Die Gier nach Gold: Zentralbanken wissen halt, was echtes Geld ist

Während der private Goldanleger mit der Tatsache hadert, dass Gold zurzeit mit rund USD 1.600 pro Unze gehandelt wird – und somit mindestens USD 8.000 unter dem gefühlten Fair Value liegt – gibt es für die weltweiten Zentralbanken nichts schöneres als Konsolidierungsphasen, da nur diese Preiskorrekturen es ihnen ermöglichen, in großen Mengen Gold zu kaufen, ohne dass die Käufe zu Marktverwerfungen führen oder von den Goldmarktbeobachtern wahrgenommen werden. Die Goldkäufe der weltweiten Zentralbanken sind erheblich und kletterten in 2011 auf ein 50-Jahreshoch, wodurch am Goldmarkt eine Preisdecke eingezogen wird und der Goldbullenmarkt noch mehr an Kraft gewinnt

Jeffrey Nichols, NicholsOnGold, 25.04.2012

Eine kürzlich unter Zentralbank-Managern durchgeführte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass die bedeutendste Veränderung bei den offiziellen Devisenreserven der Zentralbanken in den kommenden 10 Jahren der Aufkauf von physischem Gold sein wird.

Fakt ist, dass die Zentralbanker sich bereits seit geraumer Zeit in genau diese Richtung bewegen und ihre Goldreserven alleine in 2011 um weitere 439,7 Tonnen aufgestockt haben. Das ist der größte Zuwachs der weltweiten Zentralbank-Goldbestände der letzten 50 Jahre. Und hierbei wurden ja noch nicht einmal alle maßgeblichen Zentralbankkäufe berücksichtigt, da ein großer Teil dieser Käufe überhaupt nicht gemeldet wird.

Im März dieses Jahres nutzten die Zentralbanker erneut die niedrigen Marktpreise und traten laut der vor wenigen Tagen vom Internationalen Währungsfonds veröffentlichten Daten wieder massiv als Käufer auf. Die offiziell gemeldeten Goldbestände nahmen im vergangenen Monat um 49,8 Tonnen und im ersten Quartal 2012 um 55,1 Tonnen zu.

Es ist jedoch außerordentlich wahrscheinlich, dass die tatsächlichen Goldreserven der Zentralbanken bedeutend stärker gestiegen sind, da einige Länder, angeführt von China, es vorziehen, ihre Goldkäufe überhaupt nicht zu melden oder auch nur zu veröffentlichen.

Bei den Zentralbanken, die dem Internationalen Währungsfonds ihre Goldkäufe gemeldet haben, sticht Mexiko als bemerkenswertester Goldkäufer hervor.

Die regelmäßigen Leser von NicholsOnGold dürften von den jüngsten Meldungen über die substantiellen Zentralbankkäufe im März dieses Jahres nicht allzu sehr überrascht sein. Wir haben ja immer wieder drauf hingewiesen, dass die Zentralbankkäufe beim Goldmarkt eine Art von Preisdecke einziehen, da die Zentralbanken immer bei Kursrücksetzern kaufen, so dass ihre Käufe keine Marktstörungen verursachen und für andere Marktteilnehmer und Goldmarktbeobachter nicht allzu offensichtlich werden.

Genauso wie die Privatinvestoren erachten die Zentralbanken Gold als Schutz vor der Entwertung ihrer US-Dollar- und Euro-Währungsreserven.

Und da es sich bei Gold um den einzigen Finanzvermögenswert ohne Ausfallrisiko handelt, halten die Zentralbanken Gold auch als sicheren Hafen, der nicht konfisziert werden kann oder politischen Risiken ausgesetzt ist. So haben der Iran und Venezuela in 2011 als Vorsichtsmaßnahme vor politischen Risiken in Form von Wirtschaftssanktionen einen Teil ihrer bis dahin in den Tresoren der Bank of England gelagerten staatlichen Goldreserven repatriiert.

Die Gesamtmenge der weltweit gehaltenen Goldreserven der Zentralbanken beläuft sich auf rund 31.000 Tonnen (997 Millionen Unzen). Wenn man das nun mit der relativ geringen jährlichen Goldausbeute der Minen vergleicht, die bei rund 90 Millionen Unzen oder 2.810 Tonnen liegt, wird deutlich, dass bereits relativ geringe prozentuale Veränderungen bei den Goldbeständen der Zentralbanken bedeutende Auswirkungen auf den Goldpreis haben können.

Seit Anfang der 90er Jahre bis 2009 hatten die Zentralbanken durch ihre Goldverkäufe rund 15% bis 20% der weltweiten jährlichen Goldversorgung gestellt. Es ist völlig offenkundig, dass diese bedeutende Goldversorgung durch die Zentralbanken beträchtliche nachteilige Effekte auf den Goldpreis hatte. Dass die Zentralbanken seit ein paar Jahren wieder als Nettokäufer im Goldmarkt auftreten, war für den Goldpreis durchaus von Vorteil.

Ich gehe davon aus, dass die offiziellen Goldaufkäufe der Zentralbanken nicht nur weiter anhalten werden, sondern in den kommenden Jahren sogar noch weiter zunehmen dürften. China und Russland führen die Liste der Goldkäufer an, aber es gibt zurzeit eine wachsende Zahl an Zentralbanken – die in Gold unterinvestiert und in den US-Dollar und den Euro überinvestiert sind – welche sich ihnen bei den Goldkäufen noch anschließen werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die staatlichen Goldkäufer den Preis stützen, da sie bei Preiskorrekturen kaufen, wo bedeutende Menge leicht erhältlich sind und die Käufe diskret abgewickelt werden können, ohne Marktverwerfungen hervorzurufen.

Was die Goldkäufe der Zentralbanken anheizt, ist die Erwartung, dass der US-Dollar weiter entwertet wird und sein Status als bedeutendste Reservewährung weiter abnimmt.

Aber der US-Dollar ist ja nicht die einzige Währung, die zurzeit an Respekt verliert. Vor ein paar Wochen sprach ich mit einem Zentralbanker eines asiatischen Landes, der mir erklärte, dass die jüngsten Goldkäufe seines Landes vornehmlich darauf zurückzuführen sind, dass man das Vertrauen in den Euro als zuverlässige Reservewährung verloren hat.

In den letzten Jahren war die chinesische Regierung wahrscheinlich der bedeutendste Goldkäufer. Vor drei Jahren, im April 2009, erklärte die chinesische Zentralbank, dass sie in den vorangegangenen sechs Jahren rund 454 Tonnen Gold erworben hatte, was im Schnitt rund 75 Tonnen pro Jahr entspricht.

Seit dieser Bekanntmachung wurden keine harten Fakten bezüglich weiterer Goldkäufe veröffentlicht. Ich gehe jedoch davon aus, dass die chinesische Zentralbank weiterhin als permanenter Käufer der inländischen Minenproduktion und des im Inland recycelten Goldes auftritt. Vielleicht kauft die chinesische Zentralbank gegenwärtig rund 50 bis 100 Tonnen Gold pro Jahr. Vor nicht allzu langer Zeit verkündeten die chinesischen Zentralbanker, dass man „sich bei der Verwaltung der Devisenreserven um Diversifikation bemühen“ werde, was eigentlich darauf hindeutet, dass sie weiterhin Gold kaufen, ohne dies explizit einzuräumen.

Es sollte uns daher nicht überraschen, wenn die Chinesen eines Tages an die Öffentlichkeit gehen und verkünden, dass die Goldbestände der chinesischen Zentralbank wieder beträchtlich aufgestockt worden sind.

Und es gibt auch viele andere weltweite Zentralbanken, die gegenüber Gold mittlerweile wesentlich aufgeschlossener sind. Die Zentralbanken sind bereits seit zwei oder drei Jahren Nettogoldkäufer. Zuvor waren die Zentralbanken rund zwei Jahrzehnte Nettogoldverkäufer, was vornehmlich auf die großen Verkäufe europäischer Zentralbanken zurückzuführen ist, die fälschlicherweise davon ausgingen, dass Gold als Reservevermögenswert auf einem absteigenden Ast wäre, weshalb sie das gelbe Metall zu einem Bruchteil des heutigen Preises veräußerten.

Nachdem sich die Nettogoldverkäufe der Zentralbanken über viele Jahre hinweg jährlich auf 400 bis 500 Tonnen beliefen, verwandelte sich der Staatssektor in 2009 auf einmal wieder in einen Nettokäufer. Für den Goldmarkt ist das von entscheidender Bedeutung. Anstatt dass Jahr für Jahr zusätzlich hunderte Tonnen Gold auf der Angebotsseite hinzukommen, hat dieser Paradigmenwechsel bei den Zentralbanken zu einer Verschiebung der Angebots- und Nachfragesituation in Höhe von rund 800 bis 1.000 Tonnen geführt.

Ich glaube nicht, dass sich die meisten Goldmarktbeobachter und Goldmarktteilnehmer wirklich vollumfänglich im Klaren darüber sind, wie bedeutend diese Entwicklung für den Goldmarkt ist und auch in Zukunft noch sein wird.

Die Liste der Länder, die in den letzten paar Jahren Goldkäufe an den IWF meldeten, wird zusehends größer. Mittlerweile tauchen dort sogar schon recht überraschende Namen auf:

Unterdessen sind die Goldverkäufe durch die europäischen Zentralbanken – die in den 90er Jahren massiv als Käufer auftraten – praktisch auf null gesunken. Sie verkaufen nur noch so viel, dass damit ihre Gedenkmünzen geprägt werden können.

Wir sollten hier auch immer im Hinterkopf behalten, dass die Gesamtmenge der Goldkäufe der Zentralbanken die offiziell gemeldeten Käufe wahrscheinlich bedeutend übersteigt.

Die chinesische Zentralbank, die saudische Zentralbank und einige andere Zentralbanken mit riesigen, ja „exzessiven“ Dollar- und Euroreserven haben jede Menge Anreiz, ihr Gold still und leise im Geheimen zu kaufen – ganz einfach, weil die offizielle Verkündung ihrer Goldkaufprogramme den Goldpreis befeuern und somit die Kosten für ihre Käufe unnötig in die Höhe treiben würde.

Wichtig ist auch, dass ein Großteil des von den Zentralbanken gekauften Goldes langfristig gehalten werden soll. Das Gold wird also aller Vorausschau nach länger gehalten werden als nur ein paar Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre. Ein Großteil dieses Goldes soll über Jahrzehnte hinweg oder sogar noch länger gehalten werden, selbst zu bedeutend höheren Preisen.

Die Zentralbanken schaffen durch ihre Käufe einen Aufwärtstrend im Goldmarkt und reduzieren die Menge frei verfügbaren Goldes, um die künftige Nachfrage selbst zu wesentlich höheren Preisen zu befriedigen. Im Ergebnis können wir davon ausgehen, dass es bei Kursrücksetzern eine geringere Abwärtsvolatilität gibt. Überdies dürften die Zentralbankkäufe in den kommenden Jahren für einen noch nachhaltigeren Goldbullenmarkt mit bedeutend höheren Preisen sorgen.

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