Endspiel: Taschenspielertricks können globales Finanzsystem auch nicht mehr retten

Robert Fitzwilson, King World News, 24.04.2012

Das weltweite Fiatgeldsystem basiert auf einem Taschenspielertrick, genauer gesagt einem der bedeutendsten Zaubertricks, die jemals erfunden wurden. Dieser Taschenspielertrick beginnt mit der Schaffung von Schulden, die gewöhnlich von einem Souverän, also einem König oder einer Nation ausgegeben werden. Oftmals werden die Schulden zu Anfang noch durch irgendeine Art von Realvermögen gedeckt, wie beispielsweise Land während der Französischen Revolution oder Gold während der Frühphase des Federal Reserve Systems in den USA.

Es ist aber nicht unbedingt notwendig, dass die Schulden durch reale Vermögenswerte gedeckt werden, das ist nur ein Zuckerl obendrauf. Was könnte es denn Besseres geben, als Schulden, die durch reale Vermögenswerte besichert werden, während der Schuldenemittent dank des staatlichen Geldmonopols auch noch über die höchste Kreditwürdigkeit verfügt? Und das Wundervolle an der Geschichte ist, dass das „Geld“ viele Male weiterverliehen werden kann, wodurch die ursprüngliche Geldversorgung um ein Vielfaches erhöht wird.

An irgendeinem Punkt übersteigen die ausgegebenen Schulden dann jedoch den Wert der zu Grunde liegenden Kreditsicherheit. Umso mehr Schulden ausgegeben werden, desto stärker verwässert die „Kreditgarantie“. Am Ende übersteigt der Betrag der ausgegebenen Schulden den Wert aller Kreditsicherheiten oder man kappt einfach die Verbindung zwischen den Schulden und der Sicherheit, so wie es in den USA unter der Nixon-Administration geschah. Das ist dann der Punkt, wo das Geld nur noch durch das Geldmonopol des Schuldenemittenten abgesichert wird.

Eine Eigenschaft dieses Systems besteht darin, dass es immer größerer Schuldenbeträge bedarf, um die Wirtschaft mit immer mehr Geld am Laufen zu halten. Zu normalen Zeiten wird das sogar noch als Vorteil angesehen. Eine Ausdehnung der Schuldenmenge ermöglicht eine höhere Kreditvergabe, was den Bankern wiederum mehr Zinseinkünfte beschert.

Eine Ausweitung der Kreditvergabe erlaubt einen erhöhten Konsum und erhöhte Geschäftsaktivitäten. Wir nennen das Wirtschaftswachstum. Das generiert mehr Arbeitsplätze, da immer mehr Menschen zur Erwerbsbevölkerung hinzustoßen. Eine steigende Zahl an Einkommen bedeutet, dass die Steuern steigen. Wenn die Politiker nicht genügend Steuereinnahmen erhalten, können sie weitere Schulden ausgeben, wodurch wieder mehr Kredite vergeben werden, mehr Einkommen und ein erhöhter Verbrauch entsteht.

In den USA hat das in der Vergangenheit alles ganz großartig funktioniert. Über Jahrzehnte hinweg hat man eine Kultur der Schulden und des Konsums herangezüchtet, welche Ende der 90er Jahre und zu Anfang des 21. Jahrhunderts zu voller Blüte kam. Als sich diese Entwicklung dann zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts verlangsamte, sanken die Zinsen. Das hatte für die Vereinigten Staaten zwei entscheidende Vorteile.

Der erste Vorteil bestand darin, dass durch die niedrigen Zinsen ein enormer Eigenheim-Boom angeheizt wurde. Die dramatischen Preisanstiege bei den US-Eigenheimen gaben den Menschen das Gefühl, auf einmal vermögender zu sein. Sie sahen sich durch die Beleihung ihrer Immobilien plötzlich in Lage, zunehmend mehr Geld abzuziehen. Diese Kredite befeuerten eine neue Welle des Konsums.

Der zweite entscheidende Vorteil der niedrigen Zinssätze besteht darin, dass die Zinslast für die bereits geschaffenen Schulden abnimmt. Die Vereinigten Staaten konnten ihre bestehenden Schulden aufrechterhalten und sich überdies noch neue Haushaltsdefizite leisten, da die Kosten für den Schuldendienst, also die Zinskosten, bedeutend sanken.

Bei den Europäern hatte dieses System dieselben Konsequenzen, nur mit dem Unterschied, dass sich das Ganze in Europa bedeutend komprimierter abspielte. Hatten die USA noch 40 Jahre gebraucht, dauert es in Europa keine 10 Jahre. Es war dasselbe Muster eines enormen Anstiegs des Schulden/BSP-Verhältnisses und des Konsums, der dann Ende 2008 damit begann, in sich zusammenzubrechen.

Die durch die US-Notenbank Federal Reserve befeuerte Schuldenschaffung hält unvermindert an. Die Fed kann auch gar nichts anderes, als Schulden schaffen. Es ist eine Dynamik, die nur eine Richtung kennt und auf immer und ewig anhalten muss. Das Ganze zurückzufahren und die Schulden abzubauen ist der Fed gänzlich unbekannt, da dies einen chaotischen deflationären Kollaps auslösen könnte, und das wagen sie sich nicht.

Das Problem besteht darin, dass der Rest der Welt Schulden jedoch in einem anderen Licht sieht. Kulturell handelt es sich beim überwiegenden Teil der weltweiten Bevölkerungen nämlich um Sparer. Und während die Fed die Schuldenschaffung immer weiter vorantreibt, ersetzt sie mit den neu geschaffenen Schulden und Geldern bestenfalls alte Schulden, die bereits abgeschrieben worden sind.

Befinden sich die Arbeitsplätze im Ausland und handelt es sich bei den Arbeitern um Sparer, gelangen die Schulden aber nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück, um Wirtschaftswachstum zu generieren, sondern vergammeln ganz einfach auf den Konten multinationaler Konzerne oder werden in reale Vermögenswerte oder echtes Geld wie Gold und Silber umgewandelt.

Mitte der 70er Jahre kam in den Vereinigten Staaten ein Produkt namens „Kakerlaken-Motel“ auf den Markt. Es war so designt, dass die Kakerlaken in eine Box gelockt wurden, die eine klebrige Substanz enthielt, und nicht wieder herauskamen. Der Werbeslogan war: „Die Kakerlaken checken ein … aber nicht mehr aus!“. Und umso mehr Schulden von den Zentralbanken geschaffen werden, desto mehr Fiatgeld entsteht. Anstatt dass dadurch nun Wirtschaftswachstum erreicht würde, ist die Wirtschaft bildlich gesprochen in einem monetärem Kakerlaken-Motel gefangen.

Es ist schlicht eine Frage der Zeit und einfacher mathematischer Gleichungen, bevor dieses zauberhafte Spielchen, dieser Taschenspielertrick im Mülleimer der Geschichte landet. Und für all jene, die ihre Ersparnisse durch den Kauf von realen Vermögenswerten wie Energie, Gold und Silber schützen wollen, dürfte die Zeit langsam knapp werden.

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