Zentralbanken in der Falle: Warum der Goldbullenmarkt noch Jahre anhalten wird

Die Gelddruckmaßnahmen der westlichen Zentralbanken sind noch lange nicht vorbei. Und selbst wenn die Notenbanken ihre Politik des lockeren Geldes aufgeben würden, sind die Mengen an bereits existierender überschüssiger Liquidität derart hoch, dass genügend inflationäre Sprengkraft da ist, um die Preise auch in Zukunft weiter steigen zu lassen. Sparer und Investoren werden auch weiterhin in den sicheren Hafen Gold flüchten

John Hathaway, King World News, 22.04.2012

Während des ersten Quartals 2012 fielen die vom XAU-Index erfassten Goldminenaktien um 2,4% auf 175,46 Punkte, während der Goldpreis um 6,7% auf USD 1.668,35 pro Unze stieg. Wir sind der Meinung, dass es während des ersten Quartals 2012 zu einem wichtigen Test des Goldpreistiefs vom Dezember kam, wo der Preis bis auf USD 1.522,65 pro Unze absank. Die Goldminenaktien machten während dieser Testphase eine Korrektur durch.

Wir hatten ja bereits angemerkt, dass die Edelmetallminenaktien schon Ende des Jahres 2011 ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufwiesen. Angesichts der Kursentwicklung des ersten Quartals 2012 sind Edelmetallaktien unseres Erachtens nun sogar noch attraktiver geworden.

Entmutigte Investoren werden sich jetzt natürlich fragen, was passieren muss, damit die Edelmetallaktien wieder aus ihrer ausgedehnten Korrekturphase ausbrechen. Wir gehen davon aus, dass der Auslöser neue Anstiege beim Goldpreis sein werden, die im Verlauf des restlichen Jahres zum Tragen kommen dürften.

Und obwohl die Feststellung in der Tat etwas banal anmutet, ist es eine Tatsache, dass sich die Goldminenaktien nun bereits seit einem längeren Zeitraum schlechter entwickelt haben als das gelbe Metall – und das obwohl die Minenbetreiber zurzeit Rekordumsätze und Rekorddividenden ausweisen. Aus nonkonformistischer Perspektive heraus sind die Minenaktien zurzeit extreme Schnäppchen, außer der Goldpreis bricht auf Niveaus ein, die substantiell unter dem Tiefststand von Dezember 2011 liegen. Wir erachten einen solchen Goldpreiseinbruch jedoch als unwahrscheinlich.

Goldmarkt-Stimmungsindikator

Die ganze Minenaktien-Branche wurde in jüngster Zeit mit einer Litanei negativer Meldungen und Entwicklungen überzogen, die von politischen Anfeindungen bis hin zu dümmlichen Akquisitionen reichte. All das ist weithin bekannt und kann in den umfassenden und langweiligen Untersuchungen der Analysten der Verkäuferseite nachgelesen werden.

In den vergangenen paar Wochen statteten unserer Investmentfirma, Tocqueville Asset Management L.P., mindestens fünf renommierte Analysten der Verkäuferseite einen Besuch ab, die ihr Gespräch mit uns damit begannen, sich für die Tatsache zu entschuldigen, dass sie mit uns über Goldminenaktien sprechen wollen.

Wir sehen die Sache jedoch optimistischer als der aktuell sehr negativ gestimmte Markt. Die Gold- und Silberminenbranche hat sich mittlerweile in ein ordentliches Geschäftsfeld verwandelt. Die Betreiber generieren Überschüsse und die Managements fangen nun sogar – manchmal aufgrund der lautstarken Kritik der Aktienhalter – damit an, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die Renditen zu verbessern. Die Ausgabe von neuen Aktien – einst eine sehr beliebte Maßnahme des Managements – ist bedeutend zurückgegangen, während es mittlerweile üblich ist, die Dividenden zu erhöhen, was bei den Aktienhaltern sukzessive für bessere Renditen sorgen dürfte und unseres Erachtens auch sorgen wird.

Das makroökonomische Umfeld

Im Hinblick auf das makroökonomische Klima gibt es drei Veränderungen, die sich immer deutlicher abzeichnen: Steigende Zinsen, steigende Inflation und eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China. Gleichzeitig köchelt die Staatsschuldenkrise in Europa weiter vor sich hin und ist noch lange nicht vorbei. All diese Probleme gehen mit erheblichen Konsequenzen für die Finanzmärkte einher, und all diese Probleme stellen lediglich sicher, dass die Geldpolitik der westlichen Demokratien weiterhin zu einer Entwertung ihrer Währungen führen wird.

Geldmenge M2 und Goldpreisentwicklung seit 1999

Kurzum: Wir gehen davon aus, dass der Goldbullenmarkt nun kurz davor steht, in eine wesentlich dynamischere Phase einzutreten. Die Korrektur des Goldpreises nach dem Septemberhoch von USD 1.921,55 pro Unze scheint in die Endphase eingetreten zu sein. Die Stimmung bezüglich der Minenaktien ist extrem pessimistisch. Wir gehen davon aus, dass das Ende des ersten Quartals 2012 einen wichtigen Wendepunkt darstellt und eine Kaufgelegenheit für Gold und Minenaktien war.

Nettogoldkäufe der Zentralbanken seit 2001

Die Tatsache, dass die Zinsen für langlaufende Staatsanleihen jetzt wieder steigen, wurde fälschlicherweise damit begründet, dass die US-Wirtschaft erneut an Stärke gewinnt. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Auffassung, die US-Wirtschaft würde erneut an Stärke gewinnen, allein auf die saisonale Bereinigung der Wirtschaftsdaten zurückzuführen ist. Während der Anstieg der Zinssätze real ist, lahmt die Wirtschaft in Wirklichkeit weiter vor sich hin. Wir rechnen damit, dass die Zinsanstiege wie auch die steigenden Benzinpreise die wirtschaftliche Entwicklung weiter abschwächen werden.

US-Kreditmarktschulden vs. US-BSP

Die offiziell verkündete US-Inflation liegt bei 2,9% und somit höher als die Zielinflation der US-Notenbank von 2%. Dennoch wird die Politik des lockeren Geldes damit begründet, dass die Inflationstreiber – also vornehmlich der Rohölpreis und die mit diesem in Zusammenhang stehenden Preisanstiege – lediglich vorübergehender Natur seien.

Unterdessen haben auch China und Indien weiterhin mit einer bedeutenden Inflation zu kämpfen. Die Kosten für die importierten Güter, die in diesen beiden Ländern rund 15% des BSP ausmachen, werden von der inflationären Entwicklung in den USA beeinflusst.

Vor diesem Hintergrund könnte die Fortführung der Politik des lockeren Geldes die Inflationsanstiege wie auch die Inflationserwartungen weiter anheizen. Wir glauben, dass die Inflation im Verlauf des Jahres 2012 weiter zulegen wird – und zwar so stark, dass das Thema wieder in die Schlagzeilen gerät.

Eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China und anderen Schwellenmärkten bedeutet, dass dort weniger Dollars erwirtschaftet werden, mit denen diese Länder US-Staatsanleihen kaufen könnten. Fakt ist, dass China bereits seit August 2011 Nettoverkäufer von US-Staatsanleihen ist.

Chinesische Nettokäufe von US-Staatsanleihen / Umwandlung von chinesischen Devisenrerven in US-Staatsanleihen

Ja und wer soll sich US-Staatsanleihen mit negativen Realzinsen kaufen, wenn nicht Regierungen, die darauf aus sind, ihre Wechselkursraten zu manipulieren? Die Antwort ist unseres Erachtens, dass niemand anderes als die US-Notenbank kauft. Die Fed hat in 2011 61% aller vom US-Finanzministerium ausgegebenen Staatsanleihen gekauft.

Am 22.03.2012 wies Stephanie Pomboy in MacroMavens darauf hin, dass die Bildung von Devisenreserven im Vergleich zum Vorjahr dramatisch eingebrochen ist. Und auch der Anteil der Devisenreserven, die in Dollars umgewandelt werden, geht immer weiter zurück. Da ist auch der Grund, warum wir davon ausgehen, dass die Zinssätze wesentlich schneller steigen werden, als die meisten glauben – außer die US-Notenbank und andere Zentralbanken fangen damit an, ihre ohnehin bereits aufgeblähten Bilanzen noch weiter auszudehnen. Und dabei ist es egal, ob diese Bilanzausweitung der Zentralbanken dann quantitative Lockerung genannt werden wird oder nicht, denn es dürfte so oder so dazu führen, dass das liquide, risikoscheue Kapital in Richtung Gold getrieben wird.

Die Fed und die anderen Zentralbanken sind mit ihrer Arbeit noch lange nicht am Ende. Am 29.02.2012 erklärte der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, dass weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen vom Tisch seien, was bei Gold und Silber zu heftigen Abverkäufen führte.

Marktkapitalisierung von physischem Gold vs. US-Finanzvermögenswerte

Dieser Aussage Bernankes liegt die Auffassung zu Grunde, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA nachhaltig ist und die US-Wirtschaft ohne weitere Belebungsmaßnahmen auskommt. Unseres Erachtens wird sich diese Prognose als falsch herausstellen, genauso wie sich auch die meisten anderen Prognosen der Federal Reserve in den vergangenen Jahren als falsch erwiesen haben.

Selbst wenn die Fed in nächster Zeit tatsächlich keine neuen quantitativen Lockerungsmaßnahmen durchführen sollte, haben wir immer noch das Problem der überschüssigen Liquidität im Bankensystem, das auf frühere Runden beispielloser geldpolitischer Belebungsmaßnahmen zurückzuführen ist. Gegenwärtig belaufen sich die überschüssigen Reserven im Bankensystem auf USD 1,5 Billionen, während sie vor dem weltweiten Zusammenbruch des Kreditmarkts in 2008 im Schnitt noch bei USD 2 Billionen lagen.

Überschüssige Reserven dieses Ausmaßes sind der Treibstoff für künftige Inflation. Eine substantielle Reduzierung dieser überschüssigen Geldreserven würde die Zinssätze mit Sicherheit wesentlich stärker in die Höhe treiben, als irgendein Zentralbanker oder Politiker jemals tolerieren würde. Das ist der Grund, warum die Aussagen der Vertreter der US-Notenbank bezüglich irgendwelcher Ausstiegsstrategien nichts weiter als bedeutungsloses Getue sind.

Wir gehen davon aus, dass die Geldpolitik jetzt in einer Falle steckt, was auf ihre eigenen vorangegangenen Maßnahmen, die Tatsache, dass in den USA dieses Jahr Wahlen stattfinden, die Dynamik der zeitgenössischen Demokratie und die Abschwächung beim weltweiten Aufbau von Devisenbeständen zurückzuführen ist. Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass die finanzielle Repression selbst im optimistischsten Szenario weiter anhalten wird. Das Mindeste, womit zu rechnen ist, ist, dass die realen Zinssätze auf liquides Kapital noch auf Jahre hin negativ sein werden.

Unter derartigen Umständen, dürfte die Nachfrage nach dem Schutz, den Gold bietet, weiterhin hoch sein. Sollte die vermeintliche Wirtschaftserholung ins Straucheln geraten, gehen wir überdies davon aus, dass die Rufe nach weiteren quantitativen Lockerungsmaßnahmen ohrenbetäubend sein werden.

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