CO2-Währung – Ein Neubeginn für die Technokratie?

Patrick Wood, TheAugustReview, 26.01.2010

Einleitung

Kritiker die der Meinung sind, der US-Dollar würde durch eine neue globale Währung ersetzt, greifen vielleicht zu kurz.

Am Horizont zieht eine neue weltweite Währung auf die alle Papiergeldwährungen und das Wirtschaftssystem, auf dem sie beruhen, ersetzen könnte.

Die neue Währung, schlicht CO-2-Währung genannt, wurde geschaffen um ein neues revolutionäres Wirtschaftssystem zu unterstützen, das auf Energie (für Produktion und Verbrauch) beruht anstelle des Preises. Unser aktuelles preisbasiertes Wirtschaftssystem und die damit verbundenen Währungen – welche den Kapitalismus, Sozialismus, Faschismus und Kommunismus stützten – werden gerade in den Schlachthof getrieben um für eine neue CO2-basierte Welt Platz zu schaffen.

Es ist offenkundig, dass die Wirtschaft gerade unter einem sterbenden preisbasierten System arbeitet, was durch den raschen Zerfall der Papierwährungen deutlich wird. Die Ära der Fiat-Währungen (nicht zurückzahlbarer Papierwährungen) begann 1971, als Präsident Richard Nixon den US-Dollar vom Gold entkoppelte. Weil der Dollar, der zur Fiat-Währung wurde, die Hauptreservewährung auf der Welt war, folgten schließlich alle anderen Währungen, was uns bis heute ein weltweites Meer aus Papier bescherte, das in zunehmendem Maße unattraktiv, instabil und unbrauchbar wird.

Der todkranke Zustand der Wirtschaft in der heutigen Welt ist eine direkte Reflektion der Summe ihrer kranken und sterbenden Währungen, aber das könnte sich bald ändern.

Es sind bereits Mächte am Werk um die neue CO2-Währung als die ultimative Lösung der weltweiten Rufe nach Armutsreduzierung, Bevölkerungskontrolle, Umweltkontrolle, Erderwärmung, Energieverteilung und flächendeckender Verteilung wirtschaftlichen Reichtums zu platzieren.

Unglücklicherweise wird dies den Menschen, die in diesem neuen System leben werden, auch abverlangen, dass alle Aspekte ihres Lebens, von der Wiege bis zur Bare, unter autoritärer und zentralisierter Kontrolle stehen.

Was ist eine CO2-Währung und wie funktioniert sie? In aller Kürze gesprochen, wird die CO2-Währung auf der gleichmäßigen Verteilung von Energie beruhen, welche für die Menschen auf der Welt zur Verfügung steht. Wenn die Währung innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nicht verbraucht wird, dann verfällt sie (wie monatliche Guthaben bei Ihrem Handyvertrag), so dass dieselben Leute eine neue Zuteilung erhalten, die auf neuen Quoten der Energieproduktion des Folgezeitraums beruht.

Da die Versorgungskette der Energieanbieter bereits von der globalen Elite beherrscht wird, wird die Festlegung der Quoten zur Energieproduktion irgendwann die Menge der CO-2-Währung reduzieren. Dies wird also selbstverständlich zu einer Einschränkung der Güter- und Nahrungsmittelproduktion sowie der Fortbewegung der Menschen führen.

Lokale Währungen könnten dabei noch für eine Weile Verwendung finden, würden letztendlich jedoch austrocknen und vollständig durch die CO2-Währung ersetzt werden, ähnlich, wie die einzelnen europäischen Währungen über einen bestimmten Zeitraum durch den Euro ersetzt wurden.

Das hört sich nach einem sehr modernen Konzept an, oder nicht? Tatsächlich reichen die Ideen bis in die 30er Jahre zurück, als hundertausende US-Bürger die neue politische Ideologie begrüßten, die Technokratie genannt wurde und ein besseres Leben in Aussicht stellte. Selbst die mittlerweile klassische Literatur wurde massiv durch die Technokraten beeinflusst: George Orwells „1984“, H. G. Wells „Von kommenden Tagen“ und Huxleys wissenschaftliche Diktatur in dem Buch „Schöne neue Welt“.

Dieses Dokument untersucht die Wiederauferstehung der Technokratie und ihres Potentials die Neue Weltordnung in etwas wirklich „neues“ und auch für die überwiegende Mehrheit der modernen Kritiker völlig unerwartetes zu verwandeln.

Hintergrund

Philosophisch hat die Technokratie ihre Wurzeln in der Alleinherrschaft der Wissenschaft nach Henry de Saint-Simon (1760 – 1825) und im Positivismus von Auguste Comte (1798 – 1857), dem Vater der Sozialwissenschaften. Der Positivismus hob die Wissenschaft und die wissenschaftliche Methode über die metaphysische Offenbarung. Technokraten begrüßten den Positivismus, weil sie glaubten, dass der soziale Fortschritt nur durch Wissenschaft und Technologie möglich sei. [Schunk, „Learning Theories: An Educational Perspektive“, 5. Ausgabe, S. 315]

Die soziale Bewegung der Technokratie mit ihrem energiebasierten Abrechnungssystem kann bis in die 30er Jahre zurückverfolgt werden, als eine obskure Gruppe von Ingenieuren und Wissenschaftlern sie als Lösung für die Große Depression anbot.

earlyleadership

Der maßgebliche Wissenschaftler hinter der Technokratie war M. King Hubbert, ein junger Geologe, der später (zwischen 1948 und 1956) die heute berühmte „Peak Oil Theory“ (Theorie des Ölfördermaximums) erfand, die auch als Hubbert Peak Theorie bekannt ist. Hubbert sagte, dass die Entdeckung neuer Energiereserven und ihre Produktion vom Bedarf überflügelt würden, was letztendlich wirtschaftliches und soziales Chaos mit sich brächte. Viele moderne Verfechter der Peak Oil Theorie glauben, dass die weltweite Rezession zwischen 2007 und 2009 zum Teil durch die Rekordpreise für Öl verschärft wurde, was die Gültigkeit der Theorie belege.

Hubbert erhielt seine gesamte höhere Bildung an der University of Chicago, wo er 1937 auch seinen Doktor machte. Später lehrte er Geophysik an der Columbia University. Während seiner Karriere wurde er stets gefeiert und erhielt zahlreiche Ehrungen, wie 1977 den Rockefeller Public Service Award.

1933 schufen Hubbert und Howard Scott eine Organisation die sie „Technocracy, Inc.“ nannten. Das Wort Technokratie stammt vom griechischen Wort „techne“ ab, was Talent und „kratos“, was Herrschaft bedeutet. Daher ist es die Regierung durch talentierte Ingenieure, Wissenschaftler und Techniker und nicht durch gewählte Vertreter. Das stand im Kontrast zu allen anderen Regierungsformen, auch im Gegensatz zu Kommunismus, Sozialismus und Faschismus, die alle auf einer preisbasierten Wirtschaft beruhten.

Als Gründer der Organisation und der politischen Bewegung namens Technokratie, Inc. schrieben Hubbert und Scott 1934 auch das Buch „Technocracy Study Course“. Das Buch dient als „Bibel“ der Technokratie und ist das ursprüngliche Dokument, auf das der überwiegende Teil technokratischen Denkens zurückverfolgt werden kann.

Die Technokratie postulierte, dass nur Wissenschaftler und Ingenieure in der Lage sind eine komplexe und technologiebasierte Wirtschaft zu leiten. Weil Technologie, so argumentierten sie, das soziale Wesen von Gesellschaften ändern würde, wären frühere Regierungs- und Wirtschaftsmethoden obsolet. Sie verachteten Politiker und Bürokraten, die sie als inkompetent ansahen. Durch die Verwendung wissenschaftlicher Methoden und wissenschaftlicher Verwaltungstechniken hofften die Technokraten bei der Leitung der Gesellschaft massive Ineffizienzen abzubauen und somit mehr Vorteile für alle Mitglieder der Gesellschaft zu erlangen, während gleichzeitig weniger Ressourcen verbraucht würden.

Der zweite wichtige Bestandteil der Technokratie war die Einführung eines auf Energieverteilung basierendem Wirtschaftssystems anstelle eines preisbasierten. Sie schlugen vor das traditionelle Geld durch Energie-Guthaben zu ersetzen.

Begeistert legten sie ihren Schwerpunkt auf die Effizienz bei der Verwendung von Energie, was wahrscheinlich der erste Hinweis auf eine nachhaltige Ökologie-/Umweltschutzbewegung in den Vereinigten Staaten ist. Im Buch „Technocracy Study Course“ steht beispielsweise:

„Obwohl sie (die Erde) kein isoliertes System ist, gehört zu den Veränderungen in der Anordnung von Materie auf der Erde – wofür das Abtragen von Erde, die Schaffung von Bergen, die Verbrennung von Kohle und Öl, der Abbau von Metallen alles typische und charakteristische Beispiele eines nicht rückgängig machbaren Prozesses sind – in jedem Falle ein Anstieg der Entropie.“ (Technocracy Study Course, Hubbert & Scott, S. 49)

Die moderne Hervorhebung der Reduzierung des Ölverbrauchs, welcher Erderwärmung und CO2-Emissionen verursacht, ist im Wesentlichen ein Produkt technokratischen Denkens.

Als Wissenschaftler versuchten Hubbert und Scott ihre Argumente mit Begriffen der Physik und den Gesetzmäßigkeiten der Thermodynamik zu erklären (oder zu rechtfertigen), wie in der Studie über Energieumwandlung zwischen Hitze und mechanischer Arbeit.

Entropie ist ein Konzept innerhalb der Thermodynamik, das den Energiebetrag eines Systems darstellt, welches nicht länger für die Ausführung mechanischer Arbeit bereitsteht. Die Entropie steigt daher mit der Abnahme von Materie in einem System an, bis der letztendliche Zustand inaktiver Gleichförmigkeit erreicht ist.

Laienhaft gesprochen bedeutet Entropie, wenn man es einmal benutzt hat, dann ist es für immer verloren. Des Weiteren ist der Endzustand der Entropie die „inaktive Gleichförmigkeit“, bei der nichts mehr stattfindet. Wenn die Menschen daher all die ihnen zugänglichen Energien verwenden und/oder die Ökologie zerstören, kann das niemals mehr wiederholt oder wiederaufgebaut werden.

Die Vermeidung der sozialen Entropie wird durch die Technokraten erreicht, indem sie die Effizienz in einer Gesellschaft dadurch erhöhen, dass sie die nutzbaren Energien sorgsam verteilen und daraufhin Messungen der Leistung vornehmen um so einen Zustand der „Ausgeglichenheit“ oder der Balance zu finden. Dass Hubberts Schwerpunkt auf der Entropie lag, erkennt man auch an dem Logo von Technocracy, Inc., dem bekannten Yin und Yang Symbol, das die Balance darstellt.

Um das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu fördern, schlug Technocracy vor, dass Bürger Energiezertifikate erhalten sollten um damit in der Wirtschaft zu operieren:

„Energiezertifikate werden unter der gesamten Bevölkerung an jeden Erwachsenen einzeln ausgegeben…Aufzeichnungen zum Einkommen einer Person und seiner Ausgabenrate werden von der Abteilung für Verteilungsabläufe verwahrt, so dass es für die Abteilung für Verteilungsabläufe jederzeit eine einfache Sache ist den Status eines bestimmten Kundenguthabens zu ermitteln…Für Käufe von Produkten oder Dienstleistungen überreicht die Person ordentlich gekennzeichnete und unterschriebene Energiezertifikate.

Die Bedeutung des Wissens darüber, was in dem sozialen System und bei der sozialen Kontrolle vor sich geht, kann am besten dadurch gewürdigt werden, indem man sich das gesamte System nüchtern vergegenwärtigt. Erstens, eine einzige Organisation stellt die Mitarbeiter und leitet den gesamten sozialen Mechanismus. Dieselbe Organisation produziert nicht nur alle Güter und Dienstleistungen, sondern verteilt sie auch.

Bei diesen fortwährend in einem zentralen Hauptquartier abgerechneten Informationen, haben wir den Fall einer exakten Analogie zu einem Bedienpult eines Kraftwerks oder der Brücke eines Ozeandampfers…“ [Technocracy Study Course, Hubbert & Scott, S. 238 – 239]

Die zwei Unterschiede zwischen preisbasiertem Geld und Energiezertifikaten sind, dass a) Geld unter den Besitzern frei austauschbar ist, wohingegen Zertifikate individuell für jeden Bürger registriert werden und b) Geld fortbestehen bleibt, wohingegen die Zertifikate auslaufen. Die letztgenannte Facette würde die Akkumulation von Vermögen und Eigentum in großem Maße erschweren, wenn nicht gar verhindern.

Der Übergang

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schwand die Popularität der Technokratie, da das wirtschaftliche Wohlergehen wieder zurückkehrte, die Organisationen und die Philosophie überlebte indes.

Heute gibt es zwei Hauptseiten im Internet, welche die Technokratie in Nordamerika vertreten: „Technocracy, Inc.“ mit Sitz in Ferndale im US-Bundesstaat Washington und die in Vancouver, British Columbia ansässige „Technocracy Vancouver“.

Während der ursprüngliche Schwerpunkt der Technokratie ausschließlich auf dem nordamerikanischen Raum lag, wächst sie nun schnell in Europa und anderen Industrienationen.

Zum Beispiel wurde 2005 das „Netzwerk europäischer Technokraten“ (NET) geschaffen, das als „eine unabhängige Forschungs- und Sozialbewegung auf die Erforschung und Entwicklung der Theorie und Ausgestaltung der Technokratie“ abzielt. Die NET-Webseite behauptet überall auf der Welt Mitglieder zu haben.

Natürlich kann eine kleine Gruppe von Organisationen und Webseiten nicht darauf hoffen eine weltweite Energiepolitik zu erschaffen oder einzuführen, aber das liegt nicht daran, dass ihre Ideen nicht mehr gesund und munter wären.

Ein wahrscheinlicherer Einfluss auf das moderne Denken begründet sich durch Hubberts Peak Oil Theorie aus dem Jahre 1954. Diese hat die Ökologie-/Umweltschutzbewegung in wichtigem Maße geprägt. Tatsache ist, dass die gesamte Erderwärmungsbewegung indirekt auf der Spitze der Peak Theorie Hubberts thront.

So sagte die kanadische Vereinigung des Club of Rome jüngst: „Das Thema Peak Oil hat direkte Auswirkungen auf die Frage des Klimawandels.“ (siehe John H. Walsh „The Impending Twin Crisis – One Set of Solutions?”, S. 5)

Der moderne Vorschlag

Wegen der Verbindung zwischen der Umweltbewegung, der Erderwärmung und dem technokratischen Konzept der Energiezertifikate könnte man annehmen, dass eine CO2-Währung von genau jener Gemeinde vorgeschlagen wurde, und tatsächlich ist dies auch der Fall.

1995 schrieb Judith Hanna in einem Artikel mit dem Titel In Richtung einer einzigen CO2-Währung“ in der Zeitschrift „New Scientist“: „Mein Vorschlag ist jedes Jahr eine weltweite Quote für die Verbrennung von fossilen Brennstoffen festzulegen und diese unter allen Erwachsenen auf der Erde gleichmäßig aufzuteilen.“

2004 veröffentlichte die renommierte Zeitschrift „Harvard International Review“ (HIR) einen Artikel mit dem Titel „Eine neue Währung“:

„Für Jene, die leidenschaftlich versuchen die Erderwärmung zu verlangsamen, besteht die allereffizienteste Maßnahme in der Schaffung von starken nationalen CO2-Währungen…Für Akademiker und Politiker ist die entscheidende Aufgabe die Geschichte nach Ratschlägen zu durchforsten, welche sinnvoller sind. Die Erderwärmung wird als Umweltschutzthema angesehen, aber ihre beste Lösung wird nicht in den Regeln des Umweltrechts gefunden werden. Die Allgegenwärtigkeit von CO2 in der Weltwirtschaft verlangt es, dass jedes Regime die Kosten in Erwägung ziehen muss um die Emissionen zu begrenzen. Tatsächlich wurde der Emissionshandel zum König gekrönt, weil er auf die Kosten am meisten einwirkt. Und da der CO2-Emissionshandel dem Währungshandel ähnlicher ist, als der Beseitigung eines Schadstoffes, sollten die politischen Entscheidungsträger im Hinblick auf den Handel und die Finanzen ein Auge darauf haben, wie die CO2-Märkte regiert werden sollten. Wir müssen die politischen Herausforderungen antizipieren, die aufkommen werden, während dieses aufstrebende System hervortritt, worunter die Steuerung der Zwischenverbindungen jeglicher sich entwickelnder Handelssysteme, Haftungsnormen für betrügerische Erlaubnisse und juristischer Kooperationen fällt.“ [Hervorhebungen hinzugefügt]

HIR kommt zu dem Schluss: „Nach sieben Jahren des sich im Kreis Drehens und falscher Analogien, begibt sich das internationale System zur Kontrolle von CO2, wenn auch zögerlich, auf einen produktiven Weg.“

2006 sprach der Umweltminister Großbritanniens, David Miliband, auf der Audit Commission Annual Lecture und erklärte rundheraus:

„Stellen Sie sich ein Land vor, wo CO2 zu einer neuen Währung wird. Wir tragen Bankkarten mit uns herum, die Pfund sowie CO2-Punkte enthalten. Wenn wir Elektrizität, Gas und Benzin kaufen nutzen wir unsere CO2-Punkte genauso, wie das Pfund. Um dabei zu helfen die CO2-Emissionen zu reduzieren, würde die Regierung Limits festlegen, welche Menge an CO2 verwendet werden könnte.“ [Hervorhebung hinzugefügt]

2007 wurde von Hannah Fairfield in der New York Times ein Artikel mit dem Titel „Wenn CO2 Währung ist“ veröffentlicht. Demonstrativ sagt sie darin: „Um einen CO2-Markt aufzubauen, müssen seine Schaffer eine Währung von CO2-Zertifikaten ins Leben rufen, mit denen die Teilnehmer Handel treiben können.“

PointCarbon, eine weltweit führende Beratungsgesellschaft, hat sich mit der Bank of New York Mellon zusammengetan um den weltweit wachsenden CO2-Markt zu bewerten. 2008 veröffentlichten sie einen Bericht mit dem Titel „In Richtung einer gemeinsamen CO2-Währung: Untersuchung der Aussichten für integrierte weltweite CO2-Märkte.“ Dieser Bericht bespricht die ökologische und ökonomische Effizienz in einem ähnlichen Kontext, wie dies 1933 ursprünglich bei Hubbert geschah.

Am 09.11.2009 brachte die britische Zeitung Telegraph schließlich einen Artikel mit dem Titel „Jedem in Großbritannien könnte eine persönliche „CO2-Erlaubnis“ gegeben werden.“:

„…die Einführung individueller CO-2 Erlaubnisse für jede Personen wird der effektivste Weg sein, die Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Dies würde beinhalten, dass Menschen eine unverwechselbare Nummer erhielten, die sie beim Kauf von Produkten angeben würden, welche einen Beitrag zu ihrem CO2-Fußabdruck leisten, wie Benzin, Flugzeugtickets und Elektrizität. Wie mit einem Bankkonto, würde jeden Monat ein Kontoauszug versandt, der es den Menschen erleichtern würde nachzuvollziehen, was sie verbrauchen. Wenn ihr „CO2-Konto“ auf 0 geht, müssten sie bezahlen um mehr Punkte zu bekommen.“ [Hervorhebungen hinzugefügt]

Wie Sie sehen können, handelt es sich bei den Quellen bezüglich der Autorenschaft oder des Inhalts kaum um untere Liga. Die Unterströmung früher technokratischer Gedanken hat letztendlich das Ufer erreicht, dort, wo die Wellen auf den Strand treffen.

Der Prototyp der technokratischen Energiekarte

 

Im Juli 1937 schrieb Howard Scott einen Artikel im „Technocracy Magazine“, in welchem die Energieverteilungskarte in großer Ausführlichkeit beschrieben wird. Darin wird die Verwendung eines solchen Instruments als ein „Mittel der Buchführung, das Teil der von der Technokratie vorgeschlagenen Veränderungen des Kurses ist, wie das soziökonomische System organisiert werden kann.“

Scott führte weiter aus:

technatecard„Das Zertifikat wird direkt für die einzelne Person ausgestellt. Es ist nicht transferierbar und nicht verhandelbar; kann daher nicht gestohlen, verloren, geliehen, verliehen oder weggegeben werden. Es ist nicht kumulativ; daher kann es nicht angespart werden und kann keine Zinsen einbringen. Es muss nicht ausgegeben werden, verliert aber nach einer festgelegten Periode seine Gültigkeit.“

Das mag sich 1937 wie Science Fiction angehört haben, aber heute ist es absolut möglich. 2010 wartet Technocracy, Inc. mit einer aktualisierten Idee auf, wie eine solche Energieverteilungskarte aussehen könnte. Ihre Internetseite sagt darüber folgendes:

„Jetzt ist es möglich eine Plastikkarte, ähnlich den heutigen Kreditkarten, zu verwenden, in die ein Mikrochip eingebettet ist. Dieser Chip könnte alle notwendigen Informationen enthalten, die für die Schaffung einer Energieverteilerkarte notwendig sind, wie sie in diesem Büchlein beschrieben wird. Da dieselben Informationen immer in Form der geeignetsten der neuesten Technologien bereitgestellt würden, ist es jedoch das Konzept der „Energieverteilungskarte“, das hier erklärt wird.“

Wenn Sie sich die Karte oben anschauen, werden Sie auch feststellen, dass sie ebenfalls als universeller Personalausweis dient und einen Mikrochip enthält. Das spiegelt die technokratische Philosophie wider, dass jede Person in der Gesellschaft minuziös überwacht und abgerechnet werden muss um nachzuverfolgen, was man an Energie verbraucht und auch, was man in den Herstellungsprozess einbringt.

Akteure im CO2-Markt

Das moderne System der CO2-Zertifikate war eine Erfindung des Kyoto-Protokolls und begann 2002 mit der Schaffung des ersten inländischen wirtschaftsweiten Handelssystems in Großbritannien Fahrt aufzunehmen. Nachdem es 2005 zu internationalem Recht wurde, geht man jetzt davon aus, dass der Handelsmarkt bis 2020 oder schon früher ein Volumen von USD 3 Billionen erreicht.

Graciela Chichilnisky, Direktorin des Columbia Consortium for Risk Management und eine Autorin des CO2-Zertifikate Textes des Kyoto-Protokolls, erklärt, dass es beim CO2-Markt „deshalb ausschließlich um Geld und Handel geht – er aber auch ein Weg für eine profitablere und grünere Zukunft ist.“ (siehe „Who Needs a Carbon Market?“)

Wer sind die „Handler“, die den ganzen Profiten den Weg bereiten? Aktuell wird die Meute von JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Morgan Stanley angeführt.

Bloomberg merkte in dem Artikel „CO2 Kapitalisten“ am 04.12.2009 dazu an:

„Die Banken bereiten sich gerade darauf vor, beim CO2-Handel das zu tun, was sie vorher auch taten: Schaffung und Vermarktung von Derivaten, die den Kundenunternehmen dabei helfen ihr Preisrisiko langfristig abzusichern. Sie sind auch bereit CO2-bezogene Finanzprodukte an außenstehende Investoren zu verkaufen.“

Bei JP Morgan ist nun Blythe Masters, die Frau, die ursprünglich Credit Default Swaps erfand, Chefin der Abteilung, welche die CO2-Scheine für die Bank handeln wird.

Wenn man die schiere Macht der weltweiten Bankgiganten bedenkt die hinter dem CO2-Handel stecken, ist es kein Wunder, dass die Analysten bereits vorhersagen, der CO2-Markt würde bald alle anderen Formen des Warenhandels in den Schatten stellen.

Schlussfolgerung

Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Wo geredet wird, wird auch gehandelt.

Wenn M. King Hubbert und andere frühe Architekten der Technokratie heute am Leben wären, wären sie sehr erfreut zu sehen, wie die von ihnen gesäten Ideen zur Energieverteilung in solch großem Umfang Früchte tragen. 1933 existierte die Technologie zur Einführung eines Systems von Energiezertifikaten nicht. Mit der heutigen immer weiter fortschreitenden Computertechnologie ist es jedoch ein Leichtes die ganze Welt über einen einzigen Computer zu verwalten.

Dieser Artikel beabsichtigte zu zeigen, dass

Natürlich ist eine Währung nur Mittel für einen Zweck. Wer auch immer die Währung kontrolliert, kontrolliert auch die Wirtschaft und die politische Struktur, die mit ihr einhergeht. Eine Untersuchung, wie ein solches System aussehen könnte, sieht ganz nach einem künftigen Thema aus.

Technokratie und energiebasierte Abrechnung sind keine ruhenden oder theoretischen Themen. Wenn die globale Elite beabsichtigt die Nationalwährungen mit der CO2-Währung zu ersetzen, dann werden sich auch die wirtschaftlichen und politischen Systeme auf immer verändern.

Was die Technokratie während der Großen Depression nicht erreichte, scheint sie letztendlich in der Großen Rezession an Boden gewonnen zu haben.

Bibliographie und Quellen

Scott & Hubbert, Technocracy Study Course, Technocracy, Inc., 1934

Hanna, Toward a single carbon currency, New Scientist, 1995

Victor & House, A New Currency, Harvard International Review, Summer 2004

Hannah Fairfield, When Carbon Is Currency, New York Times, May 6, 2007

M. King Hubbert & The Technocracy Technate Design – Historical blog

Everyone in Britain could be given a personal ‘carbon allowance’, Telegraph (UK)

Network of European Technocrats website for Europe

Technocracy, Inc. – website for U.S.

Technocracy Vancouver – website for Canada

Association for the study of Peak Oil & Gas – website for Peak Oil

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