Finanzdebakel: Steht uns dieses Jahr noch ein Aktienmarkt-Crash bevor?

Es gibt jede Menge Warnhinweise, die darauf hindeuten, dass dieser Herbst für die Finanzmärkte eine außerordentlich turbulente Zeit werden könnte. Sie können diese Hinweise allesamt ignorieren, aber Sie tun dies auf Ihr eigenes Risiko

Michael Snyder, The Economic Collapse, 29.08.2012

Kommt es in 2012 noch zu einem Aktienmarkt-Crash? Stehen wir am Rande eines immensen Finanzchaos globalen Ausmaßes?

Nun ja, auf alle Fälle befinden wir uns jetzt in einer Phase des Jahres, wo die Investoren beginnen, nervös zu werden. Wir wissen ja alle, was im Herbst 1929, im Herbst 1987 und im Herbst 2008 geschah. Dennoch ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass es nicht jeden Herbst zu einem Aktienmarkt-Crash kommt.

Es gibt Jahre, da segelt der Aktienmarkt ohne irgendwelche Probleme durch die Monate September, Oktober, November und Dezember. Doch dieses Jahr scheinen sich die Rahmenbedingungen für einen „perfekten Sturm“ zusammenzubrauen.

Die technischen Indikatoren schreien förmlich danach, dass ein Rückgang des Aktienmarkts unmittelbar bevorsteht, und es gibt Quellen in der Finanzbranche, die davor warnen, dass uns eine massive Krise bevorsteht.

Was Sie im Folgenden lesen werden, sollte Ihnen als Warnhinweis dienen. Es ist aber keine Garantie, dass irgendetwas passieren wird. Wenn Bernanke am Freitag auf dem Gipfel in Jackson Hole seine Rede halten wird, könnte er der Welt auch mitteilen, dass die Federal Reserve sich dazu entschieden hat, die dritte Runde der quantitativen Lockerung zu starten, und damit beginnen wird, Billionen an neuen Dollars zu drucken.

Sollte das passieren, würden die Finanzmärkte natürlich jubeln. Es ist also immer eine gefährliche Angelegenheit, wenn jemand versucht, Ihnen zu erklären, dass in der Finanzwelt etwas „auf Garantie“ passieren wird. In Wirklichkeit haben wir es mit einer Vielzahl sich ständig verändernder Faktoren zu tun.

Sollten die weltweiten Regierungen oder Zentralbanken jedoch keine bedeutende Intervention einleiten, könnte sich in diesem Herbst rasch eine bedeutende Finanzkrise entwickeln. Die Bedingungen für einen Zusammenbruch des Aktienmarkts sind jedenfalls gegeben, und es könnte ohne weiteres zu einer Wiederholung der Ereignisse des Jahres 2008 kommen.

Die Wahrheit ist, dass die zweite Hälfte des Jahres 2012 mit jedem Tag, der verstreicht, mehr und mehr der zweiten Hälfte des Jahres 2008 ähnelt. Bob Janjua von Nomura Securities schrieb:

„Basierend auf den Gründen, die wir bereits eingangs aufgeführt haben und über die ich in meinen zwei vorangegangenen Mitteilungen berichtet habe, gehe ich davon aus, dass der S&P 500 Index während der Monate August bis November von rund 1.400 Punkten auf 1.100 bis 1.000 Punkte absinken wird.

Mit anderen Worten: Ich rechne für die nächsten vier Monate damit, dass die weltweiten Aktienmärkte, ausgehend von ihren jetzigen Niveaus, um 20% bis 25% zurückgehen und dann nahe oder unterhalb der Tiefs des Jahres 2011 notieren werden! Die US-Aktienmärkte und Teile der Märkte der Schwellenländer werden sich schlechter entwickeln als die Aktienmärkte der Eurozone, bei denen es ohnehin bereits kaum noch Hoffnung gibt.“

Es gibt weitere ähnliche Warnungen. Beispielsweise erklärten Analysten der Bank of America vor wenigen Tagen:

„Unsere Strategen rechnen für die nächsten drei bis sechs Monate mit einer ungewöhnlich hohen Zahl an makroökonomischen Auslösern, die die Märkte nach unten senden könnten. Wir rechnen damit, dass das [US-]Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte in Erwartung des finanzpolitischen Kliffs enttäuschend ausfallen wird. Dies würde jedwede aus der sich verschärfenden Rezession in Europa resultierende Abschwächung noch verstärken und das Wachstum in den Schwellenmärkten verlangsamen.

Darüber hinaus gibt es anhaltende Spannungen im Nahen Osten, das Potenzial einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA und immer stärkere Abwärtskorrekturen bei den Prognosen der Analysten. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, ist September im Hinblick auf die Aktienpreisentwicklung der schwächste Monat des Jahres.“

Bezüglich des Zeitraums September bis Dezember hat es bisher ungewöhnlich viele Gerüchte gegeben. Das könnte etwas bedeuten, muss es aber nicht. Auf alle Fälle ist es außerordentlich interessant, mitzuverfolgen, was einige der Top-Insider der Finanzwelt gegenwärtig mit ihren Aktien machen.

Dennis Gartman, der Herausgeber des Gartman Letter, hat bereits all seine Aktien abgestoßen. Und wie ich vor ein paar Tagen berichtet habe, hat auch George Soros all seine Aktieninvestments bei den Bankengiganten JPMorgan, Citigroup und Goldman Sachs abgestoßen.

Sind diese Leute einfach nur paranoid oder wissen sie etwas, von dem wir keine Ahnung haben?

Wer in den USA nach dem nächsten „Lehman Brothers Moment“ Ausschau hält, sollte sich vielleicht mal Morgan Stanley anschauen. Morgan Stanley war massiv in den Börsengang von Facebook involviert. Die Kreditwürdigkeit dieser Finanzinstitution ist dieses Jahr bereits herabgestuft worden. Es gibt anhaltende Gerüchte, dass sich Morgan Stanley in massiven Schwierigkeiten befindet und man die Pleite dieser Bank zulassen wird. Sie können sich einige dieser Gerüchte ja selbst durchlesen.

Ich habe jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass das Zentrum der kommenden Krise in Europa liegen wird – eine Einschätzung, der auch viele Analysten beipflichten. Doug Casey, der Vorsitzende von Casey Research, erklärte dazu jüngst in einem Interview:

„Europa ist den USA dabei schon ein ganzes Stück voraus. Die Staaten der Eurozone sind bankrott wie auch ihre Banken. Sie sind aktuell wie eine Gruppe Betrunkener an der Straßenecke, die sich gegenseitig stützen. Der Zustand Europas ist viel schlimmer als der der USA. Europa ist stark reguliert, hoch besteuert und sozial viel instabiler.

Europa wird das Epizentrum des kommenden Sturms sein. Japan wartet auf seinen Auftritt, wie auch China. Es wird sich zu einem weltweiten Phänomen ausweiten. Natürlich werden auch die USA dran sein. Es wird ja überall auf der Welt passieren.“

Weite Teile Südeuropas haben es bereits mit depressionsähnlichen Zuständen zu tun. Die Arbeitslosenrate in Griechenland und Spanien liegt weit über 20% und beide Wirtschaften schrumpfen gerade.

Die Geldflucht aus den spanischen Banken findet zurzeit in einer beispiellosen Rate statt. Dafür brauchen Sie sich nur diese Charts hier anzusehen. Das Einzige, was das spanische Bankensystem gegenwärtig noch vor dem vollständigen Zusammenbruch bewahrt, sind die Interventionen von Außen.

Fakt ist, dass sich ganz Europa in massiven Schwierigkeiten befindet. Selbst deutsche Firmen fangen nun damit an, Stellen zu streichen. Beispielsweise wurde gemeldet, dass Siemens aufgrund einer sich abschwächenden Wirtschaft tausende Arbeitsplätze streichen will. Laut der deutschen Börsen-Zeitung, die sich dabei auf interne Quellen des Unternehmens beruft, soll eine endgültige Entscheidung über die Stellenstreichungen Ende dieses Jahres fallen.

Wir befinden uns in der größten Schuldenblase in der Geschichte der Menschheit, und irgendwann wird der Punkt kommen, wo diese Blase auf eine sehr, sehr hässliche Art platzen wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Menschen begreifen, dass unser jetziges System nicht einmal ansatzweise überlebensfähig ist.

Genau zu wissen, wann der Zusammenbruch eintritt, ist nur halb so wichtig, wie zu begreifen, dass der Zusammenbruch unvermeidlich ist.

Nach meinem Dafürhalten dürfte das, was Richard Duncan, ein Ökonom der Weltbank, jüngst zu sagen hatte, recht hilfreich sein:

„Die Explosion bei den Krediten hat das Wirtschaftswachstum in den USA und der ganzen Welt angeheizt, und sie ist zurzeit das Einzige, was uns noch vor einem Absturz in eine Schulden/Deflations-Spirale bewahrt … Meiner Meinung nach muss jeder begreifen, dass die Art der Wirtschaft, die wir gegenwärtig haben, mit Kapitalismus nichts zu tun hat.

Die heutige Wirtschaft hat nur sehr wenig mit Kapitalismus gemein. Beim Kapitalismus handelte es sich um ein Wirtschaftssystem, in welchem die Regierung nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte … Unter dem Kapitalismus war Gold Geld und die Regierung hatte überhaupt nichts damit zu tun. Heute schafft die Zentralbank des Geld und manipuliert seinen Wert.“

Damit liegt er absolut richtig. Wir haben es hier nicht mit einem Versagen des Kapitalismus zu tun. Was wir zurzeit beobachten können, ist das Scheitern des schuldenbasierten Zentralbankwesens. Und falls Sie der Auffassung sein sollten, dass die weltweiten Eliten nicht wissen, was sich hier gerade abspielt, dann haben Sie der Thematik einfach noch nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Den ganzen Sommer über haben die Eliten alles daran gesetzt, um sich entsprechend vorzubereiten. Entweder werden sie langsam paranoid oder sie wissen von Dingen, von denen wir keine Ahnung haben. Wenn Sie wissen wollen, was die weltweite Elite in jüngster Zeit getrieben haben, lesen Sie doch einfach die nachfolgenden drei Artikel, die ich vor kurzem veröffentlicht habe:

Falls Sie darauf warten, dass Ihnen in den Abendnachrichten erklärt wird, was Sie tun sollen, dann haben Sie überhaupt nichts begriffen. Hat Sie von den Massenmedien irgendjemand vor den Ereignissen des Jahres 2008 gewarnt? Natürlich nicht!

Und auch die „Behörden“ beharrten die ganze Zeit über darauf, dass alles in bester Ordnung sei, während viele Durchschnittsamerikaner finanziell vernichtet wurden. Sie sollten also besser nicht davon ausgehen, dass jemand so nett ist und Sie darüber in Kenntnis setzt, dass sich Ihre Rentenersparnisse demnächst in Luft auflösen werden.

In der heutigen Zeit gibt es nichts Wichtigeres, als zu lernen, wie man eigenständig denkt. Die Politiker werden Sie nicht retten. Das System schert sich überhaupt nicht um Sie! Es interessiert niemanden, wenn Ihre gesamte Finanzplanung auf den Kopf gestellt wird. Es ist eine kalte und grausame Welt, und man muss begreifen, nach welchen Spielregeln gespielt wird.

Die Finanzinsider sind nur auf ihre eigenen Interessen bedacht, und die meisten von ihnen sind in der Regel auch in der Lage, sich vor den Auswirkungen einer Finanzkatastrophe zu schützen. Der Durchschnittsbürger wie Sie und ich hat gewöhnlich jedoch nicht so viel Glück.

Es gibt jede Menge Warnhinweise, die darauf hindeuten, dass dieser Herbst für die Finanzmärkte eine außerordentlich turbulente Zeit werden könnte. Sie können diese Hinweise allesamt ignorieren, aber Sie tun dies auf Ihr eigenes Risiko.

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