Schuldeninferno in den USA: Im Notfall gibt’s ja noch die Goldreserven

Richard Russel, Dow Theory Letters, 12.07.2012 (in Auszügen)

Vor Jahren prägte ich eine Redewendung, um die Zwickmühle der USA zu beschreiben: „Inflationiere oder stirb.“ Und ich bin der Meinung, dass das Inflationieren heute aktueller ist denn je. Warum?

Die USA besitzen 8.133 Tonnen Gold. Das ist mehr als das Doppelte der Menge, die von irgendeinem anderen Land gehalten wird. Deutschland kommt mit 3.396 Tonnen Gold auf Rang zwei.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die USA so verbissen an ihrem Gold festhalten, so als ginge es um Leben und Tod? Und warum versuchen die USA zur selben Zeit, ihre Goldreserven als unbedeutend herunterzuspielen?

Haben Sie sich jemals gefragt, warum es so scheint, als würden die USA (genauso wie China) ihre Bürger dazu anhalten, Gold zu kaufen? Warum vertreibt die US-Regierung Goldanlagemünzen? Warum warf die US-Regierung jüngst einen neue Buffalo Anlagemünze auf den Markt, die dann auch noch überall beworben wurde?

Warum knallte Nixon das Goldfenster zu, als sich Frankreich seine Forderungen in den USA in Gold anstatt in US-Dollars auszahlen lassen wollte? Warum weigerten sich Nixon und andere Regierungsvertreter, noch mehr US-Gold rauszurücken?

Der Grund dafür ist, dass die höchsten Führungskreise der USA natürlich wussten, dass Gold das einzig handfeste Geld ist, das die USA besitzen. Einige der schlausten US-Führer misstrauten den Geldscheinen der US-Notenbank Federal Reserve, die von den USA einfach gedruckt werden, um damit in aller Welt Güter zu kaufen.

Sie wussten, dass die USA angesichts der fortwährend steigenden und sich auftürmenden Staatsverschuldung am Ende garnicht in der Lage sein würden, diese Schulden zu bedienen; dass die wachsenden Schulden und Haushaltsdefizite die US-Wirtschaft vernichten und letztlich sogar die Demokratie auslöschen könnten.

Heute, wo die US-Staatsverschuldung bei über USD 15 Billionen liegt, geht es im Grunde nur noch um „Inflationiere oder stirb.“ Gegenwärtig ist ein säkularer Bärenmarkt im Gang – das ist der „stirb“-Teil. Sollten die Probleme weiter anhalten, so wie das die letzten Jahre der Fall gewesen ist, werden die USA, so wie wir sie heute kennen, tatsächlich zugrunde gehen.

Und der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke ist natürlich auch kein Vollidiot. Natürlich weiß er, dass die quantitativen Lockerungsmaßnahmen nicht funktionieren. Jetzt, wo die erste und zweite Runde der quantitativen Lockerung und „Operation Twist“ bereits ihre Wirkung entfaltet haben, ist die Wirtschaftsaktivität immer noch lausig und die Arbeitslosigkeit immer noch bei 8,2%. Es scheint, seien die Fed-Interventionen – ganz egal, wie viel Geld dabei in die Wirtschaft gepumpt wird – nicht in der Lage, die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Und dennoch bleiben nur zwei Alternativen – zu inflationieren oder zugrunde zu gehen. Würde man sich für das Letztere entscheiden, hieße dies, dass sich der säkulare Bärenmarkt austoben dürfte, bis er an sein natürliches Ende gelangt ist, also bis zum bitteren Bärenende. Dadurch käme es in den USA aber zur zweiten Großen Depression, und die US-Bürger fänden das sicherlich nicht besonders lustig. Es ist sogar denkbar, dass dadurch eine Revolution ausgelöst würde.

Und was ist mit dem Inflationieren? Hierzu bedarf es wahrhaft gigantischer Beträge an von der Fed geschaffenem frischem Geld. Die Druckerpresse müsste auf Hochtouren laufen. Ferner würde diese enorme Inflation mit Sicherheit dafür sorgen, dass die USA in Schutt und Asche gelegt werden, da brauchen wir nur an die deutsche Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und den Aufstieg Hitlers zu denken. Beide Alternativen der „Inflationiere oder stirb.“-Formel würden also bedeutende (oder eher katastrophale) Konsequenzen mit sich bringen.

Gegenwärtig lässt sich ein globaler Deflationsprozess beobachten. Die US-Notenbank scheint diesem Prozess hilflos gegenüberzustehen. Sie scheint nicht in der Lage, ihn aufzuhalten, ganz egal, was sie auch tut.

Das Gegenmittel zur Deflation ist eine Währungsabwertung. Der US-Notenbank ist es mit ihren verzweifelten Versuchen bisher nicht gelungen, die sich Woche für Woche weiter verschlimmernde Deflation zu stoppen. Unterdessen macht sich unter den amerikanischen Wählern immer stärker Hoffnungslosigkeit breit. Die Enttäuschung bezüglich der Fed und des Kongresses ist riesig.

Inflationiere oder stirb. Aber sind das die einzigen Alternativen? Nein, es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Wir haben ja immer noch diese riesigen Goldreserven, immerhin die größten Goldreserven, die der Planet je gesehen hat – 8.133 Tonnen Gold.

Die USA könnten den Goldpreis per Dekret von heute auf morgen anheben, genauso wie es US-Präsident Roosevelt getan hat, der den Goldpreis über Nacht von USD 20,67 pro Unze auf USD 35,00 pro Unze heraufsetzte, um die US-Wirtschaft zu reinflationieren.

Würde der Goldpreis massiv aufgewertet, käme es zu einer enormen Entwertung des US-Dollars. All die US-amerikanischen Schulden wären mit einem Schlag wieder handhabbar. Sie könnten zurückbezahlt werden – also vorausgesetzt, dass die US-Schulden überhaupt zurückgezahlt werden müssen oder sollen.

Eine solche Goldaufwertung hätte unmittelbare Auswirkungen auf alle anderen von den Zentralbanken geschaffenen Fiatwährungen. Innerhalb weniger Tage würden alle Währungen abgewertet werden, um mit dem neuen „billigen“ Dollar zu konkurrieren.

Alle Schulden könnten abbezahlt werden – wie beim jüdischen Jubeljahr, wo ungefähr alle 50 Jahre die Schulden für null und nichtig erklärt wurden. Mit der Dollarentwertung bekämen die USA ihren eigenen Neustart!

Was würde geschehen? Logischerweise müsste ein neues Weltwährungssystem entstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die USA den Goldhandel vorübergehend sogar verbieten. Zu diesem neuen Geldsystem müsste auch Gold gehören, um die neue Währung zu decken. Vielleicht kämen sogar noch andere handfeste Vermögenswerte hinzu.

Die USA könnten dank ihres Goldes also unter Umständen zu retten sein. Kein Wunder, dass die USA trotz ihrer lächerlich goldfeindlichen Haltung immer darauf bestanden haben, ihre Goldreserven zu behalten.

Übrigens gehe ich davon aus, dass diese Erwägungen auch den Chinesen bekannt sind und sie aktuell bereits darauf hinarbeiten. Warum ist denn China zurzeit der weltgrößte Goldproduzent? Warum bettelt die chinesische Regierung ihre Bevölkerung förmlich an, Gold zu kaufen und zu horten? Warum hat China neue Finanzinstrumente für den Goldhandel implementiert?

Warum installiert China zurzeit überall in der Öffentlichkeit Goldautomaten, so dass die Leute einfach nur ihr Papiergeld reinstecken müssen, um an kleine Mengen Gold zu kommen? Warum ist es verboten, aus China Gold auszuführen? Warum baut China kontinuierlich seine staatlichen Goldreserven aus?

China hat die vergangenen fünf Monate über Hongkong mehr Gold eingeführt, als Großbritannien an Reserven hält. Roman Baudzus von Goldmoney.com schrieb diesbezüglich:

„Laut einer Stellungnahme eines leitenden Vertreters der chinesischen Zentralbank (PBC) wird die Zentralbank auch weiterhin aus dem US-Dollar gehen und ihre Reserven diversifizieren. Der Zentralbank-Analyst Zhang Jianhua erklärte, dass die PBC die aktuelle Goldpreiskorrektur ausnutzen sollte, um ihre Reserven weiter aufzustocken. Dies sei ein notwendiger Schritt, um die Devisenreserven in Höhe von USD 3,2 Billionen weiter zu diversifizieren.

Die PBC hält aktuell 33,9 Millionen Unzen Gold. In den vergangenen Monaten haben die Märkte darüber spekuliert, wann die PBC ihre Goldkäufe wieder aufnehmen wird. Seit April 2009 ist die chinesische Zentralbank nicht mehr im Markt aktiv gewesen – eine Entscheidung, die, wie die Experten glauben, der starken Preisrally der letzten drei Jahre geschuldet ist. Stattdessen hat China seine Reserven weiter ausgebaut, indem es die Goldproduktion inländischer Minen aufkaufte.“

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