Goldpreisanstieg voraus … aber das ist nicht der Grund, warum man das gelbe Metall halten sollte

Gold dürfte in nächster Zeit erneut auf Allzeitrekorde steigen, doch sollte das nicht der auschlaggebende Impuls sein, sich mit physischen Edelmetallen einzudecken

The Gold Report, 08.08.2012
Der Edelmetallexperte John Hathaway im Gespräch mit The Gold Report

The Gold Report: John, Sie sagten einen Goldpreis von USD 2.000 pro Unze oder noch höher voraus. Nachdem Gold dann letzten Herbst auf USD 1.900 pro Unze gestiegen war, dümpelte es den überwiegenden Teil dieses Jahres bei USD 1.500 bis USD 1.600 pro Unze vor sich hin. Was wird für den nächsten Aufwärtsschub sorgen?

John Hathaway: Es gibt meines Erachtens verschiedene Faktoren, die Gold in die Höhe treiben werden. Auf der geldpolitischen Seite haben wir die Zentralbanker und die Finanzminister, die allesmögliche machen und planlos agieren. Sie haben keinen ganzheitlichen Lösungsansatz für die Staatsschuldenkrise in Europa; gegen die Kräfte, die Europa zurzeit auseinander reißen, oder die aktuelle Stagnation der wichtigsten weltweiten Wirtschaften. Letztlich wird all das dafür sorgen, dass die Währung weiter entwertet wird.

Auch könnte es sein, dass weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen ein Thema werden, und ich habe bereits viel darüber gelesen, dass sie darüber nachdenken, die nominellen Zinsen in den negativen Bereich zu drücken. Das würde bedeuten, dass die Menschen, die Geld auf dem Sparbuch haben, dafür Gebühren bezahlen müssten, anstatt Zinsen zu erhalten. Es würde mich nicht überraschen, sollte das kommen, um all die überschüssigen Reserven des Bankensystems in die Wirtschaft umzulenken.

TGR: Wann könnte das geschehen – in den kommenden Monaten, Ende 2012 oder in 2013?

JH: Das lässt sich schwer sagen, aber wir befinden uns zurzeit an einem entscheidenden Punkt. Die Wirtschaftsberichte sind außerordentlich schwach. Die Schlagzeilen aus Europa sind weiterhin, nun ja, bestenfalls enttäuschend. Die bevorstehenden US-Wahlen verkomplizieren die Dinge zusätzlich. Die US-Notenbank Federal Reserve wird wahrscheinlich keine Maßnahmen ergreifen wollen, die als wie auch immer geartete Manipulation der Wahlen ausgelegt werden könnten.

Gold befindet sich seit fast einem Jahr in einer Korrekturphase. Im August 2011 erreichte es einen Preis von USD 1.900 pro Unze. In der Zwischenzeit hatte es jede Menge Gelegenheiten unter das Tief abzusinken, das Ende vergangenen Jahres erzielt worden war. Im Grunde hat sich der Goldpreis die vergangenen sieben Monate seitwärts bewegt.

Ich stelle fest, dass sich Gold gegenwärtig in zunehmend stärkere Hände bewegt. Es sind ja kaum noch Verkäufer übrig. Die Leute, die ihr Gold verkaufen wollten, haben das bereits getan und sich anderen Dingen zugewandt. Ich bin immer zuversichtlicher, dass das Abwärtspotenzial beim Goldpreis begrenzt ist; jetzt geht es nur noch um das Aufwärtspotenzial. Ich würde sagen, dass die Marke von USD 2.000 pro Unze bald ansteht.

TGR: Könnte der Goldpreis noch stärker steigen als auf USD 2.000 pro Unze?

JH: Ja sicher, bedeutend höher.

TGR: Als wir auf der Casey Conference miteinander sprachen, beklagten Sie die Tatsache, dass selbst die goldproduzierenden Firmen im Vergleich zum Goldpreis mit Abschlägen gehandelt würden. Was wird diesen Trend wieder umkehren?

JH: Ein höherer Goldpreis. Zunächst muss sich die Auffassung bezüglich der Goldpreisentwicklung ändern. Man kauft eine Goldminenaktie ja nur, wenn man davon ausgeht, dass der Goldpreis steigt. Und da es vom Edelmetallmarkt diesbezüglich bisher noch keine Impulse gab, überrascht es mich auch nicht, dass die Aktien hinterhertrotten. Man braucht jede Menge Ausdauer und Toleranz, um Perioden wie diese durchzustehen.

Und alles andere, was man dazu hört – die Argumente bezüglich der politischen Risiken, der Kostendruck und der Wettbewerb durch börsennotierte Goldfonds –, das sind alles Auffassungen, die im Nu verfliegen werden, wenn der Goldmarkt wieder an Fahrt aufnimmt, was, wie ich glaube, mit Sicherheit passieren wird.

TGR: Sie sagten auch, dass physische Edelmetalle in jedes diversifizierte Portfolio gehören. Welchen Prozentsatz empfehlen sie für gewöhnlich?

JH: Ich glaube, in der heutigen Welt sollten es zwischen 5% und 10% sein. Aber physisches Gold, also nicht diese börsennotierten Goldfonds oder Rohstoff-Kontrakte, bei denen es sich in Wirklichkeit nur um Papiergold handelt, sondern echtes physisches Gold, das man auch anfassen kann – Gold, das sich außerhalb des Bankensystems befindet, wo man weiß, wo es gelagert wird und auch die Seriennummern der Barren kennt.

TGR: Fügen jetzt immer mehr institutionelle und private Investoren ihren Portfolien Gold hinzu?

JH: Es gibt jetzt immer mehr Menschen, die Gold aus einer strategischen Perspektive heraus betrachten. Den physischen Goldbesitz sollte man nicht als Möglichkeit auffassen, um Geld zu machen, sondern eher als eine Methode, um sein Kapital zu schützen, um für die Zukunft sicherzustellen, dass man über Kaufkraft und Investmentressourcen verfügt.

Das ausschlaggebende Moment, um Gold zu kaufen, sollte daher nicht jemand wie ich sein, der erklärt, der nächste Aufwärtsschub im Goldmarkt geht in Richtung USD 2.000 pro Unze. Der wirkliche Grund, Gold zu halten, ist, um sein Kapital zu schützen.

TGR: Sie erachten Edelmetalle also als Vermögensschutz?

JH: Ja natürlich. Wenn man sich nur anschaut, was sich zurzeit bei den Bankenregulierungen abspielt. Die Banken sind heutzutage ja dazu angehalten, einen zu den persönlichen Finanzen auszufragen, obwohl sie das nicht das Geringste angeht. Und wenn man hier noch den Trend in Richtung negative nominelle Zinssätze hinzunimmt, stellt sich schon die Frage, warum man sein ganzes Geld im Bankensystem halten soll.

TGR: Ist es egal, ob man sich physisches Gold nun als Münzen, Barren oder Granulat kauft?

JH: Bei Goldmünzen ist der Aufschlag höher. Immer, wenn ich mir Goldmünzen kaufen will, fühle ich mich ein wenig abgezogen, weil man gegenüber dem Barrenpreisen halt einen kleinen Aufschlag entrichten muss. Dafür verfügen die Goldmünzen aber auch über einen entsprechenden Bequemlichkeitsfaktor.

Wenn man physische Metalle kauft, muss man immer seine eigenen Bedürfnisse vor Auge haben. Wenn man die Bestände in den eigenen Händen halten will, dürften Goldmünzen oder 1-Unzen-Barren eine recht gute Wahl sein. Anlagemünzen können vom Einzelhandel sehr leicht geprüft werden.

Wenn das Gold von Dritten gelagert werden soll und man mit den Lagerbedingungen einverstanden ist, könnte es hingegen Sinn machen, sich große Barren zu kaufen, da die Kosten pro Unze dann geringer ausfallen. Ein 400-Unzen-Barren ist pro Unze günstiger als eine 1-Unze-Münze …

TGR: Wenn man sich sein Edelmetall nicht physisch in Form von Münzen oder Barren ausliefern lässt, wie kann man dann sicher sein, dass es überhaupt existiert und nicht einfach in einen großen Fonds geworfen wird? Und ist das überhaupt von Bedeutung?

JH: Wenn man sein Gold in einer Bank hält, kann man sich nicht sicher sein, dass die Bank nicht alles in einen Topf wirft. Die Banken behaupten zwar, dass das Gold ihrer Kunden sicher sei und getrennt aufbewahrt würde, aber nach dem LIBOR-Skandal und den Problemen bei JPMorgan im Hinblick auf die Kennzeichnung kann sich da doch niemand mehr sicher sein. Das Bankensystem besitzt doch überhaupt keine Integrität mehr. Da gibt es andere Möglichkeiten, die den Investor ruhiger schlafen lassen …

TGR: Was ist der Unterschied zwischen … [privaten Goldlagerfirmen], börsennotierten Goldfonds wie SPDR Gold Shares, Goldmünzen und Goldbarren?

JH: Bei SPDR Gold Shares kommt man an das physische Gold nicht heran; es ist zwar eindeutig zugewiesenes Gold und verfügt auch über die sehr nützliche Funktion, dass es den Investoren erlaubt, eine Sicherheit in ihren Portfolien zu halten, die den Preis für physisches Gold widerspiegelt, aber das Gold selbst wird bei einer Bank, bei HSBC, gehalten. Wenn es hart auf hart kommt, hätte man letztlich nur ein Portfolio, das immer noch Teil des Bankensystems ist.

Will man einen Schritt weitergehen, hält man das physische Gold selbst oder außerhalb des Bankensystems. Das ist einfach nur ein höherer Grad an Schutz der eigenen Vermögenswerte, sollten wir tatsächlich eine Phase massiver Marktstörungen durchlaufen. Sein Gold außerhalb des Bankensystems zu halten, ist jedenfalls die bessere Methode, um das eigene Kapital, die Kaufkraft und die Investmentressourcen zu schützen.

Was mir auch Sorgen bereitet, ist, dass die Regierung zunehmend in unser Privatleben und unsere Finanzvermögenswerte hineinregiert. Der physische Goldbesitz mag nicht perfekt sein, aber es ist immer noch die beste Methode, um dagegen vorzugehen.

Das ist auch der Grund, warum ich immer wieder herausstreiche, dass die Menschen mehr im Blick haben müssen als einfach nur Gewinne, wenn sie über den Kauf von physischem Gold nachdenken. Gold ist in Wirklichkeit das Gegenmittel zu dem, was wir heutzutage für Geld halten, bei dem es sich im Grunde nur um von Regierungen ausgegebenes Papiergeld handelt …

TGR: Haben Sie noch andere Ratschläge für Investoren, die darauf aus sind, ihr Portfolio in einem volatilen Marktumfeld zu diversifizieren?

JH: Ich glaube, dass man sich der Risiken des Finanzsystems und der Risiken der Papierwährung im Hinblick auf die aktuelle und, noch wichtiger, künftige Kaufkraft bewusst sein sollte. Ich habe keine Probleme damit, wenn jemand Aktien der weltbesten Konzerne oder qualitativ hochwertige Anleihen besitzt – aber die Welt hat sich bedeutend gewandelt. Es geht hier um zusätzlichen Schutz. Ich wünschte mir ja auch, dass das Aktienkäufe und Anleiheinvestments ausreichen würden, um die Ersparnisse der Menschen zu schützen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das heutzutage der Fall ist.

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