Game Over: Für Griechenland ist der Euro Geschichte, Krise kann Europäern jetzt jederzeit um die Ohren fliegen

Die nordeuropäischen Länder sind bei den jüngsten Griechenland-Verhandlungen weit übers Ziel hinausgeschossen. Speziell die Verderbtheit und Niedertracht des BRD-Regimes spricht Bände. Die Griechenland-Krise kann den Europäern nun jederzeit um die Ohren fliegen. Für die Griechen ist der Euro Geschichte. Und sollte an den jüngsten Gerüchten etwas dran sein, haben die Griechen nur noch bis Ende März Zeit, ihr Geld von der Bank zu holen

Bob Chapman, The International Forecaster, 22.02.2012

Eines der Dinge, die wir im Verlauf von fast 30 Jahren im Broker-Business gelernt haben, ist, dass Selbstregulierung nicht funktioniert. Die Marktakteure treiben schlicht zu viel Schindluder und sind zu gierig. Sie haben in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass sie die Gesetze bis zum Äußersten ausreizen. Das haben wir jüngst wieder bei MF Global gesehen. Heutzutage werden alle Märkte manipuliert. Vor 20 Jahren waren es vielleicht 80% aller Märkte.

Die US-Börsenaufsicht SEC und die US-Aufsicht für Termin- und Optionshandel CFTC wussten ganz genau, was bei MF Global vonstatten ging, und haben auch in der Vergangenheit viele andere Verbrechen begünstigt und gedeckt. Diese Verbrechen sind viel zu zahlreich, als dass man sie hier aufzählen könnte, aber zu den Hauptproblemen gehört die Komplizenschaft beim Front-Running und bei den Geschäften mit ungedeckten Leerverkäufen.

Und so etwas wie die „effiziente Markthypothese“ gibt es auch nicht – das ist nur Gerede, um Sie hinters Licht zu führen.

Eine kleine Gruppe, die sich aus Schwergewichten an Wall Street und der US-Notenbank Federal Reserve zusammensetzt, kontrolliert die US-Regierung und die Wirtschaft. Fragen Sie doch einfach die Mitglieder des Council on Foreign Relations, der Trilateralen Kommission oder der Bilderberg-Gruppe. Sie wissen, was läuft, weil sie die Politik ausarbeiten und dafür Sorge tragen, dass sie auch umgesetzt wird.

Wall Street ist nichts weiter als eine gigantische Aneinanderreihung von Finanzbetrügereien, wo die Schuldigen nur in den allerseltensten Fällen ins Gefängnis wandern und die Vorwürfe mit Strafzahlungen vom Tisch gewischt werden – Strafzahlungen, die gewöhnlich von den Unternehmen und nicht von den Privatpersonen gezahlt werden.

Und während die Untersuchungen der SEC und CFTC im Sand verlaufen oder garnicht erst stattfinden, haben diese Behörden ihre wahre Freude daran, gegen kleine und mittelständische Wertpapierhändler vorzugehen, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen – also wenn sie nicht gerade irgendeinen der Rundbriefautoren zur Strecke bringen, die sich allesamt keine Spitzenanwälte leisten können, sofern sie sich überhaupt Rechtsberatung leisten können.

Das ganze Spiel ist abgekartet, und zwar bereits seit vielen Jahren. Die US-Regierungsbehörden, Wall Street und das Bankenwesen sind es, die unser Leben kontrollieren. Sie verfügen über eine immense Macht, und das ist auch der Grund, warum sie mit dem, was sie tun, einfach davonkommen.

Dasselbe kann man auch vom US-Kongress behaupten. 90% der Kongressmitglieder werden mithilfe von Wahlkampfspenden und anderen Zuwendungen wie Insider-Handel geschmiert. Deswegen gibt es in den USA heute auch den Freihandel, die Globalisierung und die Auslagerung. Der Kongress, all jene, die sich um politische Ämter bewerben, und der US-Präsident haben das noch nicht einmal zum Thema gemacht.

Innerhalb der vergangenen zwölf Jahre hat uns diese Politik zwölf Millionen Arbeitsplätze und 450.000 Unternehmen gekostet. Es ist offenkundig, dass den Kongress das nicht im Geringsten schert. Eigentlich müsste es heißen, dass die transnationalen Konglomerate, also diejenigen, die den Kongress bezahlen, kein Interesse an dieser Thematik haben, weil sie den Freihandel genau so wollen, wie er zurzeit stattfindet.

Die USA waren 1795 nicht in der Lage, mit Sklavenarbeits-Ländern in Wettbewerb zu treten, und sind es heute immer noch nicht. Es muss also Ausgleichskräfte geben, eine Balance, die der ungehemmten Plünderung Amerikas Einhalt gebietet – eine Plünderung, die die wirtschaftliche Unabhängigkeit und am Ende die Souveränität des Landes vernichtet. Die USA sind jetzt nur noch einen Schritt davon entfernt, in einen Zustand postindustrieller Abhängigkeit und den Staatsbankrott abzurutschen.

Für den US-Kongress ist es bezeichnend, dass die plündernden Konzerne auf Auslandsumsätze keine Steuern entrichten müssen. Das ist absoluter Wahnsinn! Anstatt die Unternehmenssteuern zu senken, so wie es andere Länder auch getan haben, wurden sie in den USA gleich komplett gestrichen, damit die transnationalen Konzerne bessere Wettbewerbsbedingungen vorfinden. Wir nennen das modernen Kolonialismus.

Nach dem Debakel des britischen Kolonialismus wandten sich die USA Ende des 18. Jahrhunderts einem System der Schutzzölle zu, das bis vor rund 25 Jahren relativ gut funktioniert. Dann kam die Welthandelsorganisation, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und das Zentralamerikanische Freihandelsabkommen (CAFTA). Die Ergebnisse sehen wir ja heute.

Die US-amerikanischen Schutzzölle waren eine der Voraussetzungen für den Erfolg des Landes. Die USA sind ohne diese Einfuhrzölle nicht wettbewerbsfähig, so einfach ist das. Man kann wirtschaftliches Wohlergehen nicht dadurch sicherstellen, indem man innerhalb von zwölf Jahren zwölf Millionen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Wie wir gesehen haben, ist es nicht möglich, sich jahrein jahraus mit immer stärker steigenden Haushaltsdefiziten über Wasser zu halten, ohne daran kaputt zu gehen.

Heute, 217 Jahre später, machen wir wieder genau dieselben dummen Fehler, was vornehmlich darauf zurückzuführen ist, dass sich die Öffentlichkeit für derlei Dinge überhaupt nicht interessiert, während der US-Kongress genau das tut, was seine Zahlmeister von ihm verlangen.

Die Schuldensituation der USA verschlechtert sich zusehends und mit diesem Verfall verliert die Weltreservewährung, der US-Dollar, gegenüber anderen Währungen sowie Gold und Silber immer weiter an Wert.

Der Umstand, dass der US-Dollar als Weltreservewährung fungiert, beschert den Amerikanern zahlreiche Vorteile. Ist dieser Vorteil erst einmal dahin, was bleibt Amerikas Wirtschaft dann noch? Wird uns dasselbe Schicksal ereilen wie die Griechen?

Auf alle Fälle ist es falsch zu behaupten, dass Schutzzölle eine Depression zur Folge haben würden. Innerhalb der vergangenen 200 Jahre wurden die US-amerikanischen Schutzzölle insgesamt sechs Mal angehoben, und in keinem Fall folgte dem eine Depression. Ohne Schutzzölle wird Amerika seine Rolle als führende Weltmacht verlieren.

Sollte an den Gerüchten etwas dran sein und tatsächlich ein schriftliches Planungsdokument existieren, das den absichtsvollen Staatsbankrott Griechenlands beschreibt, und sich dieses Dokument bereits seit über einem Monat im Besitz zweier Wall Street Banken befinden, dann muss am Sturz Griechenlands bereits seit einiger Zeit gearbeitet werden.

Die griechische Staatspleite ist angeblich für den 23.03.2012 geplant. Es heißt, dass die Kreditratingagenturen zu diesem Zeitpunkt offiziell den Staatsbankrott Griechenlands erklären würden. Der 23. März ist ein Freitag. Übers Wochenende würden dann alle griechischen Bankkonten eingefroren. Wenn das wahr ist, sollte man seine Euros oder welche Währung und Werte auch immer bis dahin besser aus den griechischen Banken abgezogen haben.

Wir hatten bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass wir nicht genau wissen, was sich in Deutschland zurzeit hinter den Kulissen abspielt. Wir fragten uns damals, ob die politischen Entscheidungsträger in Deutschland tatsächlich vorhaben, Griechenland und wohlmöglich den Euro zu retten, oder ob sie – genauso wie die Mehrheit der Deutschen – nicht vielmehr daran interessiert sind, den Euro und die Europäische Union über Bord zu werfen.

Innerhalb der letzten sieben Tage gab es zahlreiche Kommentare, viele von ihnen waren völlig überzogen. Es scheint fast so, als würde der überwiegende Teil der nichtgriechischen Entscheidungsträger die Fortschritte im Hinblick auf die Griechenland-Krise massiv torpedieren.

Die USA erklärten, nicht noch tiefer in die europäischen Probleme hineingezogen werden zu wollen, während der Internationale Währungsfonds ein paar Almosen anbot. Die Deutschen und ihr Finanzminister äußersten sich die vergangenen zwei Wochen durchweg negativ und versuchten fortwährend, die Verhandlungen hinauszuzögern, was bei den griechischen Unterhändlern für Verwirrung sorgte. Vergangenen Samstag wurde der Öffentlichkeit dann erklärt, dass man sich am Donnerstag auf eine Regelung geeinigt hat.

Unterdessen plant Merkel, die griechische Regierung durch einen EU-Kommissar zu ersetzen. … [Die Deutschen verfügen im Hinblick auf die Entsendung derartiger Entscheidungsträger über einen reichhaltigen historischen Erfahrungsschatz.] Hat die deutsche Regierung vor, Griechenland in einen Ableger Deutschlands zu verwandeln?

Und auch Draghi mischte sich ein und bekundete seinen Unmut über Schäuble, der die griechischen Sparbemühungen als lächerlich abtat. In Athen, wo es scheint, dass man tatsächlich alles daran setzen würde, um eine Einigung zu erzielen, kam das nicht besonders gut an. Auch wurde die Forderung aufgestellt, dass die griechischen Parteiführer verbindlich unterschreiben müssten, dass die Regelungen auch eingehalten würden, was einfach nur lächerlich ist. Die deutschen Zeitungen mischten sich ebenfalls ein und bauschten die Kommentare komplett auf.

Und, hört sich das vielleicht so an, als wären die Deutschen darauf aus, eine Vereinbarung zu erzielen? Wohl kaum, obwohl ihnen letztlich natürlich beide Optionen offen stehen.

Dann forderte Merkel von den griechischen Parteiführern, eine weitere Zusage zu unterzeichnen, da sie Samaras, dem Führer der griechischen Partei Nea Dimokratia, offenkundig nicht zu trauen scheint. Der nächste Affront. Das sind alles erbärmliche Mätzchen.

Und nicht zu vergessen: Die Bemerkungen von Schäuble, der die griechischen Schulden als Fass ohne Boden bezeichnete, was für eine weitere Anspannung der Beziehungen sorgte. Und dann empfahl Merkel, die griechischen Wahlen solange hinauszuzögern, bis die Rettung abgeschlossen sei. Das ist das erste Mal, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit gelangte.

Die Deutschen wissen natürlich, dass, sobald die Wahlen in Griechenland vorüber sind und Samaras gewählt wurde, die griechische Regierung Veränderungen verlangen oder die Vereinbarung gleich komplett für null und nichtig erklären wird. Merkel weiß, dass, sollte es vor dem 16.03.2012 nicht zur Überweisung der Rettungsgelder kommen, das Land in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen wird.

Die Griechen scheinen langsam zu begreifen, dass Deutschland sie aus der Eurozone drängen will – und sei es nur deshalb, weil die deutsche Bevölkerung es so verlangt. Am Ende werden die Deutschen wieder den Finger erheben und erklären, dass das der falsche Weg sei. Haben Sie eigentlich jemals in irgendeinem Land einen Politiker gesehen, der die Wahrheit sagt? Ja, gelegentlich passiert das schon mal, aber in diesem Fall ganz bestimmt nicht.

Und als wäre das alles noch nicht genug, erklärte der luxemburgische Jean-Claude Junker, dass beim Rettungsprogramm stringentere Überwachungsmechanismen implementiert werden müssten. Die Schulden müssten bedient werden. All die Euros, die die Europäische Union Griechenland zur Verfügung stellt, müssen direkt in die Säckel der Banken abfließen. Mit anderen Worten: Wagt es bloß nicht, das Blutgeld der Banker anzurühren!

Die EU-Bürokraten und EU-Politiker haben jetzt mitbekommen, dass es für die Eurozone auch ein Leben nach Griechenland gibt – nun, wo sie USD 1,6 Billionen von der Federal Reserve erhalten haben, brauchen sie sich nicht mehr länger Sorgen bezüglich der lächerlichen Schuldenbeträge der Griechen zu machen. Mit dem Fed-Kredit könnten sie die nächsten zwei Jahre auskommen. Die Frage ist aber, ob die Europäer die Gelder wieder zurückzahlen können und werden oder der US-Steuerzahler am Ende auf den Kosten sitzen bleibt.

Es ist mittlerweile offenkundig, dass der Fed-Kredit Europa bis auf Weiteres über Wasser halten wird. Unbestritten ist auch, dass die Fed keine vollumfängliche Staatspleite Griechenlands wünscht, da die US-Banken, die Eigentümer der Fed, dann mit USD 70 Milliarden zur Kasse gebeten würden. Mit dem Fed-Kredit wird natürlich auch die Rettung Spaniens und Italiens finanziert.

Das Ganze verwandelt sich in eine Schmierenkomödie mit jeder Menge sich wiederholender Handlungsstränge und Doppelrollen. Die bösen Jungs sind in Wirklichkeit die Opfer. Wir haben die Griechen, die sogenannten bösen Jungs, und dann haben wir die Deutschen, die Guten. Am Ende dürfte sich herausstellen, dass sie nicht die sind, für die sie gehalten werden.

Die Aktionen von Schäuble und Merkel sind nicht nur schändlich und erbärmlich, sondern verschlagen einem buchstäblich die Sprache – Aktionen, die, wie wir vergangene Woche sahen, sogar zu Demonstrationen und Aufständen führen. Die Griechen hatten vor rund 70 Jahren gegen die Deutschen gekämpft und nur die Wenigstens haben die Besatzung ihres Landes vergessen. Die Anfeindungen aus Deutschland sind einfach nur widerlich.

Und das Ganze lässt nur einen Schluss zu: Egal, was die Griechen auch tun, die Eurozone ist für sie nun Geschichte.

Griechenland hat seine Arznei- und Krankenhauskosten bereits um 30% gesenkt. Die Gehälter wurden um 30% gekürzt, die Renten um 50%. Die Austerität hat zum Zusammenbruch der Wirtschaft geführt: Die Wirtschaft schrumpft. In 2011 lag der Rückgang bei 6,8% und für 2012 wird mit einem weiteren Minus von 7% gerechnet.

So und nun fragen wir Sie: Wie soll Griechenland seine Schulden in einer solchen Situation wieder zurückzahlen, während sich die Zinsen und Zinseszinsen exponentiell in die Höhe schrauben?

Selbst wenn Griechenland versuchen würde, die Schulden zu bedienen, fände sich unter den aktuellen Umständen praktisch für nichts ein Käufer. Die Troika agierte von Anfang völlig verantwortungslos.

Wir sind der Auffassung, dass die USA, Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und Finnland dieses Mal zu weit gegangen sein dürften. Die Vereinbarung mit Griechenland könnte vollkommen in sich zusammenbrechen. Das Ganze könnte zu einem einzigen Chaos ausarten – völlig ungeachtet der Geldmengen, die die FED noch in die EU zu pumpen gedenkt. Die bisherigen Ereignisse wie auch die künftigen Entwicklungen gehen für Europa mit massiven und irreparablen Schäden einher, unter denen alle zu leiden haben werden.

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