Zum Scheitern verdammt: Eurozone wird auseinanderbrechen, Länder kehren zu Nationalwährungen zurück

Bob Chapman, The International Forecaster, 29.02.2012

Die Europäische Union und die Eurozone mussten in 2008 einen schweren Rückschlag einstecken, einen Rückschlag, von dem sie sich bis heute nicht erholt haben. Die Schwächen der Eurozone waren bereits in den 90er Jahren offenkundig, als man das System aus der Taufe hob, doch wollten nur die Wenigstens diese negativen Aspekte auch wahr haben. Heute ist Europa in einer entsetzlichen Situation gefangen, und die einzige Möglichkeit, sich aus dieser Lage wieder zu befreien, besteht in der Aufgabe des Euros und der Rückkehr zu den einstigen Nationalwährungen.

Bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht war bereits klar, dass zahlreiche Regeln und Maßnahmen überhaupt nicht funktionieren würden – was den Akteuren jedoch völlig egal war. Die Idee bestand darin, Deutschland enger an seine Nachbarländer zu binden, so dass das Land nicht mehr in der Lage seinen würde, einen neuen Krieg vom Zaum zu reißen. Überdies wollte man ganz Europa in eine gemeinsame Handelsunion und später dann in eine politische Union mit einer Einheitswährung für alle europäischen Kernländer verwandeln.

Der größte Fehler bestand darin, diese Union im ersten Schritt finanziell und wirtschaftlich auf die Beine zu stellen, was sich mittlerweile ja als Reinfall herausgestellt hat. Normalerweise hätten sie mit einer gemeinsamen Verfassung beginnen müssen, die sie vor ein paar Jahren dann mithilfe von Täuschungen, Betrügereien und Erpressungen in Form des Vertrags von Lissabon ja auch bekamen.

Und was geschah als nächstes? Die EU- und Euroländer stellten auf einmal fest, dass weder die EU noch die Eurozone ihren Bedürfnissen entgegenkommt und diese Konstrukte nicht funktionieren. Es war alles nicht richtig durchdacht worden, weshalb die Länder von Beginn an in der Falle steckten und zunehmend an Souveränität verloren, ein Sachverhalt, der von ihnen schon bei der Ausarbeitung völlig übersehen wurde.

Die Länder konzentrierten sich nun ausschließlich auf die billigen Kredite, die ihnen nun dank des einheitlichen Zinssatzes in der Eurozone eingeräumt wurden. Das war auch der entscheidende Grund, der Griechenland, Portugal und Irland finanziell in die Knie zwang. Es ist nicht möglich, mit einem einheitlichen Zinssatz zu arbeiten, wenn der Währungsraum aus 17 Ländern besteht, die völlig unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungsniveaus aufweisen.

Die Europäische Union ist eine unnatürliche Vereinigung von Ländern, die in den letzten 10.000 Jahren allesamt über eigenständige Stammeskulturen verfügten. Es bestand also nie die Aussicht darauf, dass die Europäische Union lange Bestand haben würde, und an dieser Tatsache, auf die wir bereits 1992 hinwiesen, hat sich bis heute nichts geändert.

Es bestand nie ernsthaft die Aussicht darauf, dass die Europäische Union sich in einen Staat verwandeln und zu einer Verwaltungseinheit der Eine-Welt-Regierung werden würde, was bei all dem in Wirklichkeit immer im Vordergrund stand.

Die weltweite Kreditkrise in 2008 änderte auf einmal alles und legte zahlreiche Schwächen der Europäischen Union und der Eurozone offen. Auf einmal konnte jeder mitverfolgen, dass die Eurozone nicht in der Lage ist, der Krise und dem Ungemach zu trotzen, und die einzigen Stärken des Währungsraums von einigen wenigen Mitgliedsländern herrührten. Als wir vor 22 Jahren erstmals darüber schrieben, war das bereits völlig offenkundig, und nun können wir diese Entwicklung ja auch mit unseren eigenen Augen beobachten.

Am Ende geht es schlicht um die kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realitäten, die die europäischen Länder voneinander trennen. Das bedeutet auch, dass die Europäer nicht in der Lage sein werden, die einzigartigen Qualitäten der USA auf das heutige Europa zu übertragen. Das ist der Grund, warum wir von Anfang an davon ausgegangen sind, dass es sich bei der Schaffung der Eurozone und der EU um nichts weiter als ein durchgeknalltes Experiment handelt.

Die Zukunft Europas befindet sich in der Schwebe. Werden Deutschland und andere Euroländer die Eurozone oder gar die Europäische Union verlassen? Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Deutschland reicht es jetzt. Das Land ist nicht mehr länger bereit, die anderen Euroländer zu finanzieren, und will lieber seine eigenen Wege gehen. Das deutsche Volk wollte ohnehin nie in die EU oder die Eurozone. Das ist übrigens auch genau das Gegenteil von dem, was die Experten in den Massenmedien kolportieren, aber im Grunde tun sie ja auch nichts weiter, als der Parteilinie der Neuen Weltordnung zu folgen.

Deutschland und Russland wollen sich wieder zu den Herren über Europa aufschwingen, und am Ende könnte dies tatsächlich so kommen.

Die Mätzchen der USA, Großbritanniens und Europas bezüglich der iranischen Ölverkäufe spielen gegenwärtig ebenfalls eine Rolle. Die westlichen Länder haben vom Iran verlangt, diese Geschäfte auf Dollarbasis abzuwickeln, doch könnte sich diese Forderung gemeinsam mit der Ausgrenzung des Irans vom Swift-Code-System am Ende als außerordentlich schädlich herausstellen. Beide Maßnahmen sind kompletter Blödsinn, unnütz und zum Scheitern verdammt.

Nichtsdestotrotz fahren die westlichen Länder mit diesen Maßnahmen fort – Maßnahmen, die durchaus zu langfristigen Verwerfungen in der Eurozone und der EU führen könnten. Europa hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre praktisch in jeder Hinsicht verändert und es wird noch viel mehr Veränderungen geben.

Beispielsweise versuchen die deutschen Regierungsparteien gegenwärtig zu verhindern, dass die europäische Rettungsmaschinerie mit zusätzlichen Geldern versorgt wird, was die Griechenland-Rettung noch stärker verkompliziert und wodurch eine Konfrontation mit dem Internationalen Währungsfonds – in Wirklichkeit ein Ableger der US-Regierung – vorprogrammiert ist.

Deutschland selbst unterliegt einer strikten Haushaltskontrolle, um die eigene Staatsverschuldung im Zaum zu halten, wird unterdessen jedoch gebeten, weitere Gelder aufzutreiben, um die Euro-Brandmauer auf USD 1 Billion zu erhöhen, was beim Normalbürger aber überhaupt nicht gut ankommt. Das könnte zum Moment der Wahrheit werden – die Konfrontation Deutschlands mit dem IWF, der Niederlande, Finnland und den Illuministen.

In einer Art verhüllter Drohung gab Brüssel jüngst bekannt, dass das Bruttosozialprodukt der EU in 2012 um 0,3% schrumpfen wird, wir gehen aber von besseren Wachstumsdaten aus.

Natürlich wird eine Depression in Griechenland Europa weiter nach unten ziehen. Schlechte Meldungen und Vertrauensverlust sind allgegenwärtig. Und was das Ganze noch schlimmer macht: Europa sieht sich nicht in der Lage, mit irgendwelchen Lösungen aufzuwarten, was nicht verwundert, denn sie haben keine.

Das griechische Parlament hat der Schuldenregelung mit den Anleihehaltern am Dienstag zugestimmt. Die Regelung muss bis zum 12.03.2012 abgeschlossen sein, um die Frist bis zum 20.03.2012 wahren zu können, dem Tag, an dem griechische Staatsanleihen in Höhe von USD 20 Milliarden fällig werden.

Ja, und dann haben wir noch die „Ich zahle nicht!“-Bewegung. Das erinnert uns an die Taktiken, die Gandhi in den 40er und 50er Jahren eingesetzt hat, als er sich weigerte, dass Spiel der Banker mitzuspielen. Zweifellos betreiben die Griechen hier eine Art des zivilen Ungehorsams, wenn sich die öffentlichen Einrichtungen einfach weigern, Gebühren zu erheben, die Händler die Mehrwertsteuer nicht einziehen und die Fahrkartenentwerter in den U-Bahnen einfach zugeklebt werden.

All die Austeritätsmaßnahmen, die man dem griechischen Volk auferlegt, könnten sich am Ende als riesiger Reinfall herausstellen, wenn die Menschen sich einfach weigern, die Steuereinnahmen, mit denen die Banker bezahlt werden sollen, zu liefern. Es ist die Antwort der Öffentlichkeit auf die Austeritätsmaßnahmen, politischen Skandale, Bestechungen und die Korruption. Eine Gruppe von Demonstranten trägt Westen in Leuchtfarben mit der Aufschrift „totaler Widerstand“ und skandiert: „Für eure Krise zahlen wir nicht!“ Von der Regierung werden sie natürlich als Schmarotzer bezeichnet.

Und während die griechische Regierung versucht, in den Restaurants das Rauchen zu verbieten, lässt sich bereits eine weitflächige Steuerumgehung ausmachen – und das trotz der händeringenden Versuche der Regierung, diesen Aktionen Einhalt zu gebieten. Die Griechen weigern sich, für die Fehler der Politiker zu bezahlen. Was sie aber noch stärker anwidert, sind Korruption und Vetternwirtschaft, die seit 1974 in allen griechischen Regierungen grassierten, besonders aber unter Andres Papandreou, dem Vater von George Papandreou.

Ein Barbesitzer erklärte, dass die Gesetze ja auch nicht für die Minister und andere hohe Tiere gelten würden, die sich am griechischen Volk bereichert haben. Und wenn sie die Gesetze nicht einhalten, wie kann man von den Menschen dann erwarten, dass sie sich daran halten würden! Wie Sie sehen, scheren sich die Griechen nicht mehr um derlei Dinge, und wir können ihn dies auch nicht zum Vorwurf machen.

Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel werden wahrscheinlich aus ihren Ämtern fliegen. Den Bankern ist egal, wer diese Posten hält, solange sie die Amtsträger kontrollieren und ihre toxischen Giftmüllpapiere bei der Europäischen Zentralbank und den Zentralbanken der EU-Länder abladen können, so dass der Steuerzahler am Ende mit der Rechnung dasteht. Wir hatten ja bereits in früheren Ausgaben darauf hingewiesen, dass die Banken nur noch 25% ihrer Giftmüllpapiere in den Bilanzen halten.

Die solventen Euroländer sind es leid, diese anhaltend insolventen Institutionen zu stützen. Und auch das griechische Volk ist nicht bereit, die Verantwortung für die Misere zu übernehmen, was durch die „Ich zahle nicht!“-Bewegung deutlich zum Ausdruck kommt.

Wir erklärten den Griechen bereits vor zweieinhalb Jahren, dass sie die vollständige Zahlungsunfähigkeit verkünden, zur Drachme zurückkehren und den Laden wieder in Ordnung bringen müssten. Es ist völlig egal, was in Zukunft noch alles geschehen wird, das ist die Richtung, wo die Reise hingeht.

Die Griechen sind am Ende und dürften kaum in der Lage sein, noch irgendwelche Waren und Dienstleistungen ins Land einzuführen – abgesehen von Öl natürlich, wo der Iran zurzeit ja eine Ausnahme macht und den Griechen beisteht. Für den Iran ist das eine perfekte PR-Maßnahme.

Die Ungleichgewichte in der Eurozone und unter den EU-Ländern wurden durch den einheitlichen Zinssatz für alle Euroländer überhaupt erst möglich gemacht. Das hätte niemals geschehen dürfen. Man braucht sich ja nur anzuschauen, was für ein heilloses finanzielles und wirtschaftliches Chaos dadurch geschaffen wurde. Und jetzt, wo die Katastrophe da ist, sind die Banker und die EU-Führer völlig ratlos.

Die Banker kontrollieren die Struktur, und das heißt, dass alle potenziellen Entscheidungen immer zu ihren Gunsten ausfallen werden. Wenn die Banker untergehen, reißen sie die gesamte Machtbasis mit in den Abgrund. Das ist auch der Grund, warum es keine Lösung gibt. Sie halten solange als möglich an ihrer Machtbasis fest. Bei den USA, Großbritannien und anderen Ländern verhält es sich übrigens genauso.

Die Banker haben das Ganze bis zum Äußersten getrieben, und sollte Griechenland in die vollständige Zahlungsunfähigkeit abrutschen, können Sie davon ausgehen, dass die Banken riesige Verluste einfahren werden.

Und, wird die US-Notenbank Federal Reserve für diese Verluste aufkommen? Natürlich wird sie das! Die Inflation wird dadurch durch die Decke schießen. Die Vernetzung des weltweiten Bankensystems stellt mittlerweile den größten Schwachpunkt dar. Es ist wie bei den Dominosteinen: Fällt einer, kippen alle.

Eine griechische Staatspleite könnte das gesamte System der Kreditausfallversicherungen zum Einsturz bringen – ein völlig unregulierter Markt, der zurzeit noch vor dem Zusammenbruch bewahrt wird.

Alle Meldungen kommen zurzeit aus Europa – aus den USA und Großbritannien hört man praktisch überhaupt nichts. Wir weisen ja bereits seit einer Weile darauf hin, dass Europa von den USA und Großbritannien als Ablenkung genutzt wird.

In den letzten paar Jahren haben wir in dieser Publikation, im griechischen Radio, Fernsehen und in den Kolumnen wiederholt darauf hingewiesen, dass ein Militärputsch in Griechenland nach unserem Dafürhalten durchaus denkbar ist. Und nun haben wir erneut derartige Gerüchte vernommen.

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass ein Militärputsch in Griechenland eine Alternative gegenüber der Einsetzung eines illuministischen Präsidenten und dem entsetzlichen Martyrium, das das griechische Volk zurzeit zu erleiden hat, darstellen würde. Griechenland ist von seiner politischen Führung und den Bankern eingekreist worden.

Nie stellt irgendjemand die Frage, ob diese Kreditvergaben und Anleihekäufe mit aus dem Nichts geschaffenem Geld überhaupt hätten erfolgen dürfen. Natürlich hätte es nie dazu kommen dürfen, also ist es nur rechtens, wenn auf die Anleihen und Kredite die Zahlungsunfähigkeit erklärt wird.

Das griechische Militär wäre in der Lage, die Souveränität Griechenlands zu garantieren, speziell im Hinblick auf die Forderungen der Deutschen, die Griechenland der Kontrolle der EU-Kommission unterstellen wollen, was im Grunde darauf hinausliefe, dass Griechenland zu einer EU-Provinz würde.

Gemäß den Regeln der Europäischen Union müssen die Mitgliedsländer von einem gewählten Parlament bzw. einer gewählten Regierung angeführt werden. Käme es in Griechenland zu einer Militärregierung, würde sich das Land somit automatisch selbst ausschließen. Fakt ist jedenfalls, dass zurzeit alles möglich ist, und das Einzige, was wir dazu sagen können, ist, dass sich die Griechen jetzt besser darum kümmern, ihre Wahlen Anfang April über die Bühne gehen zu lassen.

All die irrsinnigen Debatten halten mittlerweile schon seit drei Jahren an, und trotzdem konnte bisher niemand irgendeine Lösung anbieten. Die EU hat die letzten Reste von Solidarität und Vertrauen, sofern davon je etwas da war, eingebüßt. Die Europäische Union ist ein einziger politischer Nebenschauplatz gewesen. Diese Bürokraten und Politiker haben bei den ganzen Betrügereien einfach viel zu lange tatenlos zugeschaut.

Das Vertrauen ist weg, in Europa gibt es keins mehr – die europäischen Banker, Politiker und Bürokraten haben das gesamte Vertrauen verspielt. Es ist über einen sehr langen Zeitraum hinweg langsam aber sicher in Rauch aufgegangen. Und all die föderalistischen Träumer können wir mittlerweile auch nicht mehr hören. In Wirklichkeit sind es illuministische Vertreter einer Eine-Welt-Regierung, die darauf aus sind, den gesamten Planeten zu versklaven.

Ja selbst die Politiker in den nordeuropäischen Ländern, die sich einst so willig zeigten, ihre Länder zu verraten und zu verkaufen, denken nun noch einmal darüber nach, was sie eigentlich getan haben. Am Ende werden sie einsehen müssen, dass der Preis viel zu hoch ist.

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