Gold rückt wieder ins Zentrum des Finanzsystems: Warum Anleger jetzt zuschlagen sollten

Während die Goldschmucknachfrage in Indien und China im letzten Quartal zurückgegangen ist, schlagen die Zentralbanken der Schwellenmärkte weiter zu und weiten ihre Goldkäufe aus. Anleger und Sparer sollten die gedrückte Markstimmung und den vor sich hindümpelnden Preis nutzen, bevor Gold wieder abhebt

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 17.08.2012

Die zwei größten Goldkäufer der Welt, China und Indien, die den goldaffinen Handel zu weiten Teilen beherrschen, haben die Edelmetallmärkte mit ihrer schwächelnden Goldnachfrage im zweiten Quartal 2012 enttäuscht.

Laut dem alle drei Monate erscheinenden „Gold Demand Trend“ des World Gold Council (WGC) sank die Gesamtnachfrage im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7% auf 990 Tonnen.

Wenn man die Nachfragedaten herunterbricht und sich den Schmucksektor anschaut, stellt man fest, dass China und Indien zurzeit rund 50% der weltweiten Goldschmucknachfrage stellen. Da beide Länder aber nur rund 400 Tonnen nachgefragt haben, ist das zweite Quartal 2012 eine der schwächsten Perioden der vergangenen zwei Jahre.

Und auch die Nachfrage nach Barren und Anlagemünzen fiel in China und Indien im Vergleich zur restlichen Welt schwach aus:

Wir hatten dieses Jahr ja bereits darüber berichtet, dass Indien zurzeit mit einer ganzen Reihe ökonomischer Herausforderungen zu kämpfen hat, was bei der Schmucknachfrage des Landes im zweiten Quartal einen dramatischen Rückgang von 30% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zur Folge hatte. Zu den Faktoren, die sich nachteilig auf die Entwicklung des indischen Goldmarkts auswirken, zählen laut dem WGC die Abschwächung des BSP, Rekordhöchststände beim Goldpreis in der Landeswährung, eine steigende Inflation, hohe Zinssätze und Ängste bezüglich einer schwachen Monsun-Saison.

Chinas Goldnachfrage litt unterdessen unter einer Wirtschaftsabschwächung und einer „fehlenden klaren Richtung des Goldpreises“, so das WGC. Während einer Telefonkonferenz erklärte Marcus Grubb vom WGC, dass es jedoch falsch sei, zu glauben, China würde nun in eine langanhaltende Schwächephase eintreten. Die chinesische Goldnachfrage lag im ersten Halbjahr dieses Jahres bei 410 Tonnen, was ungefähr derselben Menge des Vorjahreszeitraums entspricht.

Und da wir nun in die „Liebes-Saison“ von Gold eintreten, halten wir natürlich nach Hinweisen bei der Politik Ausschau, welche die traditionellen indischen Goldkäufe für die Hochzeiten und das Diwali-Fest und die chinesischen Goldgeschenke bei Hochzeiten und Geburtstagen im verheißungsvollen Jahr des Drachens wieder anheizen könnten.

Und während der goldaffine Handel gegenwärtig mehr oder minder auf Eis liegt, läuft ein ganz anderer Goldkäufer zur Hochform auf: Der Staatssektor.

Der Staatssektor setzte seinen Goldrausch im zweiten Quartal weiter fort. Das WGC meldete, dass die Zentralbankkäufe nun – nachdem die Zentralbanken seit drei Jahren wieder als Nettogoldkäufer auftreten – auf neue Rekordhochs geklettert ist. Sollte sich dieser Trend im weiteren Jahresverlauf fortsetzen, würden die Zentralbanken mit ihren Goldkäufen laut Grubb „Neuland“ betreten, das seit Anfang der 60er Jahre und seit dem Auslaufen des Bretton Woods Systems im Jahre 1971 nicht mehr gesehen wurde.

Laut den Daten des WGC kaufte der Staatssektor im zweiten Quartal rund 158 Tonnen Gold, was rund 16% der Gesamtnachfrage entspricht. In der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Zentralbanken 254 Tonnen des gelben Metalls gekauft, also 25% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Dieser Kauftrend wird wieder einmal von den Zentralbanken der Schwellenländer angeführt. Das WGC sagt, Kasachstan habe Andeutungen gemacht, dass es „15% seiner Devisenreserven in Gold“ anlegen will, und eine Art, wie es das zu tun gedenkt, besteht darin, „in den kommenden zwei bis drei Jahren die gesamte Inlandsproduktion aufzukaufen.“

Andere Zentralbanken der Schwellenländer erhöhen ebenfalls ihre Goldbestände. Hierzu gehören Mexiko, die Philippinen, Russland, die Türkei und die Ukraine. Laut Grubb wollen sich die Zentralbanken so hauptsächlich vor Währungsrisiken schützen. Sie zielen darauf ab, die Reserven in ihren Portfolios stärker auszubauen und ihre Abhängigkeit vom US-Dollar und wohlmöglich auch vom Euro zu verringern. Überdies gibt es laut dem WGC auch die Auffassung, dass Staatsschulden nicht mehr länger „risikolos“ seien.

Während der Telefonkonferenz führte Marcus Grubb aus, dass Gold nach seinem Dafürhalten „wieder [als Kreditsicherheit] in die Struktur des Finanzsystems integriert“ wird – ein Trend, den wir nun bereits seit anderthalb Jahren mitverfolgen dürfen.

Die US-amerikanische CME Group akzeptiert Gold bereits als Kreditsicherheit und am Freitag verkündete auch noch das europäische Clearing-House, CME Clearing Europe, dass es physisches Gold nun als „geeignete Form der Kreditsicherheit“ erachten würde.

Was Kreditsicherheiten und Eigenkapitalanforderungen anbelangt, „wird Gold wieder als wichtiger Vermögenswert mit einbezogen werden“, so Grubb.

Sollte man zuschlagen, solange der Goldpreis vor sich hindümpelt?

Die Marktexperten haben in jüngster Zeit ja viel darüber diskutiert, wo die Reise für Gold hingehen wird. Ich sage den Investoren immer, dass, will man sich Vorteile verschaffen, man es mal mit Mathe versuchen sollte. Ähnlich wie bei den Kartenzählstrategien der Black Jack Spieler kann man nämlich auch bei Gold die historischen Trends zusammenzählen, um Umkehrpunkte zu ermitteln.

Gold scheint sich gegenwärtig an solch einem Kipppunkt zu befinden. Wenn man die Goldpreisdaten der vergangen 10 Jahre zugrunde legt und dann eine rollierende 12-Monatsrendite erstellt, sieht man, dass Gold gegenwärtig mit einer Standardabweichung von -2 Sigma ein extremes Tief erreicht hat.

Das letzte Mal, als Gold einen solchen Tiefpunkt erreicht hatte, war im August 2008. Und wie Sie in der nachfolgenden Grafik sehen können, konnte das gelbe Metall danach bedeutende Zugewinne verzeichnen.

Auch ist der Goldpreis jetzt über seinen 50- und 100-Tagesschnitt geklettert, was ein weiterer Hinweis auf eine potenzielle Stärke des Metalls ist und die Vermutung nahelegt, dass sich bei Gold gegenwärtig eine attraktive Einstiegsmöglichkeit bieten könnte.

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