Konzertierter Papiergeldschock: Deflationsphase dürfte demnächst wieder abklingen

Unter den weltweiten Zentralbanken herrscht Panik. Zurzeit betreiben sie konzertierte Aktionen zur Verbilligung des Geldes und kehren die Einlagen der Geschäftsbanken aus, um die Wirtschaft zu reflationieren. Sollte die größte Notenbank der Welt, die Fed, nun ebenfalls damit beginnen, weitere Lockerungsmaßnahmen einzuleiten, dürfte dies das Ende der aktuellen Deflationsphase bedeuten und der Goldpreis erneut nach oben schießen

Michael Pento, King World News, 15.07.2012

Könnte es sein, dass die weltweiten Regierungen und Zentralbanken jetzt drastische Maßnahmen einleiten werden, um ihre Wirtschaften zu reflationieren, da sie ihren offiziellen Statistiken selbst keinen Glauben schenken?

Nehmen wir beispielsweise die Meldung aus China, dass das BSP-Wachstum im letzten Quartal bei 7,6% lag. Das ist zwar eine Abschwächung, aber so schlecht ist die Zahl garnicht.

Schaut man sich jedoch den chinesischen Stromverbrauch an, so erkennt man, dass dieser bedeutend schneller zurückgegangen ist als das staatlich vermeldete BSP-Wachstum. So lag der Stromverbrauch im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unverändert bei 393,4 Milliarden Kilowattstunden – und das obwohl das BSP-Wachstum und der Stromverbrauch normalerweise gleichförmige Kursverläufe aufweisen.

Oder nehmen wir die USA. Letzte Woche meldete die US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik, dass die Arbeitslosenneuanmeldungen um 26.000 auf 350.000 gefallen sind. Das hört sich wirklich großartig an.

Wer sich jedoch die Mühe macht und die Rohdaten eigenständig prüft, stellt fest, dass die Arbeitslosenneuanmeldungen in Wirklichkeit innerhalb einer Woche um 69.971 gestiegen sind. Wir sprechen hier von einem Anstieg von 19% im Vergleich zur Vorwoche. Das nenne ich mal eine saisonale Anpassung!

So, und wundert sich da noch jemand, warum die weltweiten Regierungen und Zentralbanken nun beginnen, in Panik zu geraten.

Ich hatte ja bereits in meinem Kommentar von letzter Woche darauf hingewiesen, dass sich die Europäische Zentralbank dazu entschlossen hatte, den Zins für Übernachteinlagen auf 0% zu senken. Und während einige naiverweise davon ausgingen, dass diese Maßnahme keinerlei Auswirkungen auf das Geldmengenwachstum haben würde, liegen uns nun bereits die ersten empirischen Beweise vor, wie sich Banken verhalten, wenn man die Zinsen für ihre Geldreserven auf null zusammenstreicht.

Letzte Woche meldete die EZB, dass die bei der Zentralbank geparkten Übernachteinlagen so stark zurückgegangen sind wie noch nie – um EUR 484 Milliarden innerhalb von gerade einmal sieben Tagen. Es scheint, dass sich meine Theorie, die Banken würden ihre überschüssigen Geldreserven anderweitig nutzen, innerhalb von Tagen als richtig herausgestellt hat.

Die Wahrheit ist, dass die meisten der weltweiten Zentralbanken zurzeit auf konzertierte und beispiellose Art versuchen, die Deflation zu bekämpfen. Die südkoreanische Zentralbank hat den Leitzins um 0,25% gesenkt, und auch Brasilien hat seinen Leitzins letzte Woche um 0,5% auf ein Rekordtief abgesenkt und sich somit der chinesischen, europäischen, britischen und japanischen Zentralbank hinzugesellt, die bereits aggressive Maßnahmen eingeleitet haben, um die Vermögenspreise anzuheben.

Nicht nur, dass diese Zentralbanken ihre Liquidität massiv ausgeweitet haben, nein, nun zielen sie auch noch in zunehmendem Maße darauf ab, die Geschäftsbanken dafür abzustrafen, dass sie zur Geldmengenausweitung nicht genug beitragen.

Und obschon es richtig ist, dass die Banken keine großen Eigenkapitalreserven brauchen, um neue Kredite zu vergeben, darf ihr Niveau an überschüssigen Geldern deshalb noch lange nicht außer Acht gelassen werden.

Die überschüssigen Geldreserven der Banken sind in dem Moment entstanden, als die Zentralbanken ihre Vermögenswerte aufkauften. Eine Geschäftsbank kann es sich schlicht nicht leisten, riesige Mengen ihrer Vermögenswerte einfach zinslos herumliegen zu lassen, wo die Gelder normalerweise produktiv eingesetzt und zinsbringend investiert werden müssten.

Der entscheidende Punkt ist aber, dass – während die US-Notenbank unter Ben Bernanke zurzeit praktisch nichts tut – die anderen weltweiten Zentralbanken fleißig die Zinsen senken, die Eigenkapitalanforderungen der Banken zurückfahren, Wertpapiere aufkaufen und die Zinszahlungen auf Übernachteinlagen der Geschäftsbanken einfach einstellen.

Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass der US-Dollarindex in den vergangenen zwölf Monaten um 12% zulegen konnte. Allein schon diese Tatsache hat Bernankes Deflationsphobie erneut auf ein unerträgliches Niveau getrieben.

Ich gehe davon aus, dass die zyklische Deflationsphase, vor der ich vor ein paar Monaten gewarnt habe, kurz vor ihrem Ende steht. Die US-Notenbank ist idiotischerweise von dem Wunsch beseelt, den Wertanstieg des US-Dollars einzudämmen, und wird sich daher schon bald dafür entscheiden, der Europäischen Zentralbank zu folgen und die Zinszahlungen auf die Übernachteinlagen der Geschäftsbanken auszusetzen.

Diese Maßnahme wird jedoch kaum dazu beitragen, dass die Banken ihre Kreditvergabe an den Privatsektor ausweiten, sondern sie werden sich vielmehr dazu gezwungen sehen, noch mehr Staatsschulden zu kaufen.

Sollte sich die Fed tatsächlich für diesen Weg entscheiden, rechne ich mit einem bedeutenden Anstieg der US-Geldversorgung. Das wird beim Goldpreis wie auch den Rohstoffpreisen zu bedeutenden Anstiegen und zu einem Einbruch beim US-Dollar führen. Überdies würde ich davon ausgehen, dass die Weltwirtschaft vom stagflationären Strudel noch stärker in die Tiefe gezogen wird.

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