Das Auseinanderbrechen der Eurozone: Am Ende hat selbst Deutschland seine D-Mark wieder

Warum Griechenland, Spanien, Italien und Irland umgehend die Eurozone verlassen sollten, solange dies noch mit friedlichen Mitteln möglich ist

Ron Holland, Daily Bell, 16.05.2012

„Die Versuche einer Regierungsbildung in Griechenland sind am Dienstag gescheitert, und die Märkte reagierten verschreckt auf die Aussicht, dass die Linken – die gegen die Bedingungen der EU-Rettung sind – aus einer im Juni stattfindenden Wahl als Sieger hervorgehen könnten und die Eurozonen-Krise dadurch in eine gefährliche neue Phase getrieben wird.“ – CNBC

Warum sollte sich das griechische Volk durch die von Deutschland und Brüssel aufgezwungenen Austeritätsmaßnahmen und Hilfskredite – mit denen nur die Zinsen auf die von den Großbanken gehaltenen Schulden beglichen werden – finanziell vernichten und ins Elend treiben zu lassen?

Was ist, wenn das Bankenwesen und das Medien-Establishment bezüglich der Folgen eines Austritts aus dem Euro völlig daneben liegen, genauso wie sie schon seit Beginn der Krise völlig daneben lagen?

Ich gehe davon aus, dass Griechenland nach einem Austritt aus der Eurozone eher eine starke wirtschaftliche Erholung haben dürfte anstatt eine Depression, wie es von den Experten prognostiziert wird – Experten, die bei genau den Banken angestellt sind, die Griechenland versklavt haben.

Ja was würden Sie denn tun?

Nehmen wir einmal an, Sie haben von Immobilien keine Ahnung und verfügen über ein Jahreseinkommen von USD 30.000. Gehen wir ferner davon aus, dass Sie sich während der von der US-Notenbank Federal Reserve geschaffenen US-Eigenheimblase für USD 500.000 ein Eigenheim gekauft und 2% des Kaufpreises angezahlt haben.

Ihr Immobilienmakler und Ihr Kreditmakler sagten zu Ihnen: „Machen Sie sich keine Sorgen, wir kümmern uns um die Details.“ Später stellen Sie fest, dass Ihre Unterschrift gefälscht wurde und man Ihr Jahreseinkommen mit USD 300.000 angab.

Als nächstes finden Sie heraus, dass sich der Wert der Immobilie in Wirklichkeit nur auf USD 50.000 beläuft, da das Haus zahlreiche Grundbucheinträge aufweist und eine Vielzahl von baulichen Mängeln hat, während Sie noch nicht einmal zweifelsfrei die Eigentümerschaft nachweisen können. Die Bank droht Ihnen, all Ihre Lebensersparnisse wegzunehmen, weil Sie mit den Ratenzahlungen nicht hinterherkommen.

Was würden Sie tun? In einer solchen Situation würden die meisten rationalen Menschen ihre Zahlungen einfach aussetzen, den betrügerischen Vertrag für unwirksam erklären und all jene verklagen, die das Kreditgeschäft in einen Betrug verwandelt haben.

Das ist eine stark vereinfachte Version dessen, was den meisten Ländern innerhalb der Europäischen Union widerfuhr. Die Bürger der einzelnen Euroländer haben nie dafür gestimmt, dass ihre nationale Souveränität abgetreten wird, und sie haben auch garnicht verstanden, was eigentlich vor sich ging.

Das gesamte Geschäft – mitsamt den Staatschulden – war ein einziger Betrug und wurde nur abgewickelt, um den Banken und Politikern Profite zu bescheren.

Wirtschaftserholung? Nur außerhalb der Eurozone und nur, nachdem man alle Schulden für nichtig erklärt hat

Für viele europäische Länder ist es das Beste, wenn sie aus dem gescheiterten monetären und politischen Experiment, in das sich die Europäische Union verwandelt hat, einfach austreten. Darüber hinaus sollte Griechenland die gigantischen Staatsschulden, die vornehmlich von deutschen Banken gehalten werden, für nichtig erklären und eine unabhängige griechische Nationalwährung einführen. Eine neue Drachme hätte ein niedrigeren und somit wesentlich attraktiveren Wechselkurs, was den Tourismus ankurbelt und ausländische Investments anzieht.

Natürlich würde es kurzfristig zu einem Einbruch der griechischen Wirtschaft kommen, doch im Vergleich zu der von der EU geschaffenen Todesspirale, in die Griechenland die letzten Jahre hineingezwungen wurde und die in Zukunft weiter anhalten würde, wäre diese Phase schnell wieder vorbei.

Ungeachtet all der Warnungen des Establishments kann man dem griechischen Volk und den leidenden Bevölkerungen Spaniens, Italiens, Irlands und anderer Länder nur dringend dazu raten, sich von den politischen Fesseln der Europäischen Union zu befreien und ihren eigenen Weg zu gehen.

Die ganze Welt weiß doch, dass die griechischen Politiker korrupt sind und sich im Besitz der Finanzlobby befinden. Und wie es bei den meisten Politiker im Westen der Fall ist, neigen auch die griechischen Politiker dazu, sich für kurzfristige Maßnahmen zu entscheiden, die ihnen die größten Profite und Schmiergelder bescheren.

Politiker kann man nicht verklagen, aber Länder können die Zahlung von betrügerischen Staatsschulden einfach einstellen, wenn die Bevölkerung nur stark genug Druck macht. Die Geschichte hat gezeigt, dass Politiker gelegentlich sogar zu Patrioten werden können, wenn ihre politische Zukunft in Gefahr gerät und es so aussieht, als sei die Zeit des finanziellen Absahnens vorbei.

Ich glaube, dass es sich bei dem EU-Sirenengesang über die Austeritätsmaßnahmen in Griechenland und weitere Rettungspakete lediglich um eine politische Verschleierungstaktik handelt, um die Bevölkerung im Verlauf eines mehrjährigen Staatsbankrotts auszusaugen und ihnen immer mehr Vermögen zu stehlen und Leistungen zu streichen. Für die meisten Euroländer bestünde die Lösung jedoch darin, die Steuern zu senken, den Menschen weniger zu stehlen und die aufgeblähten staatlichen Programme und Zuwendungen zurückzufahren.

Der Ausweg für Griechenland und die anderen europäischen Ländern ist, aus dem Euro und der Europäischen Union auszusteigen und das oben stehende zu tun – und zwar nachdem man die Staatsschulden für nichtig erklärt hat und so zu einer schuldenfreien Nation geworden ist

Selbst Deutschland wird die Eurozone verlassen

Letztlich stimme ich meinem Freund John Browne zu, der am Freitag von CNBC zur Eurokrise interviewt wurde. John Browne ist leitender Marktstratege bei Euro Pacific Capital und unser Vorstandsvorsitzender von Biologix Hair in Toronto.

Er warnte davor, dass nicht nur Griechenland und andere mediterrane Länder aus dem Euro aussteigen würden, sondern wahrscheinlich auch Deutschland noch vor Ende der EU-Krise die D-Mark wieder einführt.

Bei Staatsanleihen hat man ja nur wenige Optionen: Man kann sie zurückzahlen, für nichtig erklären oder eine Hyperinflation einleiten – was übrigens auch der Grund dafür ist, warum sich die Europäische Union in einer Sackgasse befindet.

Kein Land hat seine Staatsschulden je zurückzahlen können, und die Bürger profitieren in der Regel mehr von einer Nichtanerkennung der Staatsschulden als von einer Hyperinflation, während die Zentralbanken stets die Inflation als Lösungsansatz vorziehen.

Angesichts der Tatsache, dass die Währungsgeschichte Deutschlands noch in den Köpfen des Volks steckt, wird es das deutsche Volk der Regierung nie erlauben, hohe Inflationsraten zu dulden.

Die Europäische Union wurde geschaffen, um alle Europäer zu kontrollieren – doch wird das deutsche Volk bei der massiven Geldschaffung und der damit einhergehenden Inflation zur Rettung der gescheiterten EU und zum Weginflationieren des gigantischen Schuldenbergs der Euroländer nicht mitmachen.

Aus der Geschichte lernen?

Es ist fast 100 Jahre her, als die siegreichen Alliierten und ihre Banken-Eliten den Versailler Vertrag nutzen, um das Vermögen Deutschlands und seiner Bürger auszuplündern, obwohl sie auch nicht mehr Schuld an dem entsetzlichen Krieg trugen als die Alliierten. Für die Deutschen ist es noch nicht lange genug her, als dass sie das Abgleiten in Richtung Extremismus, die Wut auf jene, die das Land ausplünderten, und letztlich den Aufstieg von Hitler und des Nationalsozialismus bereits vergessen hätten.

Das deutsche Volk wird mit Sicherheit den Austritt aus dem Euro und die Rückkehr zu einer glaubwürdigen Währung, der D-Mark, einfordern, die dann auf irgendeine Art goldgedeckt sein dürfte. Die Alternative wäre, einen Rückfall in die 30er Jahres des 20. Jahrhunderts zu riskieren – und diesen Fehler haben die Deutschen nicht vergessen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Angela Merkel bei den Bundestagswahlen in 2013 aufgrund der EU-Probleme abgewählt werden wird. Ihr und ihrer Koalition wird dann die Macht aus den Händen gerissen, während die von Deutschland angeführte Europäischen Union in sich zusammenbricht, so wie es in der Vergangenheit bereits bei unzähligen anderen grandiosen imperialen Plänen beobachtet werden konnte.

Wir dürfen hier nicht vergessen, dass vor 70 Jahren, 1933, schon einmal ein Kanzler aufgrund von Staatsschulden, Hyperinflation und außenpolitischen Streitigkeiten an die Macht gespült wurde. Für Deutschland ging das nicht gut aus.

Austritt aus der Eurozone, solange es noch mit friedlichen Mitteln möglich ist

Ich weiß, dass sich viele Bürger in der Europäischen Union fragen: „Ja wie kommen wir hier wieder raus?“

Die Bürger Europas glauben, dass es garnicht mehr schlimmer werden könnte, weshalb man vielleicht doch in der EU bleiben sollte, während die Establishment-Experten ja ohnehin vor Bankrotten, Währungskrisen und den gewöhnlichen Weltuntergangsszenarien warnen, sollte der Euro über Bord geworfen werden.

Als Amerikaner kann ich aufgrund unserer eigenen Geschichte sagen, dass der Wille einer Macht-Elite, die Kontrolle über das Steuerzahler-Territorium mit allen Mitteln (also auf Kosten von Menschenleben, durch wirtschaftliche Zerstörung und Gewalt) aufrecht zu erhalten, stets bedeutend stärker ausgeprägt ist, als die Öffentlichkeit gemeinhin annimmt. In den USA haben wir nun den 150. Jahrestag unseres Bürgerkriegs, der die Wirtschaft der südlichen Bundesstaaten vernichtete und bei dem 600.000 Amerikaner umkamen.

In Wirklichkeit war es gar kein richtiger Bürgerkrieg, und die Opferzahlen werden vom Medien-Establishment auch nie erwähnt. Und auch die Hauptursache des Krieges, die eher mit der Schaffung einer Zentralbank, den Profiten des Eisenbahnwesens und den Regierungseinnahmen zu tun hatte, wird vom Medien-Establishment nicht näher beleuchtet.

Doch so ist das nun einmal, die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben. Sollten die europäischen Länder nicht schnellsten aus der nach dem Vorbild der amerikanischen Union geschaffenen Europäischen Union austreten, dürften sie ohne Krieg – den sie wahrscheinlich verlieren würden – nie wieder aus der EU herauskommen. Die Länder sollten den Euro und die EU daher schnellstmöglich verlassen, solange ihnen dies noch möglich ist.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • EU-Schuldenschock: Austritt Deutschlands aus der Eurozone immer wahrscheinlicher
  • Der Unmut der europäischen Wählerschaft gegenüber Deutschland und der Europäischen Union wächst zusehends, während die Deutschen gerade feststellen, dass ihr hart erarbeitetes Geld zum Fenster rausgeworfen wird. Sollte die politische Führung Deutschlands mit ihrem Versuch scheitern, in den PIIGS-Ländern die gewünschten Austeritätsmaßnahmen mithilfe nichtgewählter Marionetten umzusetzen, wäre es durchaus denkbar, dass Deutschland die Eurozone verlässt
  • Farage: Der Euro ist gescheitert – Griechenland muss zur Drachme zurück!
  • Es ist nicht nur Griechenland, worüber wir heute hier sprechen – alle südeuropäischen Länder finden sich nun in der falschen Währung wieder und es gibt praktisch niemanden in der politischen Arena, der über den Mut verfügt …
  • Hankel: „16 Länder mit einer gemeinsamen Währung ist Blödsinn“
  • Wenn das Bundesverfassungsgericht zugunsten von Hankels Klage entscheidet, wird die Teilnahme Deutschland am Rettungspaket aufgehalten. Darüberhinaus erklärte Hankel, dass Griechenland gezwungen sein könnte aus der EU auszutreten: „Warum nicht? Ein Land mit einer schwachen Wirtschaft kann keiner Währungsgemeinschaft angehören, die harte Regeln für Stabilität und eine harte Währung hat.“
  • Staatsschuldendebakel: Griechenland legt Deutschlands EU-Dilemma offen
  • Nachdem die Deutschen drei Mal dabei scheiterten, sich ein Imperium mit Waffengewalt zu sichern, ist die Europäische Union seitens der deutschen Politiker als eine Chance erachtet worden, dieses Ziel mittels ihrer Finanzmacht zu erlangen. Offensichtlich sind sie bereit, für dieses große Ziel riesige Geldsummen zu zahlen
  • Koste es, was es wolle
  • Die „Rettung“ Zyperns hat gezeigt: Um die Abspaltung eines Landes aus der Euro-Zone zu verhindern, sind die Euro-Politiker zu letztlich jeder Maßnahme bereit. Die Brutalität der Eingriffe wird nur übertroffen von der Überforderung der politisch Verantwortlichen. Für Fachleute war seit langem absehbar, dass das zypriotische Geschäftsmodell, das unter der Glocke der Einheitswährung erst richtig erblühte