Staatsschuldenkrise: Wenn die Zinsen steigen, ist das Spiel vorbei

Wenn die Zinsen steigen, sind die Industrieländer pleite. Anleger und Sparer sollten sich auf die nächste konzertierte Welle an Gelddruckmaßnahmen vorbereiten

Michael Pento, King World News, 14.08.2012

Dem sogenannten „finanzpolitischen Kliff“ in den USA, das Ende dieses Jahres auftaucht, wird viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet. Dass die Steuersenkungen der Bush-Ära auslaufen und aufgrund des Stillstands im Kongress gesetzlich verankerte automatische Ausgabenkürzungen einsetzen, ist in Wirklichkeit nichts weiter als eine finanzpolitische Lappalie.

Fakt ist, dass weniger Staatsausgaben – anstatt eine vermeintliche Wirtschaftskatastrophe herbeizuführen – sogar eines der Mittel sind, mit dem Prosperität geschaffen werden kann. Und obwohl Steuererhöhungen keine optimale Lösung sind, könnte sich selbst dadurch theoretisch noch ein kleiner Vorteil ergeben, wenn sie zu einem Anstieg der Steuereinnahmen führen würden, da man mit den Geldern dann die jährlichen Defizite absenken und beginnen könnte, die langfristigen finanzpolitischen Ungleichgewichte der USA anzugehen.

Nichtsdestotrotz gibt es aber tatsächlich ein echtes finanzpolitisches Kliff, auf das die Vereinigten Staaten gerade zusteuern; es ist exakt dasselbe Kliff, über das Europa bereits gerauscht ist. Dieses Kliff ist der durch den Vertrauensverlust der Investoren verursachte Zusammenbruch der US-Schulden und der Dollarmärkte – ein Vertrauensverlust, der durch die US-Notenbank Federal Reserve sogar noch befördert wird.

Seit 2008 führt die Federal Reserve einen erklärten Krieg gegen die Deflation. Seit diesem Zeitpunkt hat sie den Wert des Dollars systematisch vernichtet und fortwährend auf die Inflation hingearbeitet. Und dadurch, dass sie bereits Billionen an Dollars gedruckt hat und jetzt sogar damit droht, noch mehr Geld ins System zu pumpen, schwächt Bernanke den US-Dollar nicht nur, sondern ruiniert überdies auch noch die Kaufkraft der Mittelklasse.

Das Schlimmste an diesem Anschlag der Zentralbank auf die USA ist jedoch die Tatsache, dass Bernanke die finanzpolitische Verantwortungslosigkeit der US-Regierung überhaupt erst möglich gemacht hat. Er hat die politischen Führer in den USA glauben gemacht, dass sie sich im Grunde auf immer und ewig kostenlos unbegrenzte Mengen an Geld leihen können. Im Mai 2010 schrieb ich eine unheilvolle Warnung:

„Dem drastischen Renditeanstieg wurde jedoch Dank Europa eine Verschnaufpause eingeräumt. Aktuell fliehen die Investoren aus griechischen Schulden und dem Euro in Richtung US-Dollar und US-amerikanischer Anleihemärkte. In wenigen Jahren wird unsere Staatsverschuldung bei fast USD 15 Billionen liegen. Sollten die Zinsen lediglich auf ihren historischen Schnitt steigen, würden die Zinszahlungen – abhängig vom Wirtschaftswachstum und den Steuereinnahmen – 30% bis 50% der gesamten Einnahmen der Bundesregierung verschlingen. Sollten wir diesen Punkt tatsächlich erreichen, könnte es sein, dass die Fed in einem desperaten Versuch, die Zinssätze davon abzuhalten, außer Kontrolle zu geraten, eine massive Schuldenmonetisierung einleitet.“

In 2010 rechnete ich vor, dass die Staatsverschuldung der USA bis 2015 ein Ausmaß erreichen würde, das nicht mehr zu bewältigen ist. Die USA nähern sich dem Punkt, wo sich diese Prognose bewahrheitet, immer stärker an. Die offizielle Staatsverschuldung hat kürzlich erst die Marke von USD 16 Billionen überschritten. Fakt ist, dass die Staatsverschuldung seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 um 117% gestiegen ist!

Und da es der US-Notenbank gelungen ist, die Zinssätze während dieses Schuldenanstiegs nach unten zu manipulieren, glaubt die Regierung nun, dass sie im Hinblick auf ihre Schulden- und Ausgabenabhängigkeit keine Eile an den Tag legen müsste.

Es gibt aber ein Limit, wie viel Geld sich ein Land leihen kann, ohne dafür abgestraft zu werden. Und sollten Sie daran zweifeln, dass es einen solchen Punkt gibt, können Sie sich ja gerne mal mit den Griechen, den Spaniern, den Portugiesen, den Iren und den Italienern darüber unterhalten.

Eric Rosengren, der Präsident der Federal Reserve of Boston, prophezeite jüngst, dass die US-Notenbank nicht nur die Zinszahlungen auf die bei der Zentralbank geparkten überschüssigen Geldreserven der Geschäftsbanken aussetzen würde, sondern überdies auch eine zeitlich nicht begrenzte Gelddruckoperation einleiten wolle.

Rosengren ist der Auffassung, dass die dritte Runde quantitativer Lockerung (QEIII) zielorientiert sein sollte – was bedeutet, dass sich die Fed dazu verpflichten sollte, ihre Gelddruckmaßnahmen solange fortzusetzen, bis die Arbeitslosenrate und das nominelle BSP ihre – noch festzulegenden – Zielgrößen erreicht haben.

Das Problem ist nur, dass ein Anheizen des nominellen BSP mit einem Anstieg der Inflation einhergeht; und eine steigende Inflation trägt zum Anstieg der Arbeitslosenrate bei, anstatt sie abzusenken. Es gibt hier also einen Zielkonflikt, den die US-Notenbank entweder nicht kennt oder nicht einräumen will.

Die Geschichte hat gezeigt, dass – ganz egal, was auch probiert wird – massive Zentralbankinterventionen zur Kontrolle der Zinssätze und zur Rettung der Wirtschaft die Arbeitslosenzahlen steigen lassen. In Europa scheitert diese Taktik zurzeit kläglich, und auch in den USA hatte sie sich bereits als Komplettreinfall erwiesen.

Und da die Zentralbanken mittlerweile konzertiert agieren, um die vollständige Kontrolle über die Zinssätze zu erlangen, ist der einzig noch verbliebene Marktmechanismus, der sie letztendlich zwingen wird, mit dem fortwährenden Anhäufen neuer Schulden aufzuhören, die Zurückweisung und Nichtanerkennung der Fiatwährungen, mit denen die Staatsanleihen gedeckt werden.

Die weltweiten Zentralbanken stehen jetzt kurz davor, eine koordinierte Maßnahme zum Anheizen der Inflation einzuleiten, und Pento Portfolio Strategies hat seine Kunden vollumfänglich auf den nächsten beispiellosen Angriff auf die Deflation vorbereitet. Sie sind gut beraten, wenn Sie sich ebenfalls entsprechend darauf einstellen.

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