Gold: Ende gut, alles gut

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 22.06.2012

Der Glaube der Gold-Investoren ist die letzten paar Monate einer eingehenden Prüfung unterzogen worden. Seit Februar 2012 ist der Preis des gelben Metalls fortwährend gefallen. Im Mai erholte sich der Goldpreis ein wenig, fiel dann jedoch erneut, als der Chef der US-Notenbank Ben Beranke den Erwartungen nicht gerecht wurde, da er für die USA kein neues geldpolitisches Lockerungsprogramm auflegen will. Unterdessen konnte der US-Dollar an Boden gut machen, da die weltweiten Investoren aus dem Euro flüchteten.

Was die anhaltende Euro-Krise anbelangt, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis wir die Details erfahren, wie Europa sein Chaos wieder in Ordnung bringen will. Nichtsdestotrotz sind wir ziemlich zuversichtlich, dass die Geschichte für Gold am Ende vorteilhaft ausgehen wird.

Ein möglicher Ausgang der Euro-Krise wurde von Bank of America-Merrill Lynch präsentiert. In einer Einschätzung der Bank heißt es, dass Austerität „für sich allein genommen nicht die Antwort ist“, wenn es darum geht, dass Vertrauen in die Fiskalpolitik wiederherzustellen.

Wenn man das Verschuldungsniveau der US-amerikanischen Privathaushalte und Banken mit den europäischen Daten vergleicht, dann fällt auf, dass die Schulden im US-amerikanischen Privatsektor in den vergangenen Jahren abgebaut worden sind, während die Banken und Privathaushalte der Eurozone den Status Quo bisher beibehielten. Alle drei Indikatoren – Kredit/Einlagen, Haushaltsverschuldung/verfügbares Einkommen und Schulden/Einkommen – verharrten in Europa laut Bank of America auf ihren alten Niveaus:

Die Forschungsabteilung von Bank of America geht davon aus, dass die Langfristige Refinanzierungsoperation der Europäischen Zentralbank (LTRO) Europa zwar geholfen habe, bei den europäischen Banken trotzdem noch weitere EUR 1,7 Billionen an Schulden abgebaut werden müssen. Das heißt, dass Europa immer noch ein bedeutender Schuldenabbau bevorsteht, was mit Sicherheit nachteilige Auswirkungen auf das Wachstum haben wird.

Wahrscheinlich wird man weitere Gelder benötigen, um die Eurozone über Wasser zu halten, und das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank ihre Druckerpresse auf ähnliche Weise wird anwerfen müssen, wie wir es die letzten paar Jahre bereits in den USA beobachten konnten.

Goldbugs wissen natürlich, dass es zu einer Geldentwertung kommt, wenn die Zentralbanken die Geldmenge ausweiten, und sich die Investoren dann auf die Suche nach besseren Wertspeichern begeben. Historisch gesehen ist überschüssige Liquidität stets in Richtung riskanterer Vermögenswerte gegangen, wovon Gold profitieren konnte.

Wir gehen davon aus, dass die Währungsentwertung auch zur Folge haben wird, dass Indien schließlich wieder in den Goldmarkt einsteigt. Wenn wir uns den Goldpreis in indischen Rupien anschauen, dann sehen wir, dass die indische Währung eine anhaltende Schwächephase durchlebt, was zur Folge hat, dass der Goldpreis in Indien zurzeit nahe Rekordhochs notiert. Dieses hohe Preisniveau ist dafür verantwortlich, dass die Käufe der goldaffinen Inder zurückgegangen sind.

Die Gelddruckorgie der weltweiten Zentralbanken der letzten paar Monate hätte eigentlich zu höheren Rohstoffpreisen führen müssen. Aber genau das passiert nicht. Und es erwischte nicht nur Gold, sondern auch Rohöl. Der Rohölpreis sank beträchtlich und fiel von einem Hoch von USD 110 pro Barrel auf USD 78 pro Barrel.

David Zervos von Jefferies stellte in diesem Zusammenhang die Frage:

„Müssten all diese geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank, der Europäischen Zentralbank, der Schweizer Nationalbank, der britischen Zentralbank und der japanischen Zentralbank die Rohstoffpreise nicht eigentlich auf den Mond jagen?“

Für Zervos gibt es auf diese Frage nur eine Antwort. Niedrigere Rohstoffpreise müssten für die Zentralbanken ein Hinweisgeber darauf sein, dass sie nicht genug tun:

„Es gibt einen heftigen Disinflations-Trend, der sich gerade entwickelt, und wenn man bedenkt, wie viele Schulden im System sind, und die Schwächen der weltweiten Gesamtnachfrage berücksichtigt, dann sollte jeder Hinweis auf eine bedeutende Disinflation Grund für die schlimmsten Befürchtungen sein. Wir können nicht jede Menge Schulden mit jeder Menge Deflation verquirlen – das wird unser Ende sein!“

 Zervos wettet darauf, dass sich die Zentralbanker dafür entscheiden werden, die Wirtschaft abermals anzukurbeln. Ich schließe mich dem an: Wenn es hart auf hart kommt, werden die Zentralbanken, speziell die in Europa, die Austerität zugunsten der Druckerpresse aufgeben.

In der Zwischenzeit sollten die Goldinvestoren an ihren Überzeugungen festhalten. Man sollte erneut überprüfen, ob man genug Gold und Goldminenaktien hält, und sicherstellen, dass davon weiterhin zwischen 5% und 10% im Portfolio sind. Auf diese Art können Edelmetalle als Stoßdämpfer fungieren, die einem dabei helfen, sich vor unerwarteten Schlaglöchern des Finanzsystems zu schützen.

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