Inflations-Bombe: Chinesische Regierung sitzt auf einem Pulverfass

Die Nahrungsmittelpreise sind in China im Januar im Jahresvergleich um 11% explodiert, und das wo über ein Drittel der Bevölkerung von weniger als USD 2 am Tag leben muss und die chinesische Regierung jährlich im Schnitt mit 90.000 Aufständen und Protesten zu tun hat. Sollte die Inflations-Bombe zünden, würden die Erschütterungen auch das globale Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 16.02.2012

Die Auswirkungen der kommenden Veränderungen in China werden dramatisch ausfallen – für Europa, den zweitgrößten Handelspartner der Chinesen, wie auch die USA, wobei die Beziehung zwischen den Chinesen und den Amerikanern auch in einen Handelskrieg ausarten könnte.

Der überwiegende Teil der Rally an den chinesischen Märkten, die in den letzten paar Monaten beobachtet werden konnte, war auf die Auffassung der Anleger zurückzuführen, dass China weitere quantitativen Lockerungsmaßnahmen einleiten würde, um den wirtschaftlichen Abschwung des Landes abzumildern. Forbes schrieb dazu im November vergangenen Jahres:

„Die chinesischen Politiker haben mit einer selektiven makroökonomischen Lockerungspolitik begonnen, um das Wachstum anzukurbeln, so Analysten bei Barclays. Und obwohl die Lockerungsmaßnahmen erst in 2012 richtig einsetzen werden, ist China mit einer bedeutenden Abschwächung konfrontiert, da die Exportbranche die Auswirkungen einer schwachen Weltwirtschaft zu spüren bekommt und die Eigenheiminvestitionen, die 12% des BSP ausmachen, gerade drastisch einbrechen, während die chinesische Zentralbank versucht, die Immobilienblase unter Kontrolle zu bekommen.

In ihrem Versuch, eine ´sanfte Landung` hinzubekommen, hatten Chinas Führer in den vergangenen Quartalen mithilfe einer Straffungspolitik eine künstliche Abschwächung herbeigeführt – eine Reaktion auf die ungewollten Folgen der vorausgegangenen Konjunkturmaßnahmen.“

So, und nun wollen wir uns einmal anschauen, welche Folgen die Ankündigung dieser Lockerungsmaßnahmen auf die 25 größten und liquidesten chinesischen Aktienkonzerne hatte:

China kann sich eine ernsthafte wirtschaftliche Abschwächung überhaupt nicht leisten. Es gibt heute bereits über 30 Millionen Chinesen, die ihre Arbeit verloren und die Küstenstädte wieder in Richtung Landesinnere verlassen haben.

Überdies nehmen die Bürgerunruhen in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen zu. Seit 2006 hatte China jedes Jahr im Schnitt mit 90.000 „Massen-Zwischenfällen“, eine Umschreibung für Aufstände und Demonstrationen, zu kämpfen. Im Jahre 1993, also während der Boomphase des Landes, lag diese Zahl unter 10.000.

Es reicht, hier anzumerken, dass eine wirtschaftliche Abkühlung für die chinesische Regierung ein bedeutendes Problem darstellen würde.

Dies wurde im September vergangenen Jahres wieder einmal besonders deutlich, als es im Dorf Wukan zu einer ganzen Reihe von Demonstrationen kam, die dadurch ausgelöst wurden, dass die Regierung den Dorfbewohnern ihre Ackerflächen und Fischereirechte nahm (und somit ihre Hauptverdienstquellen).

In Wukan begannen daraufhin massive Sitzblockaden und Demonstrationen. Das winzige Dörfchen mit 13.000 Einwohnern bereitete der chinesischen Regierung (dank der internationalen Presse) am Ende derart Kopfzerbrechen, dass sie es den Dorfbewohnern sogar erlaubte, ihre eigenen Gemeindevertreter zu wählen.

Einfach unglaublich! China lässt Dorfbewohner über ihre Führung abstimmen. Und das beschert uns einen kleinen Einblick, wie dürftig die Kontrolle der chinesischen Regierung über die Bevölkerung in Wirklichkeit ist.

Und obwohl die Arbeitslosigkeit für die chinesische Regierung in der Tat ein bedeutendes Problem darstellt, hat sie ein noch ganz anderes, viel größeres Problem: Die Inflation. Über ein Drittel der chinesischen Bevölkerung lebt von weniger als USD 2 am Tag. Sollten die Nahrungsmittelpreise in China weiter ansteigen, ist damit zu rechnen, dass die „Massen-Zwischenfälle“ explodieren und sich in weitflächige Aufstände und Bürgerunruhen verwandeln.

Dank Chinas aggressiver monetärer Lockerungsmaßnahmen, die im November vergangenen Jahres eingeleitet wurden, kommt die Inflation, die seit Juli 2011 abgesunken war, zurzeit wieder massiv zurück. Die Washington Post meldete am 08.02.2012:

„Chinas Inflation zog im Januar aufgrund stark steigender Nahrungsmittelpreise erneut an, was den Druck auf Peking erhöht, die rasch steigenden Lebenshaltungskosten unter Kontrolle zu bringen, während die Führung gleichzeitig versucht, das sich abschwächende Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Wirtschaft der Welt anzukurbeln – und das alles inmitten von Warnhinweisen einer globalen Abschwächung.

Die Verbraucherpreise stiegen im Vorjahresvergleich mit 4,5% unerwartet stark an und legten auch gegenüber Dezember (4,1%) zu, wie am Donnerstag veröffentlichte Daten auswiesen. Die Nahrungsmittelpreise stiegen um 10,5%, ebenfalls eine Beschleunigung der Teuerung im Vergleich zum Vormonat (9,1%).“

Wir haben es hier mit einer sehr bedeutsamen Entwicklung zu tun. Die chinesische Regierung wird ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen nun definitiv einstellen, wenn nicht gar Straffungsmaßnahmen einleiten müssen, will sie verhindern, dass das gesamte Land damit beginnt, in Flammen aufzugehen.

Die Investoren sollten sich darüber im Klaren sein, dass China jetzt kurz davor steht, in eine verheerende Entwicklung einzutreten. Sollte sich die Inflation in China weiter ausbreiten, wird es zu dramatischen gesellschaftlichen, politischen und monetären Veränderungen kommen – Veränderungen, die nicht nur in Asien, sondern im gesamten Weltfinanzsystem zu spüren wären. Investoren, die in den nächsten Monaten keine Verluste einfahren wollen, sollten diese Trends im Hinterkopf behalten.

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