DEFCON 1: EU-Banken sind pleite, Deutschland verlässt wohlmöglich den Euro

Die Warnsignale sind kaum zu übersehen: Das gesamte europäische Bankensystem ist im Grunde pleite und bräuchte USD 1,8 Billionen, um die Fremdkapitalfinanzierung auf ein Verhältnis von 13:1 abzusenken. Die Beschlüsse des letzten EU-Gipfels ändern an der desolaten Situation des Euroraums überhaupt nichts, sondern zielen lediglich darauf ab, den Banken-Kollaps hinauszuzögern und die Realität zu verschleiern

Graham Summers, Phoenix Capital Research, 27.10.2011

Die Aktienmärkte explodierten heute Morgen aufgrund der Meldungen über die Ausweitung der Euro-Rettungsmaßnahmen. Gegenwärtig sehen die neuen Rettungsmaßnahmen so aus:

Erstens sollten wir das Ganze als das bezeichnen, was es ist: Eine griechische Staatspleite. Darüberhinaus ist die Staatspleite noch nicht einmal weitreichend genug, da ein 50%iger Haircut bei den von Privatinvestoren gehaltenen Staatsschulden die griechische Gesamtverschuldung gerade einmal um rund 22% reduzieren würde.

Zweitens würde Griechenland selbst nach diesem Schuldenschnitt immer noch über ein BSP/Schulden-Verhältnis von über 130% verfügen, während davon ausgegangen wird, dass diese Zahl bis 2020 auf 120% abgesenkt werden kann. Darüber hinaus gibt die Troika Griechenland weitere USD 137 Milliarden an Hilfskrediten.

Kurzum: Griechenland ist pleite…bekommt aber noch USD 137 Milliarden an neuen Hilfskrediten – was ungefähr dem Betrag entspricht, der durch den Haircut abgeschrieben würde – während man davon ausgeht, dass das Land im Jahre 2020 immer noch pleite sein wird.

Selbst wenn wir hier unberücksichtigt lassen, dass alle offiziellen Schätzungen zu Griechenlands finanziellem Zustand bisher fernab der Wirklichkeit gewesen sind, und ausblenden, dass Griechenland noch nicht einmal die erste Runde der Rettungsgelder zurückgezahlt hat, sind die oben aufgeführten von den EU-Führern beschlossenen Maßnahmen immer noch hochgradig sinnlos. Warum?

1. Der Haircut ist nicht groß genug. Ich gehe davon aus, dass die griechischen Anleihehalter bestenfalls 20% bis 30% ihrer Investments wiedersehen werden.
2. Es wird nichts erreicht, was irgendwie von Bedeutung wäre – Griechenland bleibt nach wie vor pleite.
3. Die Maßnahmen werden ein mit systemischen Risiken einhergehendes Kreditereignis auslösen.

 Im Folgenden werden wir uns noch einmal die Zahlen veranschaulichen, mit denen wir es hier zu tun haben. Laut der Vereinbarung der EU-Führer sollen die Banken ihr Eigenkapital bis Juni 2012 um USD 147 Milliarden erhöhen.

Nun ja, alleine die deutschen Banken brauchen bereits USD 173 Milliarden an frischem Kapital – die neuen „Kapitalanforderungen“ sind also völlig sinnlos. Fakt ist, dass das europäische Bankensystem als Ganzes insolvent ist.

Bei über USD 46 Billionen an ausstehenden Verbindlichkeiten, müssten die europäischen Banken USD 1,77 Billionen an Kapital auftreiben, um ihr Fremdkapitalfinanzierungsniveau auf ein Verhältnis von 13:1 abzusenken.

Das ist auch der Grund, warum eine Kapitalerhöhung um USD 147 Milliarden überhaupt nichts bringt. Das ist so, als würde man in einer Wüste einen Eimer mit Wasser auskippen, und darauf hoffen, dass sie sich in einen Dschungel verwandelt

Wir sollten ehrlich sein. Mit den auf dem EU-Gipfel verabschiedeten Maßnahmen wurde überhaupt nichts erreicht. Es handelt sich lediglich um eine weitere Verschleppung der Krise, mit dem Ziel, der Realität nichts in Auge sehen zu müssen. Die Realität ist, dass das europäische Bankensystem so stark kreditgehebelt ist, dass es beinahe an das Niveau von Lehman Brothers heranreicht.

Darüber hinaus müssen die europäischen Banken bis Ende 2012 zwischen 15% und 50% (abhängig davon, welches Land man betrachtet) ihrer Gesamtschulden überrollen.

Die Kreditmärkte wissen das natürlich, was auch der Grund dafür ist, warum sie mit weiteren griechischen Haircuts rechnen und warum der IWF zugestimmt hat, Griechenland weitere USD 137 Milliarden an Krediten zu geben – obwohl das Land in die Pleite rauscht.

Sie sollten die jüngsten Kursprünge bei den Aktien und beim Euro einfach ignorieren. Das Chaos ist noch lange nicht ausgestanden … erst recht nicht durch so einen Schuss aus der Hüfte. Bevor sich der Staub wieder gelegt hat, wird ein bedeutender Teil der Eurozone und der Banken zusammengebrochen sein.

Ja, ich glaube sogar, dass der Zusammenbruch des Euros durch einen Austritt Deutschlands ausgelöst werden könnte. Dr. Pippa Malmgren ist auch dieser Meinung. Sie war Wirtschaftsberaterin unter George W. Bush und arbeitete als Beraterin für die Deutsche Bank. Laut Malmgren wird die Deutsche Mark bereits gedruckt, um sich so auf einen möglichen Austritt vorzubereiten. Darüber hinaus erklärte sie, dass:

„der Gesellschaftsvertrag zwischen den deutschen Bürgern und ihren Führern … aufgrund ihrer Geschichte [eine Schuldenmonetisierung] ausschließt … Deutschland hat bereits darauf hingewiesen, dass die Notwendigkeit eines neuen EU-Vertrags besteht, der eine fiskalische Harmonisierung, Strafzahlungen für diejenigen, die gegen die Maastricht-Regeln verstoßen, sowie weitere Maßnahmen beinhalten würde, mit denen der Schutz Europas gegen die wirtschaftlichen Ausfallrisiken gestärkt würde.“

Sollte es stimmen, was Malmgren sagt, würde der Euro komplett in sich zusammenbrechen. Deutschland wird gemeinhin als das EU-Land erachtet, das über die stärkste Bilanz verfügt, und das obwohl … das reale Schulden/BSP-Verhältnis bei über 200% liegt.

Vergleicht man die PIIGS-Länder jedoch mit Deutschland, dann ist Deutschland aus fiskalischer Sicht immer noch grundsolide aufgestellt. Es ist der größte Wirtschaftsraum innerhalb der Europäischen Union. Sollte Deutschland aus der Eurozone aussteigen – 70% der Deutschen sind der Auffassung, der Euro habe keine Zukunft – wird es in Europa zu einer Pleitewelle kommen, die in Griechenland ihren Anfang nimmt und sich dann auf die anderen PIIGS-Länder ausweitet.

Erste Entwicklungen in diese Richtung konnten wir ja bereits beobachten. Am 11.09.2011 erklärte der Vizekanzler Philipp Rösler, dass sich Deutschland nicht an weiteren Rettungsmaßnahmen beteiligen würde. Jeder Politiker, der weitere Rettungspakete beschließt, begeht politischen Selbstmord.

Und dann gibt es ja auch noch die Meldungen, dass Sarkozy und Merkel sich bei den jüngsten Treffen bereits gegenseitig angeschrien haben. Frankreich verkündete, dass es nun Pläne in Erwägung ziehen würde, seine Banken zu verstaatlichen, sollte dies notwendig werden. Und Deutschland hat mehr als nur einen Hinweis gegeben, dass man die Situation als unerträglich erachtet.

Hinter den Kulissen braut sich etwas sehr schlechtes zusammen. Die Gespräche zwischen Merkel und Sarkozy, die Leerverkaufsverbote, das Aussetzen des Handels mit bestimmten Aktien, der gehebelte EFSF, die Andeutungen einer dritten Runde der quantitativen Lockerung seitens der US-Notenbank – all das sagt uns, dass sich das Finanzsystem im Alarmzustand DEFCON 1 befindet, Alarmstufe Rot.

Ignorieren Sie die Entwicklung am Aktienmarkt. Aktien sind immer die letzten, die irgendetwas mitbekommen. Die Kreditmärkte sind heute bereits wieder genauso gestört wie im Jahre 2008, und auch das Bankensystem gibt Warnsignale ab. Wenn Sie sich bisher noch nicht auf einen systemischen Zusammenbruch vorbereitet haben, dann ist jetzt die Zeit, dies zu tun.

Wir sind jetzt buchstäblich nur noch wenige Monate, wenn nicht gar Wochen von dem Zeitpunkt entfernt, wo die europäischen Banken zu Boden krachen. Was im Jahre 2008 geschah, war nur die Aufwärmphase. Die wirklich entscheidenden Ereignisse werden sich in den kommenden 14 Monaten abspielen, und diese Entwicklung wird mit einer Vielzahl von Konzern-, Finanz- und Staatspleiten einhergehen.

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