Eine Nummer zu groß: Europäische Bankenkrise wird alles unter sich begraben

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 03.04.2012

Die vergangenen zwei Jahre war ich mehrere Male der Auffassung, dass ein Crash bevorsteht. Und auf gewisse Art lag ich damit ja auch richtig: Wir hatten eine beträchtliche Korrektur von über 15%, der wirklich große Crash, mit dem ich gerechnet hatte, blieb dank der Intervention der US-Notenbank dann aber aus.

Doch was ist dieses Mal anders? Aktuell gibt es einige Unterschiede:

1. Die Krise in Europa ist vom Umfang her bedeutend größer als irgendetwas, womit es die Fed jemals zu tun bekommen hat.

2. Die Fed ist mittlerweile politisch derart angeschlagen, dass sie sich nicht mehr in aggressiven geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen ergehen kann, ohne dadurch im Wahljahr massive politische Rückschläge zu erleiden.

3. Die Fed hat sich mittlerweile bereits so stark verausgabt, dass das Einzige, was sie jetzt noch tun könnte, in der Bekanntgabe eines riesigen Lockerungsprogramms bestünde, das von sich aus bereits eine Krise auslösen würde.

 Bei Punkt 1, der europäischen Bankenkrise, gibt es einige Aspekte, die wir bedenken sollten:

Wir sprechen hier also über ein Bankensystem, das fast viermal so groß ist wie das der USA (USD 46 Billionen vs. USD 12 Billionen), während der eingesetzte Fremdkapitalhebel der Banken fast doppelt so hoch ist wie bei US-amerikanischen Finanzinstitutionen (26:1 in der EU vs. 13:1 in den USA) und die Zentralbank Unmengen an toxischen Schulden in ihre Bilanz aufgenommen hat und zurzeit mit einem Hebel von 36:1 arbeitet.

Und all das in einer Region mit 17 unterschiedlichen Ländern, von denen keines dieser Länder eine besonders ruhmreiche Geschichte vorweisen kann, wenn es darum geht, sich mit seinen Nachbarn einvernehmlich zu verständigen – zu einer Zeit, wo die alten politischen Spannungen schnell wieder hochkochen.

Und so schlimm die oben aufgeführten Punkte auch klingen mögen, beschreiben sie nicht einmal im Ansatz die wirkliche Situation Europas. Mohammad El-Erian, Chief Investment Officer bei PIMCO und einer der intimsten Kenner der Finanzelite, wies jüngst darauf, dass die französischen Banken (nicht etwa die griechischen oder spanischen) die Vermögenswerte in ihren Bilanzen aktuell mit 1% bis 1,5% an Eigenkapital unterlegt haben, was bedeutet, dass sie mit einem Hebel von fast 100:1 arbeiten.

Ja wir sprechen hier über Frankreich – angeblich eines der wichtigsten Länder, das der EU als Ganzem den Rücken stärken soll.

Um es hier noch einmal ganz klar zu sagen: Die Fed und die weltweiten Zentralbanken haben es in der Vergangenheit noch nie mit einem Problem dieser Größenordnung zu tun gehabt. Die kommende europäische Bankenkrise sprengt alle Maßstäbe. Und es gibt bereits erste Hinweise darauf, dass die Bank-Runs, die in den PIIGS-Ländern bereits voll im Gang sind, nun auch auf Frankreich übergreifen, wie aus den Ausführungen von El-Erian zu entnehmen ist.

Ich wollte auf diese Fakten noch einmal in aller Deutlichkeit hinweisen, weil ich oft als jemand bezeichnet werde, der die ganze Zeit Weltuntergangszenarien an die Wand malt. Nein ich bin kein Weltuntergangsprophet. Ich bin Realist. Und die Europäische Union ist ein einziges Chaos, das sich jedweder Vorstellung entzieht. Die weltweiten Zentralbanken können nicht einmal im Ansatz darauf hoffen, dieses Problem einzudämmen. Im Grunde haben sie nur zwei Möglichkeiten:

Entscheiden Sie sich für das Erste, wird Deutschland den Euro verlassen. So einfach ist das. Und selbst die ersten Effekte des konzertierten Versuchs der Schuldenmonetisierung würden sofort bedeutungslos werden, da der Euro dann in den freien Fall übergeht, was den US-Dollar in die Höhe treibt und in der Folge mindestens zu einem Ereignis im Stile des Jahres 2008 führen würde.

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass die Fed politisch mittlerweile so stark angeschlagen ist, dass der Fed-Chef Ben Bernanke nun sogar schon eine Werbetour veranstaltet, um zu versuchen, das amerikanische Volk davon zu überzeugen, dass es sich bei der US-Notenbank um eine ehrliche und nützliche Einrichtung handelt. Mit anderen Worten: Es besteht überhaupt nicht die Aussicht darauf, dass die Fed in der Lage ist, ein riesiges geldpolitisches Lockerungsprogramm zu verkünden, bevor es nicht zu einer massiven Krise gekommen ist, bei der die Aktientitel mindestens um 15% einbrechen.

Und bezüglich meines dritten Punkts, dass die Fed sich ohnehin bereits verausgabt hat: Würde die Fed eine neue Strategie bekanntgeben, dann müsste es ein riesiges Lockerungsprogramm sein, das sich wohlmöglich auf über USD 2 Billionen beläuft. Wir sollten uns noch einmal vor Augen halten, dass die USD 600 Milliarden, die die US-Notenbank im Rahmen von QE2 ausgegeben hat, der US-Wirtschaft gerade einmal drei Monate an guten Wirtschaftsdaten bescherten und es sich zu jener Zeit um eine Präventivmaßnahme handelte, sich das System damals also noch garnicht in der Phase des Zusammenbruchs befand.

Angesichts der Tatsache, dass die Fed nur noch in der Lage wäre, ein massives Lockerungsprogramm zu verkünden, um auf eine bereits eingetretene Krise zu reagieren, müsste das, was sie dann tut, einfach nur riesig ausfallen – eine Art Schockmethode, um in den Märkten zu intervenieren.

Darüber hinaus wäre es buchstäblich die letzte quantitative Lockerungsmaßnahme, auf die die Fed hoffen könnte, da es aufgrund des einsetzenden Dollar-Zusammenbruchs und dem Inflationsdruck zu einem politischen Aufschrei käme, der letztlich auch mit offenen Aufständen und/oder der Auflösung der US-Notenbank einhergehen würde. Das wäre schließlich nicht das erste Mal, sondern ist in den USA bereits zweimal so geschehen.

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Einfach gesagt sind der Fed die Hände gebunden, außer es kommt zu einer riesigen Krise. Und würde die Fed dann reagieren, müsste sie im Rahmen eines riesigen Lockerungsprogramms alles auf eine Karte setzen. Würde sie das tun, befänden wir uns immer noch in einer Krise, da der Dollar kollabieren würde, während die Inflation wie auch die Zinssätze durch die Decke schießen würden – was für die Banken und die US-Wirtschaft das Ende bedeutete.

Wenn Europa dieses Mal untergeht (und das wird passieren), wird es kurz gesagt massiver ausfallen als irgendetwas, was wir zu Lebzeiten gesehen haben. Und dieses Mal haben sich die weltweiten Zentralbanken bereits bis zum Anschlag mit Wertpapieren vollgesogen und in den letzten vier Jahren bereits all ihr Pulver verschossen, um die Märkte über Wasser zu halten.

Noch einmal: Dieses Mal ist es anders. Ja ich weiß, dass die meisten Leute der Auffassung sind, die US-Notenbank bräuchte einfach nur auf den Druckknopf drücken, um alle Probleme zu lösen – doch damit liegen sie daneben.

Das letzt Mal, als die Fed die Druckerpressen voll aufgedreht hat, sind die Nahrungsmittelpreise auf Rekordhochs geschossen, während es in den Schwellenmärkten zu einer ganzen Reihe von Revolutionen kam. Sollte die Fed das noch einmal probieren, speziell wenn die nächste Runde der quantitativen Lockerung noch aggressiver ausfällt, so wie es dann wohl notwendig wäre, würde für die Welt wie auch die Kapitalmärkte in der Tat ein dunkles Zeitalter eingeleitet.

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