fallender Dollar einen Anstieg der Verbraucherpreise und der langfristigen Zinsen erzwingt, werden sich die Aktionen der FED als wirkungslos erweisen. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve wird eine schreckliche Entscheidung treffen müssen: Die Bekämpfung der Inflation durch eine Verknappungspolitik in einer sich abschwächenden Wirtschaft oder die Bekämpfung der Rezession, indem man es erlaubt, dass die Inflation außer Kontrolle gerät. Ich denke es ist offenkundig, dass sie sich für Inflation entscheiden werden, während sie die ganze Zeit behaupten werden, diese wäre garnicht existent.

Bedauerlicherweise hat Niemand bei der FED die Ehrlichkeit und den Mut einen kurzfristigen Schock in Kauf zu nehmen, der mit jeder sinnvollen Ausstiegsstrategie einhergehen würde. Der Abzug von Liquidität und die Verkürzung der aufgeblähten Bilanz der FED würden zweifelsohne zu einem heftigen Rückgang des BSPs führen, aber diese Maßnahmen würden es der US-Wirtschaft auch erlauben mit Ersparnissen, Kapitalinvestitionen und industrieller Produktion eine Grundlage zu schaffen, auf der man eine wirkliche Erholung aufbauen könnte. Im Gegensatz dazu führen weitere Konjunkturgelder lediglich zu einer weiteren Verschärfung der Ungleichgewichte, wozu auch die exzessiven Regierungsausgaben, ein zu hoher Konsum, unzureichende Produktion und die künstlich erhöhten Vermögenspreise zählen. Nach Jahrzehnten des Missbrauchs ist es für die FED an der Zeit einen dramatischen Ausstieg einzuleiten, da die US-Wirtschaft alles andere nicht mehr verkraftet.

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