Wie viel Investmentnachfrage verkraftet der Silbermarkt?

Bevor der Edelmetallbullenmarkt vorbei ist, wird Silber allen Menschen ein Begriff sein

Jeff Clark, Casey Research, 09.02.2011

Langsam beginnen die Zahlen zur Silbernachfrage einige der Marktbeobachter nervös zu machen. Die US-Prägeanstalt verkaufte im Januar dieses Jahres über 6,4 Millionen „Silver-Eagles“ – mehr als jemals in irgendeinem anderen Monat seit der Einführung dieser 1-Unze Anlagemünze im Jahre 1986 verkauft wurde.

Die chinesischen Nettoimporte haben sich innerhalb des Jahres 2010 auf 122,6 Millionen Unzen vervierfacht, was rund 13,7% der weltweiten jährlichen Silberproduktion entspricht. Zur selben Zeit kommt die weltweite Minenproduktion mit der Bedienung der weltweiten Nachfrage nicht hinterher. Die einzige Art, wie diese Nachfrage noch zusätzlich bedient werden kann, ist durch Altsilber und Recycling.

Wir haben hier also eine sehr hohe Nachfrage vorliegen, was die Frage aufwirft, wie lange dies noch mit dieser Geschwindigkeit weiter anhalten kann. Diese Fragestellung ist aus verschiedenen Gründen von Bedeutung, nicht zuletzt, weil die Nachfrage auch ein wichtiger Bestandteil der Preisbildung ist. Lässt die Nachfrage nach, gehen auch unsere Investments nach unten.

Da ich bereits in der Vergangenheit über die Sorgen bezüglich einer Verknappung auf der Angebotsseite sprach, die ihre spezifischen Auswirkungen auf den Silbermarkt hat, werde ich mich in diesem Artikel auf die Investmentnachfrage konzentrieren.

Gibt es hier wirklich noch Wachstumspotenzial? Wie lange werden die Investoren weiterhin eine Bestmarke nach der anderen durchbrechen?

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten diesen Fragen auf den Grund zu gehen, zum Beispiel indem man die Menge des für Investitionen zur Verfügung stehenden Geldes und den prozentualen Anteil am Gesamtwert aller Finanzvermögenswerte ermittelt und diese Daten dann der Nachfrage des letzten Bullenmarkts gegenüberstellt usw.

Ich denke jedoch, dass die Beantwortung der Frage am besten dadurch gelingt, indem wir einfach die größten Silberinvestments mit einigen beliebten Aktien vergleichen.

Wenn die großen Silberinvestments anfangen, mit den Aktien zu wetteifern, die wir immer in den Nachrichten sehen und über welche die Analysten fortwährend sprechen, also die Aktien, die jeder Fonds-Manager besitzen will, dann kann man wohl berechtigterweise davon ausgehen, dass die Nachfrage bald ihren Höhepunkt erreicht haben könnte.

Schauen wir uns also den größten börsennotierten Silberfonds und einen der größten Silberproduzenten im Vergleich zu einigen der beliebteren Aktien an:

Der größte börsennotierte Silberfonds – iShares Silver Trust (SLV) – verfügte mit Stand zum 04.02.2011 über ein Nettovermögen in Höhe von USD 9,6 Milliarden. Das verblasst natürlich im Vergleich zu den beliebteren in den USA gehandelten Aktien. So beläuft sich die Marktkapitalisierung des SLV gerade einmal auf 12% der Marktkapitalisierung von McDonald’s – sie müsste um das Zwanzigfache steigen, um die Größe von Walmart zu erreichen.

Pan American Silver ist der größte reine Silberproduzent, der an einer der großen US-Börsen gehandelt wird. Die Marktkapitalisierung dieses Unternehmens liegt bei USD 16,3 Milliarden. Das entspricht rund 7% der Größe von Microsoft. Die Marktkapitalisierung müsste um das 19-fache zulegen, um auf die Größe von Apple zu kommen. Sie ist 25 Mal kleiner als die von Exxon Mobil.

Damit soll nun nicht gesagt werden, dass SLV und PAAS die Marktkapitalisierung dieser Unternehmen erreichen werden, aber die Massen verlangen immer noch nach viel mehr Marktkapitalisierung, als dies bei den größten Silberinvestment-Instrumenten der Fall ist.

Also, wie viel zusätzliche Investmentnachfrage kann der Silbermarkt nun eigentlich verkraften?

Ja genau soviel, wie nötig ist, damit Silber allen Menschen ein Begriff ist. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass es so sein wird, bevor das Ganze vorbei ist. Das ist dann der Zeitpunkt, wo der SLV der Liebling der Fonds-Manager ist, Silver Wheaton für die Massen zum Liebling des Marktes avanciert und Wall Streets Spitzenaktie des Jahres Pan American heißt.

Wir sollten uns hier noch einmal vergegenwärtigen, dass sich Silber beim letzten Edelmetallbullenmarkt insgesamt um über 3.464% verteuerte. Bei der aktuellen Bullenmarktphase liegen wir gerade einmal bei 630%.

Eine Wiederholung der Preissteigerungen der 70er Jahre hätte zur Folge, dass der Preis für die Feinunze Silber bis auf USD 152 steigt. Dieses Preisniveau wird zusätzlich noch durch die Tatsache untermauert, dass das Rekordhoch des Silberpreises im Jahre 1980 inflationsbereinigt ebenfalls in diesem Bereich liegt.

Schaut man sich die potenziellen Wachstumsaussichten bei der Marktkapitalisierung der größten Silber-Investments der Welt an, dann ist es auf einmal recht einfach, Rücksetzer lediglich als weitere Kaufgelegenheit zu sehen. Ich sehe es zumindest so.

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