Finanz-Armageddon: Eurozonen-Kollaps ist nicht mehr aufzuhalten

Der Kollaps des EU-Bankensystems ist nicht mehr aufzuhalten und wird mit massiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen einhergehen, auf die man sich entsprechend vorbereiten sollte

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 25.07.2012

Bezüglich der Krise in Europa ist ja bereits jede Menge gesagt und geschrieben worden. Wir haben es gegenwärtig mit einer Krise zu tun, die bedeutend schlimmer ist als die Finanzkrise des Jahres 2008. Und es ist durchaus möglich, dass wir erleben werden, wie das gesamte westliche Finanzsystem kollabiert und ein neues System an seine Stelle tritt, bevor die Krise vorbei ist.

Das bedeutet, dass

Wenn Ihnen die oben aufgeführten Entwicklungen Angst bereiten, dann sind Sie damit nicht alleine. Ich habe mich die letzten paar Monate immer intensiver mit den Zusammenhängen und Funktionsmechanismen des weltweiten Finanzsystems auseinandergesetzt und stieß dabei auf zunehmend entsetzlichere Informationen. Über all diese Dinge hatte ich jedoch nicht berichtet, da ich bis April/Mai dieses Jahres davon ausgegangen bin, dass die Welt auch immer noch in eine andere Richtung steuern könnte.

Meine Meinung dazu hat sich aber geändert. Mittlerweile bin ich mir so gut wie sicher, dass die oben aufgeführten Entwicklungen tatsächlich eintreten werden. Ich weiß, dass vieles von dem, was ich in der Vergangenheit geschrieben habe, als „Schwarzmalerei“ abgetan wurde.

Ich möchte hier aber noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich Wörter wie „systemischer Kollaps“ nicht einfach leichtfertig hinschreibe. In Wirklichkeit würde ich mir sogar wünschen, nicht darüber schreiben zu müssen, aber ich würde Ihnen ganz sicher keinen Gefallen damit tun, die Sachverhalte einfach zu verschweigen, da wir diesen Kurs bereits eingeschlagen haben.

Wer verstehen will, warum das Finanzsystem der Gefahr ausgesetzt ist zu kollabieren, muss zunächst einmal begreifen, wie das weltweite Bankensystem funktioniert. Wenn Sie sich einen Vermögenswert kaufen – sagen wir ein Haus, eine Aktie oder eine Staatsanleihe – dann tun Sie das, weil Sie darauf aus sind, Ihr Vermögen durch Zugewinne zu erhöhen oder Einkommen zu generieren. Einfach gesagt investiert oder verleiht der Normalbürger sein Geld in der Hoffnung, den Wert seines Vermögens bzw. seinen Geldbestand zu erhöhen.

Das ist aber nicht die Art, wie eine Bank funktioniert. Wenn eine Bank etwas kauft, speziell Anleihen, dann parkt sie diese Anleihen in ihrer Bilanz als Aktivposten. Gegen diese Aktivposten gibt sie dann Kredite aus.

Diese Praxis ist an sich nicht weiter problematisch – bis auf die Tatsache, dass 99% aller Banken mit der Grundprämisse arbeiten, dass es sich bei Staatsanleihen um „risikolose“ Vermögenswerte handelt. Die Banken gehen bei ihren internen Finanzmodellen also davon aus, dass sie bei einer Staatsanleihe immer 100% des investierten Geldes zurückbekommen werden.

Ja genau, ungeachtet der Tatsache, dass die Geschichte von Staatspleiten nur so wimmelt – alleine in den vergangenen 20 Jahren sind über 15 Länder in die Pleite abgerutscht, darunter auch Schwergewichte wie Russland, Argentinien und Brasilien –, gehen die meisten Banken davon aus, dass die Staatsanleihen in ihren Bilanzen risikofrei sind!

Und das ist ein weltweites Phänomen. Aber da Europa das System zu Fall bringen wird und nicht die USA, werde ich mich im Folgenden auf das Bankenmodell und die Eigenkapitalquote europäischer Banken konzentrieren.

Was die Eigenkapitalquote anbelangt, wird von EU-Banken eigentlich erwartet, dass sie sich an die Regeln unter Basel II halten. Das bedeutet, dass die europäischen Banken in ihren Bilanzen 6% risikogewichtete Aktiva als Eigenkapital halten müssen. Eigentlich sollte diese Regelung sicherstellen, dass der Fremdkapitalhebel, mit dem die Banken arbeiten, nicht über 16:1 liegt, die Bank für EUR 1 an Eigenkapital also maximal EUR 16 an Kredit vergibt.

Durch den Begriff „risikogewichtete Aktiva“ wird der Grundgedanke von Basel II aber ad absurdum geführt, da damit schlicht zum Ausdruck gebracht wird, dass das Kreditportfolio der Bank und somit letztlich auch ihr Kredithebel ausschließlich auf bankinternen Rechenmodellen und Annahmen zu den Kreditrisiken beruhen.

Ein Beispiel: Nehmen wir einfach mal an, dass Bank XYZ einem Unternehmen einen Kredit in Höhe von EUR 50 Millionen gibt. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Bank den gesamten Kredit von EUR 50 Millionen nun auch unbedingt als Risikoposition einstufen muss. Stattdessen wird die Bank behaupten, dass nur ein gewisser Prozentsatz dieser EUR 50 Millionen uneinbringlich sein könnte. Die entsprechende Risikogewichtung wird anhand der Kreditwürdigkeit des Unternehmens, seinen Finanzzahlen und Ähnlichem ermittelt.

Kurzum: Die europäischen Banken sind aufgrund ihrer internen Bewertungsmodelle in der Lage, wesentlich mehr Kredite zu vergeben, als Basel II eigentlich nahelegen würde. Und vor dem Hintergrund, dass die Gewinne der Bank und die Boni der Bankmanager umso stärker steigen, desto laxer die Definition von „risikogewichteten Aktiva“ ausfällt (also desto mehr Kredit man vergeben kann), kann man davon ausgehen, dass die EU-Banken in Wirklichkeit mit einem wesentlich höheren Hebel arbeiten.

Fakt ist, dass die EU-Banken laut den offiziellen Analysen des Internationalen Währungsfonds mit einem Fremdkapitalhebel von 26:1 arbeiten. Ich würde sogar behaupten, dass viele von ihnen in Wahrheit mit einem Hebel arbeiten, der weit über der Marke von 30:1 liegt und wohlmöglich eher im Bereich von 50:1 oder 100:1 anzusiedeln ist.

Diesbezüglich bin ich mir deshalb so sicher, weil die EU-Eigenheimblasen die US-Eigenheimblase spielend ausstechen. In der nachfolgenden Grafik werden verschiedene Eigenheimblasen dargestellt. Die US-Eigenheimblase ist die unterste Linie. Danach kommen die Eigenheimblasen von Großbritannien (blau), Italien (orange), Irland (grün) und Spanien (dunkelblau):

Eigenheimblasen dieser Größenordnung können sich nur bilden, wenn man buchstäblich jedem, der noch am Leben ist, Kredite zuschanzt. Und derartige Kreditmengen können nur vergeben werden, wenn die bankinternen Kreditmodelle davon ausgehen, dass das Risiko bei der Kreditvergabe an jeden, der noch über einen Puls verfügt, bedeutend geringer ist, als dies in Wirklichkeit der Fall ist.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass der Fremdkapitalhebel der EU-Banken weit über der Marke von 26:1 liegt. Und wenn man sich hier noch einmal vor Augen hält, wie stark sich die US-Banken im Rahmen der US-Eigenheimblase verschuldeten und mit Giftmüllpapieren vollgesogen hatten, dann ist die oben aufgeführte Grafik im Hinblick auf den wahren Zustand der Bilanzen der EU-Banken einfach nur atemberaubend.

Allein schon dieser Umstand macht es sehr wahrscheinlich, dass es zu einem systemischen Kollaps des EU-Bankensystem kommen wird.

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