Inflationäre Todesspirale: Euro tritt in seine Endphase

Anleger und Sparer sollten sich darauf einstellen, dass die Deflation bald Geschichte ist und die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank ihre Drohungen, die Währungen in Rauch aufzulösen, wahr machen werden

Michael Pento, King World News, 31.07.2012

Es ist meines Erachtens offenkundig, dass die Welt der Ökonomie mittlerweile komplett auf dem Kopf steht. Ein Beweis dieser Tatsache ist das jüngste Versprechen des Chefs der Europäischen Zentralbank Mario Draghi, der vergangene Woche versicherte: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, das wird ausreichen.“

In dieser kopfüber stehenden Welt falscher keynesianischer Ökonomie bedeutet, „alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten“, ganz offenkundig, sicherzustellen, dass man die Kaufkraft des Euros in Rauch aufgehen lässt.

Die Europäische Zentralbank plant, ihre Bestände an frisch gedrucktem Falschgeld zu nutzen, um die insolventen Schulden von Pleiteländern aufzukaufen. Und so unglaublich das auch klingen mag, sorgte das Versprechen der EZB, unbegrenzte Inflation herbeizuführen, dafür, dass die Anleiherenditen massiv absanken.

Die Rendite für die 10-jährige italienische Staatsanleihe brach innerhalb weniger Tage nach Verkündung der EZB-Strategie um 0,8% ein. Die Rendite für die 10-jährige spanische Staatsanleihe sank um 0,9%. Und, jetzt kommt’s: Der Euro legte sogar noch eine Rally hin und kletterte auf ein 3-Wochenhoch.

Jeder Mensch, der noch einigermaßen bei Trost ist, weiß natürlich, dass diese überschwängliche Reaktion des europäischen Währungsraums und des südeuropäischen Anleihemarkts bestenfalls vorübergehender Natur sein kann.

Die wahren wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten sind genauso unumstößlich wie die der Mathematik und anderer Wissenschaften. Und eines dieser Prinzipien besagt, dass eine Zentralbank nicht in der Lage ist, eine enorm inflationäre Geldpolitik zu betreiben, ohne dabei nicht auch langfristig die Währung und die Anleihemärkte zu zerstören.

„Und sofern der Umfang der Staatsprämien [Kreditkosten] den Übertragungsmechanismus der Geldpolitik behindert, liegen sie innerhalb unsere Mandats.“, so Draghi auf einer Investmentkonferenz in London, womit der EZB-Präsident unabsichtlich eingeräumt hat, dass er sich dem endlosen Gelddrucken hingeben will, was – sollte er dies tatsächlich voll ausreizen – Europa in eine inflationäre Todesspirale schicken würde.

Die Todesspirale ist eine Situation, wo es für die Schulden eines Landes zu einem bestimmten Zinsniveau keinen privaten Markt mehr gibt und die Zentralbank zum dominierenden Käufer avanciert. Die Zentralbank ist dann gezwungen, fortwährend riesige Mengen an Geld zu drucken, um auf diese Art zu versuchen, einen Anstieg bei den Renditen zu verhindern – ansonsten würde der Schuldendienst das Land in den Bankrott treiben und eine Depression auslösen.

Das ist aber genau die Art hyperinflationärer Zentralbankmaßnahmen, die die Kreditkosten ungeachtet all der Bemühungen, die Zinsen künstlich unten zu halten, richtig explodieren lassen. Die wirtschaftliche Vernichtung setzt also so oder so ein, nun jedoch bedeutend gravierender.

Wie das Wall Street Journal vergangene Woche meldete, will sich die US-Notenbank Federal Reserve von der Europäischen Zentralbank aber nicht den Schneid abkaufen lassen und dürfte schon bald Maßnahmen einleiten, um die stotternde US-Wirtschaft wieder anzuheizen. Durch das am Freitag gemeldete außerordentlich schwache US-Wirtschaftswachstum von 1,5% wird diese Auffassung nur noch untermauert.

Fakt ist, dass der New Yorker Senator Chuck Schumer den Fed-Chef sogar schon beschimpfte und kürzlich sagte: „Machen Sie Ihre Arbeit, Herr Vorsitzender!“ Anscheinend ist Schumer der Meinung, dass vier Jahre Nullzinspolitik, das Versprechen, die Zinsen bis mindestens Ende 2014 weiter bei 0% zu halten, und das Drucken von USD 2 Billionen Dollar rein Garnichts zu bedeuten haben und es für Bernanke jetzt an der Zeit sei, etwas wirklich Außerordentliches zu tun.

Der ehemalige Vizepräsident der Fed Alan Blinder pflichtete Schumer bei und erklärte im Wall Street Journal, dass die US-Notenbank nicht nur darüber nachdenken sollte, die Zinszahlungen für bei ihr geparkte überschüssige Reserven der Privatbanken auf null zu setzen, sondern für diese ungenutzten Gelder sogar noch Gebühren in Rechnung zu stellen. Eine solche Maßnahme würde mit Sicherheit zu einer Explosion der Geldversorgung und steigenden Preisen führen.

Es ist mittlerweile völlig offenkundig, dass die Zentralbanken der Industrieländer in ihrem Kampf gegen die Deflation immer verzweifelter sind. Und entgegen der Behauptungen der Perma-Deflationisten, ist eine Zentralbank immer in der Lage, Inflation zu schaffen, wenn sie das will. Alles, was sie dafür braucht, ist der feste Wille, den Wert der eigenen Währung zu vernichten, und eine Regierung, die diesem Ziel nicht entgegensteht. Und genau diese Situation zeichnet sich nun zusehends in Japan, Europa und den Vereinigten Staaten ab.

Wer sein Portfolio so ausrichten will, dass es auch während einer rasch steigenden Inflation Gewinne abwirft, muss daher darum bemüht sein, seine Handlungen richtig zu timen. Die Zeit, sich von der Deflation zu verabschieden, rückt nun mit Riesenschritten näher. Edelmetalle und eine Absicherung durch gedeckte Calls sind gegenwärtig eine gute Strategie.

Und man sollte sich darauf einstellen, einen bedeutenden Teil seiner Vermögenswerte in Edelmetalle, Energie und den Landwirtschaftssektor umzuschichten – und zwar genau dann, wenn die US-Notenbank und die EZB ihre Drohungen wahrmachen und immer umfangreichere Maßnahmen ergreifen, um ihre Währungen zu vernichten. Angesichts all der Hinweise, die uns gegenwärtig vorliegen, kann dieser Tag nicht mehr in allzu fern sein.

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