Bullenmarkt: Gold wird in 2012 erneut alte Höchststände testen

Louis James, Casey Research, 09.05.2012
John Hathaway im Gespräch mit Casey Research

Louis James: Wir befinden uns hier auf der “Recovery Reality Check”-Konferenz von Casey Research und sprechen nun mit John Hathaway, einem der erfolgreicheren Fonds-Investoren – institutionellen Investoren – im Edelmetallbereich. John, würden Sie bitte all jenen, die nicht dabei sein konnten, kurz erläutern, worüber Sie auf dem Treffen hier sprachen?

John Hathaway: Sicher. Ich glaube, wir befinden uns aktuell am Ende einer Korrektur des Goldmarkts, die vom Hoch des letzten Sommers herrührte. Der Markt kochte förmlich über, eine Art von Hysterie rund um die Debatten über die US-Schuldenobergrenze und die Abwertung der US-Staatsschulden, und ich glaube, dass sich die Minenaktien und das Metall jetzt im Grunde daran abgearbeitet haben und das Ganze wieder abgekühlt ist, so dass es nun nur noch leicht vor sich hinköchelt.

Ich glaube, dass wir jetzt einen Punkt erreicht haben, wo es nicht mehr besonders viel Abwärtspotenzial gibt, und ich wäre nicht überrascht, wenn der Goldpreis dieses Jahr wieder seine vergangenen Hochs von USD 1.900 pro Unze oder gar neue Hochs von über USD 2.000 pro Unze testet.

Was dazu führen wird? Vieles wurde ja auf die quantitative Lockerung zurückgeführt. Am 29.02.2012 erklärte Bernanke, dass er mit den quantitativen Lockerungsmaßnahmen nun fertig sein würde. Wenn Sie das glauben, kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen, aber lassen Sie uns fürs Erste mal davon ausgehen, dass es keine weiteren Lockerungsmaßnahmen mehr gehen wird.

Ich war sehr beeindruckt, dass Gold trotz dieser Meldungen keine neuen Tiefststände testete. Es dümpelte Ende 2011 irgendwo unter USD 1.600 pro Unze vor sich hin, geriet dann ein paar Tage außer sich, aber sank nicht auf neue Tiefststände ab. Und als dann die Protokolle der Fed-Treffen veröffentlicht wurden, sank es ebenfalls nicht auf neue Tiefs.

Die Protokolle wiederholten im Grunde, was Bernanke bereits erklärt hatte. Es mag hier bei der Story also in der Tat zu Veränderungen kommen. Ich will hier die quantitative Lockerung als Möglichkeit garnicht ausschließen, aber so wie es aussieht, dürfte Gold gerade Dinge im Blick haben, die bei den CNBC-Typen noch garnicht auf dem Schirm sind.

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass Gold über viele Jahre hinweg gestiegen ist, bevor wir überhaupt das erste Mal von quantitativer Lockerung hörten. Es war ein fortwährender Aufwärtstrend. Was könnte also dahinterstecken? Was braucht es für Gold, was müsste Schlagzeilen machen, damit Gold wieder auf neue Höchststände klettert?

Für mich ist die bedeutendste Meldung, dass die Federal Reserve letztes Jahr rund 61% aller neuen US-Staatsanleihen gekauft hat, und wenn sie damit nicht weitermacht, ja was wird dann mit den Zinsen passieren?

Die Chinesen, die in der Vergangenheit bedeutende Hilfestellung leisteten, da sie ihre Währung manipulierten, haben nicht im Ansatz so viele Devisen generiert wie früher, weshalb ihre Partizipation an den Anleiheauktionen des US-Finanzministeriums erheblich zurückgegangen ist.
Wenn wir uns die entsprechenden Daten anschauen, stellen wir fest, dass die Käufe von US-Staatsanleihen [durch Ausländer] jäh eingebrochen sind.

Die zwei bedeutenden Pfeiler, die die niedrigen Zinssätze stützen, stehen also zur Disposition, und wir wollen erst einmal abwarten, was am 30.06.2012 passiert. Wenn man keine politischen Käufer findet – wie die Chinesen oder andere ausländische Käufer, die ihre Währungen manipulieren, oder die Fed, die ja nun erklärte, dass sie es nicht tun wird – ja was wird dann mit den Zinsen passieren?

Wenn man heute eine Rendite bekommt, die nicht politisch motiviert ist, dann liegt sie am kurzen Ende der Renditekurve inflationsbereinigt ungefähr bei 4% bis 5%. Mit jedem Prozentpunkt, den die Zinsen steigen, kommen zum Haushaltsdefizit riesige neue Beträge hinzu. Meines Erachtens stecken wir hier also in einer echten Falle, und genau hier werden sich auch die entscheidenden Dinge abspielen, hier wird sich zeigen, ob die Fed das, was Bernanke am 29.02. von sich gab, auch wird einhalten können.

Louis: Ist das das Entscheidende? Können sie es angesichts der ausstehenden Schulden einfach nicht zulassen, dass die Zinsen steigen?

John: Es scheint sehr verzwickt zu sein. Die US-Erholung, also die angebliche Erholung die wir hatten, ist sehr …. nun ja, ich räume ja ein, dass die Situation heute besser ist als vor ein oder zwei Jahren, aber die Erholung ist bestenfalls als schwach zu bezeichnen und dürfte kaum nachhaltig sein. Das ist ein Aspekt, der, wie ich glaube, den Goldmarkt beeinflussen könnte.

Das Zweite und nach meinem Dafürhalten sehr Wichtige ist, dass die Inflation gerade zulegt. Selbst wenn die Wirtschaft schwächelt, die Zahl, auf die ich schaue – und ich weiß, John Williams [von Shadowstats.com] wird hier noch sprechen, und sind uns ja im Klaren darüber, dass er sehr gute Daten dazu liefert – ist der MIT-Inflationsindex, da dort die Echtzeitpreise von Milliarden von Produkten abgebildet werden. Diesen Index kann man sich im Internet ansehen, aber es werden keine Dienstleistungen erfasst.

Die meisten von mir genutzten Dienstleistungen verteuern sich zurzeit mit über 5% pro Jahr, ja eigentlich liegt die Teuerungsrate näher an der 10%-Marke. Aber die Waren, wo die Preise in Echtzeit ermittelt werden können, verteuern sich gegenwärtig mit 5%, und das wird auch eine Rolle spielen. Sollte die Inflationsrate weiter auf diesem Niveau verharren, bedeutet das, dass die Fed die Renditekurve noch stärker stützen muss.

Das sind also diese zwei Aspekte, und der Dritte ist, dass es aktuell USD 1,5 Billionen an Liquidität im System gibt, die, sollte die Erholung – und ich bin kein Makro-Ökonom, aber sagen wir einfach, dass die Erholung anhalten wird – also dann haben wir USD 1,5 Billionen an freien Reserven, die einfach so in die Geldversorgung strömen könnten.

Dann hätten wir es wirklich mit einem potenziell hyperinflationären Szenario zu tun, und die Fed könnte überhaupt nichts dagegen unternehmen. Also ich glaube, das ist sehr bullisch für Gold. Gold blickt ja nicht auf Entwicklungen der Vergangenheit, sondern im Grunde schaut Gold nach vorne.

Die Aufzählung ließe sich hier natürlich beliebig erweitern. Wir haben ja auch noch die nicht gelöste Staatsschuldenkrise in Europa …

Louis: Ich verstehe den nonkonformistischen Grund [warum Sie bezüglich der Goldpreisentwicklung so positiv gestimmt sind], aber könnten Sie den Zuschauern ein paar Gründe nennen, warum Sie der Auffassung sind, dass wir uns gerade in der Nähe der Bodenbildung befinden, bzw. warum Sie aktuell bereit sind zu kaufen, ohne erst abzuwarten, wie sich der Sommer entwickelt.

John: Sicher. Zunächst einmal sei hier angemerkt, dass ich kein Trader bin. Ich meine, wir sind in Gold investiert und vergangenen Sommer dachte ich mir: „Oh meine Güte, das wird ja wirklich ein wenig gespenstisch, dieses Niveau kann nicht aufrecht erhalten werden.“ Zu dieser Zeit gab es jedoch nicht viel, was ich hätte dagegen tun können. Und nun befinden wir uns hier und haben ein paar Geldreserven, einige Geldzuflüsse, und sind somit auch in der Lage, das Geld entsprechend arbeiten zu lassen.

Warum ich glaube, dass wir die Bodenbildung bereits erreicht haben? Die Stimmungsdaten sind extrem negativ … Übrigens: Ich veröffentliche alle drei Monate einen Newsletter, mit einer Vielzahl solcher Daten.

Also die Stimmung befindet sich zurzeit auf Niveaus, die in der Vergangenheit mit großen Rallys in Verbindung gebracht worden sind. Die Partizipation der Händler, die Netto-Long-Positionen, die spekulativen Long-Positionen – all diese Daten sind im Keller. Ich schau mir diese Daten sehr oft an, um herauszufinden, wie der Markt positioniert ist.

Die Leute, die im Goldmarkt einiges an Volatilität verursachen können, sind nicht da, und sollte sich Gold bewegen, werden sie das sicher nicht verpassen wollen und in den Markt einsteigen. Und dann schauen wir uns auch technische Aspekte an. Ich bin kein Charttechniker, aber das meiste, was ich aus technischer Perspektive erkennen kann, ist extrem positiv. Ich führe diese Dinge dann zusammen.

Die Stimmung im Markt ist auf dem Tiefpunkt. Die Händlerpartizipation an der COMEX ist außerordentlich positiv zu beurteilen und die technischen Indikatoren, auf die wir achten, sind ebenfalls sehr vorteilhaft … Also ehrlich gesagt, ich setze hier nicht meine Reputation aufs Spiel, wie es vielleicht Dennis Gartman macht, der genaue Marktprognosen abgibt, aber als erfahrener Marktbeobachter, der das schon ein paar Jahre macht, bin ich der Auffassung, dass der Goldmarkt bereit ist, zu steigen.

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