Gold: Unter USD 3.000 pro Unze immer noch günstig

Nimmt man die Geschichte als Richtschnur, dürfte der Goldbullenmarkt noch die nächsten sechs bis acht Jahre anhalten. Es ist verblüffend, wie es den Menschen gelingt, die offenkundigen Realitäten der aktuellen Schuldenkrise auszublenden, was auch ein entscheidender Grund dafür ist, dass das gelbe Metall gegenwärtig so niedrig notiert

Gary Leibowitz, Rick´s Picks, 14.05.2012

Ja ich räume ein, dass ich im Hinblick auf Gold über viele Jahre hinweg sehr pessimistisch gewesen bin. Als ich dann meine Meinung revidiert hatte, bin ich über meine Schlussfolgerungen und meine 180-Grad-Kehrtwende selbst erstaunt gewesen.

Gold hat einen Marktzyklus von durchschnittlich 18 bis 20 Jahren, was bedeutet, dass der Goldbullenmarkt bis 2018/2020 anhalten dürfte. Der Goldzyklus bedeutet zwar nicht, dass das Metall notwendigerweise einen gigantischen Aufwärtsschub hinlegen muss, aber er deutet darauf hin, dass während dieses Zeitraums kaum mit Abwärtsdruck zu rechnen ist.

Ein weiterer positiver Faktor bezüglich des Goldzyklus ist, dass dieser lange Bullenmarkt am Ende in der Regel in einem massiven und steilen Anstieg seinen Höhepunkt findet. Nimmt man die Geschichte als Richtschnur, dann ist davon auszugehen, dass diese spektakuläre Phase des Goldbullenmarkts irgendwann in sechs bis acht Jahren eintreten wird.

Im Hinblick auf die Makroökonomie gehe ich davon aus, dass die Schulden mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das nicht mehr länger aufrecht erhalten werden kann, weshalb eigentliche eine bedeutende Deflationsphase eintreten müsste. Dieses Argument hat meines Erachtens immer noch Bestand, obschon ich früher völlig unbegründete Auffassungen bezüglich der Dauer eines solchen Schuldenzyklus hatte.

In der Vergangenheit bin ich immer davon ausgegangen, dass ein massiver Deflationszyklus über viele Jahre hinweg anhalten würde. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass dies noch nie beobachtet werden konnte. Eine Deflationsphase hält im Schnitt gerade einmal 18 Monate an. Während dieses Zeitraums kommt es zu einer bedeutenden Kontraktion, die dazu führt, dass Bargeld alle anderen Investments aussticht.

Ich gehe davon aus, dass im Rahmen einer solchen Deflationsperiode auch Gold in Mitleidenschaft gezogen würde und in einen Abwärtssog gerät – aber bei weitem nicht so stark, wie dies bei anderen Vermögenswerten der Fall sein wird. Überdies dürfte sich das gelbe Metall rasch wieder erholen, wenn die Regierungen ihre Wirtschaften reinflationieren.

Das Risiko der Gold-Konfiskation

Wenn man über künftige Szenarien nachdenkt, scheint es nach meinem Dafürhalten wahrscheinlich, dass Gold eines der Top-Investments der kommenden Jahre sein wird. Nichtsdestotrotz gibt es auch Szenarien, die Goldbesitzer entmutigen könnten.

In dem ersten Szenario beginnt die Regierung damit, Gold zu konfiszieren oder den Bürgern Beschränkungen bezüglich des Goldbesitzes oder des Goldpreises aufzuerlegen. Wer dazu neigt, dieses Worst-Case-Szenario für möglich zu halten, sollte seine Goldinvestments besser in relativ stabilen Ländern im Ausland halten.

Am Ende dürfte es aber so sein, dass diejenigen, die zeitig genug in Gold investieren – also bei einem Goldpreis von unter USD 3.000 pro Unze – ohnehin keine Verluste machen werden.

Das zweite Szenario, ein vollständiger Zusammenbruch der Weltwirtschaft, ist nicht ganz so lustig. Sollte es zu einem vollständigen Zusammenbruch der weltweiten Wirtschaften kommen, könnte es sein, dass sich Gold als Tauschmittel nicht sonderlich gut eignet. Sehen wir von diesem Szenario jedoch einmal ab, dürfte Gold bis 2020 das Top-Investment sein.

Ich rechne damit, dass es mittelfristig, vielleicht in 2013, zu großen Pleiten kommen wird, die von den weltweiten Zentralbanken und Regierungen nicht mehr so stark abgefedert werden, wie dies in der Vergangenheit der Fall war – sei es nun, weil sie dazu nicht mehr bereit oder überhaupt nicht mehr in der Lage sein werden. Das wird zur Folge haben, dass sich alle Kreditgeber schnell zurückziehen werden, genauso wie wir es vor vier Jahren bereits bei den Banken gesehen haben.

Bei der nächsten Pleitewelle werden die Möchtegern-Retter klarstellen, dass es kein Auffangnetz und keine Hilfen in Form günstiger Zinsen mehr geben wird. Die Regierungen werden Verordnungen erlassen werden, die vornehmlich darauf abzielen, das Finanzsystem zu stabilisieren. Es wird dann zu echten Abschreibungen in den Bilanzen kommen – keine weiteren Anleiheemissionen und Rettungspakete der Regierungen, keine Gewinner, nicht auf Seiten der Kreditnehmer und auch nicht auf Seiten der Kreditgeber.

Diese staatlich erzwungene Austerität wird alle Bereiche erfassen. Für die Masse der Bevölkerung wird das Ganze in eine globale Depression ausarten, die über zehn Jahre anhalten wird. Für die Wirtschaften selbst wird diese Depressionsphase aber kürzer ausfallen.

Die Unternehmen werden sich rasch anpassen und genau das tun, was nötig ist, um zu überleben und Gewinne zu erwirtschaften. Fast jeder war überrascht, wie es den Unternehmen innerhalb der vergangenen vier Jahre gelang, ihre Umsätze aufrecht zu erhalten, und sie werden auch künftig unterstreichen, dass sie selbst im Rahmen eines substantiellen Wirtschaftsabschwungs über die Fähigkeit verfügen, sich entsprechend anzupassen.

Die Sehnsucht nach Normalität

Dass Gold nicht bereits abgehoben ist, begründet sich hauptsächlich durch die menschliche Psychologie. Es liegt in der Natur des Menschen, sich an die Auffassung zu klammern, dass auch in Zukunft alles so sein wird, wie man es gewohnt ist.

Diese Sehnsucht nach Normalität macht es uns schwer uns einzugestehen, dass drastische und unwillkommene Veränderungen eintreten können. Das ist auch der Grund dafür, warum die Juden zu der Auffassung neigten, das Hitler-Regime wäre nur von kurzer Dauer und die Bürger würden sich nicht gegenseitig attackieren.

Und während die meisten Menschen die Logik, die sich hinter der aktuellen Schuldenkrise verbirgt, noch nachvollziehen können, hoffen sie darauf, dass das Ganze in ihrem Leben kaum zu Veränderungen führen wird. Obwohl wir die Daten sehen und zu der unvermeidlichen Schlussfolgerung gelangen, gelingt es uns dann doch irgendwie, die Realität zu verdrängen und zu glauben, dass unser Leben immer genauso „normal“ sein wird, wie wir es bisher gewohnt gewesen sind.

Vielleicht ist es aber auch nur meine zynische Einstellung gegenüber dem Leben, die dazu führt, dass ich die möglichen vor uns liegenden Szenarien überdramatisiere. Ich hoffe inständig, dass ich daneben liege – doch um sicher zu gehen, werde ich mich auf alle Fälle mit Gold absichern.

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