Staatspleiten: Am Ende kommt es immer zum Systemneustart

Fast alle westlichen Länder sind pleite. Eine Staatspleite läuft immer nach demselben Muster ab und ist letztlich unvermeidlich. Angesichts der Tatsache, dass die hässliche Fratze der Staatsmafia in der Endphase der Staatsschuldenkrise offen zutage tritt, sind die Menschen gut beraten, der Wahrheit ins Auge zu blicken und Vorsorgemaßnahmen zu treffen, anstatt auf irgendein Wunder zu hoffen

Simon Black, SovereignMan.com, 20.06.2012

Eines der Dinge, die hier in Litauen einzigartig sind, ist der Umstand, dass man mit zahlreichen Menschen, die die sowjetische Herrschaft noch am eigenen Leibe erlebt haben, in Kontakt treten kann.

Die Geschichten, über die diese Menschen berichten können, sind wirklich außerordentlich interessant. Vergangene Nacht war ich bei einem Abendessen mit Freunden, und es war auch eine Frau dabei, die zu Ende des Zweiten Weltkriegs gerade ein Kind war.

Sie erklärte mir, dass ihre Familie vermögende Landbesitzer nahe der litauischen Hauptstadt Vilnius gewesen sind. Dann kam die von den Sowjets kontrollierte Regierung, beschlagnahmte all ihr Eigentum und verschleppte die Erwachsenen nach Sibirien. Sie sagte:

„Im Vorfeld gab es so viele Möglichkeiten, um wegzugehen, aber sie haben nie geglaubt, dass die Lage hier so schlimm werden würde. Jeder sah, was sich in den anderen Ländern abspielte, aber meine Familie hat nie damit gerechnet, dass es ihr selbst auch widerfahren würde.“

Und obschon die meisten Menschen in nächster Zeit wohl nicht in Sibirien enden werden, ist die Lehre, die wir aus dieser Geschichte ziehen können, außerordentlich wertvoll.

Es ist ein Leichtes, sich in der Welt umzusehen und sich dann zu sagen: „Dass kann hier überhaupt nicht passieren. Das wird nicht passieren.“ Eine solche Auffassung ist aber einfach nur naiv.

Regierungen stehlen das Geld anderer Leute und verprassen es dann mit unglaublicher Hemmungslosigkeit. Sie erfinden sich eine Papierwährung, wo das Geld aus dem Nichts geschaffen wird, bringen zukünftige Generationen, die noch nicht einmal geboren wurden, um ihr Einkommen und implementieren die irrsinnigsten Hürden, mit denen echtes Wirtschaftswachstum behindert wird.

Diesen Leuten ist beim besten Willen nicht zuzutrauen, dass sie das Richtige tun.

Hier in Europa bedient sich die griechische Regierung an den Bankkonten ihrer Bürger, während die italienische Regierung mit den Banken zusammenarbeitet, um den Bankkunden ohne Vorwarnung den Zugriff auf ihre Gelder zu verwehren.

Die spanische Polizei ist unterdessen in blutige Auseinandersetzungen mit gewaltbereiten Arbeitern verwickelt, die sich gegen Austeritätsmaßnahmen zur Wehr setzen. Die EU-Führer in Brüssel haben erklärt, dass sie beabsichtigen, im Rahmen eines „Rettungsplans“ Kapitalverkehrskontrollen zu implementieren.

Das ist die Realität. Und es kann auch in den USA geschehen, und das wird es wahrscheinlich auch. Und ehrlich gesagt ist das auch genau der Ablaufplan, wie er in der Geschichte bereits unzählige Male beobachtet werden konnte:

1. Ein Land gewinnt aufgrund der harten Arbeit und der soliden Grundeinstellung der ersten Generationen an Größe und Bedeutung und wird reich.

2. Nach einer Weile geht jeder davon aus, dass es das natürlichste auf der Welt ist, vermögend zu sein. Wohlstand ist nicht mehr länger ein Ziel, das es durch harte Arbeit zu erreichen gilt, sondern wird auf einmal zu einem Anspruch, auf das man Recht hat.

3. Das Land beginnt damit, über seine Verhältnisse zu leben und einen hohen Lebensstandard aufrecht zu erhalten, ohne hart dafür zu arbeiten. Um den Konsum zu finanzieren, werden gegen die zukünftige Produktion des Landes Kredite aufgenommen.

4. Es wird der Punkt erreicht, wo es auf einmal nicht mehr länger tragfähig ist, über seine Verhältnisse zu leben. Die Regierung fängt daraufhin langsam damit an, ihre Währung zu entwerten – ein Prozess, der sich dann zunehmend beschleunigt.

5. Der Markt (also die Menschen) wacht schließlich auf und stellt fest, dass das Ganze nichts weiter als ein Betrug ist.

6. Gewöhnlich folgen dem dann finanzielle Repressionsmaßnahmen der Regierung: Hohe Steuern, mit denen der Staat den produktiven Bürgern ihr Geld stiehlt, und negative Realzinsen, mit denen man die Sparer ausraubt, usw.

7. Als nächstes setzt die Kapitalflucht ein. Die Menschen schnappen sich ihr Geld und rennen.

8. Die Regierung implementiert Kapitalverkehrskontrollen, Reisekontrollen, Preiskontrollen, setzt Gehälter fest und macht alles, was ihr sonst noch so einfällt, um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Die Menschen lernen auf einmal, wessen Freund und Helfer die Polizei wirklich ist.

9. Das Endspiel ist die Kapitulation – also die Staatspleite. Das System führt einen Neustart durch und das Ganze beginnt wieder von vorne.

 Eine derartige Entwicklung ist natürlich nichts Neues. Von der dritten Dynastie in Ur (2000 v. Christus) über die hinlänglich bekannten Geschichten des Römischen Reichs und Osmanischen Reichs bis hin zum mittelalterlichen Venedig – unzählige Male sind Zivilisationen, die Ruhm und Größe erlangten, zusammengebrochen.

Und dasselbe findet gegenwärtig wieder statt. Ja sicher, alles ist möglich. Vielleicht öffnen sich ja die Wolken, aus denen fliegende Einhörner herabsteigen, um herumzuspringen und zu spielen, und es kommt weltweit wieder alles in Ordnung, ohne dass der Infarkt einsetzt.

Es ist aber besser, in der Realität zu leben: Es hat Folgen, wenn ein Land in die Pleite abrutscht. Und zurzeit ist fast jede westliche Nation pleite. Das ist eine Tatsache.

Natürlich sind die Lügen unserer politischen Führer unterhaltsam. Aber wie viele Revolutionen, Aufstände, Zahlungsausfälle, Bank-Runs, Konjunkturpakete, Verstaatlichungen, Steuererhöhungen, Rentendiebstähle usw. braucht es eigentlich, bis man sich eingesteht, was hier gerade stattfindet?

Kann man es sich überhaupt leisten, die Realität zu ignorieren? Fakt ist doch, dass es ein paar sehr einfache Maßnahmen gibt, die man ergreifen kann und die bezüglich des künftigen Wohlergehens einen bedeutenden Unterschied ausmachen werden. Doch dafür muss man zunächst einmal bereit sein, die Realität anzuerkennen.

Und selbst wenn nichts passieren sollte – also in dem unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Welt von alleine fängt, ohne dass es zum Infarkt kommt – werden Sie auch nicht schlechter dran sein, nur weil sie entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen haben.

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