Schulden-Tsunami: Regierungen fürchten Bank-Runs und Pleitewelle

King World News, 18.05.2012

Eric Sprott erklärte heute im Gespräch mit King World News, dass die Regierungen zurzeit händeringend versuchen würden, ein „Liquidationsereignis“ zu vermeiden. Überdies warnte der Vorsitzende von Sprott Asset Management davor, dass die Märkte so oder so eine Liquidation einleiten würden, „egal, ob die Machthaber das nun wollen oder nicht“. Im Folgenden finden Sie, was Sprott im Hinblick auf die sich weiter zuspitzende Krise zu sagen hatte:

„Also irgendwas muss geschehen, weil das Ganze jetzt völlig außer Kontrolle geraten ist. Was ich damit sagen will, ist, dass man die Bank-Runs [die wir zurzeit sehen] einfach nicht dulden kann. Und das eine, was die Machthaber, die Zentralbanken und Regierungen versucht haben, ist, etwas zu vermeiden, was ich ein ´Liquidationsereignis` nenne.

Seitdem wir gesehen haben, was passierte, als Lehman Brothers liquidiert wurde, sind sie sich im Klaren darüber, dass das nicht noch einmal stattfinden darf. [Der US-Immobilienfinanzierer] Fannie Mae wurde genauso übernommen wie AIG und General Motors, um dieses Liquidationsereignis zu verhindern. Aber ich glaube, dass der Markt ungeachtet dessen einfach liquidieren wird, egal ob die Machthaber das nun wollen oder nicht.

Ich glaube, dass sich dieser Prozess in einen Tsunami verwandeln wird und die ganze Welt wird sich wieder Edelmetallen zuwenden. In Griechenland gab es einen Minsky-Moment [Krise trotz vermeintlich boomender Wirtschaft], und es wird mit Sicherheit zu einem weiteren kommen.

Da die spanischen und italienischen Renditen weiter steigen, wird es auch in diesen Ländern zu einem Minsky-Moment kommen. Ich würde mal davon ausgehen, dass dasselbe auch für die meisten großen Industriewirtschaften gilt, da die staatlichen Verbindlichkeiten weit über dem liegen, was die verbliebene Arbeiterschaft überhaupt finanzieren kann.

Weltweit gesehen, ob wir nun über Japan, Großbritannien, die USA oder ganz Europa sprechen, werden die Menschen begreifen, dass wir zu viele Schulden haben. Ab einem bestimmten Zinssatz können wir die Zinsen nicht mehr bedienen.

Und das ist dann auch exakt das, was sich meines Erachtens abspielen dürfte. Das ist es, was die Bank-Runs auslöst. Das ist es, was dafür sorgen wird, dass die Renditen auf die Staatsanleihen steigen, und das ist es, was bei der Masse meiner Meinung nach zu dem Wunsch führen wird, in Edelmetalle einzusteigen.

Das verblüffendste an den Bank-Runs, und da beschränke ich mich mal auf Griechenland … also ich konnte wirklich nicht glauben, dass die Leute am Montag über EUR 500 Millionen aus den Banken abgezogen haben. Das Land hat mit den Problemen ja bereits seit zwei Jahren zu kämpfen.

Sie hatten ja bereits eine Anleihe-Restrukturierung, und jetzt sind wir hier, zwei Jahre später, und die Leute begreifen langsam, dass sie ihr Geld von der Bank holen sollten. Ich habe keine Ahnung, warum die Leute so lange brauchen, um zwei und zwei zusammen zu zählen, aber es freut mich, dass das endlich der Fall ist.“

Bezüglich des Goldmarkts und den jüngsten Rückgängen beim Goldpreis sagte Sprott:

„Das sind für mich alles Tricksereien an der [US-Rohstoffbörse]COMEX. Wie Sie wissen, hatten einige große Händler – die außerhalb des Goldmarkts zurzeit mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben – Gold und Silber geshortet.

Ich glaube, dass es ein geplanter Abwärtstrend war, denn wenn wir auf die physischen Aspekte des Goldmarkts schauen, dann unterscheiden diese sich völlig von den Papieraspekten von Gold. Die großen Händler, die ihre Shortpositionen jetzt massiv eingedeckt haben, orchestrierten diesen Preisrückgang trotz der Fundamentaldaten, die buchstäblich danach schrien, Gold und Silber zu kaufen.

Das Entscheidende, worauf man sich konzentrieren sollte, ist, dass man sich anschaut, was in den physischen Märkten passiert. Und in jüngster Zeit gab es hier ja einige ziemlich dramatische Zahlen. Die dramatischste Entwicklung spielte sich natürlich in China ab.

Der World Gold Council erklärte gestern, dass die chinesische Goldnachfrage um 30% gestiegen sei. Also ich würde den Leuten nahelegen, dass, wenn irgendwer erklärt, er würde die Nachfrage um 30% ausweiten, und das in einem Markt, wo die Versorgung gleichförmig verläuft, dies nicht ohne Preissteigerungen vonstatten gehen kann.

Wir haben ja bereits gesehen, dass die Goldexporte über Hongkong aufs chinesische Festland in den vergangenen neun Monaten um den Faktor 10 gestiegen sind. Diese Zahlen sind einfach nur atemberaubend. Die chinesische Goldeinfuhr über Hongkong belief sich allein im März auf 64 Tonnen.

Ich würde in diesem Zusammenhang gerne noch einmal daran erinnern, dass die weltweit verfügbare Goldminenproduktion – also ohne China und Russland, da China und Russland ihr Gold selber verbrauchen – gerade einmal bei 2.200 Tonnen oder weniger als 200 Tonnen pro Monat liegt. Und wenn dann jemand daherkommt und in einem Monat 64 Tonnen kauft, dann entspricht das 30% des Markts.

Es ist einfach nur atemberaubend, wenn man darüber nachdenkt, wie diese Veränderung der physischen Nachfrage befriedigt werden soll, während es auf der Angebotsseite keine Veränderungen gibt. Ich gehe davon aus, dass die [westlichen] Zentralbanken ihre Gold-Leasing-Geschäfte mit den Gold-Banken insgeheim weiter fortgesetzt haben. Wenn diese Shorts fällig gestellt werden, wird das physische Gold ganz offenkundig nicht da sein.“

Weitere Artikel zu diesem Thema