Goldrausch: Zentralbanken müssen noch massiv aufholen

Normalerweise dienen die Goldkäufe der Zentralbanken als Kontraindikator – schaut man sich jedoch die von ihnen gehaltenen Goldreserven an, wird deutlich, dass sie im Vergleich zu früheren Jahrzehnten immer noch massiv unterinvestiert sind

Jeff Clark, Casey Research, 09.07.2012

Doug Casey sagte mir im Januar dieses Jahres: „Das Einzige, was mir Angst macht, ist, dass die Zentralbanken zurzeit jede Menge Gold kaufen; historisch gesehen sind sie Kontraindikatoren.“

Ja, was Goldkäufe anbelangt, verfügen die Zentralbanken in der Tat über ein echt mieses Timing, weshalb regelmäßig darüber gescherzt wird, dass sie für den Goldmarkt eine Art Kontraindikator sind.

Wir finden es nicht sonderlich gut, wenn Gold in Tonnen und nicht in Unzen ausgewiesen wird, da der Goldpreis in Unzen angegeben wird. Bestimmte Marktteilnehmer, besonders Zentralbanken, weisen ihre Goldtransaktionen jedoch in Tonnen aus. Eine Tonne Gold entspricht 31.150,7 Unzen Gold.

In jüngster Zeit haben die Zentralbanken ordentlich zugeschlagen und tonnenweise Gold gekauft:

So sieht die Entwicklung der Zentralbank-Goldreserven seit Ausbruch der Finanzkrise in 2008 aus:

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Seit dem vierten Quartal 2008 haben die weltweiten Zentralbanken ihre Goldreserven um 1.290 Tonnen erhöht. Bei dieser Gesamtzahl fehlen jedoch die Daten von China und weiterer Länder, die ihre Aktivitäten am Goldmarkt nur sporadisch ausweisen. Überdies gibt es eine Reihe von Ländern, die heimlich ihre Inlandsproduktion aufkaufen.

Wir haben es hier also in der Tat mit massiven Goldkäufen zu tun. Da kann man sich schon fragen, ob derart enorme Goldkäufe nicht vielleicht doch ein Hinweis darauf sind, dass der Goldbullenmarkt vorbei ist. Schließlich gibt es eine ganze Reihe prominenter Analysten, die seit geraumer Zeit behaupten, Gold befände sich in einer Blase und könnte im Preis nur noch in die Tiefe rauschen.

Nicht so schnell, bitte. Genauso wie es auch bei Unmengen anderer Meldungen in den Massenmedien der Fall ist, führt eine kurzfristige Perspektive gewöhnlich zu den falschen Schlussfolgerungen. Wir sollten uns daher auch bei den Zentralbankkäufen einen längeren Zeitraum anschauen.

Wenn wir uns die historischen Goldreserven anschauen, wird deutlich, dass die aktuellen Bestände trotz der jüngsten Zentralbankkäufe immer noch weit unter dem Niveau von 1980 liegen. Es ist offenkundig, dass ein paar Jahre an Nettozuwächsen bei den Goldreserven noch keine Goldblase zur Folge haben.

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Und der Unterschied gegenüber den 80er Jahren dürfte größer sein, als gemeinhin angenommen wird. Wir sollten hier auch daran denken, dass

Es ist daher ziemlich eindeutig, dass die Zentralbanken bei ihren Goldreserven noch massiv „aufzuholen“ haben, bevor wir diesbezüglich von einem Höhepunkt sprechen können.

Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken ihre Goldkäufe auch in Zukunft fortsetzen werden, und es ist auch nicht sonderlich schwierig, die Frage nach dem Warum zu beantworten: Die weltweiten Zentralbanker sind sich natürlich im Klaren darüber, dass letztlich alle von ihnen die Druckpresse anwerfen müssen, so wie es die USA schon seit 2008 praktizieren, selbst wenn die damit einhergehende Preisinflation nicht immer umgehend sichtbar wird.

Es ist nur logisch, dass die Zentralbanken versuchen, sich gegen diese inflationäre Geldpolitik abzusichern, und zunehmend mehr Reserven in Vermögenswerte verschieben, die tatsächlich auch etwas wert sind und sich nicht einfach per Mausklick entwerten lassen.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs fungiert der US-Dollar als Weltreservewährung, was sich nun langsam zu wandeln beginnt, und die Verschiebung der Devisenreserven in physisches Gold ist nur ein Aspekt dieser Entwicklung.

Ja es könnte sogar sein, dass die gesamte Welt auf einmal anfangen wird, sich der Tatsache gewahr zu werden, dass man in einem durch nichts gedeckten Fiatgeldsystem operiert. Zur selben Zeit verschärft sich die Schuldenkrise in der Eurozone, und einige Länder haben sogar das Wunder vollbracht, ihre Währungen noch schneller aufzublähen als die Fed den US-Dollar.

Man muss nun wirklich kein Hellseher sein, um zu wissen, welche Stunde es geschlagen hat. Obwohl die Zentralbanker die Öffentlichkeit belügen, sind sie sich natürlich im Klaren darüber, wie schlimm die Lage wirklich ist.

Ja selbst das WGC ist bezüglich einer Fortsetzung der Zentralbankkäufe so zuversichtlich, dass es den Aufbau seines Reportings verändert hat und sich die Rubrik „Goldkäufe des Staatssektors“ nun auf der Nachfrageseite befindet, während die „Goldverkäufe des Staatssektors“ auf der Angebotsseite gestrichen wurden.

Eines Tages wird der aktuelle säkulare Goldbullenmarkt sein Hoch erreichen – so viel ist sicher. Doug Casey geht davon aus, dass es dann bei Gold und den mit Gold in Zusammenhang stehenden Aktien zu einer Blasenbildung kommen wird, da die Regierungen in einem verzweifelten (und letztlich zum Scheitern verdammten) Versuch, die Größere Depression aufzuhalten, Billionen an zusätzlichen Währungseinheiten drucken werden.

Dieser Höhepunkt des Goldbullenmarkts liegt aber noch in der Ferne. Es dürfte noch eine ganze Weile dauern, bis man berechtigterweise das B-Wort (Blase) und das V-Wort (verkaufen) in den Mund nehmen kann. In der Zwischenzeit empfehle ich, eher das K-Wort (kaufen) oder das H-Wort (hinzukaufen) zu verwenden, wenn man über Gold nachdenkt.

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