Staatsschuldenkrise: Druckerpresse kann die Länder auch nicht mehr retten

Die einzige Möglichkeit, die die PIIGS-Länder jetzt noch haben, besteht darin, auf ihre Schulden die Zahlungsunfähigkeit zu erklären und die reinigenden Kräfte einer Depression zuzulassen. Der wahnwitzige Plan, sich über die Inflation zu entschulden, würde zu einem wesentlich verheerenderen Crash führen und wohlmöglich in der Hyperinflation enden

Michael Pento, King World News, 17.06.2012

Wir leben heutzutage in einer künstlichen Wirtschaftswelt, wo die Zentralbanker völlig uneingeschränkt schalten und walten können, wie es ihnen gefällt. Jedem Hinweis auf eine sich abschwächende Wirtschaft – eigentlich ein Zeichen des wirtschaftlichen Heilungsprozesses – wird in aller Eile mit dem Versprechen weiterer gigantischer und verheerender Gelddruckmaßnahmen begegnet.

Vergangene Woche wurde aus den USA gemeldet, dass die Aufträge in der Fertigungsbranche zurückgegangen sind und die Zahl der Arbeitslosenerstanmeldungen gestiegen ist. In Europa stellte sich das spanische Rettungspaket unterdessen als Reinfall heraus, während die Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen jetzt wieder steigen.

Wie vorherzusehen war, schossen die Märkte in die Höhe, weil man damit rechnet, dass die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve jetzt wieder einspringen müssen. Unterdessen bewerben sich die meisten Mainstream-Ökonomen um eine Anstellung als Wettermoderator, da sie den überdurchschnittlich warmen Winter für die schwachen Wirtschaftsdaten verantwortlich machen.

Die Wahrheit ist, dass der Einbruch der US-Wirtschaft auf die anhaltende Rezession/Depression in Europa zurückzuführen ist, was in den USA ganz unvermeidlich zu einer Rezession führen wird. Genauso wird die Krise in Europa dafür sorgen, dass die Wachstumsraten der Schwellenmärkte weiter sinken.

Eine endlose Bilanzausweitung der Zentralbanken kann aber niemals die Antwort auf die Misere sein, in der wir uns zurzeit wiederfinden, genausowenig wie es für Europa irgendeine Rettung gibt, solange dort keine reinigende Depression stattgefunden hat.

Und dass Deutschland Europa retten wird, können wir auch vergessen. Deutschland wird seine Souveränität niemals zugunsten verschwenderischer Länder aufgeben und sich die durchschnittlichen Kreditkosten von Südeuropa aufhalsen. Die USA sollten damit aufhören, den Deutschen eine Fiskalunion zu empfehlen. Das ist so, als würde sich der US-Finanzminister Geithner dafür aussprechen, dass Griechenland US-Staatsschulden ausgeben darf. Wenn die PIIGS-Länder ihre Haushalts- und Steuerhoheit nicht vollständig abtreten, werden die Deutschen ihre führende Rolle in Europa aller Vorausschau nach rechtzeitig aufgeben.

Die insolventen PIIGS-Länder haben nur eine Möglichkeit: Sie müssen auf ihre Schulden explizit die Zahlungsunfähigkeit erklären, um das Schulden/BSP-Verhältnis so auf unter 60% abzusenken. Im Anschluss daran müssen sie die Neuverschuldung gesetzlich verbieten und Steuer- und Wirtschaftsreformen einleiten, die ihre Wirtschaften im weltweiten Vergleich wettbewerbsfähig machen.

Darüber hinaus müssen sich die PIIGS-Länder an all die anderen Einschränkungen des Maastricht-Vertrags halten, und sie dürfen nicht der Versuchung erliegen, aus dem Euro auszusteigen. Ihre Wirtschaften werden dann eine kurze Depression durchmachen – aber das ist immer noch die am wenigsten schmerzliche Option.

Würde Griechenland zur Drachme zurückkehren und sich mithilfe der Abwertung der neuen Währung und des Gelddruckens entschulden – also die indirekte Zahlungsunfähigkeit herbeiführen –  wäre das die bedeutend schlechtere Lösung.

Viele schlagen ja vor, dass Griechenland den Euro verlassen und sich aus den Schulden herausinflationieren soll, genauso wie es Argentinien in 2002 getan hat. Dabei wird aber die Tatsache übergangen, dass Argentinien zunächst auf USD 100 Milliarden an Auslandsschulden die Zahlungsunfähigkeit erklärte, bevor der Peso vom US-Dollar abgekoppelt wurde.

Und obwohl der Peso daraufhin rund 75% seines Werts verlor und es zu einer kurzen Phase hoher Inflation kam, musste die argentinische Zentralbank die Schulden nicht monetisieren, weshalb der Betrag neu gedruckten Geldes massiv abgesenkt werden konnte, was zu einer schnellen Wirtschaftserholung führte.

Im Gegensatz dazu sind die Europäer, Japaner und Amerikaner immer noch der Auffassung, dass die Inflation die Antwort sei. Die PIIGS-Länder verfolgen die Strategie der inflationären Entschuldung, was aber nur zu einem Anstieg der Kreditkosten und in die Depression führt – eine Depression, die bei weitem schlimmer wäre, als sich die Insolvenz einzugestehen und die Zahlungsunfähigkeit auszurufen.

Wenn man seine Währung abwertet, um ausländische Kreditgeber zu bezahlen, führt das zu einer Hyperinflation und einem vollständigen Wirtschafts-Chaos. Die Zahlung von Auslandsschulden mit frisch gedrucktem Geld wurde 1946 in Ungarn probiert. Deutschland hatte sich bereits 1923 daran versucht. In beiden Fällen führte diese Strategie zu einer entsetzlichen Verheerung der Wirtschaft und in die Hyperinflation.

Sollten die Wirtschaften der Eurozone weiter an dem Glauben festhalten, dass die Europäische Zentralbank in der Lage sei, die Solvenz bankrotter Staaten wiederherzustellen, dürfte der Euro innerhalb der kommenden sechszehn Monate auf die Dollarparität abstürzen. Würde diese Zentralbank-Arroganz weiter anhalten, würde der Euro letzten Endes den Weg des ungarischen Pengö nehmen.

Und auch in den USA leidet die Notenbank unter derselben Hybris wie ihr europäisches Gegenstück. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, glaubt, dass eine deflationäre Rezession mit allen Mitteln verhindert werden müsse und wirtschaftliches Wohlergehen mithilfe der Druckerpresse geschaffen werden könne. Die USA haben aber heute bereits ein höheres Schulden/BSP-Verhältnis als die 17 Euroländer, und die Staatsverschuldung legt jedes Jahr um rund 8% des BSP zu. Sollte Amerika seine Sucht nach Krediten und frisch gedrucktem Geld nicht in den Griff bekommen, werden die USA bereits in wenigen Jahren ihre eigene Staatsschulden- und Währungskrise haben.

Und aus diesen und vielen weiteren Gründen wird die langfristige Entwertung der Währungen der Industriestaaten auch künftig weiter anhalten, wobei der Hauptprofiteur der Goldpreis sein wird.

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