Inflationsschock: Wie die Zentralbanken die Finanz- und Wirtschaftskrise in einen Dauerzustand verwandeln

Anstatt die heilsamen deflationären Kräfte des Marktes zuzulassen, kennen die Zentralbanken bei Wirtschaftsabschwüngen nur eine Lösung: Das Drucken immer größerer Geldmengen zur Stabilisierung der Vermögenspreise. Die Situation ist heute wieder genau dieselbe wie zu Anfang der Finanzkrise in 2008. Sparer und Anleger sind gut beraten, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die Politiker und ihre kommandowirtschaftlichen Zentralbanken eine weltweite deflationäre Depression zulassen oder sich stattdessen weiter auf ihre aggressive Geldentwertungspolitik zurückziehen werden

Michael Pento, King World News, 20.05.2012

Wir leben heutzutage in einer Welt, wo die Deflation zum Staatsfeind Nummer 1 avanciert ist. Im aktuellen Wirtschaftsumfeld versuchen die Regierungen der Industrieländer einen Zustand der fortwährenden Inflation zu erreichen, um die Illusion von Prosperität aufrecht zu erhalten.

In Wirklichkeit handelt es sich bei der Deflation aber lediglich um den marktwirtschaftlichen Mechanismus, um eine spekulative Periode unnötigen Geldmengenwachstums, der Schuldenanhäufung und Vermögenspreisanstiege zu korrigieren!

Im Hinblick auf die Versuche, die Einnahmen der Privatbanken anzukurbeln und die Freigiebigkeit der Staaten zu stützen, können die Zentralbanken auf eine gut dokumentierte Geschichte der rasanten Ausweitung der Fiatgeldmenge und manipulativen Zinsdrückung zurückblicken – Maßnahmen, die mit einer Erhöhung des Schuldenniveaus und steigenden Vermögenspreisen einhergehen.

Im Juli 2008 hatte es die US-Notenbank Federal Reserve mithilfe der Geschäftsbanken geschafft, die jährliche US-Verbraucherpreisinflation auf 5,5% und den US-Herstellerpreisindex auf 9,8% zu treiben. In der Eurozone fabrizierte die Europäische Zentralbank eine Inflation von über 4%, während die chinesische Zentralbank die Inflation für die chinesischen Verbraucher auf über 8% jagte.

Wenn die Zentralbanken eines Tages gezwungen sind, sich mit der von ihnen geschaffenen Inflation auseinanderzusetzen, werden sie ihre Gelddruckmaßnahmen letztlich zurückfahren müssen. Doch eine Rückkehr zu einer normaleren Wirtschaft führt automatisch auch zum Platzen der Schulden- und Vermögensblasen.

Nachdem sich in 2007 und 2008 die Kreditkrise langsam eingestellt hatte und die heilsamen Kräfte der Deflation damit begannen, ihre Wirkung zu entfalten, weiteten die Zentralbanken in aller Schnelle die Geldmenge aus, um eine drastische Kaufkraftentwertung ihrer Währungen herbeizuführen und so die Immobilienpreise in die Höhe zu wuchten.

Beispielsweise sind die spanischen Immobilienpreise bereits um über 30% eingebrochen, während davon ausgegangen wird, dass sich der Preiseinbruch in 2012 noch einmal auf 12% bis 14% belaufen wird. Die Europäische Zentralbank hat bis zum jetzigen Zeitpunkt über EUR 1 Billion gedruckt, um die Eigenheimpreise mithilfe der Währungsentwertung anzuheben und den Banken so ihre Zahlungsfähigkeit zurückzugeben.

Das Problem bei dieser Sucht nach gedrucktem Geld ist, dass, hat eine Zentralbank die Gelddruckmaßnahmen erst einmal eingeleitet, dies im Nachgang nicht mehr gestoppt werden kann, ohne dass es fatale – wenngleich langfristig heilsame – Konsequenzen zeitigt. Und umso länger eine Wirtschaft inflationsabhängig ist, desto schwerer wird die Schuldendeflation am Ende ausfallen. Die Zentralbanken führen zurzeit also einen sehr schwierigen Balanceakt zwischen Inflation und Deflation durch.

Wenn die Zentralbanken ihre Geldmengenausweitung aussetzen, wird die Deflation in Windeseile um sich greifen – und dann bedarf es immer größerer seitens der Zentralbanken geschaffener Geldbeträge, um die Wirtschaft davon abzuhalten, einen Preisverfall bei den Vermögenswerten einzuleiten.

Ein weiteres Beispiel für die Achterbahnfahrt der Zentralbanken findet sich beim Rohölpreis. Der Ölpreis lag während der 80er und 90er des 20. Jahrhunderts im Schnitt bei USD 25 pro Barrel. Zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts explodierte der Rohölpreis auf einmal und schoss bis Sommer 2008 auf USD 147 pro Barrel.

Anfang 2009, auf dem Höhepunkt der deflationären Kreditkrise, fiel der Ölpreis dann auf USD 33 pro Barrel. Das war zu einem Zeitpunkt, als die Fed aber bereits USD 2 Billionen an frisch gedrucktem Geld in die Wirtschaft gepumpt hatte, um die Deflation zu bekämpfen, was dann auch maßgeblich dazu beitrug, dass der Ölpreis bis 2011 wieder auf USD 114 pro Barrel in die Höhe schoss.

Da die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank jedoch einhellig beteuern, dass sie ihre Schuldenmonetisierungs- und Geldentwertungsmaßnahmen nun eingestellt haben, liegt zurzeit wieder exakt dasselbe Marktumfeld vor, das zu der ausgeprägten Deflation führte, die im Herbst 2008 beobachtet werden konnte.

Einige behaupten nun, dass eine massive deflationäre Rezession überhaupt nicht einsetzen könne, da die Banken rekapitalisiert wurden. Ja es ist richtig, dass die deflationäre Rezession durch die Banken verursacht wurde, die sich und die Wirtschaft durch ihre exzessive Kreditvergabe in die Insolvenz trieben. Das jetzige Problem ist aber bedeutend schlimmer.

Mittlerweile ist es nämlich so, dass ganze Länder pleite sind, und man kann kaum behaupten, dass eine anhaltende Staatsschuldenkrise besser sei als eine Bankenkrise, speziell vor dem Hintergrund, dass der überwiegende Teil der Vermögensbestände der Banken in Wirklichkeit Staatsschulden sind.

Das ist auch der Grund, warum der Rohölpreis von USD 110 pro Barrel im Februar dieses Jahres um 18% auf heute USD 91 pro Barrel gesunken ist. Der Kupferpreis sank von USD 3,90 pro Pfund im April dieses Jahres um 11% auf heute USD 3,50. Und die Aktienmarktpreise haben ebenfalls einen Rückgang eingeleitet, genauso wie dies auch zu Beginn der Großen Kreditkrise der Fall war.

Der japanische Leitindex Nikkei ist alleine im letzten Monat um fast 11% gefallen, während der S&P 500 seit Anfang Mai 7% verloren hat. Der spanische Leitindex IBEX ging die vergangenen 30 Tage um 7,6% zurück, wodurch der Rückgang der vergangenen 12 Monate auf 37% ausgeweitet wurde!

Diese Preisrücksetzer sind für die langfristige Gesundheit der Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung, aber ich bezweifle, dass die Zentralbanken dieser Entwicklung noch allzu lange tatenlos zusehen werden.

Fakt ist doch, dass die gegenwärtigen Schuldenniveaus der Industrieländer einer Phase des massiven Schuldenabbaus bedürfen. Eine gesunde und reinigende Deflation ist vonnöten: Die Vermögenspreise fallen, die Geldversorgung sinkt und die Schuldenniveaus werden bis zu einem Punkt reduziert, wo der Markt auch wieder in der Lage ist, sie zu bewältigen. Für die einzelnen Länder, die gegenwärtig mit ihrer Solvenz zu kämpfen haben, ist dies die einzig mögliche Lösung.

Eine Abkehr von einer Phase massiver Inflation und Vermögensblasen führt aber immer auch zu Pleiten und Zahlungsunfähigkeit. Wenn man auf Schulden die Zahlungsunfähigkeit erklärt, ist das natürlich deflationär, und die Restrukturierung von Verbindlichkeiten ist die einzige Möglichkeit, die einem bleibt, wenn man mehr Schulden hat, als man zurückzahlen kann.

Das Problem ist nur, dass unter den Staats- und Zentralbankchefs die Idee vorherrscht, dass ein Land lediglich mehr Kredite aufnehmen und mehr Geld drucken muss, um die durch eine zu starke Verschuldung und Inflation ausgelösten Probleme zu bewältigen. Eine erhöhte Inflation kann aber nie das Mittel sein, mit dem man steigende Preise kuriert, genausowenig wie man sich durch eine Ausweitung der Verschuldung von der Insolvenz befreien kann.

Die weltweiten Investoren werden durch die Entscheidungen der zwischen Deflation und Inflation hin und her springenden Zentralbanken gegenwärtig gleich mehrfach abgezockt. Die Regierungen müssen sich nun also entscheiden, ob sie zulassen, dass eine deflationäre Depression die Weltwirtschaft von ihren Ungleichgewichten befreit, oder ob sie weiterhin versuchen, die Immobilien-, Aktien- und Anleihepreise mithilfe des Druckens riesiger Geldmengen über Wasser zu halten.

Für das finanzielle Wohlergehen ist es von entscheidender Bedeutung, dass man in der Lage ist, den Weg, den die Zentralbanken gegenwärtig verfolgen, richtig einzuschätzen. Aktuell haben sie es den deflationären Marktkräften erlaubt, Fuß zu fassen. Ein Blick auf die Geschichte ist für Investoren jedoch ein unzweideutiger Hinweis darauf, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich das Wirtschaftsumfeld wieder so stark verschlechtert hat, dass sich die Regierungen erneut ihrem unerbittlichen Streben nach Inflation zuwenden werden. Das Entscheidende ist also, dass man begreift, wo wir uns im Inflations-Deflations-Zyklus gerade befinden, und dann entsprechend investiert.

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