Preisexplosion voraus: Edelmetallmärkte heizen sich auf

John Embry, Investor´s Digest of Canada, 12.08.2012

Die Gold und Silbermärkte heizen sich zurzeit immer schneller auf, obwohl dem gewöhnlichen Marktbeobachter diese Entwicklung wohl entgangen sein dürfte. Das hängt mit der krassen Preisdrückung von Gold und Silber zusammen, die in den Papiermärkten stattfindet. Sie verdeckt den Aufwärtsschub, der bei den physischen Metallen gegenwärtig hinter den Kulissen stattfindet – ein Aufwärtsschub, bei dem es sich im Grunde um den Vorläufer einer unvermeidlichen Preisexplosion handelt.

Während sich die Weltwirtschaft immer weiter abschwächt, sind die Strippenzieher immer fanatischer darum bemüht, die Realität zu verschleiern, dass es sich bei Gold und Silber um die wahren sicheren Häfen handelt. Bisher konnten diese Typen einen Großteil der Bevölkerung davon überzeugen, dass es sich bei den Staatsschulden der wichtigsten weltweiten Länder um sichere Häfen handelt. Im Ergebnis fließt das Geld aktuell in US-amerikanische, deutsche, japanische und britische Staatsanleihen. Aber das ist einfach nur lächerlich.

Die Rendite für die 10-jährige US-amerikanische Staatsanleihe ist Anfang Juni dieses Jahres auf unter 1,5% eingebrochen, während die Zinssätze für deutsche, japanische und britische Staatsschulden ebenfalls auf lächerlich niedrigen Niveaus verharren. Um fair zu sein: Auf absehbare Zeit haben die Investoren jeden Grund dazu, sich Sorgen zu machen. Meines Erachtens entscheiden sie sich aber für den falschen sicheren Hafen.

Angesichts des finanziellen Chaos in Amerika stellt sich natürlich die Frage, was an einer 10-jährigen US-Staatsanleihe, die gerade einmal mit 1,5% rentiert, sicher sein soll.

Die USA werden von einer Staatsverschuldung von fast USD 16 Billionen nach unten gezogen, während durch die außerbilanzlichen Verbindlichkeiten der US-Regierung noch viele weitere Billionen hinzukommen und sich die nichtfinanzierten Verbindlichkeiten des staatlichen Krankenkassensystems, des Arzneibezuschussungsprogramm und der Rentenkasse auf mindestens USD 100 Billionen belaufen.

Unterdessen haben die USA auch noch mit einem hartnäckigen Haushaltsdefizit, das zwischen USD 1 Billion und USD 1,5 Billionen liegt, einem Bankensystem, dem bereits lebenserhaltende Maßnahmen zuteil werden, und einer überschuldeten Wirtschaft, die auf der Stelle tritt, zu kämpfen.

Ist die Welt jetzt komplett durchgeknallt? US-Staatsanleihen sind aktuell vielleicht für Hedge-Fonds interessant – aber wenn sich die Realität erst einmal eingestellt hat, wird irgendjemand diese Papiere sein Eigen nennen. Und wenn es soweit ist, werden die künftigen Besitzer das aktuelle Renditeniveau oder auch nur irgendetwas in der Nähe dieses Niveaus keinesfalls akzeptieren.

Es gibt nur zwei Optionen, was mit diesen letztlich nicht bedienbaren Schulden geschehen kann. Entweder gibt es ein „Erlassjahr“, wo die US-Regierung einfach die Zahlungsunfähigkeit ausruft, oder die Behörden versuchen, die schädlichen Folgen der Schuldenlast wegzuinflationieren. Für die Halter von Staatsanleihen verheißen beide Entwicklungen nichts Gutes, da sie dann mit ansehen müssen, wie ihr Realvermögen dezimiert wird.

Die wirklich sicheren Häfen sind Gold und Silber, daran hat sich seit vielen Jahrhunderten nichts geändert. Fakt ist, dass es eine Vielzahl bestechender Gründe gibt, warum sich Gold und Silber gegenüber ihren gegenwärtigen Preisen noch um ein Vielfaches verteuern werden.

Das ist auch der Grund, warum ich mich immer über die Pressebericht amüsiere, wo die Stärke des US-Dollars für die Schwäche des Goldpreises verantwortlich gemacht wird. In aller Regel sind natürlich die Marktmanipulationen der Grund dafür, warum Gold regelmäßig in Ohnmacht fällt – und die Tatsache, dass der US-Dollar gegenwärtig als die stärkste Währung der Welt erachtet wird, ist für mich das mit Abstand gewichtigste Argument, das für Gold spricht. Da die Weltwirtschaft zurzeit durch die Überschuldung in den Abgrund gezogen wird, gibt es weltweit auch keine Papierwährung mehr, die noch irgendetwas wert ist.

Und auch als Investment macht Gold jede Menge Sinn, da es nur sehr wenige Institutionen und Personen gibt, die nennenswerte Mengen des gelben Metalls besitzen – wenn überhaupt. Die Zahl der Goldhalter wird zusätzlich noch dadurch verwässert, dass all jene Leute, die bereits begriffen haben, was sich hier in Wirklichkeit abspielt, jede Menge Gold besitzen, während die überwiegende Mehrzahl der Menschen überhaupt kein Gold besitzt. Wenn die Währungsvernichtung erst einmal richtig einsetzt, wird sich das jedoch abrupt ändern, da sich die Institutionen und die Privatpersonen dann Gold zuwenden werden.

Am Ende des letzten Edelmetallbullenmarkt beliefen sich die Gold- und Silberinvestments auf 5% bis 10% aller weltweiten Finanzvermögenswerte, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, das Gold und Silber immer noch einen langen Weg vor sich haben.

Ironisch ist, dass es die weltweiten Zentralbanken – speziell die asiatischen – zu sein scheinen, die bereits früh bei diesem Trend aufgesprungen sind. Nach Jahren aggressiver Goldverkäufe treten die Zentralbanken nun seit zwei Jahren als Käufer auf, wobei sich die Zentralbankkäufe zunehmend beschleunigen. Und wer kennt Finanzsituation besser, als die Organisationen, die zu weiten Teilen für die Geldentwertung verantwortlich sind!

Die Thematik des sogenannten Papiergolds sollte ebenfalls nicht einfach so übergangen werden: Die Future-Positionen, die börsennotierten Goldfonds, die Gemeinschaftsgoldkonten der Banken und die Gold-Eigentümerzertifikate.

Jedem, der sich mit dem Thema Papiergold näher auseinandersetzt, ist klar, dass es in Wirklichkeit nur sehr wenig physisches Gold gibt, mit dem diese Finanzvehikel besichert werden – trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Fakt ist, dass einige Quellen sogar befürchten, dass auf USD 100 an Papiergold gerade einmal USD 1 des physischen Metalls kommt.

Das ist von außerordentlicher Bedeutung, da, sollte der Investor tatsächlich mal auf die Sicherheit seines Goldes im Portfolio angewiesen sein, er zu seinem Leidwesen zu der Feststellung gelangen könnte, dass es garnicht da ist. Stattdessen wird man ihn mit schon bald wertloser Papierwährung entschädigen. Deshalb sollten Investoren ihr Gold ausschließlich physisch halten oder nur Papiergold-Vehikel besitzen, die einer harten und regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden.

Und dann gibt es noch den gesamten Themenkomplex, dass es sich bei Gold um ein Edelmetall handelt – ein Material also, das nur sehr schwer zu finden ist und dessen Produktionskosten hoch sind. Die hochwertigen bodennahen Goldadern in politisch stabilen Regionen sind zum überwiegenden Teil bereits ausgebeutet worden. Daher stoßen die Goldminenfirmen und Explorationsunternehmen bei ihrer Suche nach Goldadern geringerer Qualität mittlerweile in Bereiche vor, die man sich früher nie hätte vorstellen können.

Es könnte also durchaus sein, dass die Nachfrage nach physischem Gold genau dann explodiert, wenn bei der Goldversorgung ein Rückgang einsetzt – womit wir auch schon bei China wären. Nachdem die Chinesen über viele Jahre hinweg massive Haushaltsüberschüsse aufgetürmt haben, schwimmen sie jetzt ganz offenkundig in US-Dollars.

Das ist darauf zurückzuführen, dass China faktisch die Rolle des weltweiten Fabrikanten übernommen hat, was ganz offenkundig den Zielvorstellungen der Chinesen entsprach, da dadurch Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen worden sind. Doch mittlerweile hat China begriffen, dass seine großen US-Dollarbestände in Wirklichkeit eine Last darstellen. Und das ist der Grund, warum sie ihre Institutionen und Bürger dazu anhalten, Gold zu kaufen, und ihre Goldreserven fortwährend weiter aufstocken. Zu Beginn hatten sich die Goldkäufe der Chinesen noch auf die Inlandsproduktion beschränkt, aber mittlerweile treten sie am internationalen Goldmarkt zunehmend aggressiver auf.

Die Gold- und Silberproduzenten stellen daher zurzeit eine außerordentliche Investmentmöglichkeit dar. Obwohl sie sich in der Frühphase der Erholung befinden, sind sie nach wie vor billig. Es ist sogar denkbar, dass die Gold- und Silberminenaktien am Ende in genau die gleiche Manie-Phase eintreten könnten, die die Technologie- und Internetaktien vor einem Jahrzehnt auf den Mond katapultierte.

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