Gold kauft man während der Korrekturphasen

W.D. Brians, Wealth Wire, 14.07.2012

Letzte Woche legte Gold wieder unglaubliche Kursschwankungen hin. Viele Goldinvestoren wundern sich mittlerweile nicht mehr nur, sondern werfen das Handtuch und steigen gleich komplett aus dem Goldmarkt aus.

Ja und wer kann es ihnen angesichts der wilden und unvorhersehbaren Kurssprünge verdenken.

Am Freitag dem 29.06.2012 ging Gold am Morgen mit USD 1.551 pro Unze in den Handel und schloss mit USD 1.604 pro Unze. Das war einer der größten Tageszugewinne aller Zeiten. Letzten Freitag fiel Gold um USD 30 und ging mit USD 1.578 pro Unze aus dem Handel.

Gold scheint in diesem Bereich eine bedeutende Stützungslinie zu haben:

Ich habe mit einigen der aktivsten Goldinvestoren der Welt gesprochen, und sie erklärten mir, dass sie Gold bei jeder Kurskorrektur nachkaufen.

Sie sagten, dass diese massiven Abverkäufe – so wie es auch wieder letzten Freitag beobachtet werden konnte – in Wirklichkeit jedoch auch einen positiven Nebeneffekt haben: Die schwachen Hände und Spekulanten werden allesamt aus dem Markt geworfen, und der langfristig orientierte Investor hat die Möglichkeit, während dieser Panikverkäufe zuzuschlagen.

Diese These wird von den jüngst veröffentlichten Daten des World Gold Council gestützt. In Barron´s wurden die jüngsten Daten zum Goldmarkt mit den Worten kommentiert:

„Dem Goldmarkt stehen massive Veränderungen bevor. Kurz gesagt wird das neue Marktumfeld langfristige Investoren, die Gold kaufen und es über Jahre halten, gegenüber Spekulanten begünstigen, die versuchen, mit den Tageskursen Geschäfte zu machen.

Eines ist sicher: Die Zentralbanker sind jetzt wieder Goldkäufer. Das ist keine große Sache? Das letzte Mal, als wir beobachten konnten, wie der sogenannte Staatssektor als steter und bedeutender Käufer auftrat, war 1965. Von Ende März 2011 bis Ende März 2012 haben die Zentralbanken ihre Goldbestände um 400 Tonnen erhöht – das sind 400.000 Kilogramm. Ein Jahr zuvor lag die Zahl bei 156 Tonnen so das World Gold Council …

Aber das ist nur eine der großen Veränderungen. Die zweite: Die kurzfristigen Spekulanten sind aus dem Markt geflohen. Das offene Interesse bei verwaltete Future-Funds – das als guter Indikator für alle Spekulanten erachtet wird – ist seit September um atemberaubende 28% auf rund 203.224 Kontrakte (Stand 05.06.2012) zurückgegangen.“

Diese Zahlen zu den Goldkäufen der Zentralbanken bestätigen im Grunde nur die Zahlen des vergangenen Jahres. Ende 2011 verwandelten sich die Zentralbanken das erste Mal seit den 60er Jahren in substantielle Nettogoldkäufer.

Fakt ist, dass die Zentralbanken in 2011 erstmals wieder richtig zugeschlagen haben und ihre Käufe von 77 Tonnen in 2010 auf 440 Tonnen in 2011 ausweiteten, was einem Anstieg von 571% entspricht. Das ist einfach nur atemberaubend.

Das World Gold Council schreibt dazu:

„Diese Aktivitäten spiegeln den anhaltenden Wunsch unter den Zentralbanken wider, ihre beträchtlichen in US-Dollar und Euro denominierten Reserven zu diversifizieren, da deren Sicherheit aufgrund der Herabstufungen der Kreditwürdigkeit in Frage gestellt wurde.“

Die mexikanische Zentralbank war 2011 der weltgrößte staatliche Goldkäufer und erwarb 100 Tonnen. Russland kam auf Rang zwei, und es gibt Gerüchte, dass Russland sein Öl auch gegen Gold verkauft.

Überraschen sollte das aber niemanden. Wir haben wieder darauf hingewiesen, dass es verschiedene Länder gibt, die darauf hinarbeiten, den Dollar bei Transaktionen immer stärker außen vorzulassen.

Und wir haben wiederholt erklärt, dass wir nichts von den Ausführungen Warren Buffetts halten, der Gold als Investment niedermacht und einen offenen Hass gegenüber Goldbugs zu haben scheint.

Im Gegensatz zu vielen anderen Investoren, die Investments irgendwelche politischen Motive zuschreiben und dann nur in „sozial verantwortliche“ Unternehmen investieren, ist ein Investment für mich bloß ein Investment.

Beim Investieren geht es einfach nur um die Angebots- und Nachfragesituation. Und das war’s dann auch schon. Bei Gold kommt hier noch hinzu, dass der Goldmarkt winzig ist. Würde man all das Gold der Welt, das jemals aus dem Boden geholt wurde, einschmelzen und einen Würfel daraus machen, wären seine Seiten rund 20 Meter lang.

Wenn erst mal die Massen in den Goldmarkt strömen, wird der Preis bedeutend stärker steigen. Und da nun die Zentralbanken wieder als Käufer in den Goldmarkt eingestiegen sind, wir für den Privatinvestor am Ende weniger Gold zur Verfügung stehen. Das muss ganz einfach zu Preisanstiegen führen.

Letztlich sind die massiven Goldkäufe der Zentralbanken nur ein Grund mehr, warum die nächsten 10 bis 20 Jahre bei den Edelmetallen – speziell bei Gold – mit einer positiven Entwicklung zu rechnen ist.

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