Des Sklavenhalters liebstes Kind: Die Zentralbank und ihre tausend Tentakel

Die „Deregulierung“ des Bankensektors ist ein Mythos. Genau genommen verfügen die westlichen Staaten über eine Monopolbank, die wiederum tausende von Tochtergesellschaften unterhält. Das Zentralbankwesen ist ein lukratives Sklavenhaltersystem, zur Abschöpfung der Arbeitsleistung der Massen

Frank Shostak, Mises.org, 18.05.2012

Am 01.05.2012 gab JPMorgan Chase bekannt, dass man Handelsverluste von USD 2 Billionen gemacht hat. Einige Kommentatoren legten nahe, dass dieser riesige Verlust von dem sogenannten Eigenhandel oder riskanten Wetten mit dem Geld der Bank herrührt. Der Verlust von JPMorgan Chase sorgte dafür, dass die sogenannte Volcker-Regel an Glaubwürdigkeit gewann. Die Volcker-Regel würde es den Banken verbieten, mit ihrem eigenen Geld Geschäfte zu machen.

Doch ungeachtet der enormen Verluste von JPMorgan Chase erklärten die Gegner der Volcker-Regel, dass, würde sie Gesetzeskraft erlangen, dies nur zur Destabilisierung der Finanzmärkte führen und die Lage noch bedeutend schlimmer machen würden, was auch der Grund dafür ist, warum sie es vorzögen, wenn die Marktkräfte die Sache regeln.

Warum eine Deregulierung der Banken nicht zu freien Märkten führen kann

Die Verfechter der Deregulierung der Bankenwirtschaft behaupten, dass weniger Verordnungen und Einschränkungen zu einer besseren Nutzung der knappen Ressourcen führen würden, was wiederum zu einer erhöhten Vermögensbildung führt.

Ja es ist richtig, dass ein freies Bankensystem aufgrund der effizienten Nutzung knapper realer Ressourcen ein Mittel der Vermögensbildung darstellt, während ein kontrolliertes Bankensystem den Prozess des Vermögensaufbaus behindert. Was von den Gegnern der Volcker-Regel dabei aber übersehen wird, ist die Tatsache, dass das aktuelle Bankensystem rein gar nichts mit einem freien Bankensystem und somit auch nichts mit einem freien Markt zu tun hat.

Gegenwärtig haben wir ein Bankensystem, das in das Rahmenwerk einer Zentralbank integriert ist, wobei die Zentralbank die Geldinflation und die Vernichtung des Vermögensbildungsprozesses durch das Mindestreserve-Bankwesen fördert.

Im jetzigen System stellt es sich also so dar: Umso deregulierter die Banken sind, desto mehr Geld können sie „aus dem Nichts schaffen“ und desto mehr Schaden beim Prozess des Vermögensaufbaus anrichten. Das muss aber einem wirklich freien Bankwesen gegenübergestellt werden – also einem Bankwesen, wo es keine Zentralbank gibt und die Möglichkeit, Geld aus dem Nichts zu schaffen, minimal ist.

Wir haben ja bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass eine Bank, die in einem freien Bankwesen mit zahlreichen in Wettbewerb stehenden Banken versucht, ihren Kredit mithilfe des Mindestreserve-Bankenwesens auszudehnen, Gefahr läuft, „erwischt“ zu werden. In einer freien Marktwirtschaft ist es demnach wahrscheinlich, dass die Gefahr eines Bankrotts die Praxis des Mindestreserve-Bankwesens auf ein Minimum reduzieren würde.

Die Existenz einer Zentralbank ist die Grundlage für das Mindestreserve-Bankwesen

Wenn eine Zentralbank existiert, ist das aber nicht der Fall. Durch ihrer Geldpolitik, die auch als das Reserve-Management des Bankensystems bezeichnet wird, ermöglicht die Zentralbank die Existenz des Mindestreserve-Bankwesens und somit die Schaffung von Geld aus dem Nichts.

Im Großen und Ganzen kann gesagt werden, dass das aktuelle Bankensystem aus einer einzigen Bank besteht. In diesem Zusammenhang sollte man auch berücksichtigen, dass eine Monopolbank das Mindestreserve-Bankwesen betreiben kann, ohne Gefahr zu laufen, dabei „erwischt“ zu werden.

Durch das permanente monetäre Management – also die Injektion von Geld – stellt die Zentralbank sicher, dass alle Banken gemeinschaftlich an der Kreditexpansion, bei der Geld aus dem Nichts geschöpft wird, partizipieren. Die gemeinschaftliche Ausweitung der Geldmenge garantiert, dass die Schecks, die sich die Banken gegenseitig zur Einlösung vorlegen, ausgeglichen werden können. Die Zentralbank stellt also mithilfe der Geldinjektion sicher, dass das Bankensystem immer „liquide genug“ ist, dass die Banken sich nicht gegenseitig in den Bankrott treiben.

Das Märchen von der Deregulierung der Finanzmärkte

Vor der Deregulierung der Finanzmärkte in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in den USA ein kontrolliertes Bankwesen. Der Geschäftsbetrieb der Banken wurde von der Zentralbank vorgegeben. In dieser Art von Geschäftsumfeld stand die Gewinnspanne der Banken praktisch schon vorher fest, da die US-Notenbank Federal Reserve maximale Zinshöhen festlegte und die kurzlaufenden Zinsen kontrollierte. Die Banken hatten also ein leichtes, wenngleich ziemlich langweiliges Leben.

Das änderte sich durch die Finanzmarkt-Deregulierung und die Abschaffung des Glass-Steagall Act jedoch grundlegend. Das deregulierte Umfeld sorgte für einen erbitterten Wettbewerb unter den Banken. Die zuvor fixen Gewinnmargen wurden nun bedeutend kleiner, was nach einer Ausweitung des Kreditvergabevolumens verlangte, um die Gewinne auf dem ursprünglichen Niveau zu halten.

Im gegenwärtigen vom Zentralbankwesen vorgegebenen Rahmenwerk führte dieser Anstieg bei der Kreditvergabe zu einer Explosion von aus dem Nichts geschaffenen Krediten – also zu einer Explosion der Geldmenge. (Durch das deregulierte Umfeld ist die Fähigkeit der Banken, die Geldinjektionen der Fed aufzublähen, massiv erhöht worden.)

Doch anstatt eine effiziente Verteilung realer Ersparnisse zu befördern, hat das gegenwärtige sogenannte deregulierte Geldsystem die Kanalisierung von aus dem Nichts geschaffenen Geld in den Wirtschaftskreislauf befördert. Hieraus folgt wiederum, dass die Banken stärker kontrollieren werden müssen, wenn man innerhalb des Rahmenwerks des aktuellen Geldsystems einer weiteren Schwächung des realen Vermögensbildungsprozesses entgegenwirken will. Murray Rothbard schrieb:

„Viele Verfechter der freien Marktwirtschaft fragen sich: Wie kann es sein, dass ich als Verfechter der freien Märkte in jedem anderen Bereich Privatisierung und Deregulierung fordere, bloß nicht im Bankensystem? Die Antwort dürfte mittlerweile klar sein: Das Bankwesen ist keine rechtmäßige Branche, die rechtmäßige Dienstleistungen liefert, solange es weiterhin ein System des Mindestreserve-Bankwesens ist – also betrügerische Verträge eingegangen werden, die unmöglich erfüllt werden können.“Making Economic Sense, S. 279

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass wir hier nicht die Unterdrückung des freien Markts fordern, sondern der Fähigkeit der Banken Geld aus dem Nichts zu schaffen. Bitte berücksichtigen Sie, dass das gegenwärtige Bankensystem mit einer freien Marktwirtschaft überhaupt nichts zu tun hat.

Schlussfolgerung

Laut einigen Kommentatoren wurde der riesige USD 2 Billionen Verlust von JPMorgan Chase durch riskante Wetten mit dem Geld der Bank verursacht, woraus die Notwendigkeit erwächst, die Volcker-Regel – also mehr Kontrolle über die Aktivitäten der Banken – zu implementieren. Die Kritiker der Volcker-Regel sind der Auffassung, dass sie die Situation nur noch viel schlimmer machen würde, weil sie die effiziente Verteilung von knappen realen Ressourcen behindern würde.

Unsere Analyse besagt, dass, solange wir eine Zentralbank haben, es zur Minimierung der durch die Geldpolitik der Zentralbank verursachten Schäden durchaus Sinn macht, den Banken eine stärkere Kontrolle aufzuerlegen.

Es ist die Zentralbank, die die Praxis des Mindestreserve-Bankwesens überhaupt erst ermöglicht und die Wirtschaft auf diese Art mit aus dem Nichts gedrucktem Geld verpestet. Die bessere Alternative wäre natürlich ein wirklich freies Bankwesen ohne Zentralbank.

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