Schuldenschock: Warum die Eurozone nicht zu retten ist

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 15.08.2012

Der EZB-Präsident Mario Draghi behauptet, dass er den Euro retten kann.

Das kauf ich ihm nicht ab, nicht mal für eine Sekunde. Also wenn ich mir das Ganze so anschaue, dann verfügt die Europäische Zentralbank über zwei Nuklearoptionen:

1. Massives Gelddrucken und der Aufkauf von Staatsanleihen.
2. Die Ausgabe von Eurobonds in Verbindung mit einer vollumfänglichen europaweiten Einlagensicherung.

Wie ich jüngst anmerkte, ist Punkt 1 aber nicht durchführbar. Sollte sich die Europäische Zentralbank für Punkt 1 entscheiden, implodiert der Staatsanleihemarkt, was heißt, dass sich jede weitere Intervention erübrigt hat, weil das Spiel dann aus ist.

Wenn Sie sich die Auswirkungen anschauen, die die quantitativen Lockerungsmaßnahmen auf die US-Staatsanleihen hatten, dann wissen Sie, wovon ich spreche. Und das sind US-Staatsanleihen, wir sprechen hier also nicht von … PIIGS-Schulden.

Und was ist mit der zweiten Nuklearoption der EZB; der Ausgabe von Eurobonds und der Implementierung einer vollumfänglichen Einlagensicherung für alle Gelder der europäischen Bankkunden?

Für Neueinsteiger: Angela Merkel sagte, dass es Eurobonds, „solange [sie] lebe“, nicht geben würde. Und das ist kein Bluff. Die Ausgabe von Eurobonds verstößt gegen das Grundgesetz. Sollte Merkel diese Option auch nur ansatzweise erwägen, dürfte sie aller Vorausschau nach aus dem Amt fliegen. Wir dürfen hier ja nicht vergessen, dass Merkel 2013 zur Wiederwahl antritt.

Darüber hinaus würde Deutschland durch Option Nummer 2 sein AAA-Kreditrating verlieren. Deutschland nähert sich immer schneller dem gefürchteten Schulden/BSP-Verhältnis von 90% an. Und dank der fast EUR 1 Billion an europäischen Rettungspaketen durch die Hintertür muss Deutschland bereits für Verluste in Höhe von zig Milliarden, wenn nicht gar hunderten von Milliarden gerade stehen – Geld, das Deutschland schlicht nicht hat.

Und was einen europaweiten Einlagensicherungsfonds anbelangt, sei hier gesagt, dass keine Organisation auf dem Planeten über das Kapital für ein derartiges Unterfangen verfügt. Die Gesamteinlagen der Bankkunden in der Eurozone belaufen sich aktuell auf rund EUR 15 Billionen.

Selbst wenn man nur die Bankeinlagen der aktuellen „Problemländer“ der Europäischen Union absichern wollte – also die Einlagen Spaniens, Italiens, Portugals und Irlands – ginge es bereits um EUR 5,5 Billionen. Das ist fast das Doppelte der EZB-Bilanz und mehr als Vierfache der Größe der EU-Rettungsfonds (EFSF und ESM, wobei beim Erstgenannten nur noch EUR 65 Milliarden übrig sind).

Noch einmal: Keine Institution auf dem Planeten verfügt über die notwendigen Gelder, um die Bankeinlagen der PIIGS abzusichern, geschweige denn die der Europäischen Union. Diese Idee können wir also auch von der Liste streichen.

So, und was bleibt jetzt noch übrig? Der Ist-Zustand und der sieht so aus:

Die oben aufgeführten Aspekte sind nicht irgendwelche Fantasiekonstrukte: Es sind nachprüfbare Fakten, weshalb ich auch der Meinung bin, dass der EZB-Präsident Mario Draghi blufft, wenn er behauptet, dass die Europäische Zentralbank über Handlungsspielräume verfügt, die „ausreichend“ seien.

In Wirklichkeit dürfte es sich hierbei wohl eher um eine philosophische Frage handeln: Wann hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre, wenn ein Zentralbanker „Glauben Sie mir …“ gesagt hat, irgendetwas von dem Gesagten als richtig herausgestellt?

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