Neustart des globalen Finanzsystems: Jetzt fehlt nur noch der Auslöser

Clive Maund, Clivemaund.com, 18.06.2012

Die aktuelle akute Krise der Weltwirtschaft ist ein direktes Ergebnis der absichtsvollen Behinderung und Ausschaltung aller normalen Sicherungsmechanismen, die innerhalb eines kapitalistischen Handelssystems aufrecht erhalten werden sollten. Diese Störung des freien Markts wird von mächtigen Bankern und Regierungen betrieben, die aus Gründen des Profits und der Macht gemeinsame Sache machen.

Immer dann, wenn es in den letzten Jahren so aussah, als würde die Wirtschaft in die notwendige Rezession abtauchen, schwangen sie sich gottgleich auf und sprangen ein, um der wirtschaftlichen Abschwächung den Kopf abzuschlagen. Diese gelegentlichen Rezessionen sind aber notwendig, um zu verhindern, dass sich im System überschüssiger Kredit ansammelt.

Die Banken lieben aber die ständig weiter anwachsenden Schulden, weil sie immer größere Gewinne bedeuten: Die Banker schaffen das Geld aus dem Nichts, verleihen es an alles und jeden und streichen dabei gigantische Zinszahlungen ein.

Die Banken haben eine enorme Macht über die Regierungen und waren außerordentlich erfolgreich dabei, den Regierungen ihren eigenen Willen aufzudrängen, was seinen Höhepunkt darin findet, dass mittlerweile echte Banker Präsidenten und Premierminister werden, wie sich jüngst in Griechenland und Italien beobachten ließ.

Da haben wir’s also: Die Welt wird zurzeit von Bankern kontrolliert und regiert. Das Problem ist nur, dass die Ziele der Banker, die immer größere Gewinne und immer mehr Macht vor Augen haben, im direkten Gegensatz zu den Interessen der Öffentlichkeit stehen.

Die gegenwärtige Situation spitzt sich immer weiter zu, weil der weltweite Schuldenberg nun derart gigantische Ausmaße erreicht hat, dass die Parasiten (die Banken-Eliten) jetzt ihre eigenen Wirtstiere (also alle anderen: die Bundesregierungen, die Bundesländer, die Unternehmen, die Durchschnittsbürger) umbringen.

Selbst die Parasiten haben jetzt begriffen, dass ihr Gewinn wohlmöglich zurückgehen könnte, wenn sie ihre Wirtstiere umbringen, was auch der Grund dafür ist, dass sie die Zinssätze in den vergangenen Jahren zu Boden gehämmert haben, um es den Wirtstieren zu erlauben, noch genug Ressourcen zu behalten, um zu überleben, während man von ihrer Arbeit so viel Gewinn als möglich abschöpft.

Kurzum: Die Banken beackern die Welt und fahren gigantische Profite ein, während die Weltbevölkerung auf einen Zustand der feudalen Knechtschaft reduziert wird – ungefähr so, wie es einige Sportschuh-Hersteller mit ihren Arbeitnehmern in Ländern wie Indonesien taten.

Die Situation wird nun aber zunehmend instabiler, weil alles und jeder bereits völlig überschuldet ist und es keinen Spielraum für die Aufnahme neuer Schulden mehr gibt – Schulden, die, wie wir hier nicht vergessen sollten, mithilfe von Finanzderivaten dann auch noch bis zum Anschlag gehebelt worden sind und in vielen Fällen die Fähigkeit der Opfer, sie zurückzuzahlen, bei weitem übersteigen.

Das kann nur zwei Dinge bedeuten: Die Zahlungsunfähigkeit oder die Rückzahlung mithilfe entwerteten Geldes. In einer solchen Situation bedarf es dann nur noch irgendeines Auslösers, um das ganze System zum Einsturz zu bringen – ein Ereignis, das man durchaus „gigantischen weltweiten Neustart“ nennen könnte.

In Wirklichkeit ist dieser Neustart sogar notwendig und wird früher oder später auch stattfinden, entweder als deflationäre Implosion oder eben später als Ergebnis sich zunehmend beschleunigender quantitativer Lockerungsmaßnahmen, die eine Hyperinflation auslösen und die Wirtschaft verheeren.

Der Auslöser für diesen Systemneustart ist Europa. Die streitsüchtigen Witzfiguren, die zurzeit Europa regieren, haben ein derart unheilvolles Chaos angerichtet, dass sich das Ganze nun mit außerordentlicher Geschwindigkeit vor unser aller Augen ausbreitet.

Nachdem die Banken begriffen hatten, dass ihre Kreditnehmer nicht in der Lage sein werden, ihre Schulden zurückzuzahlen, machten sie sich in aller Eile daran, die Rechnung für ihre Ausschweifungen mithilfe von Rettungspaketen und Austeritätsmaßnahmen an die Regierungen und Steuerzahler weiterzureichen. Dazu waren die Banken aber nur in der Lage, weil sie derart viel Macht über die Politiker haben, von denen eine Vielzahl massiv kompromittiert ist.

Den Bürgern in Griechenland und Spanien muss man nicht erst erklären, dass in ihren Ländern bereits eine deflationäre Depression tobt, die mit einem Teufelskreis aus fallender Produktivität und sinkenden Steuereinnahmen einhergeht und zusehends schlimmer wird, weshalb es nun auch ganz danach aussieht, als würden die Austeritätsmaßnahmen für die Banker und ihre politischen Vertreter nach hinten losgehen.

Sollten diese Austeritätsmaßnahmen und die damit in Zusammenhang stehende Deflation weiter um sich greifen, bekommen wir es mit einer weltweiten Depression zu tun, was schlicht darauf zurückzuführen ist, dass es sich bei Europa um den weltgrößten Wirtschaftsraum handelt.

Die europäischen Führer – also die Zentralbanker – hinken den Entwicklungen massiv hinterher und müssten die QE-Geldschleusen umgehend bis zum Anschlag aufdrehen, um das Einsetzen der Depression zu verhindern. Dadurch würden sie sich Zeit kaufen, was für sie natürlich die attraktivste Option wäre, aber es käme dennoch zum Zusammenbruch, nur das ihm dann halt eine Hyperinflation vorausgehen würde.

Was in den vorstehenden Absätzen beschrieben wurde, ist die aktuelle Großwetterlage unserer Weltwirtschaft. Die Welt braucht eine lange und tiefe Depression, um sich von den überschüssigen Schulden und Verzerrungen sowie der daraus resultierenden Unwirtschaftlichkeit und Fehlallokation des Kapitals zu befreien – und sie wird diese Depression auch bekommen, ganz egal, ob ihr nun quantitative Lockerungsmaßnahmen und die Hyperinflation vorausgehen oder nicht.

All das tagtägliche Gebrabbel in den Medien über die Wahl in Griechenland oder irgendeine andere Wahl, die aufgebauschten Treffen und Erklärungen der US-Notenbank oder das, was Merkel denkt und sagt usw. – das sind alles völlig irrelevante und unwichtige Details und Ablenkungen für die gedankenlosen Massen, mit denen der trostlose Ausgang dieses entsetzlichen Chaos nicht verhindert werden wird.

Erst wenn alle Schulden für nichtig erklärt worden sind und sich die Welt vom wucherischen Bankensystem, dessen Tentakel weit in die Regierungen dieser Welt hineinreichen, befreit hat, wird die Welt wieder in der Lage sein voranzukommen. Wenigstens werden wir dann wieder in der Lage sein, die Rückkehr des wahren Kapitalismus und freien Markts zu feiern.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Euro-Crash: 20 Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Finanzzusammenbruch in Europa
  • Griechenland ist in einer finanziellen Todesspirale gefangen. Im Falle einer Staatspleite Griechenlands würde die Ansteckung umgehend auf Portugal überspringen und sich in Windeseile bis zum Zentrum der Eurozone durchfressen…
  • EU-Staatsschuldendebakel: Hier knallt´s richtig
  • Die gesamte Eurozone sollte aufgeben werden. Früher oder später werden die Bürokraten und Eine-Welt-Regierer die Eurozone sowieso auflösen und zu den Nationalwährungen zurückkehren müssen, wenn sie verhindern wollen, dass es zu einem vollständigen Zusammenbruch Europas kommt. Sollte Griechenland, Irland oder Portugal die Zahlungsunfähigkeit erklären, dürfte darüberhinaus eine Vielzahl der betrügerischen Machenschaften der EZB und der
  • Systemische Wirtschaftskernschmelze: Ohne Schuldenschnitt geht gar nichts mehr
  • Der Albtraum, mit dem wir jetzt konfrontiert sind, besteht darin, dass die weltweiten politischen Führer die Notwendigkeit eines Wirtschaftsgipfels abstreiten werden, während sie die Gesellschaft der westlichen Industrieländer an den Rand …
  • EZB-Anleihekäufe: Die Vergewaltigung Europas geht weiter
  • Die Wirtschaften der Eurozone haben sich in ein gigantisches Schneeballsystem verwandelt, das exponentiell steigende Mengen an neuen Schulden benötigt, um vorübergehend vor dem Kollaps bewahrt zu werden
  • EU-Schuldenschock: Von Zombiebanken und Vampir-Regierungen
  • Die Probleme der PIIGS-Länder sind schwerwiegend – der Tag der Abrechnung kommt aber erst, wenn auch die Zinsen für die Staatsschulden der solventen Länder steigen. Bis dahin werden sich die Vampir-Staaten …