Der Euro steht kurz vor dem Zusammenbruch – die Frage ist nicht ob, sondern wann

Die EU-Rettungen sind ein Schlag ins Gesicht der deutschen Kultur. Es wird sich bald zeigen, wer in Deutschland wirklich das Sagen hat. Sollten die Politiker der westlichen Länder einer koordinierten Schuldenrestrukturierung und Währungsabwertung aus dem Weg gehen, und der Bevölkerung die Wahrheit vorenthalten, wird die Welt wirtschaftlich und finanziell in Flammen aufgehen

Bob Chapman, The International Forecaster, 11.12.2010

Ob Sie es nun glauben mögen oder nicht, die Krise der Europäischen Union befindet sich immer noch in ihrer Frühphase. Die Rettungspakete, die man für Griechenland und Irland geschnürt hat, dienen nicht der Rettung dieser Länder, sondern sind dafür da, die europäischen Banken zu retten, welche diesen Ländern leichtsinnig Geld liehen und ihre Anleihen kauften.

Da die Banken die Regierungen kontrollieren, wussten sie auch, dass man am Ende die Öffentlichkeit der solventen Länder dazu verpflichten würde, sie zu retten. Daher wird sich über Irland und Griechenland gemeinsam mit Portugal und Spanien ein Geldregen ergießen, ganz im Stile der angloamerikanischen Rettungsaktionen.

Wie Sie wissen, werden USD 1 Billion jedoch nicht ausreichen, um die Banken glücklich zu machen, USD 3 Billionen werden es schon sein müssen. Deutschland erklärt unterdessen, dass es dies nicht tun wird. Wir werden aber bald sehen, wer in Deutschland die wirklichen Herren und Meister sind. Eine derartige Politik ist für die deutsche Kultur ein Schlag ins Gesicht. Man sieht daran sehr schön, wie nah die Eurozone vorm Abgrund steht.

Deutschland ist sich über die Situation völlig im Klaren, aber unter den restlichen Ländern Europas, besonders unter den PIIGS-Staaten, weigert man sich, die Realität anzuerkennen.

Der Internationale Währungsfonds mischt ebenfalls mit. Der IWF wird den Ländern Gelder leihen und sich an den Rettungsmaßnahmen beteiligen. So macht er sich bei seinen Herren verdient, indem er dafür sorgt, dass die missratenen Staaten die nächsten 50 Jahre in völliger Austerität und Knechtschaft dahinsiechen, während man sie während dieses Prozesses ihrer Souveränität beraubt.

Wie ganz Europa am Ende einsehen muss, kann es einen einzigen Zinssatz, der allen Ländern passt, nicht geben.

Wir können Ihnen versichern, dass die Eurozone direkt vor dem Zusammenbruch steht. Die Frage ist nur, wann dies eintreten wird. Die Risiken sind nicht eingedämmt worden, ja können in Wirklichkeit auch garnicht eingedämmt werden. Genauso wie in den USA müssen die Steuerzahler der solventen europäischen Länder die Banken und andere Finanzinstitutionen in Europa retten. Die seitens der Europäischen Zentralbank und der Banken geschaffene Geldpolitik ist gescheitert.

Ob dies absichtlich geschah oder nicht, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber eines Tages wird die Wahrheit ans Licht kommen. Aktuell sind die Bürger dieser angeschlagenen Länder die Zahlmeister, die nun mit der Rechnung da stehen, obwohl die wirklichen Missetäter in der Europäischen Zentralbank und im EU-Parlament sitzen. Es sind genau dieselben Akteure, die immer noch keine Lösungen vorweisen können, und die die griechische und irische Gesellschaft zum Wohle der Banken zerstören, damit diesen die Kredite zurückgezahlt werden können.

Man kann es sich nur schwer vorstellen, aber es ist mittlerweile schon wieder ein Jahr her, als die Odyssee in Griechenland ihren Anfang nahm. Jetzt ist Irland an der Reihe – Portugal, Spanien und vielleicht sogar Italien dürften als nächstes drankommen.

Das Hauptschlachtfeld, wo der Ausgang der Krise entschieden wird, ist Spanien, was mit der Größe des Landes und seinen fortwährenden Beteuerungen zusammenhängt, dass man sehr zahlungsfähig sei – ein Symptom dafür, wie stark man sich von der Realität entfernt hat. Herr Zapatero erklärt uns, dass die spanische Schuldenkrise jetzt vorbei ist. Da fragt man sich, ob er einfach nur dumm, naiv oder ein Lügner ist. Wie kann man so realitätsfremd sein? Zapatero gibt Griechenland und Irland die Schuld an den Problemen der Eurozone, so als sei Spanien das Opfer beider Länder und völlig unschuldig.

Zapatero ist ganz einfach ein idiotischer politischer Führer, ein Nichtskönner, der sein Volk in die Finanzkatastrophe und Knechtschaft führt. Ihr wirkliches Problem ist der Euro, die Eurozone, die Europäische Zentralbank, die Europäische Union und diejenigen, die es zuließen, dass Europa in diese finanzielle und wirtschaftliche Falle hineinlief.

Deutschland, der Motor Europas, will weder den Euro noch die Europäische Union, und hat beides auch nie gewollt. Der Euro und die EU wurden den Deutschen aufgezwungen, da sie den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Das ist auch der Grund dafür, warum die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland unter solch entsetzlichen Bedingungen stattfand. Deutschland ist es leid, als Sandsack missbraucht zu werden, und will aus dem Euro und der EU raus. Darüberhinaus sind die Kosten, um im Euro zu bleiben, bereits zum jetzigen Zeitpunkt völlig unakzeptabel. Jegliche weiteren Kosten könnten zur Insolvenz von aktuell noch stabilen Länden wie Deutschland führen.

Und dann gibt es da noch die sozialen Probleme. Die Deutschen erwarten von den anderen Ländern, dass diese genauso hart arbeiten, wie sie selbst. Das ist aber nicht der Fall, und das wird auch niemals der Fall sein. Es ist daher einsichtig, dass Deutschland die anderen Ländern nicht länger durchbringen will.

Einige sagen, ein Rückzug aus dem Euro würde viel zu traumatisch sein, um darüber überhaupt nachzudenken. Wir sagen, dass die Sorgen bezüglich der Zahlungsunfähigkeit bei Weitem schmerzlicher wären. Ein Spiegelbild dessen ist Deutschlands jüngst gescheiterte Auktion von Staatsanliehen, wo die Investoren nur 80% der angebotenen Titel aufkauften. Wir interpretieren das als Angst davor, dass Deutschland am Ende selbst in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn es weiterhin die gescheiterten Mitglieder der Eurozone retten muss.

Der europäische Anleihenmarkt wird von denselben Problemen und Lösungen heimgesucht wie der britische und US-amerikanische. Die EZB und die US-Notenbank müssen aktiv in den Anleihenmärkten partizipieren, da es ansonsten zu Einbrüchen kommt. Sie müssen fortwährend kaufen, und zwar in Mengen.

Diese Woche erlebten wir den größten Wertrückgang und Renditeanstieg bei Anleihen, den man in letzter Zeit beobachten konnte, da der Abverkauf dieser Titel überwog. Die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe stieg innerhalb nur eines Monats von 2,50% auf 3,30%. Im Ergebnis kam es zu einem Anstieg festverzinslicher Hypotheken mit 30-jähriger Laufzeit von 4,30% auf 4,66%. Der Anleihenmarkt kann ohne Eingriffe seitens der Europäischen Zentralbank, der FED und der Bank of England überhaupt nicht funktionieren.

Selbstverständlich handelt es sich bei diesen Interventionen nicht um Lösungen, sondern hier wird das Unvermeidliche lediglich in die Zukunft verlagert. Die Anleihen brauchen höhere Renditen, um das Risiko zu kompensieren, oder man müsste die Käufer überzeugen, dass man Lösungen parat hat – ansonsten stehen die EZB, die FED und die Bank of England am Ende mit den ganzen Staatanleihen alleine da, was direkt zum Zusammenbruch führt.

In keinem dieser Länder ist die Staatsschuldenkrise abgewendet worden, und mit den aktuellen politischen Lösungsansätzen wird dies auch in Zukunft nicht der Fall sein. Wenn Irland und Griechenland erst einmal den Euro verlassen haben, sind später vielleicht auch Portugal, Spanien und Italien dazu gezwungen, diesem Beispiel zu folgen. Das würde den Niedergang des Euros bedeuten.

Ob es einem nun gefällt oder nicht, dies hätte Währungskontrollen für jede dieser dann neu geschaffenen Währungen zur Folge, da die Gelder ansonsten das Land verlassen würden. Auch würden die Länder ihre Produkte und Dienstleistungen preiswerter und wettbewerbsfähiger machen, indem sie ihre Währungen gegenüber anderen Landeswährungen abwerten. Es würde auch keinen Schuldenüberhang mehr geben, da die Schulden durch diesen Prozess abgebaut würden.

Die Börsen würden wieder so funktionieren wie früher. Europa würde größtenteils wieder so aussehen wie Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, ohne die materielle Zerstörung natürlich. Es wird auch keinen Marshallplan mehr geben, da es den USA und England auch nicht besser geht. Die Länder werden neue Währungen einführen – ihre Wirtschaften und Märkte würden dann von vorne beginnen, was durch Schutzzölle begleitet würde. Der Wirtschaftszyklus beginnt von neuem.

Der aktuelle Lösungsansatz funktioniert überhaupt nicht. Mit USD 1 Billion kann man sich vielleicht noch gemeinsam um Griechenland, Irland und Portugal kümmern, für Spanien und Italien bräuchte man jedoch schon zusätzliche USD 2 Billionen. Am Ende wäre die Schuldenlast, die man den solventen Ländern der Eurozone dadurch aufzwingt, nicht mehr zu bewältigen – ganz abgesehen von dem politischen Willen, dies zu tun, der sich jederzeit ändern könnte.

Wir sollten uns noch einmal vergegenwärtigen, dass die Deutschen, die Franzosen, die Niederländer und die Österreicher mit ihrer Geduld langsam am Ende sind. Zur selben Zeit gäbe es ein gigantisches bürokratisches Tauziehen zwischen denjenigen, die ihre Souveränität zurückhaben wollen, und denjenigen, die sogar eine noch stärke Verschmelzung fordern. Die immer stärker zunehmende Zentralisierung in Europäischen Union ist für den Zustand verantwortlich, in dem sich Europa nun befindet.

Der EU in Brüssel Befugnisse einzuräumen, die Fragen der fiskalischen Entscheidungshoheit der einzelnen Mitgliedsländer berühren, dürfte sich als schicksalhafte Entscheidung erweisen, da es die Länder ihrer Souveränität beraubt. Darüberhinaus haben die Brüsseler Bürokraten bisher alles, was sie angefasst haben, in ein teures Chaos verwandelt. Ihnen unter den heutigen Umständen derartige Befugnisse einzuräumen, wäre eine kurzsichtige Fehlentscheidung.

Man kann die Kultur und Einstellung von Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und Südfrankreich nicht ändern. Sie sind nun einmal so, wie sie sind, und das bereits seit Jahrhunderten. Sie werden niemals die Arbeitsethik der Nordeuropäer haben, und daher auch niemals wettbewerbsfähig sein.

Deshalb wird man der Option mit dem Spitznamen Versailler Vertrag II auch aggressiv die Mitarbeit verweigern. Es ist nichts weiter als eine interne Zwangsabwertung innerhalb der EU in Form geringerer Gehälter. Das Ziel dabei ist es, die Exporte wettbewerbsfähiger zu machen. Das ist jedoch nur ein weiteres Problem im Währungskrieg, das zur Einführung der Schutzzölle führen wird. Es handelt sich hierbei keineswegs um einen genialen Einfall, sondern es ist einfach nur durchsichtig und dumm. Die Verbilligung von Kapital stellt im Grunde genommen eine Abwertung dar – wenn sie damit davonkämen, was aber nicht funktionieren wird. Dafür sind die Haushaltseinschnitte viel zu tief und zu schnell erfolgt.

Die Schocktherapie ist traumatisch und bringt oftmals nicht die gewünschten Ergebnisse mit sich. Man erwartet von Griechenland und Irland, dass sie über Nacht ihre Haushalte ausgleichen, und es keinen Grund mehr für sie gibt neue Gelder aufzunehmen, während die Europäische Zentralbank zur selben Zeit giftige Staatsanleihen aufkauft. Wer wird denn für diese Verluste aufkommen? Der europäische Steuerzahler natürlich.

Das ist im Übrigen genau das, was auch Großbritannien und die USA über ihre Zentralbanken praktizieren. Die EZB ist lediglich ein wenig später zur Party gekommen. Die Monetisierung funktioniert aber nicht, und die aufgekauften Schulden müssen trotzdem immer noch abgeschrieben werden.

Die Deflation hat in Europa den Fuß bereits ein wenig in der Tür und könnte sich am Ende als unabwendbar herausstellen, sollte dies nicht schnell abgewendet werden. Aber wir glauben nicht, dass es so weit kommen wird. Die EZB befindet sich auf dem fehlerhaften Weg des Keynesianismus und wird genauso Geld und Kredit herausgeben wie alle anderen auch, um so zu versuchen, die Probleme zu bewältigen. Daher wird sie sich auch mit derselben Inflation auseinandersetzen müssen. Am Ende wird die Monetisierung alles vernichten, nur um ein wenig Zeit zu gewinnen.

Wenn all das überhaupt nicht funktioniert, warum macht man es dann? Warum macht man es nicht wie Island, restrukturiert seine Schulden um und beteiligt die Anleihehalter an den Verlusten? Natürlich ist das eine Art von Teilinsolvenz, aber es dürfte funktionieren. Man nennt es auch Konkursverwaltung, ähnlich den Geschehnissen in den frühen 70er Jahren beim Smithsonischen Abkommen, dem Plaza Akkord im Jahre 1985 oder dem Louvre Abkommen im Jahre 1987.

Aufgrund der Ansteckung, die derartige Maßnahmen auf unilateraler Ebene mit sich brächten, sollten diese Anstrengungen von allen Ländern gemeinsam durchgeführt werden. Das ist die einzig faire Art, aus diesem ganzen Dilemma wieder herauszukommen.

Es gibt kein Land, das hieran keine Mitschuld trägt. Alle beteiligten sich an der exzessiven Schaffung von Geld und Kredit. Die Auffassung, dass Deutschland, China und die USA Kapital produzieren könnten, um das Problem zu lösen, ist einfach nur lächerlich. Diese Länder haben ihre eigenen Probleme. Dieses Mal kann es weder Rettungspakete geben, noch wird von irgendwoher ein Retter erscheinen. Jedes Land wird zur selben Zeit in den sauren Apfel beißen müssen.

Die Länder müssen dann auch einsehen, dass die quantitative Lockerung aufzuhören hat und eine deflationäre Depression zu akzeptieren ist. Das System muss von seinen Auswüchsen der Kapitalschaffung und -verteilung bereinigt werden. Die Banken und andere Finanzinstitutionen müssen die Schuld für ihre Handlungen in ihrem Streben nach exzessiven Profiten und Macht auf sich nehmen. Dieser Ansatz ist die einzige Möglichkeit, soziales Chaos zu vermeiden.

Nach drei Jahren Rezession und Depression ist die Weltöffentlichkeit nun nicht mehr länger in der Stimmung, irgendwelche Spielchen zu spielen. Man muss den Menschen die Wahrheit sagen, und ihnen erklären, was sie erwartet. Die Schuld kann man sich hinterher immer noch zuschieben. Tut man dies nicht, wird die Welt wirtschaftlich und finanziell in Flammen aufgehen.

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