Gold: Der frühe Vogel fängt den Wurm

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 27.08.2012

Im Investor Alert veröffentlicht unser Investment-Team Charts und Daten, von denen wir glauben, dass sie den Lesern einen frühzeitigen Informationsvorteil verschaffen. Und obschon sich die Märkte nicht immer so bewegen, wie wir antizipieren, kann einem das Erkennen historischer Kursmuster einen Vorsprung verschaffen, wenn man schnell genug handelt.

Vergangene Woche wurden die Goldbugs mit dem lang ersehnten Aufwärtsmomentum des gelben Metalls belohnt. Gold stieg auf rund USD 1.670 pro Unze. Nachdem es unter den 200-Tage-Schnitt gefallen war, steckte Gold mehrere Monate im Treibsand fest. Doch dank der Preissprünge von vergangener Woche kletterte Gold wieder über diesen außerordentlich wichtigen Langzeitdurchschnitt.

Bloomberg meldete am 21.08.2012, dass die Goldinvestoren jetzt so bullisch seien, wie seit neun Monaten nicht mehr. Von den 35 befragten Analysten rechneten 29 mit Preissteigerungen, während gerade einmal drei von ihnen der Auffassung waren, dass es zu Preisrückgängen kommen wird.

Es gibt eine von mir bereits veröffentlichte Grafik, die diese drei gegenüber der Goldpreisentwicklung negativ gestimmten Analysten in Goldbullen verwandeln könnte. Am 17.08.2012 wies ich darauf hin, dass die rollierende 12-Monatsrendite des gelben Metalls mit einem Wert von -2 Sigma ein extremes Tief erreicht hat. Für unser Investmentteam ist das ein Signal, dass sich die Investoren auf eine substantielle Trendwende bei der Goldpreisentwicklung gefasst machen sollten.

Eine derartige Trendwende beim Goldpreis ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, das in beide Richtungen ausschlagen kann. Der oben stehende Oszillator weist nämlich auch darauf hin, wenn Gold zu stark gestiegen ist und man mit Preisrücksetzern rechnen sollte. Wenn wir uns den letzten „Höhepunkt“ anschauen, wo Gold auf über 2 Sigma stieg, sehen wir, dass dieser Chart ein eindringliches Warnsignal aussandte, dass eine Korrektur beim Goldpreis überfällig war.

Im August letzten Jahres, als der Goldpreis neue Allzeithochs erreichte, erinnerte ich die Investoren daran, dass es völlig normal wäre, wenn Gold um 10% fiele. Ja ich war sogar der Auffassung, dass eine Goldkorrektur für die Märkte vorteilhaft wäre, da die kurzfristigen Spekulanten dadurch aus dem Markt getrieben würden, während die langfristigen Entwicklungsaussichten weiterhin intakt blieben.

Seit der letzten Kurskorrektur konnte Gold nicht mehr auf seine Allzeithochs klettern, doch das Gold/Rohöl-Verhältnis von Stifel Nicolaus legt nahe, dass Gold auf USD 1.900 pro Unze steigt. Laut Stifel’s Untersuchungen neigt das Gold/Öl-Verhältnis (der Preis für Brent) historisch gesehen dazu, um die Marke von 1:16,5 zu pendeln.

Mit anderen Worten: Eine Unze des gelben Metalls kostet in der Regel rund 16,5 Mal mehr als ein Barrel Rohöl. Und da Brent vergangene Woche bei rund USD 116 pro Barrel lag, legt dies einen Goldpreis in Höhe von USD 1.900 pro Unze nahe.

Die langfristigen Fundamentaldaten von Gold sind nach wie vor grundsolide. Im März dieses Jahres schrieb Ian McAvity:

„Das extreme Verhalten der großen Zentralbanken und die absurden Risk-on/Risk-off Liquiditätsbewegungen in allen Märkten – die durch diese Liquiditätsinjektionen angeheizt werden, die sich über die Märkte ergießen, anstatt irgendwelche Teile der Wirtschaft zu erreichen – sind erschreckend … und der bullischste Treibstoff, den man auf den Goldmarkt werfen könnte.“

Und die Liquidität fließt immer noch, da die Zentralbanker ihren massiven weltweiten geldpolitischen Lockerungszyklus auch diesen Sommer über aufrecht erhielten. McAvity ist der Auffassung, dass die „Goldpreisvolatilität eher eine Reflektion des US-Dollars und des Euros und des Irrsinns einer Vermögensblase ist. Gold wird auf der anderen Seite des Ufers als letzter Überlebender übrig bleiben.“

Und selbst der goldaffine Handel – die Goldkäufe in China und Indien – ist nicht vorbei, obwohl die jüngst vom World Gold Council veröffentlichten Endergebnisse des zweiten Quartals dieses Jahres eher schwach gewesen sind.

In der jüngsten Ausgabe von Greed & Fear schrieb Christopher Wood von CLSA, dass die Medien im Hinblick auf die chinesische Goldnachfrage überreagiert hätten. Von Juni 2011 bis Juni 2012 belief sich die chinesische Goldnachfrage auf fast 800 Tonnen. Das Land würde, so Wood, also „immer noch jede Menge Gold kaufen.“

Und was die Goldnachfrage Indiens anbelangt, ist seinem Team zu Ohren gekommen, dass die Menschen das Gold mit Bargeld bezahlen, um die höheren Abgaben zu vermeiden. „Und im Ergebnis werden diese Bargeld-Goldkäufe von den offiziellen Daten nicht erfasst“, so Wood.

Zu all diesen Aspekten kommt auch noch hinzu, dass wir gegenwärtig eine neue und stetig wachsende Goldnachfrage der Zentralbanken zu verzeichnen haben. Wood fasst es für die Investoren dann auch recht treffend zusammen: „Die Schlussfolgerung für Investoren ist verblüffend einfach: Halten Sie weiterhin Gold.“

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